Die Suche nach der passenden Verhütungsmethode kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere für Frauen, die unter Migräne leiden. Hormonelle Verhütungsmittel, wie das Implanon, können sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Migräne haben, insbesondere auf Migräne mit Aura. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Frauen mit Implanon und Migräne mit Aura und stellt alternative Verhütungsmethoden vor.
Hormonelle Verhütung: Ein Überblick
Hormonelle Verhütungsmethoden sind weit verbreitet und umfassen verschiedene Optionen, darunter:
- Kombinationspillen (KOK): Diese Pillen enthalten sowohl Östrogen als auch Gestagen. Sie hemmen die Eizellreifung, den Ei- und Samenzellentransport, stabilisieren die Gebärmutterschleimhaut und machen den Gebärmutterhalsschleim undurchdringlich. Es gibt Varianten mit naturnahem Östrogen, um beispielsweise die Bildung von Zysten zu hemmen. Allerdings erhöhen sie das Thrombose- und Schlaganfallrisiko und können zu Libidoverlust, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen führen.
- Minipille: Diese Pille enthält nur das Gelbkörperhormon Desogestrel, welches den Eisprung sowie den Samen- und Eizellentransport hemmt und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut reduziert. Die Einnahme erfordert Disziplin und Pünktlichkeit, und es kann zu Blutungen bei ungenauer Einnahme kommen. Einige Frauen klagen über Brustspannen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder sexuelle Unlust.
- Verhütungsring: Dieser Ring wird vaginal eingeführt und verbleibt dort für drei Wochen. Er enthält Etongestrel (Gelbkörperhormon) und Östrogen, die über die Schleimhaut aufgenommen werden. Die Wirkung ist analog zur Kombinationspille.
- Verhütungspflaster: Dieses Pflaster enthält ebenfalls eine Kombination aus zwei Hormonen und wirkt ähnlich wie die Kombinationspille. Es bietet den Vorteil weniger Anwenderfehler.
- Implanon (Verhütungsstäbchen): Das Implanon enthält das gleiche Gestagen wie die Cerazette® (Desogestrel) und gewährleistet über drei Jahre eine sichere östrogenfreie Verhütung.
Migräne und hormonelle Verhütung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Bei etwa einem Drittel der Migränepatienten treten vor oder während der Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Diese können sich in Form von Sehstörungen, Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen äußern.
Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Viele Frauen berichten über einen Zusammenhang zwischen ihrem Menstruationszyklus und dem Auftreten von Migräneattacken. Studien haben gezeigt, dass mehr als 50 % der Frauen mit Migräne über einen solchen Zusammenhang berichten. Die Prävalenz der reinen menstruellen Migräne ohne Aura schwankt zwischen 7 % und 14 % bei Migränepatientinnen, während die Prävalenz der menstruationsbedingten Migräne ohne Aura zwischen 10 % und 71 % bei Migränepatientinnen variiert. Etwa eine von drei bis fünf Migränepatientinnen hat im Zusammenhang mit der Menstruation eine Migräneattacke ohne Aura.
Die Mechanismen, die hinter diesem Zusammenhang stehen, sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es wird vermutet, dass hormonelle Veränderungen, insbesondere der Abfall des Östrogenspiegels vor der Menstruation, eine Rolle spielen.
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Implanon und Migräne mit Aura: Erfahrungen
Die Erfahrungen von Frauen mit Implanon und Migräne mit Aura sind unterschiedlich. Einige Frauen berichten von einer Besserung ihrer Migräneattacken, während andere eine Verschlechterung feststellen. Einige Frauen berichten von neuen oder verstärkten Kopfschmerzen nach dem Einsetzen des Implanons. Da Implanon ein Gestagen-Monopräparat ist, wird es oft als eine sicherere Option für Frauen mit Migräne mit Aura angesehen, da Kombinationspräparate mit Östrogen das Risiko für Schlaganfälle erhöhen können.
Es gibt Hinweise darauf, dass zumindest bei einigen Frauen menstruelle Migräneattacken durch einen Estrogenentzug ausgelöst werden können, auch wenn möglicherweise andere hormonelle oder biochemische Veränderungen zu diesem Zeitpunkt des Zyklus ebenfalls relevant sein können. Wenn eine rein menstruelle Migräne oder menstruationsassoziierte Migräne mit einem exogenen Estrogenentzug in Zusammenhang stehen, sollten beide Diagnosen, rein menstruelle Migräne ohne Aura bzw. menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura und Estrogenentzugskopfschmerz vergeben werden.
Alternativen zum Implanon bei Migräne mit Aura
Für Frauen mit Migräne mit Aura, die das Implanon nicht vertragen oder eine andere Verhütungsmethode suchen, gibt es verschiedene Alternativen:
- Gestagen-Monopräparate: Neben dem Implanon gibt es auch andere Gestagen-Monopräparate, wie die Cerazette® (Desogestrel-Pille), die eine östrogenfreie Verhütung ermöglichen. Diese können eine Option für Frauen sein, die Östrogene nicht vertragen oder bei denen Östrogene kontraindiziert sind.
- Hormonspirale: Die Hormonspirale setzt kontinuierlich eine geringe Menge Gestagen frei und kann die Menstruationsblutung reduzieren oder sogar ganz unterdrücken. Dies kann für Frauen mit menstruell assoziierter Migräne von Vorteil sein. Allerdings ist die Hormonspirale nicht für alle Jugendlichen geeignet, da nicht immer kleinere Größen verfügbar sind.
- Kupferspirale: Die Kupferspirale ist eine hormonfreie Verhütungsmethode, die in die Gebärmutter eingesetzt wird. Sie verhindert die Befruchtung der Eizelle und bietet einen langfristigen Verhütungsschutz. Die Kupferspirale ist eine gute Alternative für Frauen, die keine Hormone einnehmen möchten oder bei denen hormonelle Verhütungsmittel kontraindiziert sind.
- Natürliche Familienplanung (NFP): Die NFP basiert auf der Beobachtung der Körperzeichen der Frau, wie z.B. der Basaltemperatur und des Zervixschleims, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Diese Methode erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Zuverlässigkeit und ist nur für wenige Frauen geeignet. In Kombination mit Kondomen kann sie jedoch eine akzeptable Verhütungsoption darstellen.
- Kondome: Kondome sind eine barriereartige Verhütungsmethode, die vor Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Sie sind eine gute Option für Frauen, die keine hormonellen Verhütungsmittel verwenden möchten oder bei denen diese kontraindiziert sind.
Weitere Aspekte bei der Wahl der Verhütungsmethode
Bei der Wahl der passenden Verhütungsmethode sollten neben den gesundheitlichen Aspekten auch die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Frau berücksichtigt werden. Faktoren wie die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, die Partnerschaftssituation, der Kinderwunsch und die persönliche Einstellung zu hormonellen Verhütungsmitteln spielen eine wichtige Rolle.
Es ist ratsam, sich von einem Arzt oder einer Ärztin ausführlich beraten zu lassen, um die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verhütungsmethoden abzuwägen und die für die individuelle Situation am besten geeignete Methode zu finden.
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Migränebehandlung in der Neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel
Für Menschen, die unter Migräne leiden, bietet die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel eine spezielle Therapie an. Die Klinik behandelt Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie andere Kopfschmerzarten und chronische Schmerzerkrankungen. Das Therapieangebot umfasst sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungen.
Um einen Aufnahmetermin zu planen, ist eine Verordnung von Krankenhausbehandlung durch den behandelnden Arzt erforderlich. Zudem müssen eine Aufnahme-Checkliste, ein Schmerzkalender und ein Schmerzfragebogen ausgefüllt und zusammen mit relevanten Arztbriefen und Röntgenbildern an die Klinik gesendet werden.
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