Die Frage nach Wechselwirkungen zwischen Grünem Tee und Epilepsie ist komplex und bedarf einer differenzierten Betrachtung. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Grünen Tees, insbesondere in konzentrierter Form, potenziell unerwünschte Wirkungen haben können, während andererseits auch positive Effekte diskutiert werden. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Forschungslage, mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten und gibt Hinweise für Betroffene.
Inhaltsstoffe des Grünen Tees und ihre potenzielle Wirkung
Grüner Tee wird aus der gleichen Pflanze wie schwarzer Tee gewonnen (Camellia sinensis), jedoch ohne Fermentation oder Oxidation. Dadurch bleiben wertvolle Inhaltsstoffe wie Catechine erhalten, die im unfermentierten Tee den Hauptanteil der Polyphenole ausmachen. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören:
- Catechine: Diese hydrierten Flavone oder Anthocyanidine machen etwa 17 bis 30 Prozent des Trockengewichts aus und werden für ihre antikarzinogenen, antioxidativen, antiviralen, bakteriziden und antimikrobiellen Eigenschaften geschätzt. Epigallocatechingallat (EGCG) ist ein besonders häufig vorkommendes und intensiv untersuchtes Catechin.
- Coffein: Grüner Tee enthält Coffein, allerdings in geringerer Menge als schwarzer Tee oder Kaffee. Der Coffeingehalt variiert je nach Sorte und Zubereitung.
- Theanin: Diese Aminosäure ist für den umami-Geschmack des Grünen Tees verantwortlich und soll eine entspannende Wirkung haben, die den anregenden Effekt des Coffeins ausgleichen kann.
Epilepsie und ihre Behandlung
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antiepileptika, die die Anfallshäufigkeit reduzieren sollen. Es gibt verschiedene Arten von Antiepileptika, die auf unterschiedliche Mechanismen im Gehirn wirken.
Mögliche Wechselwirkungen zwischen Grünem Tee und Antiepileptika
Es gibt Hinweise darauf, dass Grüntee-Extrakte Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten haben können, darunter auch Antiepileptika.
- Carbamazepin: Bei der Einnahme von Carbamazepin, einem Medikament zur Behandlung von Epilepsie, sollte auf den Konsum von Grapefruit und Pomelo verzichtet werden, da dies zu Herzrhythmusstörungen und/oder Schwindel bis hin zur Sturzgefahr führen kann. Obwohl dies nicht direkt Grüntee betrifft, verdeutlicht es die Bedeutung von Wechselwirkungen zwischen bestimmten Inhaltsstoffen und Antiepileptika.
- Valproat: Die Einnahme von CBD (Cannabidiol), das in einigen Cannabisprodukten enthalten ist, in Verbindung mit Valproat kann das Risiko für die Entstehung von Leberschäden erhöhen. Da bereits die alleinige Anwendung von Valproat ein erhöhtes Risiko von Leberschäden birgt, ist dessen Einnahme mit regelmäßigen Check-ups verbunden. In der Kombination mit CBD sollte auf diesen Punkt jedoch zusätzlich Acht gegeben werden.
- Weitere Wechselwirkungen: Es sind Wechselwirkungen von Grünteeextrakten mit zahlreichen Medikamenten bekannt, beispielsweise mit Gerinnungshemmern, Betablockern, Atropin, Codein, Bortezomib, Tamoxifen, Verapamil und diversen Cholesterinsenkern.
Grüntee-Extrakte: Vorsicht geboten
Grüntee-Extrakte sind konzentrierte Formen der Inhaltsstoffe des Grünen Tees. Sie werden oft als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und sollen gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Allerdings hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Grüntee-Extrakte geäußert.
Lesen Sie auch: Nervensystem und Grüner Tee
- Leberschäden: Bei (konzentrierten) Grüntee-Extrakten werden Leberschädigungen bis hin zu Leberversagen gemeldet. Ursache sollen die Catechine, vor allem Epigallocatechingallat-3-gallat (EGCG), sein.
- Weitere unerwünschte Wirkungen: Als weitere unerwünschte Wirkungen werden bei Grünteeextrakten Verstopfung, Magen-Darm-Probleme und Übelkeit beschrieben.
- Kennzeichnungspflicht: Seit dem 1. Juli 2022 gelten in der EU neue Kennzeichnungspflichten für Grüntee-Extrakte. In der Kennzeichnung muss der Gehalt an (-)-Epigallocatechin-3-gallat je Portion des Lebensmittels angegeben werden.
Grüntee als Getränk: In Maßen unbedenklich?
Grüner Tee als solcher gilt in üblichen Mengen als sicher. Es gibt zahlreiche glaubhafte Hinweise auf gesundheitsförderliche Wirkungen des Tees. Allerdings sollte er nicht in Massen oder als ausschließliches Getränk konsumiert werden.
Cannabis und Epilepsie: CBD als Hoffnungsträger?
In den letzten Jahren hat die Forschung zu Cannabis und Epilepsie neue Erkenntnisse gebracht, insbesondere im Hinblick auf Cannabidiol (CBD).
- CBD bei schwer behandelbaren Epilepsieformen: Studien haben gezeigt, dass CBD in Kombination mit herkömmlichen Antiepileptika bei Kindern und Jugendlichen mit Lennox-Gastaut-Syndrom und Dravet-Syndrom, zwei seltenen und schwer behandelbaren Formen von Epilepsie, die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
- Epidyolex®: 2019 wurde Epidyolex® von der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zur Behandlung des Dravet-Syndroms und des Lennox-Gastaut-Syndroms zugelassen. Hier können Ärzt:innen also Cannabis auf Rezept verschreiben, oder genauer gesagt: einen aus Cannabis gewonnenen Wirkstoff.
- Wechselwirkungen beachten: Bei der Anwendung von CBD in Kombination mit herkömmlichen Antiepileptika kann es zu Wechselwirkungen kommen. So könnte etwa die Einnahme von CBD in Verbindung mit Valproat das Risiko für die Entstehung von Leberschäden erhöhen.
- THC: Keine Empfehlung: Während einige Untersuchungen aus den 1970-er Jahre dem Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol) einen krampflösenden Effekt zuschrieben, konnten andere Studien keine entsprechende Wirkung beobachten - oder kamen zum Schluss, dass THC Krampfanfälle sogar begünstigen könnte. Vor diesem Hintergrund kann eine Verwendung von THC bei Epilepsie aktuell nicht empfohlen werden.
Empfehlungen für Menschen mit Epilepsie
- Arzt konsultieren: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihren Konsum von Grünem Tee und Grüntee-Extrakten. Er kann Sie über mögliche Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten aufklären und Ihnen individuelle Empfehlungen geben.
- Grüntee-Extrakte mit Vorsicht genießen: Seien Sie vorsichtig bei der Einnahme von Grüntee-Extrakten als Nahrungsergänzungsmittel. Achten Sie auf die Kennzeichnung und überschreiten Sie nicht die empfohlene Tagesdosis.
- Grünen Tee in Maßen konsumieren: Grüner Tee als Getränk kann in Maßen unbedenklich sein. Achten Sie jedoch auf Ihren Coffeinkonsum und beobachten Sie, ob sich Ihre Anfallshäufigkeit verändert.
- Wechselwirkungen beachten: Informieren Sie sich über mögliche Wechselwirkungen zwischen Ihren Medikamenten und Lebensmitteln. Die Gelbe Liste bietet beispielsweise einen Interaktionscheck an.
- CBD-Therapie: Wenn Sie an einer schwer behandelbaren Form von Epilepsie leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeit einer CBD-Therapie.
Die Rolle der Forschung
Die Forschung zu Grünem Tee, seinen Inhaltsstoffen und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit, insbesondere im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, ist weiterhin wichtig. Die Freie Universität Berlin ist beispielsweise an einem interdisziplinären Forschungsverbund beteiligt, der neue Wege in der Therapie neurologischer Erkrankungen entwickeln will. Im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder wird die Forschungsoffensive unter dem Namen „Neurocure“ als besonders förderungswürdig ausgezeichnet. Mit rund 35 Millionen Euro werden die Arbeiten der Wissenschaftler in den kommenden fünf Jahren unterstützt.
Lesen Sie auch: Wirkung von Grünem Tee auf Parkinson
Lesen Sie auch: Überblick: Grüner Tee bei Parkinson
tags: #gruner #tee #epileptischer #anfall #wechelwirkung