Grippe-Meningitis: Die Wirkung von Mercurius in der Homöopathie

Das homöopathische Arzneimittel Mercurius, insbesondere in Form von Mercurius solubilis Hahnemanni, wird in der Homöopathie zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, darunter auch im Kontext von Grippe und Meningitis. Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften von Mercurius, seine Anwendung in der Homöopathie und seine potenzielle Wirkung bei diesen Erkrankungen.

Was ist Mercurius solubilis Hahnemanni?

Mercurius solubilis Hahnemanni ist eine homöopathische Zubereitung, die aus Quecksilber hergestellt wird. Das Ausgangsmaterial, auch als schwarzes Produkt bezeichnet, entsteht durch die Reaktion einer wässrigen Quecksilber(I)-nitrat-Lösung mit einer wässrigen Ammoniaklösung. Dabei entsteht ein Gemisch verschiedener, meist farbloser oder gelblicher Quecksilberverbindungen. Die schwarze Farbe rührt von kolloidalem, elementarem Quecksilber her, das in mikroskopisch kleinen Tröpfchen vorliegt.

Eigenschaften von Quecksilber

Quecksilber ist das einzige bei Raumtemperatur flüssige Metall. Es besitzt einen silbrigen Glanz und erstarrt bei -39 °C. Das spezifische Gewicht ist sehr hoch. Quecksilber leitet Wärme gut und wird daher in Thermometern eingesetzt, seine elektrische Leitfähigkeit ist jedoch für Metalle eher gering.

Obwohl Quecksilber zu den selteneren Elementen der Erde gehört, findet man es aufgrund seiner Flüchtigkeit in der Luft (2 ng pro Kubikmeter, in industriell belasteten Gebieten bis zu 20 ng). Das wichtigste Mineral ist Zinnober (HgS), gelegentlich findet man auch kleine Tröpfchen von gediegenem Quecksilber. Die wichtigsten Ablagerungen befinden sich in Almadén (Südspanien), im Monte Amiata (erloschener Vulkan) bei Siena und in alpinen Triasgesteinen von Idria (250 km nördlich von Triest).

Chemische Eigenschaften

Mercurius solubilis Hahnemanni ist löslich in verdünnter Salpetersäure oder Salzsäure. Erwärmt man das trockene Mercurius, verliert es die schwarze Farbe, und es bleibt ein gelber Rückstand unter Entwicklung nitroser Gase (Stickoxide). Quecksilber bildet mit vielen Metallen so genannte Amalgame, die je nach Zusammensetzung flüssig, teigig oder fest sein können.

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Bedeutung für Lebewesen und Toxizität

Quecksilberverbindungen sind hoch toxisch. Akute Vergiftungen, z.B. durch Einatmen von Quecksilberdampf oder durch orale Aufnahme von Quecksilber, äußern sich in schweren Magen- und Darmkoliken, lokalen Schleimhautverätzungen und Nierenversagen.

Mercurius in der Homöopathie: Das Patientenbild

In der Homöopathie wird nicht nur die Substanz selbst betrachtet, sondern auch das charakteristische Bild des Patienten, der von Mercurius profitieren könnte. Patienten, die «Merkur würdig» sind, werden oft als merkwürdig oder manchmal sogar als abstoßend empfunden. Sie sind keine einfachen Patienten, ihre Krankheiten sind ernst, und sie selbst sind es ebenfalls. Stumm sitzen sie da und überprüfen zunächst die Glaubwürdigkeit des Behandlers, alle Informationen müssen mühsam aus ihnen herausgezogen werden. Sie sind sehr misstrauisch und merken sofort, wenn der Behandler einen kleinen Moment lang nicht total bei ihnen ist, sie verlangen ungeteilte Aufmerksamkeit.

Sherr bezeichnet Mercurius als ein «schmieriges» Arzneimittel, welches zu schmierigen Menschen passe. Symptome wie «schluckt seinen Stuhl», «leckt Kuhmist» zeigen die riesige Polarität zwischen total eklig und dem alchimistisch reinen und verbindenden Merkur. Den «roten Faden» findet Sherr in «einer dünnen Schicht, die sich ausbreitet». Ferner zerstört Quecksilber Nase und Schienbein (beides Orte, die nur von einer dünnen Hautschicht überzogen sind). Wenn die Nase zerstört ist, verliert man die Orientierung (man kann nicht mehr der Nase nach gehen).

Der Name Quecksilber kommt von «Quick-Silver», das heißt «schnelles Silber», was auf zwei verschiedene Weisen interpretiert werden kann. Einerseits macht es die Unruhe, das quecksilbrige Wesen deutlich. Andererseits kann es auch als Hinweis auf die Geschäftstüchtigkeit der ‹Mercurius-Menschen› gemünzt werden. Sie sind imstande «schnelles Geld» zu machen, allerdings nicht nur auf legalem Weg. Merkur oder Hermes, wie ihn die Griechen nannten, ist der Gott der Händler, Wanderer und Schelme (Lügner). Er gewährt sicheres Geleit, bringt Glück und Gewinn.

Bezug zu Schleimhäuten, Drüsen und Nervensystem

Die Quecksilber-Vergiftungserscheinungen zeigen den starken Bezug zu den Schleimhäuten, zu den Drüsen, zum Lymph- und Nervensystem. Die Zerstörung, die dieses Metall im gesunden Organismus anrichten kann, erinnert an die Syphilis. Die Idee von Paracelsus, Quecksilber zur Behandlung von Syphilis zu verwenden, war deshalb durchaus homöopathisch. Die viel zu hohen Dosen des nicht potenzierten Quecksilbers wirkten sich allerdings schädlich bis tödlich aus. Die aus der damaligen Zeit stammende, wenig schmeichelhafte Bezeichnung «Quacksalber» hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Jeder Syphilis-Kranke und viele ‹Mercurius-Kranke› lügen, auch hier besteht eine Übereinstimmung!

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Syphilis greift letztlich das Gehirn an, was zu intellektuellen Schwierigkeiten führt. Bei ‹Mercurius-Patienten› kann eine Verlangsamung der geistigen Fähigkeiten beobachtet werden. Sie begreifen langsam, sind zerstreut, antworten langsam und arbeiten trotz ihrer krankhaften Eile unproduktiv. Mit fortschreitender Krankheit nimmt die Konzentrationsfähigkeit stetig ab. Zunehmend drängen sich ihrem Gehirn gewalttätige Impulse auf (Gegenstände zu zerstören, jemanden wegen einer unbedeutenden Beleidigung oder bei Widerspruch umzubringen), und sie brauchen viel Energie, um diese Impulse nicht in die Tat umzusetzen. Dass sie unter diesen Voraussetzungen Angst haben, wahnsinnig zu werden, verwundert uns nicht.

Der Körper wird immer schwächer, die Hände zittern, so dass ein Glas nur noch gehalten werden kann, wenn der Ellenbogen aufgestützt wird. Das Zittern steht symbolisch für die große Instabilität der ‹Mercurius-Patienten›. Sie sind nicht mehr fähig, sich den Anforderungen des Lebens anzupassen, fast alle äußeren Einflüsse fügen ihnen Schaden zu (jeder ist ihr Feind).

Modalitäten

Mercurius steht im Repertorium (Symptomenverzeichnis) 55 Mal bei Verschlimmerungen und lediglich 7 Mal bei Besserung. ‹Mercurius-Patienten› reagieren auf die kleinsten Temperaturveränderungen (Kent bezeichnete sie als lebende Thermometer). Meistens ist es ihnen entweder zu warm oder zu kalt, sie fühlen sich nur in einem ganz kleinen Temperaturbereich wohl. Sie reagieren auch sehr empfindlich auf Medikamente (allopathische und homöopathische) und sind leicht zu unterdrücken.

Anwendungsgebiete in der HNO-Heilkunde und Zahnmedizin

HNO-Ärzte und Zahnärzte könnten oft Mercurius erkennen und verordnen. Hier ein paar Beispiele:

  • Chronische Mittelohrentzündungen mit stechenden, reißenden Schmerzen, schlimmer nachts, mit blutigem, übel riechendem Ohrenfluss, häufig auf der rechten Seite.
  • Schnupfen mit wund machender, wässriger Absonderung (vgl. Allium cepa, Arsenicum album).
  • Chronische Zahnwurzelentzündungen mit Empfindlichkeit auf Kälte und Wärme.

Weitere Symptome

  • Mercurius-Hautausschläge jucken unerträglich, kratzen ist angenehm (Sulfur).
  • Übler Mundgeruch und Speichelfluss (bes. Bettwärme, Kälte, nasskaltes Wetter, liegen auf der rechten Seite.
  • Auffällige Empfindlichkeit auf eine Vielzahl äußerer Einflüsse.
  • Beim Schwitzen können die Beschwerden vermehrt auftreten.

Mercurius bei Grippe

In der Homöopathie wird Mercurius bei Grippe eingesetzt, wenn bestimmte charakteristische Symptome vorliegen. Dazu gehören:

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  • Starker Speichelfluss
  • Wund machender Schnupfen
  • Empfindlichkeit gegenüber Temperaturveränderungen
  • Allgemeine Schwäche und Abgeschlagenheit

Es ist wichtig zu betonen, dass die Homöopathie eine individuelle Behandlungsmethode ist. Das bedeutet, dass nicht jeder Patient mit Grippe Mercurius benötigt, sondern nur diejenigen, deren Symptome am besten mit dem Arzneimittelbild von Mercurius übereinstimmen.

Mercurius bei Meningitis

Auch bei Meningitis kann Mercurius in der Homöopathie eine Rolle spielen, insbesondere bei bestimmten Symptomen und Verlaufsformen. Die Gehirnhautentzündung, früher fälschlich Gehirnentzündung genannt, erheischt die schleunigste ärztliche Hilfe, da sie eine der gefährlichsten Krankheiten ist, die gewöhnlich zum Tode führt, selbst wenn sie gleich erkannt und richtig behandelt wird. Gewöhnlich ist sowohl die Basis, als auch die Konvexität des Gehirns Sitz der Entzündung, die, wenn auch in verschiedenem Grade, meist beide Hemisphären ergreift.

Symptome und Stadien der Meningitis

Die Meningitis simplex lässt zwei Stadien erkennen, die jedoch nicht immer deutlich und scharf voneinander getrennt sind. Im ersten Stadium kommt es zu erheblich gesteigerter Temperatur. Hierzu gesellen sich rasende Kopfschmerzen, Erbrechen und hochgradige Erregung des Gehirns, mit großer Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch, auch gegen jede Berührung des Körpers selbst noch im Stadium der motorischen Lähmungserscheinungen. Fast niemals fehlen laute oder stille Delirien und Halluzinationen, die mit Ohrensausen, Aufschrecken, Zuckungen, Zähneknirschen, Pulsieren der Karotiden und Temporalarterien usw. verbunden sind.

Im zweiten Stadium der Meningitis treten Lähmungen ein. In langsam verlaufenden Fällen treten zunächst vereinzelte Lähmungen ein, während bei gleich heftig auftretenden Gehirnhautentzündungen der Übergang in das Stadium der Lähmung meist sehr schnell und mit auffallender Verlangsamung des Pulses eingeleitet wird. Die Lähmungserscheinungen, die anfangs nur schwach und mit Reizungserscheinungen vermischt auftreten, gehen später in allgemeine Paralysen über. Die Paralysen sind meist partiell, betreffen zuerst die Iris als Pupillenerweiterung, häufig ungleiche Erweiterung der beiden Pupillen, dann die Muskeln des Gesichts, der Zunge, des Gehörs, dann einzelne Extremitäten, endlich die Blase und das Rectum. Die psychischen Lähmungen gehen von Benommenheit in Bewußtlosigkeit und Sopor über. Die frühere Röte und Hitze weicht einem blassen kollabierten Aussehen. Der Puls wird mit eintretendem Sopor und Zunahme der Paralyse zwar wieder beschleunigt, erscheint jedoch leer, klein und unregelmäßig. Die Herztätigkeit wird schwächer.

Homöopathische Mittel bei Meningitis

Solange noch Reizungserscheinungen vorhanden, kann man noch auf Genesung hoffen. In diesem Fall können folgende homöopathische Mittel in Betracht gezogen werden:

  • Aconitum
  • Apis
  • Bryonia
  • Belladonna
  • Camphora
  • Mercurius solubilis
  • Atropinum sulfuricum
  • Kalium jodatum
  • Tartarus emeticus
  • Hyoscyamus
  • Stramonium
  • Cuprum metallicum
  • Zincum metallicum
  • Arnica

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl des richtigen homöopathischen Mittels von der Gesamtheit der Symptome abhängt und von einem erfahrenen Homöopathen getroffen werden sollte.

Genickstarre (Meningokokken-Meningitis)

Die Genickstarre, auch Meningokokken-Meningitis genannt, ist eine miasmatische Infektionskrankheit, deren Quellen noch unbekannt sind. Sie befällt meist jugendliche Personen vom 6. bis 20. Lebensjahre, und zwar vorwiegend das weibliche Geschlecht. Von den ergriffenen Personen unterliegen meist 25 bis 30 %. Bei den Genesenden bleiben oft unheilbare Taubheit oder Erblindung, Lähmung der Gliedmaßen oder Blödsinn zurück. Die der Krankheit zugrunde liegenden Erscheinungen beruhen auf Entzündung der an der Basis des Gehirns gelegenen Gehirnteile und des daselbst sich bildenden Exsudates.

Der Verlauf der Krankheit ist sehr rapid. Die Krankheit beginnt mit Schüttelfrost und sehr schnell sich steigerndem, heftigem Kopfschmerz, der sich auf Nacken und Rücken verbreitet. Puls- und Atemfrequenz erreichen im Verlaufe der Krankheit eine enorme Höhe (120 Pulsschläge und mehr als 60 Atemzüge in der Minute). Am 3. oder 4. Tage treten tetanische Krämpfe der Nacken- und Rückenmuskeln, oft auch mit Kinnbackenkrampf verbunden, auf. Der Kopf wird weit nach hinten gezogen. Der oft eiweißhaltige Urin geht unwillkürlich ab oder wird zurückgehalten, und die überfüllte Blase muss mit dem Katheter entleert werden. Wechsel von großer Unruhe und Delirien, denen bald Bewußtlosigkeit folgt, schließt die Trauerszene. Der Tod tritt unter den Erscheinungen eines akuten Lungenödems spätestens am 10., aber bei sehr stürmischem Verlauf schon am 1. und 2. Krankheitstage ein.

Weitere in der Homöopathie verwendete Mittel

Neben Mercurius gibt es eine Vielzahl weiterer homöopathischer Mittel, die bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt werden können. Einige Beispiele sind:

  • Rhus toxicodendron: Bei rheumatischen Beschwerden, die sich durch Bewegung bessern.
  • Bryonia: Bei stechenden Schmerzen, die sich durch Ruhe bessern.
  • Arnica: Bei Verletzungen und Prellungen.
  • Belladonna: Bei plötzlichem, hohem Fieber und Entzündungen.
  • Arsenicum album: Bei brennenden Schmerzen und Schwäche.
  • Allium cepa: Bei wund machendem Fließschnupfen.
  • Pulsatilla: Bei wechselhaften Symptomen und Weinerlichkeit.
  • Antimonium tartaricum: Bei Verschleimung der Atemwege.
  • Barium carbonicum: Bei rezidivierenden Mandelentzündungen und Entwicklungsverzögerung.

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