Das Glioblastom, auch Glioblastoma multiforme genannt, ist die häufigste und aggressivste Form von Hirntumoren bei Erwachsenen. Diese Erkrankung betrifft vor allem Menschen zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr und schreitet schnell voran. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Ein Glioblastom entsteht aus den Stützzellen des Gehirns, den sogenannten Gliazellen, und kann verschiedene Symptome verursachen, je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist. Schluckstörungen (Dysphagie) können eine der vielen Herausforderungen sein, mit denen Patienten und ihre Angehörigen konfrontiert sind. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten von Schluckstörungen im Zusammenhang mit Glioblastomen.
Was ist ein Glioblastom?
Ein Glioblastom ist ein bösartiger Tumor des Hirngewebes, der sich durch schnelles Wachstum und Infiltration des umliegenden Gewebes auszeichnet. Nach der WHO-Klassifikation der Tumoren des Nervensystems entspricht das Glioblastom dem WHO-Grad IV, was bedeutet, dass es sich biologisch sehr bösartig verhält und schnell wächst. Die Ursachen für die Entstehung von Glioblastomen sind weitestgehend unbekannt, obwohl eine frühere Bestrahlung des Kopfes mit ionisierender Strahlung als gesicherter Risikofaktor gilt.
Symptome eines Glioblastoms
Die Symptome eines Glioblastoms sind vielfältig und hängen von der Größe und Lage des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Starke Kopfschmerzen, besonders nachts und morgens
- Übelkeit und Erbrechen
- Neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen
- Epileptische Anfälle
- Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche
- Wesensveränderungen
Schluckstörungen als Folge eines Glioblastoms
Schluckstörungen können auftreten, wenn der Tumor bestimmte Hirnregionen beeinträchtigt, die für die Steuerung der Schluckmuskulatur verantwortlich sind. Auch die Behandlung des Glioblastoms, wie Operationen im Mund- und Rachenbereich oder Strahlentherapie, kann zu Schluckbeschwerden führen.
Ursachen von Schluckstörungen bei Glioblastomen
Schluckstörungen bei Glioblastom-Patienten können verschiedene Ursachen haben:
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- Direkte Tumorwirkung: Der Tumor kann direkt auf Hirnareale drücken oder diese infiltrieren, die für die Steuerung der Schluckmuskulatur zuständig sind.
- Hirnödeme: Durch den Tumor bedingte Hirnödeme können den Druck im Gehirn erhöhen und die Funktion der Schluckmuskulatur beeinträchtigen.
- Neurologische Defizite: Glioblastome können neurologische Defizite wie Paresen (Teillähmungen) und Aphasien (Sprachstörungen) verursachen, die das Schlucken erschweren.
- Behandlungsbedingte Ursachen: Operationen im Kopf- und Halsbereich oder Strahlentherapie können die für das Schlucken wichtigen Muskeln und Nerven schädigen. Corticosteroide, die oft zur Behandlung von Hirnödemen eingesetzt werden, können zu Steroidmyopathie und Muskelschwäche führen, was das Schlucken zusätzlich erschweren kann.
- Allgemeine Schwäche: Durch die Erkrankung und ihre Behandlung kann es zu allgemeiner Schwäche und Fatigue kommen, was das Schlucken ebenfalls beeinträchtigen kann.
Diagnose von Schluckstörungen
Die Diagnose von Schluckstörungen erfolgt in der Regel durch eine umfassende klinische Untersuchung und verschiedene diagnostische Verfahren:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden und den zeitlichen Verlauf der Schluckstörung.
- Klinische Schluckuntersuchung: Der Arzt beobachtet den Patienten beim Schlucken verschiedener Konsistenzen und achtet auf Anzeichen von Schluckstörungen.
- Videoendoskopische Schluckuntersuchung (FEES): Dabei wird eine kleine Kamera durch die Nase eingeführt, um den Schluckvorgang direkt zu beobachten.
- Videofluoroskopie (VFSS): Der Patient schluckt bariumhaltige Nahrungsmittel, die unter Röntgenkontrolle beobachtet werden, um den Schluckvorgang detailliert zu analysieren.
Therapie von Schluckstörungen bei Glioblastomen
Die Therapie von Schluckstörungen bei Glioblastom-Patienten ist multimodal und zielt darauf ab, die Schluckfunktion zu verbessern, das Risiko von Komplikationen wie Aspiration (Verschlucken) zu minimieren und die Lebensqualität zu erhalten.
Logopädie
Die Logopädie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Schluckstörungen. Logopäden entwickeln individuelle Therapiepläne, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind. Zu den logopädischen Maßnahmen gehören:
- Schlucktraining: Übungen zur Stärkung der Schluckmuskulatur und Verbesserung der Koordination des Schluckvorgangs.
- Anpassung der Nahrungskonsistenz: Empfehlungen für geeignete Nahrungskonsistenzen, die das Schlucken erleichtern (z.B. weiche, dickflüssige oder pürierte Kost).
- Kompensationsstrategien: Techniken, die das Schlucken sicherer machen, wie z.B. das Einnehmen einer bestimmten Kopfhaltung.
- Sensorische Stimulation: Stimulation der Mundhöhle, um die Sensibilität zu verbessern und den Schluckreflex auszulösen.
Ernährungstherapie
Eine angepasste Ernährung ist entscheidend, um eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen und das Risiko von Mangelernährung zu minimieren. Ernährungstherapeuten können folgende Empfehlungen geben:
- Anpassung der Nahrungskonsistenz: Empfehlung von weichen, dickflüssigen oder pürierten Speisen, die leichter zu schlucken sind. Sehr flüssige Speisen sollten vermieden werden, da sie leichter in die Atemwege gelangen können.
- Hochkalorische und proteinreiche Ernährung: Sicherstellung einer ausreichenden Kalorien- und Proteinzufuhr, um den erhöhten Bedarf bei Krebserkrankungen zu decken.
- Nahrungsergänzungsmittel: Ergänzung der Ernährung mit Vitaminen und Mineralstoffen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Medikamentöse Therapie
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Therapie zur Behandlung von Schluckstörungen eingesetzt werden:
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- Anticholinergika: Bei übermäßiger Speichelproduktion können Anticholinergika eingesetzt werden, um die Speichelproduktion zu reduzieren.
- Säureblocker: Bei Refluxbeschwerden können Säureblocker eingesetzt werden, um die Magensäureproduktion zu reduzieren.
- Schmerzmittel: Bei Schmerzen beim Schlucken können Schmerzmittel eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern. Die von demder ArztÄrztin verordnete Schmerzmittel sollten 30 bis 60 Minuten vor dem Essen eingenommen werden.
Alternative Ernährungsmethoden
Wenn eine ausreichende orale Ernährung nicht möglich ist, können alternative Ernährungsmethoden in Betracht gezogen werden:
- Nasogastrale Sonde (NG-Sonde): Eine Sonde wird durch die Nase in den Magen eingeführt, um flüssige Nahrung direkt in den Magen zu leiten.
- Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG): Eine Sonde wird durch die Bauchdecke in den Magen eingeführt, um eine langfristige Ernährung zu ermöglichen.
Die Entscheidung für eine alternative Ernährungsmethode sollte in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt und dem Patienten getroffen werden, wobei die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen berücksichtigt werden.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Zusätzlich zu den oben genannten Therapien können weitere unterstützende Maßnahmen helfen, die Lebensqualität von Glioblastom-Patienten mit Schluckstörungen zu verbessern:
- Mundpflege: Regelmäßige Mundpflege zur Vorbeugung von Infektionen und zur Befeuchtung der Mundschleimhaut.
- Atemphysiotherapie: Übungen zur Stärkung der Atemmuskulatur und zur Verbesserung der Lungenfunktion.
- Psychologische Unterstützung: Psychologische Unterstützung und Führung von Patienten und Angehörigen, um mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
Umgang mit Medikamenten in Saftform
Ein häufiges Problem bei der Behandlung von Glioblastom-Patienten ist die Einnahme von Medikamenten in Saftform, insbesondere wenn diese einen unangenehmen Geschmack haben. Hier sind einige Tipps, um die Medikamenteneinnahme zu erleichtern:
- Geschmacksüberdeckung: Mischen Sie den Saft mit anderen Getränken oder Lebensmitteln, um den unangenehmen Geschmack zu überdecken.
- Kühlung: Gekühlte Säfte schmecken oft weniger intensiv.
- Nachspülen: Geben Sie dem Patienten nach der Einnahme des Saftes etwas zu trinken, um den Geschmack zu neutralisieren.
- Positive Verstärkung: Loben Sie den Patienten für die Einnahme des Medikaments und belohnen Sie ihn gegebenenfalls.
- Absprache mit dem Arzt: Sprechen Sie mit dem Arzt über alternative Darreichungsformen oder Geschmacksrichtungen des Medikaments.
Fallbeispiel und persönliche Erfahrungen
Die einleitenden Worte einer betroffenen Person verdeutlichen die Herausforderungen und emotionalen Belastungen, die mit der Pflege eines Glioblastom-Patienten einhergehen, insbesondere im Zusammenhang mit Schluckstörungen:
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"Hallo Ihr Lieben, ach SiSi, beim Lesen deiner Worte glaub ich manchmal ich hätte das selbst geschrieben..! Besonders das "nicht-reden" mit mir wenn er bei anderen dann doch zeigt, dass er noch reden kann. Und man weiß nicht was los ist oder warum das so ist und fragt sich ob es an einem selbst liegt, ob man irgendetwas falsch macht oder ob es ihm sogar lieber wäre wenn ich gar nicht da wäre… Ich habe mir immer geschworen, dass ich loslassen werde wenn er gehen möchte und seit es ihm so furchtbar schlecht ging und er so kämpfen musste, weiß ich auch, dass ich es tatsächlich kann."
Diese Zeilen zeigen die Unsicherheit und das Gefühl der Hilflosigkeit, das Angehörige oft empfinden, wenn sie mit den wechselnden Fähigkeiten und Bedürfnissen des Patienten konfrontiert sind.
Die Erfahrung mit der Ernährungssonde und die plötzliche Verbesserung der Schluckfähigkeit verdeutlichen die Unvorhersehbarkeit des Krankheitsverlaufs:
"Nach vielen Gedanken und schlaflosen Stunden hatte ich den Entschluss gefasst die Sonde legen zu lassen, eben aus o.g., Grund, denn Hunger haben und nichts bekommen wegen Schluckproblemen ist für mich Leiden. Und dann kam es wieder ganz anders… Gestern kam der Arzt auf mich zu und sagte, dass das mit dem Schlucken wieder so gut klappt, dass die Magensonde erstmal ad acta gelegt werden könnte. Er kann essen und trinken, zwar vorsichtiger und langsamer als vorher, aber es klappt. Und dann stehst du da, völlig perplex einerseits und ungläubig froh andererseits und fragts dich, wie das jetzt auf einmal doch möglich war. Waren die Schluckbeschwerden doch "nur" weil er von dem Infekt so geschwächt war? Oder was sonst?"
Diese Erfahrung zeigt, wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben und sich auf die sich ändernden Bedürfnisse des Patienten einzustellen.
Die Schwierigkeiten bei der Medikamenteneinnahme, insbesondere bei unangenehm schmeckenden Säften, sind ein weiteres häufiges Problem:
"Die Medikation ist jetzt auf Saft umgestellt und da sehe ich ein neues Problemchen auf mich zukommen: Das Antiepileptikum schmeckt scheußlich und mein Mann wehrt sich deshalb gegen die Einnahme. Im Krankenhaus hält er sich ja grundsätzlich mehr zurück, zu Hause wird das mit Sicherheit noch deutlich schwieriger werden! Wenn er nicht will, dann will er nicht und dann sind ihm die Konsequenzen auch völlig egal. Ich werde das gleich mal bei den Schwestern ansprechen, ob die eine Idee haben."
Dieser Abschnitt verdeutlicht die Notwendigkeit einer guten Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Patient, Angehörigen und medizinischem Fachpersonal, um individuelle Lösungen für die Medikamenteneinnahme zu finden.
Die Impfung mit dendritischen Zellen und die Gabe von Weihrauch-Tabletten (H15) sind Beispiele für alternative Behandlungsansätze, die von einigen Patienten in Betracht gezogen werden:
"auch unser Sohn wurde mit dendritischen Zellen geimpft. Nach Rücksprache mit Prof. van Gool haben wir ihm parallel die H15 (Weihrauch-Tabletten) weitergegeben, da auch er praktisch seit Diagnose bereits ein großes Ödem hat. Unser Sohn hatte massive Schluckbeschwerden nach einer Op im Mai, bei der eine Zyste und Tumor entfernt wurde. Nach ca. 4 Wochen waren die Schluckbeschwerden vorbei. Er bekam gleich nach OP Logopädie-Anwendungen, die geholfen haben. Ich drück die Daumen, dass ihr das Schluckproblem bald in den Griff bekommt."
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Behandlungen wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist und sie nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden sollten.
Diagnostische Methoden bei Glioblastom-Erkrankungen
Die Diagnose eines Glioblastoms erfordert eine Kombination verschiedener diagnostischer Methoden, um die Art, Lage und Ausdehnung des Tumors zu bestimmen. Zu den wichtigsten Verfahren gehören:
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Überprüfung der Funktionen des Nervensystems, um neurologische Ausfälle festzustellen.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Bildgebendes Verfahren zur Darstellung des Gehirns und zur Identifizierung von Tumoren. Das MRT zeigt die Form, Ausdehnung und Größe der Erkrankung.
- Positronenemissionstomografie (PET): Nuklearmedizinische Untersuchung zur Beurteilung der biologischen Aktivität der Tumorzellen.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur neuropathologischen Untersuchung.
- Neuropathologie: Untersuchung des Tumorgewebes unter dem Mikroskop zur Bestimmung des Tumortyps und des MGMT-Methylierungsstatus.
- Blutuntersuchungen: Regelmäßige Blutkontrollen zur Überwachung der Blutbildwerte und zur Erkennung von Nebenwirkungen der Therapie.
- Elektroenzephalografie (EEG): Untersuchung zur Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns, insbesondere bei epileptischen Anfällen.
- Computertomografie (CT): Bildgebendes Verfahren als Alternative zum MRT, insbesondere bei Platzangst.
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