Der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Parkinson

Die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch Bewegungsstörungen wie Steifheit oder Zittern gekennzeichnet ist. Sie wurde vor mehr als zweihundert Jahren von J. Parkinson entdeckt. Die Erkrankung führt häufig zu einem zunehmenden Verlust der Selbstständigkeit und zur Abhängigkeit von Hilfe. Bei Parkinson sterben bestimmte Zellen im Gehirn ab. Was diesen Prozess genau auslöst, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene Formen von Parkinson, darunter das primäre (idiopathische) Parkinson-Syndrom, das bis zu 80 % der Fälle ausmacht, und das sekundäre (symptomatische) Parkinson, das durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann.

Die Rolle von Botenstoffen im Gehirn

Die Gehirnzellen sind über Botenstoffe miteinander verbunden, die für die Weiterleitung von Impulsen zuständig sind. Bei Parkinson kommt es zum Absterben von Gehirnzellen in der Substantia Nigra. Diese Zellen sind nicht nur für die Herstellung von Dopamin zuständig, sondern auch für die Koordination des Menschen. Das komplexe System ist minutiös aufeinander abgestimmt. Gerät das Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen außer Kontrolle, weil die Neuronen absterben und nicht mehr die benötigten Substanzen ausschütten, kommt es zur Beeinträchtigung der Nachrichtenübermittlung und dadurch auch zu Störungen in den Bewegungsabläufen.

Symptome von Parkinson

Die Symptome von Parkinson können vielfältig sein und variieren von Patient zu Patient. Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Bradykinese): Dies ist eines der Hauptsymptome von Parkinson. Hierbei handelt es sich um einen schleichend voranschreitenden Prozess, der einzelne Körperbereiche betreffen kann (Körperhaltung, Arme, Gesicht usw.). Eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe ist am Anfang nur an Kleinigkeiten zu erkennen, zum Beispiel handwerkliche Tätigkeiten gelingen nicht mehr so flüssig wie früher. Erst wenn die Unbeweglichkeit zunimmt, kommt es zu den ersten Parkinson Symptomen. Rasch abwechselnde Bewegungsabläufe von Fingern und Händen sind für Parkinson Patienten bereits im frühen Stadium der Erkrankung kaum mehr ohne Aussetzer bzw. ohne eine Verlangsamung der Bewegungen möglich.
  • Tremor/Zittern: Ein weiteres typisches Parkinson-Syndrom ist der Tremor. In der Regel sind davon hauptsächlich die Hände betroffen, doch auch andere Körperteile, wie z. B. Bei vielen Parkinson-Patienten kommt es zu einem sogenannten Ruhe-Tremor. Das heißt, dessen Muskulatur ist vollständig entspannt. Andere Betroffene leiden wiederum an einem Aktionstremor/Haltetremor.
  • Rigor (Muskelsteifheit): Aufgrund der für Parkinson typischen langanhaltenden Muskelspannung werden die Muskeln steif. Der Betroffene hat dabei ein gewisses Lähmungsgefühl. Während des Anfangsstadiums sind nur die Oberarme, die Schultern und/oder der Nacken betroffen, so dass es hier gerne zur Fehldiagnose „Rheuma“ oder „orthopädische Probleme“ kommt. Weitere Symptome, die für Rigor sprechen, sind das Zahnrad- und/oder Kopfkissenphänomen (Die Muskulatur des Patienten steht derartig unter Spannung, dass sein Kopf beim Liegen das Kopfkissen nicht berühren kann.)
  • Posturale Instabilität (gestörte Stell- und Haltereflexe): Mit dem Voranschreiten der Parkinson-Erkrankung nehmen auch die Gleichgewichtsstörungen zu. Gerade bei Parkinson Patienten, die noch nicht im Seniorenpflegeheim leben, ist es besonders wichtig, dass möglichst alle Stolperfallen in der näheren Umgebung entfernt werden. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob für den Patienten die Anschaffung diverser Hilfsmittel ratsam ist, wie z. B.
  • Hypomimie: Die Mimik, die Gestik und die Sprache des Erkrankten verändern sich. Das Gesicht des Betroffenen wird immer ausdrucksärmer, bis der Patient im späteren Verlauf der Erkrankung kaum mehr eine Mimik zeigen kann (Hypomimie).
  • Dysarthrophonie: Je weiter die Krankheit voranschreitet, desto undeutlicher, leiser und monotoner wird die Aussprache des Patienten.

Weitere Symptome können Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Depressionen, Demenz, Blutdruckprobleme, Miktionsstörungen, Störungen der Wärmeregulation und der Talgproduktion sowie Schmerzen sein.

Diagnose von Parkinson

Sind die typischen Parkinson-Symptome feststellbar ist es für den Arzt ein Leichtes, die Krankheit zu diagnostizieren. Doch leider ist nicht jeder Patient ein Bilderbuchfall. Oft kann es Jahre dauern, bis Betroffene die richtige Diagnose bekommen. Die Diagnose stellt der Arzt anhand der typischen Bewegungsstörungen (Unbeweglichkeit, Zittern, Muskelsteifheit, Haltungsinstabilität). Liegen alle diese Symptome gleichzeitig vor, ist die Diagnosestellung recht eindeutig. Neben der ausführlichen Anamnese und den Untersuchungen zur Bewegung stehen zudem neurologische Untersuchungen sowie CT-, MRT- und Ultraschallaufnahmen zur Verfügung, um die Erkrankung zu diagnostizieren.

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Behandlung von Parkinson

Auch wenn Parkinson bislang nicht heilbar ist, können die Patienten dank moderner Therapien oft ein normales Leben ohne wesentliche Einschränkungen führen. Da die Ausprägung und der Verlauf der Parkinson-Krankheit von Patient zu Patient unterschiedlich sein können, muss auch die Behandlung an die einzelne Person angepasst werden. Die komplexe Therapie setzt sich meist aus einer medikamentösen Behandlung und weiteren Maßnahmen zusammen.

Der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Parkinson

Eine aktuelle Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen Herpes Zoster und dem Risiko für Demenz oder Parkinson. Herpes Zoster war mit einem nicht signifikanten Trend zu einem erhöhten Demenzrisiko verbunden und erhöhte das Risiko einer Parkinson-Krankheit signifikant. Subgruppenanalysen ergaben, dass Herpes Zoster das Risiko der Untergruppe prospektive Studie und der Untergruppe mit vaskulärer Demenz signifikant erhöhte. Die Ergebnisse der Metaanalyse deuten zudem auf einen potenziellen kausalen Zusammenhang mit Demenz hin.

Herpesviren können Alzheimer auslösen. Die bekanntesten sind laut dem Alzheimer Deutschland Informationsportal folgende:

  • Herpes Zoster (auch bekannt als Gürtelrose-Virus)
  • Herpes Simplex Virus Typ 1 (löst Lippenbläschen aus)
  • Herpes Simplex Virus Typ 2 (löst Bläschen im Genitalbereich aus)
  • Varizella-Zoster (Erreger der Windpocken)

Klar ist bereits, dass Menschen, die Simplex Virus Typ 1 in sich tragen, ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. In einer neuen Studie von Forschenden der Columbia Universität New York zeigt sich jetzt aber, dass es auch eine Korrelation zwischen Typ 2 und Alzheimer gibt.

Schutzwirkung der Gürtelrose-Impfung

Eine neue Untersuchung belegt: Wer sich im Alter gegen Gürtelrose impfen lässt, hat ein geringeres Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Das berichtet ein Forschungsteam der Stanford University (USA) im Fachmagazin "Nature".

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Das Team um Pascal Geldsetzer nutzte ein besonderes Studiendesign, um den Zusammenhang zwischen Gürtelrose-Impfung und Demenzrisiko zu untersuchen: ein sogenanntes "natürliches Experiment". Anlass war die Einführung eines Impfprogramms in Wales im September 2013 - mit einer klaren Altersgrenze. Wer am oder nach dem 2. September 1933 geboren wurde und damit noch keine 80 Jahre alt war, konnte sich mit dem Lebendimpfstoff Zostavax impfen lassen. Wer vor diesem Stichtag geboren war, hatte keinen Anspruch mehr.

So konnten die Forscher zwei fast identische Gruppen vergleichen - mit einem entscheidenden Unterschied: Nur eine der Gruppen hatte Zugang zur Impfung. Insgesamt wertete das Team die elektronischen Gesundheitsdaten von über 280.000 Menschen über einen Zeitraum von sieben Jahren aus. Bei etwa 35.000 Personen wurde in dieser Zeit eine Demenz diagnostiziert.

Die Impfung senkte nicht nur das Risiko für eine Gürtelrose, sondern auch das für eine Demenz. Geimpfte erkrankten im Schnitt rund 20 Prozent seltener. Konkret: Während von 100 ungeimpften Personen etwa 18 eine Demenzdiagnose erhielten, waren es bei Geimpften nur etwa 14 bis 15. Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei Frauen.

Die genaue Ursache für diesen Schutzeffekt ist noch unklar. Denkbar ist, dass die Impfung das Immunsystem so stärkt, dass es dem schädlichen Einfluss des Virus im Nervengewebe besser standhalten kann. Eine andere Hypothese ist, dass sie entzündliche Prozesse verhindert, die durch die Reaktivierung des Virus entstehen und langfristig Hirnzellen schädigen.

Laut der Autorinnen und Autoren der Studie liefere diese Studie nun einen Beweis für die Schutzwirkung der Impfung vor der Weiterentwicklung oder dem Auftreten einer Demenz. Hinsichtlich der Ursache dafür seien zwei Thesen plausibel und nicht auszuschließen: Einerseits könnte die Impfung durch das Verhindern einer Gürtelrosen-Erkrankung und der Reaktivierung des inaktiven Virus im Körper vor Demenz schützen. Andererseits könnte auch ein virusunabhängiger Effekt des Impfstoffs das Immunsystem modulieren und somit die Demenzerkrankung beeinflussen.

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