Hirntumore stellen eine komplexe und vielschichtige Gruppe von Erkrankungen dar, die in allen Altersgruppen und in verschiedenen Regionen des Gehirns auftreten können. Die Entstehung dieser Tumore wird auf die Akkumulation genetischer Veränderungen (Mutationen) zurückgeführt, die zu einem unkontrollierten Wachstum der betroffenen Zellen führen.
Arten von Hirntumoren
In der medizinischen Praxis treten Hirntumore in verschiedenen Formen auf. Primäre Hirntumore, die direkt im Gehirn und seinen Strukturen entstehen, werden von Metastasen unterschieden, die von anderen Tumorerkrankungen stammen. Zu den primären Hirntumoren gehören Gliome, Meningeome, Neurinome und ZNS-Lymphome.
- Gliome: Diese Tumore entstehen aus den Gliazellen, dem Stützgewebe des Gehirns. Das häufigste Gliom ist das Glioblastom (50 %), gefolgt von Astrozytom (ca. 30 %), Oligodendrogliom (ca. 8 %) und Ependymom (ca. 6 %). Gliome werden entsprechend ihres biologischen Verhaltens in vier Grade eingeteilt (WHO Grad 1 bis 4).
- Meningeome: Meningeome sind in der Regel langsam wachsende, gutartige Tumore, die von den Hirnhäuten ausgehen. Sie verdrängen das Hirngewebe und können dadurch eine beträchtliche Größe erreichen, bevor sie klinisch auffällig werden. Meningeome machen ca. 20 - 25 % aller Geschwülste im Schädelinneren aus.
- Neurinome (Schwannome): Hierbei handelt es sich um gutartige Tumore der Hirnnerven mit meist langsamem Wachstum. Die angrenzenden Strukturen werden verlagert und verdrängt, sodass Symptome häufig erst spät auftreten. Bösartige und schnell wachsende Tumore sind selten. Der häufigste Tumor in der hinteren Schädelgrube ist das Akustikusneurinom, das aus den Schwannschen Stützzellen des Gleichgewichtsnerven hervorgeht.
- ZNS-Lymphome: Das primäre ZNS-Lymphom ist eine seltene, hochmaligne Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, die im Gewebe des ZNS auftritt. Häufig betroffen ist dabei das Großhirn. Die Erkrankung selbst ist eher selten und zeigt sich bevorzugt bei immunsuppressiven Patienten.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt.
- Genetische Faktoren: Eine Anhäufung von genetischen Veränderungen (Mutationen) kann zu einem unkontrollierten Wachstum der Zellen führen. Einige genetische Syndrome, wie das Lynch-Syndrom und das Li-Fraumeni-Syndrom, sind mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Hirntumoren verbunden.
- Umwelteinflüsse: Die Exposition gegenüber ionisierender Strahlung, beispielsweise durch Strahlentherapie oder bestimmte Umweltfaktoren, kann das Risiko für Hirntumore erhöhen.
- Infektionen: In seltenen Fällen können auch Infektionen, wie beispielsweise ein Gehirnabszess, eine Rolle bei der Entstehung von Hirntumoren spielen. Ein Gehirnabszess entsteht, wenn Krankheitserreger ins Gehirn gelangen und eine lokale Entzündung verursachen. In vielen Fällen wandern die Keime von einem anderen Infektionsherd (z.B. Ohr, Nase, Zahnwurzel) ins Gehirn ein.
Symptome
Hirn- und Schädelbasistumore können eine Irritation der Hirnfunktion auslösen, die sich in Form von epileptischen Anfällen oder Fehlwahrnehmungen äußert, oder eine Fehlfunktion verursachen, die in Abhängigkeit von der Lage des Tumors zu unterschiedlichen neurologischen Ausfällen führt, wie Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Denkstörungen, Riechstörungen, Sehstörungen, Hörstörungen oder Gleichgewichtsstörungen. Da das Gehirn vom starren Schädelknochen umgeben ist, führt jeder Tumor früher oder später zu einer Druckerhöhung, die eine lebensbedrohliche Situation darstellen kann.
Die Symptome von Hirntumoren können vielfältig sein und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen
- Sprachstörungen
- Gleichgewichtsstörungen
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
- Wesensveränderungen
- Epileptische Anfälle
- Lähmungen
Diagnose
Die Diagnose von Hirntumoren umfasst in der Regel eine Kombination aus neurologischer Untersuchung, bildgebenden Verfahren und gegebenenfalls einer Biopsie.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologischen Funktionen des Patienten, wie z.B. মোটরische Fähigkeiten, Sensibilität, Sprache und Kognition.
- Bildgebende Verfahren: Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gehirns und kann Tumore erkennen, ihre Größe und Lage bestimmen und Informationen über ihre Beschaffenheit liefern. Auch die Computertomographie (CT) kann zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt werden, insbesondere zur Beurteilung von Knochenstrukturen.
- Biopsie: Eine Biopsie ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Tumor zur mikroskopischen Untersuchung. Sie dient zur Bestätigung der Diagnose und zur Bestimmung des Tumortyps und -grads.
Behandlung
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Tumortyp, -grad, -lage, Größe und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Zu den wichtigsten Behandlungsoptionen gehören:
- Operation: Die Operation ist oft die erste Wahl bei der Behandlung von Hirntumoren. Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. Moderne neurochirurgische Techniken, wie die Neuronavigation, das intraoperative MRI und die fluoreszenzgestützte Resektion, können die Präzision und Sicherheit der Operation verbessern.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie wird eingesetzt, um Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Sie kann nach der Operation eingesetzt werden, um verbleibende Tumorzellen zu zerstören, oder als alleinige Behandlung, wenn eine Operation nicht möglich ist.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die darauf abzielt, Tumorzellen im ganzen Körper zu zerstören. Sie wird oft in Kombination mit einer Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt, insbesondere bei aggressiven Tumoren wie dem Glioblastom.
- Immuntherapie: Die Immuntherapie ist eine relativ neue Behandlungsoption, die das körpereigene Immunsystem стимулирует, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Sie wird derzeit in klinischen Studien für die Behandlung bestimmter Hirntumoren untersucht.
Glioblastom: Eine besondere Herausforderung
Das Glioblastom ist der häufigste und aggressivste primäre Hirntumor. Aufgrund seines schnellen Wachstums und seiner Tendenz, in das umliegende Hirngewebe einzudringen, ist die Behandlung des Glioblastoms eine besondere Herausforderung.
Symptome des Glioblastoms
Die Symptome des Glioblastoms können vielfältig sein und reichen vom Ausfall motorischer Funktionen über Krampfanfälle und Veränderungen der Persönlichkeit bis hin zu Bewusstseinseintrübungen. Da sowohl das Wachstum als auch die Bildung von Ödemen einen erhöhten Hirndruck aufbauen, können körperliche Krankheitszeichen wie Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen. Selbst Symptome, welche einen Schlaganfall vermuten lassen, sind beim Wachstum des Tumors möglich.
Diagnose und Behandlung des Glioblastoms
Beim Vorliegen des Verdachts auf ein Glioblastom werden bildgebende Verfahren zur Sicherung der Diagnose eingesetzt. Dabei nimmt die Gadolinium-verstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) eine wichtige Position ein. Unter anderem können sich ein Ödem und eine ringförmige, irreguläre Kontrastmittelaufnahme in den MRT-Bildern darstellen. Mittels spezieller MRT-Sequenzen, welche beispielsweise den Durchfluss (Perfusion) bestimmen, lassen sich weitere Informationen zum Wachstum, der Abgrenzung des Tumors und dessen Infiltration in umliegendes Gewebe gewinnen.
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Aufgrund des aggressiven Wachstums muss nach der Diagnose umgehend mit der Behandlung begonnen werden. Dabei steht derzeit eine Kombination aus Resektion (chirurgischer Entfernung) und Radiochemotherapie im Vordergrund, wobei begleitend zur Strahlentherapie Temozolomid als Therapeutikum eingesetzt wird.
Innovative Therapieansätze
Die Forschung im Bereich der Glioblastom-Therapie schreitet stetig voran. Neue Therapieansätze, wie die Immuntherapie und die Entwicklung spezifischer Antikörper, die gezielt Glioblastomzellen angreifen, bieten Hoffnung auf verbesserte Behandlungsergebnisse.
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