Viele ältere Menschen leiden unter mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig, was als Multimorbidität bezeichnet wird. Ein akutes Ereignis wie eine Lungenentzündung, ein Schlaganfall oder ein Knochenbruch kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und die Selbstständigkeit gefährden. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, wurde am Klinikum Lüneburg die Klinik für Geriatrie gegründet, die eng mit anderen Kliniken und Hausärzten zusammenarbeitet.
Wer gilt als geriatrischer Patient?
Als geriatrischer Patient gilt, wer an "geriatrietypischer Multimorbidität" leidet und ein höheres Lebensalter (ab Beginn des 71. Lebensjahres) aufweist oder wer 80 Jahre oder älter ist, aufgrund der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität.
Netzwerk und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Klinik für Geriatrie arbeitet eng mit anderen Kliniken zusammen, darunter Chirurgie, Unfallchirurgie, Neurologie und Urologie, sowie mit Krankenhäusern im Umkreis und Hausärzten. Geeignete Patienten werden entweder direkt in die Abteilung aufgenommen oder nach Operationen von den chirurgischen Kollegen übernommen, um rasch an der Wiedererlangung der Selbstständigkeit zu arbeiten. Ein Team aus Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Neuropsychologen, Logopäden, Ernährungstherapeuten und Entlassungsmanagern erstellt individuelle Behandlungspläne, um das akute Krankheitsbild zu behandeln, Muskelabbau vorzubeugen und den maximalen Grad an Selbstständigkeit zu erreichen.
Wöchentliche Teamsitzungen dienen dazu, Behandlungserfolge zu besprechen und Therapieänderungen vorzunehmen. Das Entlassungsmanagement kümmert sich von Beginn an um die häusliche Situation und führt Gespräche mit Angehörigen und Patienten, um eine optimale häusliche Pflege und Versorgung zu gewährleisten.
Ärztliche Behandlung
Die medizinische Behandlung geriatrischer Patienten berücksichtigt das Vorliegen mehrerer Erkrankungen und alterstypischer Krankheitssyndrome wie Sturzneigung, Inkontinenz oder dementielle Entwicklung. Das Team besteht aus Internisten, Neurologen und Konsiliarärzten verschiedener Fachrichtungen, um eine umfassende medizinische Betreuung zu gewährleisten.
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Aktivierend-therapeutische Pflege
Die aktivierend-therapeutische Pflege zielt darauf ab, ältere Patienten wieder zur größtmöglichen Selbstständigkeit hinzuführen. Dabei werden vorhandene, verdeckte Fähigkeiten berücksichtigt und individuelle Ziele erarbeitet. Die Fortschritte werden regelmäßig überprüft und die Ziele angepasst.
Neuropsychologie
Die Neuropsychologie befasst sich mit den Folgen von Erkrankungen des Gehirns auf die geistige Leistungsfähigkeit, das Sozialverhalten und das psychische Erleben. Neuropsychologen bieten psychologische Unterstützung bei seelischen Belastungen und führen Untersuchungen zur Erfassung von Gedächtnisleistungen, Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sprache und visuell-räumlichen Fähigkeiten durch. Auch die Beratung und Unterstützung von Angehörigen ist ein wichtiger Bestandteil.
Ergotherapie
Die ergotherapeutische Behandlung beginnt mit einer ausführlichen Eingangsdiagnostik der Patienten, bei der die Lebens- und Wohnsituation, der Bewegungsstatus und die kognitiven Fähigkeiten beurteilt werden. Auf dieser Basis werden individuelle Ziele erarbeitet und ein Therapieplan erstellt, der Unterstützung in der Selbstversorgung, Mobilität, Alltagsbewältigung und Beweglichkeit, Esstraining, Selbsthilfetraining, Hilfsmittelversorgung, Sturzprophylaxe, Konzentrations- und Merkfähigkeitstraining, Schreib- und Kommunikationstraining sowie kognitiv therapeutische Übungen beinhalten kann. Ziel der Ergotherapie ist die Wiedererlangung der größtmöglichen Selbstständigkeit und die Erhaltung oder Wiederherstellung der Lebensqualität.
Physiotherapie
Das physiotherapeutische Konzept orientiert sich am Befund der Patienten und wird tagesaktuell angepasst. Gemeinsam mit den Patienten und dem geriatrischen Team wird das Ziel definiert und konsequent erarbeitet. Gruppentherapien und Einzeltherapien werden angeboten, um die Mobilität, Belastbarkeit und Selbstständigkeit zu verbessern. Zusätzlich gibt es Massagen, manuelle Lymphdrainagen oder Wärmetherapie.
Logopädie
Die Logopädie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen (Dysphagie) sowie mit der Stimm- und Sprachtherapie. Schluckstörungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf und können zu Mangelernährung oder Lungenentzündung führen. Eine endoskopische Schluckdiagnostik (FEES) wird durchgeführt, um eine geeignete Kostform und Ernährungskonzepte festzulegen.
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Früherkennung von Demenz
Eine Demenz ist eine erworbene Beeinträchtigung von Intellekt, Gedächtnis und Persönlichkeit aufgrund einer degenerativen Hirnkrankheit. Demenzen führen oft zu einem schweren Verlust der Lebensqualität und sind die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit. Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung überhaupt.
Im weiteren Verlauf kommt es zu einer deutlichen Gedächtnisstörung. Es fällt den Patienten immer schwerer, neue Gedächtnisinhalte aufzunehmen (Merkfähigkeit). Der Alzheimer-Patient wird vergesslich und verliert den Überblick selbst über vertraute Situationen und Aufgaben. Im weiteren Verlauf kommt es zu räumlichen Orientierungsstörungen. Die Betroffenen bekommen Schwierigkeiten beim Rechnen, Lesen, Schreiben und fallen durch Wortfindungsstörungen auf. Bald sind sie nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben oder den Haushalt zu versorgen.
Mit standardisierten Untersuchungsverfahren (z. B. Mini-Mental-Status-Test) lassen sich die kognitiven Einbußen genauer festlegen.
Richard Gutjahr und die DNA-Analyse
Der Journalist Richard Gutjahr veröffentlichte die Analyse seines Erbgutes, seiner DNA in seinem Internetblog. Er sieht darin eine Möglichkeit, der zunehmenden Überwachung entgegenzutreten, indem er seine persönlichsten Daten öffentlich macht. Gutjahr argumentiert, dass in einer Welt ohne Geheimnisse Geheimdienste keine Macht mehr haben. Er räumt ein, dass seine Aktion eine Provokation darstellt, aber auch eine Form von Wut darüber, dass die zunehmende Überwachung so gleichgültig hingenommen wird. Er sieht sowohl Vor- als auch Nachteile in der Veröffentlichung von DNA-Daten. Einerseits könnten Krankenkassen die Daten nutzen, um Beiträge anzupassen oder Versicherungen zu verweigern, andererseits könnten sie auch Vorteile bieten, indem sie frühzeitig auf Krankheitsrisiken hinweisen.
Demenzsensible Architektur
Architektur spielt eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Umgebungen für Menschen mit Demenz. Demenzsensible Architektur berücksichtigt die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit kognitiven Einschränkungen und zielt darauf ab, Sicherheit, Orientierung und Wohlbefinden zu fördern.
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Beispiele für demenzsensible Architektur sind:
- Klare und einfache Grundrisse
- Gute Beleuchtung
- Vermeidung von blendenden Oberflächen
- Deutliche Beschilderung
- Vertraute und anregende Umgebungen
- Sichere Außenbereiche
Technische Hilfsmittel und Digitalisierung bei Demenz
Technische Hilfsmittel und die Digitalisierung bieten neue Möglichkeiten, Menschen mit Demenz im Alltag zu unterstützen und ihre Selbstständigkeit zu fördern.
Beispiele für technische Hilfsmittel sind:
- Telefone mit großen Tasten
- Sensormatten
- GPS-Tracker
- Kameraüberwachung
Die Digitalisierung ermöglicht auch neue Formen der Kommunikation und Interaktion für Menschen mit Demenz.
Initiativen und Projekte
Es gibt zahlreiche Initiativen und Projekte, die sich für die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz einsetzen. Dazu gehören Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz, Kompetenzzentren Demenz und Selbsthilfegruppen.
Ein Beispiel für ein innovatives Projekt ist das "Mathematikum im Koffer", das speziell für ältere Menschen mit Einschränkungen entwickelte Experimente bietet.