Parkinson-Krankheit: Aktuelle Forschung und vielversprechende Therapieansätze

Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit. In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an Parkinson, was sie zur zweithäufigsten neurodegenerativen Erkrankung nach Alzheimer macht. Die Forschung arbeitet intensiv an neuen Medikamenten und Therapieansätzen, um die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Epidemiologie und Prognose

Die Zahl der Parkinson-Fälle wird in den kommenden Jahrzehnten drastisch steigen. Waren vor einigen Jahren weltweit noch rund zwölf Millionen Menschen von dieser neurologischen Erkrankung betroffen, werden es einer aktuellen Studie zufolge im Jahr 2050 mehr als 25 Millionen sein. Für Deutschland prognostizieren Experten im gleichen Zeitraum einen Anstieg um fast 40 Prozent bis auf 574.000 Fälle. Es gibt keine andere Krankheit, bei der die Zahl der Patienten dermaßen steil steigt. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer bis 2040 weltweit nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache sein werden.

Ursachenforschung

Parkinson entsteht durch einen Mangel an Dopamin im Gehirn, der durch das Absterben von Nervenzellen verursacht wird, die diesen Botenstoff produzieren. Dies führt zu Muskelzittern und hemmt die Beweglichkeit. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischen, Umwelt- und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt.

Genetische Faktoren

Mutationen in bestimmten Genen, wie SNCA, LRRK2, Parkin, PINK1 und GBA1, stehen im Fokus der Forschung. Die Identifikation genetischer Risikofaktoren ermöglicht die Entwicklung von Biomarkern zur Früherkennung und ebnet den Weg für innovative gentherapeutische Ansätze.

Umweltfaktoren

Umweltbelastungen wie Pestizide und Schwermetalle werden als mögliche Ursachen diskutiert. Studien haben gezeigt, dass Landwirte und Winzer, die regelmäßig Pestizide verwenden, ein höheres Risiko haben, an Parkinson zu erkranken.

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Lebensstilfaktoren

Ein gesunder Lebensstil kann möglicherweise vor Parkinson schützen. Mehr Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit und der Ausbau spezialisierter Zentren sind wünschenswert.

Aktuelle Therapieansätze

Medikamentöse Behandlung

Parkinson lässt sich mit Medikamenten behandeln, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Allerdings verlieren diese Mittel mit der Zeit an Wirkung. Daher wird intensiv an neuen Medikamenten geforscht.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten

Eine französische Studie untersuchte einen Wirkstoff zur Diabetes-Behandlung, der möglicherweise auch bei Parkinson hilft. An der Studie nahmen 156 Probanden mit leichtem bis mittelschwerem Parkinson teil. Die Hälfte bekam das Diabetesmittel, die andere Hälfte ein Placebo. Alle schluckten außerdem weiter ihre Standardmedikamente. Nach einem Jahr hatte sich die Parkinson-Erkrankung in der Placebogruppe verschlechtert. GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) haben neuroprotektive Wirkungen. Der GLP-1-RA Exenatid hat in einer Phase-3-Studie keine signifikanten Vorteile hinsichtlich einer Krankheitsmodifikation bei Morbus Parkinson gezeigt. Multizentrische klinische Studien hätten ergeben, dass der GLP-1-RA Lixisenatid das Fortschreiten der Parkinson-Symptome in einem geringen, aber statistisch signifikanten Umfang verlangsame.

Prasinezumab

Der monoklonale Antikörper Prasinezumab richtet sich gegen Alpha-Synuclein. Die Hoffnung ist, dass das das Fortschreiten der Erkrankung bremst. Bislang seien die Studienergebnisse zu Prasinezumab vielversprechend. Derzeit werde überlegt, ob eine Phase-3-Zulassungstudie geplant werde.

Tiefe Hirnstimulation

Alternativ oder ergänzend zur Dopaminersatztherapie können auch die Gehirnnetzwerke der Bewegungssteuerung direkt stimuliert werden. Dieses Verfahren nennt man tiefe Hirnstimulation. In einem neurochirurgischen Eingriff werden Sonden im Gehirn platziert, die über ein implantiertes Schrittmachersystem mittels schwacher elektrischer Impulse die Nervensignale der Bewegungssteuerung regulieren.

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Neuroprothesen

Ein französischer Parkinson-Patient kann jetzt dank einer neuartigen Neuroprothese zum ersten Mal seit Jahren wieder weitgehend normal laufen. Eine Chirurgin in Lausanne hat dem Mann mehrere kleine Pulsgeber direkt am Rückenmark implantiert, und zwar genau an den Stellen, an denen die Nervensignale für die Beinbewegungen abgehen. Das Forschungsteam hat diese Information durch elektrische Signale korrigiert. Dieses Jahr sollen weitere Menschen mit Parkinson in Lausanne behandelt werden.

Nicht-motorische Symptome und ihre Behandlung

Neben dem Zittern und den Bewegungsstörungen gibt es weitere häufige Probleme bei Parkinson, die oft übersehen werden. Dazu gehören niedriger Blutdruck, Verstopfung, Schwierigkeiten mit der Blase und Sprach- oder Schluckstörungen. Diese Symptome erfordern zusätzliche Behandlungen anderer Neurotransmittersysteme, wie z.B. Serotonin, Acetylcholin oder Noradrenalin, um die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern.

Bedeutung von Bewegung und Ernährung

Parkinson lässt sich auch mit Bewegung und Ernährung positiv beeinflussen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Ausdauersport dem Abbau von körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei Menschen mit Parkinson entgegenwirkt. Wer an Parkinson leidet, könnte auch von spezieller Physiotherapie und kognitiven Übungen profitieren.

Neue Erkenntnisse über die Rolle von Bakterien

Aktuelle Studien legen nahe, dass ein bekanntes Kariesbakterium, Streptococcus mutans, mit Parkinson in Verbindung stehen könnte. Menschen mit Parkinson weisen häufig eine andere Zusammensetzung der Darmflora auf als Gesunde. Bei Parkinson-Erkrankten fanden die Forscher erhöhte Mengen dieses Keims im Darm. Gleichzeitig stiegen die Konzentrationen bestimmter Stoffwechselprodukte im Blut und im Darm deutlich an. Besonders relevant ist ein Stoff namens Imidazolpropionat. Er entsteht, wenn das Bakterium eine bestimmte Aminosäure abbaut. Der Stoff gelangt aus dem Darm in den Blutkreislauf und weiter ins Gehirn. Dort trifft er auf Nervenzellen, die Dopamin produzieren. Genau diese Zellen sterben bei Parkinson früh ab.

Früherkennung und Biomarker

Mit Biomarkern und einem neuen Bluttest soll es möglich sein, Vorhersagen über eine bevorstehende Erkrankung zu treffen, was eine frühzeitige Gentherapie ermöglicht. Die verlässliche Identifikation krankheitsauslösender Proteine im Nervenwasser, im Blut oder in der Haut könnte einen Durchbruch bedeuten. Alpha-Synuclein in der Rückenmarksflüssigkeit ist ein zuverlässiger früher Biomarker für Parkinson, der über das Fortschreiten der Erkrankung und die Wirkung einer Therapie Aufschluss geben kann.

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Multidisziplinäre Versorgung

Die individuelle und ganzheitliche Behandlung erfordert eine enge Kooperation von Fachdisziplinen wie Neurologie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie und Pflege. Die koordinierte Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen kann die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessern.

Die Rolle der Parkinson Stiftung

Die Parkinson Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Parkinson-Forschung auszubauen und zu fördern. Sie engagiert sich in den Bereichen „Forschen. Informieren. Betroffenen helfen“. Die Stiftung setzt sich im Austausch mit Wissenschaftler:innen weltweit für neue Therapien ein, die nicht nur Symptome lindern, sondern die Krankheit verlangsamen oder heilen können. Dadurch soll die Lebensqualität der Betroffenen weiter verbessert werden.

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