Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es ist eine neurologische Erkrankung, die in unregelmäßigen Abständen wiederkehrt und von einer Vielzahl von Symptomen begleitet werden kann, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, berichten von grippeähnlichen Symptomen nach einer Attacke. Dieser Artikel untersucht die möglichen Ursachen für diese Symptome und bietet Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine anfallsartige Kopfschmerzerkrankung, die sich von anderen Arten von Kopfschmerzen deutlich unterscheidet. Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Sie ist durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet, die zwischen 4 Stunden und 3 Tagen anhalten. Bei einer Attacke treten starke, pulsierend-pochende oder hämmernde Kopfschmerzen auf. Sie verschlimmern sich bei Bewegung (zum Beispiel beim Treppensteigen oder Bücken). Oft ist eine Kopfhälfte besonders stark betroffen. Vielfach kommen zu den Kopfschmerzen noch Übelkeit oder Erbrechen hinzu. Auch kündigt sich die Migräne bei manchen durch eine sogenannte Aura an.
Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.
Phasen einer Migräne
Ein Migräneanfall kann sich in verschiedenen Phasen entwickeln:
- Prodromalphase (Vorbotenphase): Bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten kündigt sich eine Kopfschmerzattacke im Vorfeld mit verschiedenen Symptomen an. Diese Phase kann wenige Stunden oder bis zu zwei Tage vor der eigentlichen Attacke einsetzen. Mögliche Symptome sind Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Müdigkeit, Heißhunger oder Appetitlosigkeit.
- Auraphase: Diese Phase erleben 10 bis 15 Prozent der Betroffenen. Sie klagen über Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze und manchmal kurzzeitigen Sehkraftverlust. Weitere Symptome sind Kribbeln bzw. Taubheitsgefühle in Armen, Beinen oder im Gesicht. Manche Patienten haben außerdem Gleichgewichtsstörungen und Sprachprobleme.
- Kopfschmerzphase (Attacke): Sie ist das, was die meisten Menschen unter Migräne verstehen. Der Schmerz ist pochend, stechend oder pulsierend. Die Betroffenen sind licht- und geräuschempfindlich, manchmal können sie auch Gerüche oder Berührungen nicht ertragen. Hinzu kommen oft Übelkeit und Erbrechen.
- Auflösungsphase: Das Schlimmste ist überstanden. Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Patienten sind oft sehr müde. Die Übelkeit und die Empfindlichkeit z.B. gegen Licht werden weniger, sind aber noch nicht verschwunden.
- Erholungsphase: Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.
Ursachen für grippeähnliche Symptome nach Migräne
Die Ursachen für grippeähnliche Symptome nach Migräne sind vielfältig und nicht vollständig geklärt. Einige mögliche Erklärungen sind:
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- Entzündungsreaktionen: Migräne ist mit Entzündungsprozessen im Gehirn verbunden. Diese Entzündungen können sich auf den gesamten Körper auswirken und grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Muskelschmerzen und allgemeines Unwohlsein verursachen.
- Neurotransmitter-Ungleichgewicht: Migräne wird durch ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern im Gehirn ausgelöst. Diese Neurotransmitter spielen auch eine Rolle bei der Regulierung des Immunsystems. Ein Ungleichgewicht kann daher zu einer Beeinträchtigung der Immunfunktion und zu grippeähnlichen Symptomen führen.
- Stress und Erschöpfung: Migräneattacken sind oft mit erheblichem Stress und Erschöpfung verbunden. Stress kann das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Die Erschöpfung nach einer Migräneattacke kann ebenfalls zu grippeähnlichen Symptomen beitragen.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden, können Nebenwirkungen verursachen, die grippeähnlichen Symptomen ähneln. Dazu gehören beispielsweise Müdigkeit, Muskelschmerzen und Übelkeit.
Symptome
Die grippeähnlichen Symptome nach Migräne können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Häufige Symptome sind:
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Muskelschmerzen und Gliederschmerzen
- Allgemeines Unwohlsein
- Übelkeit und Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Schwindel
- Konzentrationsschwierigkeiten
Behandlung
Die Behandlung von grippeähnlichen Symptomen nach Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Erholung zu fördern. Einige hilfreiche Maßnahmen sind:
- Ruhe und Entspannung: Ausreichend Ruhe und Entspannung sind wichtig, um den Körper zu schonen und die Erholung zu unterstützen. Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück und vermeiden Sie Stress.
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, um den Körper hydriert zu halten. Geeignete Getränke sind Wasser, Tee und verdünnte Säfte.
- Leichte Mahlzeiten: Essen Sie leichte, bekömmliche Mahlzeiten, um den Körper mit Energie zu versorgen. Vermeiden Sie fettige, schwere Speisen, die die Übelkeit verstärken können.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden, um Muskelschmerzen und Kopfschmerzen zu lindern.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen, die Symptome zu reduzieren.
- Ärztliche Beratung: Wenn die Symptome schwerwiegend sind oder länger anhalten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Er kann die Ursache der Symptome abklären und eine geeignete Behandlung empfehlen.
Vorbeugung
Einige Maßnahmen können helfen, Migräneattacken und damit auch grippeähnlichen Symptomen vorzubeugen:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Schlaf.
- Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress oder lernen Sie, Stress abzubauen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können hilfreich sein.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßige Mahlzeiten und vermeiden Sie lange Pausen zwischen den Mahlzeiten.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit über den Tag verteilt.
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Migräne-Trigger und vermeiden Sie diese. Mögliche Trigger sind bestimmte Nahrungsmittel, Getränke, Gerüche oder Wetterveränderungen.
- Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Migräneattacken und mögliche Trigger zu dokumentieren. Dies kann Ihrem Arzt helfen, die Ursache Ihrer Migräne zu ermitteln und eine geeignete Behandlung zu entwickeln.
- Sportliche Aktivitäten: Regelmäßige sportliche Aktivitäten wie Joggen, Schwimmen oder Walken, im Idealfall an der frischen Luft.
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung.
Medikamentöse Behandlung der Migräne
Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden. Laut deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist eine schrittweise und für den Bedarf gerechte Medikation vorgesehen. Dabei gibt es gegen Übelkeit und Erbrechen ein Antiemetikum, während bei Schmerzen Analgetika, Triptane oder Cortison eingesetzt werden können. Zudem empfiehlt die deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft die Medikation der jeweiligen Patientin bzw. Triptane und Ergotamine sollten bei mittelschweren Migräneanfällen oder Migraine accompagnée - allerdings nicht zusammen oder kurz hintereinander - eingesetzt werden. Die vielen unterschiedlichen Darreichungsformen bieten Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, die für sie passende zu finden. Allerdings sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura und beim beginnenden Migränekopfschmerz angewandt werden.
Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht.
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Alternative Behandlungsmethoden
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können:
- Akupunktur: Akupunktur kann helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
- Biofeedback: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, Stress abzubauen und den Umgang mit Migräne zu erlernen.
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
- Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
Migräne bei Kindern
Kinder können genauso von Migräne und Kopfschmerzen betroffen sein, wie es bei Erwachsenen der Fall ist. Auslöser sind meist Lärm, schlechte Luft, grelles Licht oder Hitze. Aber auch zu wenig Schlaf, körperliche Überanstrengung wie beim Sport oder in der Schule sowie eine ungünstige Körperhaltung können Kinder anfälliger machen. Weiterhin sind Lebensmittelunverträglichkeiten oder Belastungen mit Stress, Ängsten oder Sorgen ein möglicher Grund für die Migräneattacke. Positiv ist, dass die Anfälle in den meisten Fällen deutlich milder ablaufen und die Kinder sich schneller erholen als Erwachsene. Es ist ratsam, zunächst auf eine nichtmedikamentöse Behandlung zurückzugreifen. Schaffen Sie eine ruhige und angenehme Umgebung für Ihr Kind, sodass der Körper die Möglichkeit hat, sich selbst zu regulieren. Sollten die Attacken öfter auftreten und eine medikamentöse Behandlung scheint sinnvoll zu sein, sprechen Sie mit dem Kinderarzt oder Kinderärztin. Die gängigen Arzneimittel für Migräne sind in der Dosierung auf einen Erwachsenen ausgerichtet und sollten in keinem Fall einfach von Kindern eingenommen werden. Versuchen Sie den Auslöser bei Ihrem Kind herauszufiltern und diesen zu vermeiden. Außerdem können Sie vorbeugend darauf achten, dass Ihr Kind genügend Schlaf bekommt, es sich an der frischen Luft bewegt und ausreichend trinkt. Weiterhin eignen sich auch viele Entspannungstechniken für Kinder, die Sie prima gemeinsam machen können.
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