Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die Millionen Menschen weltweit betrifft. Betroffene suchen oft nach Auslösern, um Attacken vorzubeugen. Eine glutenfreie Ernährung wird zunehmend als potenzieller Ansatz zur Linderung von Migräne in Betracht gezogen, insbesondere bei Personen mit Zöliakie oder Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS). Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Gluten, glutenfreier Ernährung und Migräne, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Expertenmeinungen.
Gluten: Was ist das eigentlich?
Gluten ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Proteinen, die in verschiedenen Getreidearten vorkommen, darunter Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Es ist bekannt für seine klebenden Eigenschaften, die Teig beim Backen zusammenhalten. Gluten besteht hauptsächlich aus Gliadinen und Gluteninen.
Zöliakie und Glutensensitivität: Wenn Gluten zum Problem wird
Bei Menschen mit Zöliakie führt der Verzehr von Gluten zu einer Autoimmunreaktion im Dünndarm. Die Darmschleimhaut entzündet sich, was zu einer verminderten Nährstoffaufnahme und verschiedenen Symptomen wie Durchfall, Blähungen, Müdigkeit, Depressionen und Migräne führen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) weist darauf hin, dass viele Menschen in Deutschland an Zöliakie leiden, ohne dass dies bisher festgestellt wurde.
Neben der Zöliakie gibt es die Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS), bei der Personen Symptome nach dem Verzehr von Gluten erleben, obwohl keine Zöliakie oder Weizenallergie vorliegt. Die Existenz und die genauen Ursachen der NCGS sind in der Medizin jedoch noch umstritten.
Der Zusammenhang zwischen Gluten und Migräne
Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Zöliakie häufiger an Migräne leiden als Menschen ohne Zöliakie. Es wird vermutet, dass die Entzündungsprozesse, die durch die Immunreaktion auf Gluten ausgelöst werden, eine Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen könnten.
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Auch bei Menschen mit NCGS kann Gluten ein Migräne-Trigger sein. Es wird angenommen, dass Gluten den Trigeminusnerv aktivieren kann, einen Nerv im Gesichtsbereich, der an der Migräneentstehung beteiligt ist. Die Aktivierung des Trigeminusnervs führt zur Ausschüttung von Histaminen und Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP), Substanzen, die Entzündungen fördern und die Blutgefäße im Gehirn erweitern können, was zu Migränekopfschmerzen führt.
Glutenfreie Ernährung als Therapieansatz bei Migräne
Ganzheitliche Ernährungsberater empfehlen Klienten mit Migräne häufig, eine glutenfreie Ernährung zu testen. Eine glutenfreie Ernährung bedeutet den Verzicht auf alle Lebensmittel, die Gluten enthalten. Dazu gehören die meisten Backwaren, Nudeln und viele Fertigprodukte. Glücklicherweise gibt es mittlerweile zahlreiche glutenfreie Alternativen auf Basis von Pseudogetreide wie Quinoa, Amaranth und Buchweizen sowie Hülsenfrüchte, mit denen Nudeln, Brötchen und Co. eins zu eins ersetzt werden können.
Es ist wichtig zu beachten, dass eine glutenfreie Ernährung nicht für jeden Migränepatienten geeignet ist. Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen.
Was darf man bei einer glutenfreien Ernährung essen?
Bei einer glutenfreien Ernährung gibt es einiges zu beachten. Zunächst sollten alle gewohnten Backwaren und Getreiderzeugnisse durch glutenfreie Alternativen ersetzt werden. Es gibt mittlerweile viele Lebensmittel ohne Gluten zum Beispiel auf Basis von Pseudogetreide und Hülsenfrüchten, mit denen Nudeln, Brötchen und Co. eins zu eins ersetzt werden können. Diese Mehlsorten lassen sich fast genauso verwenden wie klassisches Weizenmehl. Zahlreiche Kochbücher und Anleitungen im Internet geben praktische Tipps zur Zubereitung glutenfreier Gerichte.
Viele Hersteller kennzeichnen ihre Produkte deutlich mit einem Symbol für glutenfreie Produkte, einer durchgestrichenen Weizenähre. Dies erleichtert die Auswahl geeigneter Lebensmittel.
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Weitere Ernährungsempfehlungen bei Migräne
Neben einer möglichen glutenfreien Ernährung gibt es weitere Ernährungsempfehlungen, die bei Migräne hilfreich sein können:
- Regelmäßige Mahlzeiten: Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden. Daher ist es wichtig, regelmäßige Mahlzeiten einzunehmen, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Ketogene Diät: Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirken kann.
- Oligoantigene Diät: Diese Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne erwiesen. Dabei wird die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren erhöht und diejenige an Omega-6-Fettsäuren reduziert.
- Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln: Viele Migränepatienten berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe und Getränke einen Migräneanfall auslösen können. Zu den häufigsten Triggern gehören Alkohol (insbesondere Rotwein), Käse, Schokolade, künstliche Süßstoffe, Geschmacksverstärker wie Glutamat sowie nitrat- und nitrithaltige Lebensmittel.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Dehydration kann Migräne auslösen. Daher ist es wichtig, ausreichend Wasser zu trinken.
- Mikronährstoffe: Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Eine Supplementierung dieser Mikronährstoffe kann in einigen Fällen hilfreich sein.
- Folat: Menschen, die an Migräne leiden, nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Eine Supplementierung von Folsäure kann die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern.
Glutenfreie Produkte
Dadurch, dass immer mehr Menschen für sich einen Vorteil in glutenfreier Ernährung erkennen, steigen Nachfrage und Angebot an Lebensmitteln ohne Gluten. So hat auch iglo verschiedene glutenfreie Produkte in das Sortiment aufgenommen. So können beliebte Klassiker, wie die iglo Fischstäbchen und das iglo Schlemmerfilet nun auch glutenfrei genossen werden. Bei Fertigprodukten besteht eine Kennzeichnungspflicht für alle Stoffe, die eine allergische Reaktion im Körper auslösen können - dazu gehört auch Gluten. Die Zutatenliste gibt Aufschluss, ob Gluten enthalten ist oder nicht. Außerdem nutzen viele Hersteller das allgemeine Symbol für glutenfreie Produkte, um es ihren Kunden noch einfacher zu machen. Das Symbol zeigt eine durchgestrichene Weizenähre. Mit der Verwendung dieses Zeichens verpflichtet sich der Hersteller zusätzlich, strenge Überprüfungen durch Stichproben durchzuführen. Bei einer Glutenunverträglichkeit besteht also kein Grund zur Verzweiflung. Es gibt immer mehr Ersatzprodukte, die eine glutenfreie Ernährung erleichtern.
Die Rolle von Weizen und anderen Getreidesorten
Häufig wird Gluten mit Weizen gleichgesetzt, was jedoch nicht korrekt ist. Gluten fasst die Gliadine und Glutenine des Weizens in einem Begriff zusammen. Glutene - Speicherproteine in den Getreidearten Weizen (einschließlich Einkorn, Emmer, Dinkel und Grünkern), Roggen und Gerste - sind aufgrund ihrer Klebereigenschaften (lat.: „gluten“, Kleber) wesentlich für die Backfähigkeit von Getreidemehl. Sie sind die zentralen auslösenden Umweltfaktoren der Zöliakie.
In Weizen und seinen Urformen wie Dinkel, Einkorn und Emmer sind zahlreiche wasser-/salzlösliche und wasserunlösliche Proteine beschrieben, die allergisch relevant sein können. Während die wasser-/salzlöslichen Proteinmuster bei allen Weizensorten vergleichbar sind, unterscheiden sich die wasserunlöslichen Proteinfraktionen deutlich. Auch wenn von Betroffenen teilweise eine bessere Verträglichkeit berichtet wird, gibt es keine gute Evidenz für eine geringere Allergenität älterer Getreidesorten.
Diagnostik bei Verdacht auf Zöliakie
Für die Diagnose der Zöliakie gibt es keinen einzelnen beweisenden Test (Goldstandard). Grundlage der Diagnostik sind:
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- die serologische Bestimmung spezifischer Antikörper (IgA/EMA-Anti-TG2, Gesamt-IgA)
- die histologische Aufarbeitung von Biopsaten aus dem Zwölffingerdarm
- ggf. HLA-Typisierung (HLA-DQ2/8)
Hinweis: Bei Verdacht auf Zöliakie soll vor Einleitung einer Diagnostik (Serologie, Endoskopie) die Glutenzufuhr in der Ernährung der Patientinnen und Patienten anamnestisch erhoben und dokumentiert werden. Wurde bereits mit einer glutenfreien oder glutenreduzierten Ernährung begonnen, kann eine sichere Diagnose erst nach einer Glutenexposition (15 g Gluten (ca. sechs Scheiben Brot pro Tag) über acht bis zwölf Wochen) gestellt werden.
Die Diagnose einer Zöliakie gilt als gesichert bei positiver Serologie, positiver Histologie (das heißt Marsh-Klassifikation 2 oder 3) und serologischer Besserung unter glutenfreier Diät.
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