Eine Polyneuropathie, die sich durch Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen in Händen und Füßen äußert, kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Während klassische Schmerzmittel oft wenig Wirkung zeigen, können pflanzliche Mittel und eine angepasste Ernährung eine wertvolle Unterstützung bieten. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene natürliche Ansätze zur Linderung der Symptome und zur Förderung der Nervenregeneration.
Ursachen und Symptome der Polyneuropathie
Die Polyneuropathie entsteht durch eine Schädigung der peripheren Nerven, die für die Reizweiterleitung zuständig sind. Dies führt zu einer gestörten Wahrnehmung von Schmerz, Kälte und Hitze, sowie zu Taubheitsgefühlen und neuropathischen Schmerzen. Langfristig kann es sogar zu Lähmungen kommen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Infektionskrankheiten (z.B. Borreliose, Herpes-Viren)
- Autoimmunerkrankungen
- Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
- Vitamin-B12-Mangel
- Toxine (z.B. Alkohol, Chemotherapie)
- Chronische Niereninsuffizienz
Betroffene beschreiben oft ein Taubheitsgefühl in den Füßen, das sich ausbreitet, sowie brennende, stechende Schmerzen. Auch die Hände können betroffen sein. Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie zu beginnen.
Pflanzliche Hoffnungsträger bei Polyneuropathie
Mutterkraut: Beschleunigung der Nervenregeneration?
Forscher der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf untersuchten die Wirkung von Mutterkraut (Tanacetum parthenium) zur Behandlung von Polyneuropathie. Die Pflanze, die bereits erfolgreich bei Migräne eingesetzt wird, soll die Regeneration von geschädigten Nervenfasern beschleunigen. In einer Studie mit Mäusen, deren Ischiasnerven geschädigt waren, führte die Behandlung mit dem Wirkstoff Parthenolide aus Mutterkraut dazu, dass die Tiere ihre gelähmten Zehen schneller wieder bewegen konnten als unbehandelte Tiere. Studienleiter Dietmar Fischer betonte jedoch, dass weitere Forschungen erforderlich sind, um ein einsatzfähiges Medikament mit diesem Wirkstoff zu entwickeln.
Capsaicin: Schmerzlinderung durch Chilischoten
Capsaicin, der Wirkstoff aus Chilischoten, kann die Schmerzverarbeitung des Körpers beeinflussen. In der Phytotherapie wird Capsaicin verwendet, um die Schmerzlinderung anzuregen. Der Wirkstoff verursacht zunächst ein Brennen auf der Haut, das jedoch allmählich verschwindet. Capsaicin regt die Durchblutung an. Zur Behandlung der Polyneuropathie können Pflaster oder Salben mit Capsaicin verwendet werden. Viele Patienten setzen auf die äußere Anwendung von Capsaicin und wenden die Salbe mehrmals täglich auf den schmerzenden Bereichen an.
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Hilfe aus dem Gift des Eisenhuts: Aconitum
Die giftige Pflanze Eisenhut enthält den Wirkstoff Aconitum, der sich in der homöopathischen Behandlung von Polyneuropathie bewährt hat. Dieser Wirkstoff ist stark verdünnt in Nervenöl enthalten, das zum Einreiben der schmerzenden und kribbelnden Bereiche verwendet werden kann. Auch Tabletten mit Aconitum sind geeignet. Sie sollten dreimal täglich eingenommen werden und sind mit unterschiedlicher Dosierung des Wirkstoffs verfügbar. Aconitum ist ein potentielles Nervengift, doch kann dieser Wirkstoff als homöopathisches Mittel, stark verdünnt, Schmerzen wirksam lindern.
Weitere pflanzliche Mittel zur Schmerzlinderung
Zur Schmerzlinderung bei Polyneuropathie sind noch weitere pflanzliche Mittel geeignet. Linderung der Symptome von Polyneuropathie bringen Antioxidantien, die in der Acai-Beere, in Früchten und Blättern des Noni-Baums und in Aronia (Apfelbeere) reichlich enthalten sind. Im Stoffwechsel sorgen die Antioxidantien für ein schützendes Klima. Extrakte dieser Pflanzen und Früchte werden in Kapselform und als Säfte angeboten.
In der Phytotherapie werden zur Behandlung von Polyneuropathie auch Extrakte aus Zitterpappel, Weide oder Esche sowie aus der Echten Goldrute und aus Teufelskralle angewendet. Die Extrakte aus diesen Pflanzen können innerlich und äußerlich angewendet werden. Weidenrinde enthält Salicylsäure, die der Grundbestandteil des Schmerzmittels Aspirin ist und eine entzündungshemmende Wirkung hat. Zur inneren Anwendung kann getrocknete Weidenrinde als Tee aufgebrüht werden. Teufelskrallenwurzel enthält den Wirkstoff Harpagosid, der die Ausschüttung von Entzündungs- und Schmerzbotenstoffen hemmt. Medikamente mit Extrakten der Teufelskrallenwurzel sollten täglich eingenommen werden, da sie erst nach ein bis zwei Wochen ihre Wirkung entfalten.
Gewürze als natürliche Entzündungshemmer
Chronische Entzündungen spielen bei vielen Formen der Polyneuropathie eine Rolle. Gewürze bieten eine einfache und natürliche Möglichkeit, Entzündungen zu bekämpfen und die Gesundheit der Nerven zu unterstützen. Sie enthalten bioaktive Verbindungen wie Polyphenole, Flavonoide und ätherische Öle, die entzündungshemmend und antioxidativ wirken.
Kurkuma: Der Star unter den Gewürzen
Kurkuma, insbesondere sein Hauptwirkstoff Curcumin, ist ein starkes entzündungshemmendes Mittel. Curcumin beeinflusst Entzündungsprozesse direkt, indem es entzündungsfördernde Moleküle wie Zytokine blockiert.
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Ingwer: Schmerzlinderung und Entzündungshemmung
Ingwer enthält Gingerol und Shogaol, die nicht nur Entzündungen hemmen, sondern auch schmerzlindernd wirken. Studien belegen, dass Ingwer die entzündungsfördernden Enzyme COX-2 und LOX hemmen kann.
Zimt, Knoblauch, Chili und Rosmarin
Zimt reguliert den Blutzuckerspiegel und kann so indirekt Entzündungsprozesse eindämmen. Knoblauch wirkt durch seinen Wirkstoff Allicin antibakteriell und bekämpft Infektionen, die mit Entzündungen einhergehen können. Chili enthält Capsaicin, das die Durchblutung fördert und Schmerzsignale reduziert, während Rosmarin mit seinem hohen Gehalt an Antioxidantien das Immunsystem stärkt und entzündliche Prozesse reduziert.
Einfache Integration von Gewürzen in den Alltag
Entzündungshemmende Gewürze lassen sich leicht in die tägliche Ernährung einbauen. Beginnen Sie den Tag mit einer Tasse goldener Milch, die Kurkuma und Ingwer enthält, oder bereiten Sie einen wärmenden Ingwertee mit Zitrone und Honig zu. Verwenden Sie Kurkuma in Currys oder Suppen, während Rosmarin und Knoblauch Eintöpfe und Fleischgerichte verfeinern. Zimt passt perfekt zu Frühstücksgerichten wie Joghurt oder Haferflocken, während Chili herzhafte Snacks wie gewürzte Nüsse aufpeppt. Auch Smoothies profitieren von einem Hauch Ingwer oder Zimt.
Vorsicht und Qualität
Trotz ihrer vielen Vorteile sollten Gewürze bewusst und in der richtigen Menge verwendet werden. Zu viel von einem Gewürz kann schädlich sein. Einige Gewürze können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Gewürze aus biologischem Anbau enthalten weniger Schadstoffe und haben eine höhere Konzentration an Wirkstoffen.
Ernährungstherapie bei Polyneuropathie
Eine sinnvolle Ernährungsstrategie kann die Beschwerden einer Polyneuropathie positiv beeinflussen. Der Schwerpunkt liegt auf antioxidativen und entzündungshemmenden Lebensmitteln sowie einer ausreichenden Zufuhr von B-Vitaminen.
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Empfehlenswerte Nahrungsmittel
- B-Vitamine: Hülsenfrüchte, Vollkornbrot, Weizenkeime, Rindfleisch, Hühnchen (sorgen für gesunde Nerven und deren Regeneration)
- Antioxidantien: Karotten, Tomaten, Spinat, Brokkoli, Vollkorngetreide, Hafer, fermentierte Lebensmittel (reduzieren oxidativen Stress, wirken protektiv und entzündungshemmend)
- Omega-3-Fettsäuren: Fetter Fisch wie Lachs und Makrele, Nüsse, Lein- und Rapsöl, Avocado (unterstützen eine gesunde Nervenfunktion und sind entzündungshemmend)
Zu vermeidende Faktoren
- Alkohol und Tabak: Fördern ein Voranschreiten der Nervenschädigung
- Zucker: Besonders wichtig für Diabetiker, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden
Spezielle Hinweise für Diabetiker
Da circa 20-30 % aller Diabetiker langfristig an einer Polyneuropathie erkranken, sollte ein besonderes Augenmerk auf den Zuckerkonsum gelegt werden. Hauptziel ist es, den Diabetes und Langzeit-Blutzuckerwert optimal einzustellen, um die Entstehung von Folgeerkrankungen zu vermeiden. Mittlerweile ist bekannt, dass die Einnahme von Metformin einen Vitamin-B12-Mangel begünstigen kann. Um einer Polyneuropathie vorzubeugen, sollte deshalb auf eine Vitamin-B-reiche Ernährung geachtet werden.
Weitere Hausmittel und Therapien
Neben pflanzlichen Mitteln und einer angepassten Ernährung gibt es weitere Hausmittel und Therapien, die bei Polyneuropathie helfen können:
Wechselbäder
Wechselbäder sollen gegen verschiedene, gesundheitliche Beschwerden helfen und auch allgemein das Immunsystem stärken. Auch als Hausmittel gegen Nervenschmerzen können sie wirksam sein. Wenn Sie den Wechsel zwischen kaltem und warmem Wasser im Wannenbad aber scheuen, ist der Wechsel zwischen Eisbeutel und Wärmeauflage eine mögliche Alternative. Legen Sie dafür zunächst einen Eisbeutel auf die schmerzende Stelle und belassen ihn dort für einige Minuten, anschließend kommt ein warmer Wickel oder ein Wärmekissen dorthin. Sie können dies mehrmals im Wechsel wiederholen.
Kräuterwickel und Tees
Ein selbst gemachter Kräuterwickel mit Kümmel-Samen kann wohltuend wirken. Auch Kräutertees wie Brennnessel-Tee oder Ingwer-Tee haben entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften.
Bewegungstherapie
Eine ausreichende Bewegung im Alltag und spezielle kräftigende Übungen können die Symptome einer Polyneuropathie lindern. Sensomotorisches Training verbessert das Gleichgewicht sowie die Gangsicherheit.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit und behandelt die Polyneuropathie ganzheitlich. Die Diagnose wird mithilfe einer ausführlichen TCM-Anamnese, einer vollständigen Untersuchung, der Zungen- und der Pulsdiagnose gestellt. Anhand dieser spezifischen TCM-Diagnose wird ein Behandlungskonzept erstellt, welches je nach Notwendigkeit die Behandlung mit Akupunktur, Pharmakotherapie und Ernährungsberatung einschließt.
Chinesische Diagnose der Polyneuropathie
Aus Sicht der chinesischen Medizin ist die Hauptursache einer Polyneuropathie eine Ansammlung von Schleim (Tan). Dies kann mehrere Ursachen haben, oft ist aber eine deutliche Überlastung des Funktionskreises Magen/Milz (Pi Wei) zugrunde liegend. Dies ist sehr häufig durch eine langfristige Fehl- oder Mangelernährung bedingt.
Therapien der TCM
Zu den Therapien der Traditionellen Chinesischen Medizin zählen die Akupunktur und die Wärmebehandlung mit Moxatherapie, die Pharmakotherapie, die Ernährungstherapie und auch manuelle Therapien wie z. B. Tuina. Ergänzt wird dieses Behandlungskonzept der 5 Säulen durch vom Patienten selbstständig durchzuführende Übungen aus dem Qigong oder Taiji.
Akupunkturpunkte bei Polyneuropathie
Bei der Polyneuropathie werden häufig folgende Akupunkturpunkte genutzt (die auch von den Patienten regelmäßig zu Hause akupressiert werden können):
- Ma 36 (Zusanli)
- Ma 40 (Fenglong)
- Mi 6 (Sanyinjiao)
- Mi 9 (Yinlingquan)
- Ni 3 (Taixi)
- Le 3 (Taichong)
- Gb 34 (Yanglingquan)
- EX 10 (Bafeng)
Pharmakotherapie in der TCM
In der Traditionellen Chinesischen Medizin stellt die Behandlung mit Pharmakotherapie eine wichtige Basis dar. Hierfür werden vor allem pflanzliche Heilmittel wie z. B. Blüten und Rinden benutzt.
Ernährungsberatung in der TCM
Bei Patienten, die unter einer Polyneuropathie leiden, bietet sich eine Ernährung mit stärkenden Lebensmitteln an. Diese sollten möglichst keinen weiteren Schleim erzeugen. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass man dreimal am Tag in Ruhe isst. Hierbei sollten möglichst alle Mahlzeiten warm verzehrt werden. Vor allem ein warmes, stärkendes Frühstück wie z. B. ein Congee (chinesischer Reisbrei) oder ein Porridge sind sehr zu empfehlen. Auf kalte und zu fettige Nahrungsmittel sollte möglichst verzichtet werden. Auch Milchprodukte sind in diesem Zusammenhang zu meiden.
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