Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Migräne kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu Arbeitsunfähigkeit führen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsansätze, darunter auch Neurofeedback. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Forschungslage zu Neurofeedback bei Migräne.
Was ist Neurofeedback?
Neurofeedback ist eine nicht-invasive Methode, bei der die Gehirnaktivität in Echtzeit gemessen und dem Patienten zurückgemeldet wird. Ziel ist es, dem Patienten zu helfen, seine Gehirnaktivität bewusst zu beeinflussen und somit bestimmte Symptome zu reduzieren. Neurofeedback basiert auf den Prinzipien der operanten Konditionierung. Der Patient lernt durch positive oder negative Rückmeldungen, bestimmte Gehirnwellenmuster zu verstärken oder zu reduzieren.
Neurofeedback-Techniken
Es gibt verschiedene Neurofeedback-Techniken, die sich in den gemessenen Gehirnwellen und den verwendeten Frequenzen unterscheiden. Einige der häufigsten Techniken sind:
- EEG-Neurofeedback: Diese Technik misst die elektrische Aktivität des Gehirns mithilfe von Elektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden.
- Infra-Low Frequency Neurofeedback (ILF-Neurofeedback): Diese spezielle Form des Neurofeedbacks zielt auf sehr langsame Gehirnwellen ab.
- Hämoenzephalographie (HEG): HEG misst die Durchblutung des Gehirns.
Studienlage zu Neurofeedback bei Migräne
Die Forschung zu Neurofeedback bei Migräne ist vielversprechend, obwohl weitere Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit und die zugrunde liegenden Mechanismen vollständig zu verstehen. Viele Studien deuten darauf hin, dass Neurofeedback die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann.
Klinische und psychologische Bestätigung der stabilisierenden Wirkung von Neurofeedback bei Migräne
Eine Studie von Dobrushina, Arina, Osina & Aziatskaya (2017) lieferte klinische und psychologische Hinweise auf die stabilisierende Wirkung von Neurofeedback bei Migräne.
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Infra-Low Frequency Neurofeedback (ILF-Neurofeedback)
Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von ILF-Neurofeedback bei verschiedenen neurologischen und psychischen Erkrankungen untersucht, darunter auch Migräne.
- Arina et al. (2022) führten eine Cross-Over-Sham-kontrollierte Studie zu ILF-Neurofeedback bei Spannungskopfschmerzen durch.
- Legarda, Michas-Martin und McDermott (2022) berichteten über die erfolgreiche Anwendung von Infralow Frequency Neuromodulation zur Behandlung von hartnäckigen Kopfschmerzen.
Neurofeedback und Gehirnprozesse
Eine Studie in Kooperation mit der Universität Würzburg untersucht den möglichen Einsatz von Neurofeedback zur Unterstützung der Migränebehandlung. Zu diesem Zweck finden hochauflösende EEG-Messungen an Personen mit und ohne Migräne statt, um die Gehirnprozesse zu identifizieren, die am Vermeidungsverhalten von Menschen mit Migräne beteiligt sind, und das beste Stimulationsziel für eine Neurofeedback-Modulation auszuwählen. Dadurch sollen die Betroffenen ein ausgeglichenes und bewusstes Verhalten zu den individuellen Auslösern ihrer Migräne erlangen.
Meta-Analysen und systematische Reviews
- Eine Meta-Analyse von Martin et al. untersuchte die Wirksamkeit von Biofeedback bei Migräne.
- Bazzana, Finzi, Di Fini und Veglia (2022) führten einen systematischen Review zu Infra-Low Frequency Neurofeedback durch.
Weitere relevante Studien
- Carlson & Ross (2021) untersuchten die Auswirkungen von Neurofeedback auf chronische Kopfschmerzen, Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen bei Veteranen mit leichter traumatischer Hirnverletzung.
- Kolbe, Eberhardt, Leinberger und Hinterberger befassten sich mit Biofeedback bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp.
- Weise, Heinecke und Rief untersuchten die Wirksamkeit von Biofeedback bei Tinnitus.
Wie Neurofeedback bei Migräne wirken kann
Es wird vermutet, dass Neurofeedback bei Migräne auf verschiedene Weisen wirken kann:
- Regulation der Gehirnaktivität: Neurofeedback kann helfen, die übermäßige oder unregelmäßige Gehirnaktivität, die mit Migräne in Verbindung gebracht wird, zu normalisieren.
- Erhöhung der Selbstwirksamkeit: Neurofeedback kann den Patienten das Gefühl geben, mehr Kontrolle über ihre Symptome zu haben, was zu einer höheren Selbstwirksamkeit und einem besseren Umgang mit Migräne führen kann.
- Reduktion von Stress und Anspannung: Neurofeedback kann helfen, Stress und Anspannung abzubauen, die als Auslöser für Migräneattacken bekannt sind.
Vorteile von Neurofeedback
Neurofeedback bietet im Vergleich zu anderen Behandlungsansätzen einige potenzielle Vorteile:
- Nicht-invasiv: Neurofeedback ist eine nicht-invasive Methode, die keine Medikamente oder Operationen erfordert.
- Weniger Nebenwirkungen: Im Vergleich zu Medikamenten hat Neurofeedback in der Regel weniger Nebenwirkungen.
- Langfristige Wirkung: Neurofeedback kann zu langfristigen Verbesserungen führen, da die Patienten lernen, ihre Gehirnaktivität selbstständig zu regulieren.
Limitationen und zukünftige Forschung
Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, gibt es auch einige Limitationen bei der Forschung zu Neurofeedback bei Migräne:
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- Kleine Stichprobengrößen: Viele Studien haben kleine Stichprobengrößen, was die Aussagekraft der Ergebnisse einschränken kann.
- Mangel an Kontrollgruppen: Einige Studien haben keine oder unzureichende Kontrollgruppen, was es schwierig macht, die Wirksamkeit von Neurofeedback zu beurteilen.
- Heterogenität der Studien: Die Studien unterscheiden sich in Bezug auf die verwendeten Neurofeedback-Techniken, die Behandlungsprotokolle und die gemessenen Ergebnisse, was die Vergleichbarkeit erschwert.
Zukünftige Forschung sollte sich auf folgende Aspekte konzentrieren:
- Größere, randomisierte, kontrollierte Studien: Um die Wirksamkeit von Neurofeedback bei Migräne eindeutig nachzuweisen, sind größere, randomisierte, kontrollierte Studien erforderlich.
- Vergleich verschiedener Neurofeedback-Techniken: Es ist wichtig, die Wirksamkeit verschiedener Neurofeedback-Techniken bei Migräne zu vergleichen, um die optimale Methode zu identifizieren.
- Untersuchung der zugrunde liegenden Mechanismen: Weitere Forschung ist erforderlich, um die Mechanismen zu verstehen, durch die Neurofeedback bei Migräne wirkt.
- Personalisierte Behandlung: Zukünftig könnte Neurofeedback personalisierter eingesetzt werden, indem die Behandlungsprotokolle an die individuellen Bedürfnisse und Gehirnaktivitätsmuster der Patienten angepasst werden.
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