Einführung
Der Musculus latissimus dorsi, auch bekannt als der breite Rückenmuskel, ist ein markanter und flächenmäßig großer Muskel des menschlichen Körpers. Er spielt eine entscheidende Rolle bei zahlreichen Bewegungen des Oberkörpers und der oberen Extremitäten. Dieser Artikel beleuchtet detailliert die Anatomie, Funktion, Innervation und klinische Bedeutung des Musculus latissimus dorsi.
Anatomie des Musculus Latissimus Dorsi
Der Musculus latissimus dorsi ist ein großer, flacher, dreieckiger Muskel, der den unteren Teil des Rückens bedeckt und sich bis zur Achselhöhle erstreckt. Er ist einer der größten Muskeln des Körpers und trägt wesentlich zur Form und Funktion des Rückens bei.
Ursprung
Der Musculus latissimus dorsi hat einen breiten Ursprung, der sich über verschiedene knöcherne Strukturen erstreckt:
- Pars vertebralis: Processus spinosi (Dornfortsätze) der Brustwirbelkörper Th7 bis Th12 sowie der Lendenwirbelkörper L1 bis L5 und des Os sacrum (Kreuzbein).
- Pars costalis: Die 9. bis 12. Rippe.
- Pars iliaca: Crista iliaca (Darmbeinkamm) des Beckens.
- Pars scapularis: Unterer Teil des Schulterblattes (Angulus inferior scapulae).
Diese vielfältigen Ursprünge verdeutlichen die ausgedehnte Fläche, über die sich der Muskel erstreckt.
Ansatz
Die Fasern des Musculus latissimus dorsi konvergieren in Richtung der Achselhöhle und setzen an der Crista tuberculi minoris des Humerus (Oberarmknochen) an.
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Topografische Beziehungen
Der laterale Anteil des Musculus latissimus dorsi bildet den hinteren Rand der Achselhöhle. Er liegt oberflächlich, bedeckt jedoch tiefere Rückenmuskeln wie den Musculus serratus posterior inferior. Der Musculus trapezius liegt oberflächlicher als der Musculus latissimus dorsi.
Innervation des Musculus Latissimus Dorsi
Die Innervation des Musculus latissimus dorsi erfolgt durch den Nervus thoracodorsalis, einen Ast des Plexus brachialis. Dieser Nerv entspringt aus den Spinalnerven der Segmente C6 bis C8 des Rückenmarks. Der Nervus thoracodorsalis verläuft zusammen mit der Arteria und Vena thoracodorsalis, die die Blutversorgung des Muskels gewährleisten.
Funktion des Musculus Latissimus Dorsi
Der Musculus latissimus dorsi ist ein vielseitiger Muskel, der an verschiedenen Bewegungen des Schultergelenks und des Rumpfes beteiligt ist.
Bewegungen des Schultergelenks
- Adduktion: Heranziehen des Arms an den Körper. Der Muskel kontrahiert bei der Adduktion des Arms.
- Innenrotation: Drehung des Arms nach innen.
- Retroversion: Streckung des Arms nach hinten.
Der Musculus latissimus dorsi arbeitet synergistisch mit dem Musculus teres major und dem Musculus pectoralis major, um diese Bewegungen auszuführen.
Rumpfbewegungen
Bei fixiertem Oberarm kann der Musculus latissimus dorsi den Rumpf nach oben ziehen, wie es beispielsweise beim Klettern der Fall ist. In Kombination mit dem Musculus pectoralis major ermöglicht er das Heben des Rumpfes, wenn die Arme über dem Kopf fixiert sind.
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Atemhilfsmuskel
Der Musculus latissimus dorsi kann als Atemhilfsmuskel fungieren. Bei fixiertem Arm kann er die Rippen heben und somit die Einatmung erleichtern. Dies ist besonders bei Patienten mit Atemnot, wie beispielsweise bei einem Asthmaanfall, zu beobachten, wenn sie sich aufstützen, um die Atemarbeit zu erleichtern. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Musculus latissimus dorsi auch bei der tiefen Einatmung und bei kräftigen Atmungsfunktionen wie Husten und Niesen aktiv ist. Er wird deshalb auch als "Hustenmuskel" bezeichnet.
Weitere Funktionen
Bei Aktivitäten wie dem Gehen mit Krücken, bei denen der Oberarmknochen im Stehen zum Fixpunkt wird, hat der Latissimus dorsi die Fähigkeit, den Rumpf relativ zu den Armen nach vorne zu ziehen. Bei dieser Aktion wird auch das Becken angehoben. Bei Menschen mit Lähmungen der unteren Körperhälfte ermöglicht die Tatsache, dass der Latissimus dorsi am Becken ansetzt und noch innerviert ist, die Bewegung von Becken und Rumpf.
Klinische Bedeutung des Musculus Latissimus Dorsi
Der Musculus latissimus dorsi spielt eine wichtige Rolle in verschiedenen klinischen Bereichen, darunter die Diagnose und Behandlung von Verletzungen sowie die rekonstruktive Chirurgie.
Verletzungen des Musculus Latissimus Dorsi
Verletzungen des Musculus latissimus dorsi sind selten. Die Diagnose kann durch Visualisierung des Muskels und Bewegungstests gestellt werden. Eine MRT-Untersuchung des Schultergürtels bestätigt die Diagnose. Muskelbauchverletzungen werden mit Rehabilitation behandelt, während Sehnenabrissverletzungen operativ oder konservativ mit Reha behandelt werden können.
Latissimus-dorsi-Lappenplastik
In der plastischen Chirurgie hat der Musculus latissimus dorsi eine wichtige Funktion als Muskellappen zur Defektdeckung. Die Latissimus-dorsi-Lappenplastik ist eine der vielseitigsten und verlässlichsten Lappenplastiken in der rekonstruktiven Chirurgie. Sie kann entweder als gestielter oder freier Lappen gestaltet werden.
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- Gestielte Lappenplastik: Findet besonders in der Senologie bzw. bei der autologen Rekonstruktion der ipsilateralen Brust Anwendung. Patienten, die nach koronarer Bypass-Operation eine Sternumosteomyelitis mit begleitendem sternalen Defekt erleiden, bieten sich auch für eine Latissimus-dorsi-Lappenplastik an. Bereits im Jahr 1896 publizierte Iginio Tansini die erste beschriebene Latissimus-dorsi-Lappenplastik zur Brustrekonstruktion.
- Freie Lappenplastik: Bietet sich aufgrund der flächigen, aber trotzdem dünnen Beschaffenheit insbesondere für laterale faziale, temporale und craniofaziale Defekte an. Auch für Defekte, die eine interne und externe Deckung benötigen (z. B. äußere und innere Wange), eignet sich der Lappen. Bei Defekten sowohl nach Tumor oder Trauma, die durch einen Perforatorlappen flächenmäßig unzureichend gedeckt werden können, kann die Latissimus-dorsi-Lappenplastik eingesetzt werden. Auch für Substanzdefekte, die die Plombierung einer Wundhöhle erfordern, ist sie ideal. Ebenfalls können mit der dicken Faszie des Musculus latissimus dorsi abdominelle Defekte vollschichtig gedeckt werden.
Kardiomyoplastie
Bei Herzpatienten mit geringer Herzleistung, die nicht für eine Herztransplantation in Frage kommen, kann ein Verfahren namens Kardiomyoplastie das versagende Herz unterstützen. Dabei wird der Musculus latissimus dorsi um das Herz gewickelt und durch einen implantierten Schrittmacher stimuliert, um die Kontraktionen des Herzens zu unterstützen.
Triggerpunkte und Myogelosen
Myogelosen und Triggerpunkte sind kleinste Knötchen in der Muskulatur, die unter anderem zu Schmerzen führen können. Da der Latissimus ein langer und meist „lockerer“ Muskel ist, gerät er selten unter starken Zug. Eine starke Anspannung ist im Alltag eher selten, tritt aber beispielsweise bei einem Hustenanfall auf. Stärkere Verlängerungen des Latissimus dorsi kommen im Alltag häufiger vor. Unspezifische Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich können durch ein Zuviel an Spannung des Latissimus dorsi verursacht werden, da die Spannung direkt auf die Fascia thoracolumbalis übertragen wird. Diese kann den Lendenbereich in eine verstärkte Lordose zwingen und deine Rückenstrecker permanent „verkürzen“.
Training des Musculus Latissimus Dorsi
Ein effektives Training des Musculus latissimus dorsi bringt eine Vielzahl von Vorteilen mit sich. Es trägt zur Verbesserung der Körperhaltung, zur Stärkung des Rückens und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit bei verschiedenen sportlichen Aktivitäten bei.
Übungen
Es gibt zahlreiche Übungen, die den Musculus latissimus dorsi gezielt trainieren:
- Klimmzüge: Eine der effektivsten Übungen, die den gesamten oberen Rücken beansprucht.
- Latziehen: Eine Variation der Klimmzüge, die an einer Maschine ausgeführt wird.
- Rudern: Übungen wie Langhantelrudern, Kurzhantelrudern oder Rudern am Kabelzug trainieren den Latissimus in Kombination mit anderen Rückenmuskeln.
Wichtige Hinweise
Es ist wichtig, bei allen Übungen auf eine korrekte Ausführung zu achten, um Verletzungen vorzubeugen. Eine gute Körperhaltung und eine kontrollierte Bewegungsausführung sind entscheidend für den Trainingserfolg.
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