Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die viele Menschen betrifft, oft als Folge von Diabetes, Chemotherapie oder anderen Grunderkrankungen. Die Erkrankung führt zu einer Schädigung der peripheren Nerven, was die Reizweiterleitung stört und vor allem sensible Reize wie Berührungen nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. Die Symptome reichen von Kribbeln und Taubheitsgefühlen bis hin zu Muskelschwäche und Schmerzen, was den Alltag stark einschränken kann. Regelmäßige Bewegung ist eine der effektivsten Methoden, um Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu steigern und die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über geeignete Gymnastikübungen und begleitende Maßnahmen zur Behandlung von Polyneuropathie.
Die Bedeutung von Bewegung bei Polyneuropathie
Nach der Diagnose Polyneuropathie ist es entscheidend, dass Sie körperlich aktiv werden oder bleiben. Mit ausreichender Bewegung können Sie Ihre Muskulatur erhalten, Ausfälle vermeiden und Ihre Gangunsicherheit verbessern. Studien zeigen, dass körperliche Aktivität die Durchblutung fördert, die Muskeln stärkt und die Funktion des Nervensystems unterstützt. Laut einer Studie der Mayo Clinic verbessert regelmäßige Bewegung die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Nerven um bis zu 20 %, was zu einer signifikanten Verbesserung der Nervenfunktion führen kann. Bewegung fördert die Durchblutung und erhöht die Sauerstoffversorgung, was sich positiv auf die Nerven auswirkt. Moderate Bewegung kann zudem die Schmerzempfindlichkeit senken und die Schmerzverarbeitung im Gehirn verbessern. Eine andere Studie zeigt, dass Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, eine bis zu 25 % höhere Schmerzresistenz haben. Darüber hinaus stärkt Sport die Muskeln und Gelenke, was Stürzen und Instabilität vorbeugen kann. Besonders ältere Menschen, die häufig von Polyneuropathie betroffen sind, profitieren von einer verbesserten Standfestigkeit und einem geringeren Risiko für Stürze. Eine Untersuchung ergab, dass bei älteren Erwachsenen, die regelmäßig Sport treiben, das Sturzrisiko um bis zu 40 % reduziert werden kann. Sport wirkt auch stimmungsaufhellend, da durch Bewegung Endorphine ausgeschüttet werden, die das Wohlbefinden fördern. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass körperliche Aktivität das Risiko für depressive Verstimmungen um bis zu 30 % senken kann. Dies ist gerade bei chronischen Erkrankungen wie Polyneuropathie von Bedeutung, da die psychische Belastung erheblich sein kann.
Positive Auswirkungen von Bewegung bei Polyneuropathie:
- Verringerung von Taubheit in Händen und Füßen
- Reduzierung von Gangunsicherheit und Sturzrisiko
- Verbesserung von Fitness und Wohlbefinden
- Verbesserung der Herzfunktion
Geeignete Sportarten und Übungen
Es gibt verschiedene Sportarten und Übungen, die sich besonders gut für Menschen mit Polyneuropathie eignen. Wichtig ist, eine Sportart zu wählen, die die Gelenke schont und gleichzeitig die Muskulatur stärkt.
Studien zeigen, dass gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen die Belastung der Gelenke um bis zu 80 % reduzieren können, was besonders für Menschen mit Polyneuropathie wichtig ist. Gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen oder Radfahren sind ideal, da sie deine Gelenke schonen und gleichzeitig die Muskulatur stärken. Beim Schwimmen solltest du darauf achten, sanftes Brust- oder Rückenschwimmen zu bevorzugen, um die Belastung auf den Nacken zu minimieren. Schwimmen kann außerdem die Beweglichkeit der Gelenke verbessern und hilft, Verspannungen im gesamten Körper zu lösen. Die Sportart sollte die Durchblutung fördern, ohne die Nerven zu reizen, und die Muskulatur stärken, insbesondere durch sanftes Krafttraining. Radfahren eignet sich besonders gut auf ebenem Untergrund, um die Gelenke nicht zusätzlich zu belasten. Studien zeigen, dass regelmäßiges Radfahren die Muskelkraft in den Beinen um bis zu 30 % erhöhen kann, was zur Stabilisierung der Nervenverbindungen beiträgt. Außerdem ist es wichtig, dass die Sportart Flexibilität fördert und deine Balance verbessert. Besonders Yoga oder Tai Chi eignen sich gut, um Gleichgewicht und Flexibilität zu trainieren. Bei Yoga solltest du sanfte Dehnübungen wählen, um die Beweglichkeit zu steigern, und auf fortgeschrittene, belastende Posen verzichten. Eine Studie zeigt, dass Yoga bei Menschen mit Polyneuropathie die Beweglichkeit um bis zu 20 % verbessern und gleichzeitig die Schmerzen lindern kann. Tai Chi mit seinen langsamen, fließenden Bewegungen hilft dir dabei, die Balance zu verbessern, ohne die Gelenke zu strapazieren. Laut einer Studie des Journal of Rehabilitation Research & Development verbessern Tai-Chi-Übungen das Gleichgewicht und die Koordination bei Menschen mit Nervenschädigungen um bis zu 25 %. Durch diese Sportarten profitiert nicht nur die Behandlung von Polyneuropathie, sondern auch dein allgemeines Wohlbefinden und deine Gesundheit. Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 30 % senken, das Immunsystem stärken und das allgemeine Energieniveau erhöhen kann.
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Spezifische Übungen für zu Hause
Regelmäßiges Training zu Hause bildet das Fundament für eine wirksame Behandlung von Polyneuropathie. Hier sind einige Übungen, die Sie leicht in Ihren Alltag integrieren können:
- Zehenstand: Der Zehenstand stärkt nicht nur deine Wadenmuskulatur, sondern verbessert nachweislich dein Gleichgewicht. Stehe aufrecht vor einem Stuhl oder Tisch als Sicherheit, drücke dich langsam auf die Zehenspitzen und halte diese Position für einige Sekunden.
- Ballrollen: Beim Ballrollen massierst du mit den Fußsohlen einen kleinen Ball (z.B. Igelball) hin und her. Dies aktiviert die Nerven und massiert die Fußmuskulatur.
- Einbeinstand: Der Einbeinstand fordert dein Nervensystem besonders heraus. Stelle dich auf ein Bein und versuche, die Balance 20 Sekunden zu halten.
- Fingerübungen: Öffnen und schließen Sie Ihre Hände bewusst oder rollen Sie kleine Bälle zwischen den Fingern hin und her.
- "Baden" der Hände in unterschiedlichen Materialien: Das „Baden“ deiner Hände in Schüsseln mit unterschiedlichen Materialien wie Linsen oder Reis verbessert die Sensibilität spürbar.
- Knöpfe öffnen und schließen: Fortgeschrittene können Knöpfe an Hemden öffnen und schließen, während sie auf einem Bein stehen.
- Gehen in Zeitlupe: Eine weitere effektive Methode ist das Gehen in Zeitlupe für etwa 30 Sekunden. Hierbei trainierst du deine Balance intensiv und verbesserst gleichzeitig deine Gangsicherheit.
Übungen zur Verbesserung der Balance und Gangsicherheit
Mit einem Balance-Pad und einem Bewegungsball können Sie bei Polyneuropathie die Balance und die Gangsicherheit verbessern. Es reicht aus, wenn Sie jede Übung etwa zwei Minuten lang absolvieren. Verschiedene dieser Übungen lassen sich gut in den Alltag einbauen. Um nicht zu stürzen, sollten Sie zwischen einem Tisch und einem Stuhl trainieren. Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und Symptome verbessern sich, je häufiger Sie die Übungen ausführen. Beim Gleichgewichtstraining werden nicht die Muskeln, sondern die Nerven trainiert. Auch wenn das Gleichgewichtstraining täglich nur wenige Minuten erfordert, sind die ersten kleinen Erfolge bereits während des Trainings sichtbar.
Auf dem Balance-Pad können Sie beispielsweise 20 Sekunden lang stehen. Um den Schwierigkeitsgrad zu steigern, führen Sie die Übung auf einem Bein und mit geschlossenen Augen aus.
- Für die Füße: Ihre Füße trainieren Sie, indem Sie barfuß auf verschiedenen Oberflächen gehen. Mit Ihren Füßen können Sie eine am Boden liegende Zeitung greifen und zerreißen. Beim Stehen in aufrechter Haltung sollten Sie Ihre Zehenspitzen 10 Sekunden lang in den Boden drücken, ohne sie einzukrallen.
- Für die Beine: Beim Stehen auf einem Bein halten Sie 20 Sekunden lang die Balance.
- Für die Hände: Einen kleinen Gymnastikball rollen Sie über Hand und Unterarm.
Weitere geeignete Übungen bei Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie können Sie mit verschiedenen Übungen die Koordination verbessern. Das gelingt mit zwei Tennisbällen, die Sie mit beiden Händen in die Luft werfen und dann wieder auffangen.
Zur Kräftigung der Beine halten Sie sich im aufrechten Stand an einem Stuhl fest, heben die Fersen, halten kurz die Position und senken die Fersen wieder ab.
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Übungen für den sicheren Gang
Einen sicheren Gang können Sie trainieren, indem Sie bewusst im Zeitlupentempo 30 Sekunden lang gehen. Bei den einzelnen Schritten halten Sie das Gleichgewicht. Zur Sicherheit sollte sich immer ein Tisch oder ein Stuhl in Ihrer Nähe befinden. Den Schwierigkeitsgrad steigern Sie, indem Sie beim Gehen im Zeitlupentempo die Knie hochziehen oder auf Zehenspitzen gehen. Auch hier halten Sie bei den Schritten das Gleichgewicht. Sie sollten immer nach 30 Sekunden eine Pause einlegen. Trainieren Sie länger als 30 Sekunden am Stück, ist das Nervensystem überfordert.
Ein besseres Gangbild können Sie mit Übungen an einer Treppe erzielen. Dazu halten Sie sich am Geländer fest und versuchen, mit einem Bein so viele Stufen wie möglich zu nehmen. Die Übung wiederholen Sie mit dem anderen Bein.
Ergänzende Maßnahmen
Neben gezielten Übungen können Sie Ihre Polyneuropathie-Therapie durch ergänzende Maßnahmen deutlich verstärken.
- Entspannungsmethoden: Entspannungsmethoden wie Meditation, Yoga oder gezielte Atemübungen helfen, Stress abzubauen und die Schlafqualität zu verbessern. Studien zeigen, dass Yoga das Stresshormon Cortisol um bis zu 25 % reduzieren kann, was sich positiv auf die Nervenschmerzen auswirkt.
- Fußpflege: Die tägliche Fußpflege ist bei Polyneuropathie unverzichtbar. Untersuche deine Füße täglich auf Druckstellen, Rötungen und Verletzungen, die du aufgrund von Sensibilitätsstörungen eventuell nicht spürst. Für ein Fußbad sollte die Wassertemperatur maximal 37 Grad betragen, um Verbrennungen zu vermeiden.
- Hilfsmittel: Bei fortschreitender Gangunsicherheit bieten Walking-Stöcke hervorragende Unterstützung. Sie verbessern nicht nur deine Sicherheit, sondern ermöglichen dir, längere Strecken zurückzulegen.
- Ergotherapie: Eine Neuropathie kann auch die Hände betreffen. Für den Erhalt einer möglichst selbstständigen Alltagsbewältigung kann Ergotherapie sinnvoll sein. Dabei lernen Sie Übungen kennen, mit denen Sie Ihre Handfunktionen verbessern können. Das kann beispielsweise durch Training mit einem Gymnastikball passieren.
- Physiotherapie: Die Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei Beschwerden durch Neuropathie. Der Fokus liegt auf dem Gleichgewichtstraining. Damit können Stürze verhindert und Gangunsicherheiten abgebaut werden. Physiotherapie bietet gezielte Übungen, um Nervenschäden entgegenzuwirken, die Balance zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Über die Übungen hinaus kann Ihnen Physiotherapie mit Vibrationstraining, Elektrotherapie und Massagen helfen. Diese drei physiotherapeutischen Methoden können auf ganz unterschiedliche Weise gegen die Schmerzen bei Polyneuropathie helfen.
- Sensomotorisches Training: Das sensomotorische System umfasst sowohl die sensorische Reizaufnahme und -verarbeitung als auch eine adäquate Muskelantwort. Sensomotorisches Training verbindet somit Aspekte des Perzeptionstrainings (Wahrnehmungstrainings) und des motorischen und koordinativen Lernens. Studien zeigen, dass sensomotorisches Training zu neuromuskulären Anpassungen führt, die sich in einer verbesserten Koordinationsfähigkeit und Gleichgewichtskontrolle zeigen und damit das Sturz- und Verletzungsrisiko verringern. Bei sensomotorischem Training ist es wichtig, mit einfachen Übungen zu starten und diese langsam zu steigern. Übungen sollten dabei stets herausfordern, aber nicht überfordern. Der Schwierigkeitsgrad u.a. über eine Variation des Untergrunds und/oder der Standposition gesteuert werden. Beginnen Sie Übungen auf einem ebenen, festen Untergrund. Schwieriger werden die Übungen durch den Einsatz von labilen Unterlagen, wie z.B. Gymnastik-/Turnmatten, Kreiseln oder Balancepads. Weitere Schwierigkeitssteigerungen können über ein Ausschalten oder Fordern anderer Sinnesorgane erreicht werden. So werden Übungen schwieriger, wenn die Übenden die Augen schließen oder z.B. den Kopf abwechselnd langsam nach rechts und links bewegen. Auch zusätzliche kleine Bewegungs- oder Denksportaufgaben können zur Variation der Anforderung eingesetzt werden. Für ein sensomotorisches Training können z. B. Es wird ein Training mit einer Belastungs- und Pausendauer pro Übung von etwa 20 Sekunden, mit einer dreimaligen Wiederholung, empfohlen. Eine Anzahl von 3 - 5 sensomotorischen Übungen pro Trainingseinheit sollten nicht überschritten werden. Empfohlen werden zudem 2-4 Trainingseinheiten pro Woche.
Tipps für ein erfolgreiches Training
- Regelmäßigkeit: Regelmäßigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Erstelle einen festen Trainingsplan mit 4-5 Übungen und steigere langsam Umfang und Schwierigkeitsgrad. Führe alle Übungen bewusst und langsam durch.
- Aufwärmen und Dehnen: Vergiss nicht, dich aufzuwärmen und zu dehnen, um Verletzungen zu vermeiden und deine Beweglichkeit zu fördern. Laut einer Studie der Harvard Medical School verringert ein angemessenes Aufwärmen das Verletzungsrisiko um bis zu 50 %. Beginne mit leichten Übungen und steigere die Intensität schrittweise.
- Geeignete Ausrüstung: Achte darauf, geeignete Ausrüstung zu verwenden, wie stützende Schuhe oder Hilfsmittel wie Nordic-Walking-Stöcke, um deine Gelenke zu entlasten und deine Stabilität zu verbessern.
- Körperwahrnehmung: Es ist auch wichtig, dass du auf deinen Körper hörst und deine Schmerzgrenze beachtest. Überanstrengung zu vermeiden und bei Schmerzen zu pausieren ist entscheidend, um Verletzungen vorzubeugen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Regeneration und unterstützt den Körper dabei, sich nach dem Sport zu erholen. Eine Untersuchung des American Journal of Clinical Nutrition zeigt, dass der Konsum von Omega-3-Fettsäuren die Entzündungswerte im Körper um bis zu 30 % reduzieren kann. Lebensmittel wie Beeren, Walnüsse und fetter Fisch fördern die Durchblutung und wirken entzündungshemmend. Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch wie Lachs oder Makrele enthalten sind, helfen dabei, Entzündungen im Körper zu reduzieren und die Nervenfunktionen zu unterstützen. Eine Studie zeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Omega-3-Fettsäuren die Nervenregeneration um bis zu 15 % beschleunigen kann. Eiweiß ist besonders wichtig, da es die Muskelerholung unterstützt und hilft, beschädigtes Gewebe zu reparieren. Studien belegen, dass eine proteinreiche Mahlzeit nach dem Sport die Proteinsynthese um bis zu 50 % steigern kann. Gesunde Fette, wie sie in Nüssen oder Avocados enthalten sind, tragen ebenfalls zur Regeneration bei und unterstützen die allgemeine Gesundheit des Nervensystems.
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