Gynäkologische Zentren mit Spezialisierung auf neurologische Erkrankungen

Gynäkologische Zentren, die sich auf neurologische Erkrankungen spezialisiert haben, bieten eine umfassende Versorgung für Frauen mit gynäkologischen Problemen, die auch neurologische Auswirkungen haben. Diese Zentren arbeiten oft interdisziplinär mit anderen Fachabteilungen zusammen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Neurologische Symptome im gynäkologischen Kontext

Neurologische Beschwerden können im Zusammenhang mit gynäkologischen Erkrankungen vielfältig sein und mit der Lokalisation des Tumors korrelieren. Sie können einzeln oder als Mischbild auftreten. Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Hirndruckzeichen: Neu aufgetretene, anhaltende und therapieresistente Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Bewusstseinsstörung, Stauungspapille.
  • Neurologische Ausfälle: Taubheitsgefühle oder Missempfindungen, Lähmungserscheinungen (Halbseitenlähmung oder Lähmung der Extremitäten), Schwindel, Schwerhörigkeit, Sprachstörung, Schluckstörung, Sehstörung.
  • Epileptische Anfälle: Fokale oder generalisierte Anfälle.
  • Gedächtnisstörungen
  • Psychische Veränderungen: Depression, Apathie, Aggressivität.

Diagnostik neurologischer Beschwerden

Die Diagnostik beginnt in der Regel mit einem persönlichen Kontakt zu einem Arzt oder einer Ärztin, gefolgt von einer Anamnese und einer neurologischen Untersuchung. In der Regel wird eine weiterführende bildgebende Diagnostik durchgeführt.

  • MRT-Untersuchung: Die Untersuchung der Wahl bei den meisten Tumoren. Sie ermöglicht die Darstellung der weichen Tumoranteile mit oder ohne Kontrastmittel sowie die Durchführung spezieller Sequenzen, um eine genauere Verdachtsdiagnose zu stellen und die Operationsplanung zu erleichtern. Zusätzlich ermöglicht das MRT die Darstellung des Verlaufs der Nervenbahnen (z.B. der Pyramidenbahn). Damit kann die anschließende Planung unter Schonung wichtiger Strukturen im Navigationssystem erfolgen.
  • CT-Untersuchung: Wird meistens als Notfalluntersuchung aufgrund der kürzeren Untersuchungszeit bevorzugt. Sie ermöglicht die genauere Darstellung der knöchernen Strukturen und von verkalkten Tumoren. Wird oft für die Planung des Zuganges (z.B. bei Operationen an der Hirnanhangdrüse) verwendet.
  • Digitale Subtraktionsangiographie: Hilfreich besonders bei großen, gut vaskularisierten Tumoren. Durch eine präoperative Darstellung der Blutversorgung und ggf. Teilembolisation der tumor-versorgenden Gefäße wird der intraoperative Blutverlust und die OP-Zeit reduziert.

Interdisziplinäre Tumorkonferenz

In der wöchentlichen neuroonkologischen Konferenz werden die Fälle interdisziplinär besprochen. Dazu gehören Neurochirurgen, Neurologen, Neuroradiologen, Neuro-/Pathologen, Onkologen und Strahlentherapeuten. Anschließend wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Hierbei werden alle Therapiemöglichkeiten (regelmäßige bildgebende Kontrolle, Chemotherapie, Bestrahlung, weitere adjuvante Therapieoptionen) berücksichtigt und anhand der neuropathologischen Beurteilung ein individueller leitliniengerechter Behandlungsplan erstellt. Eine weitere entscheidende Rolle nehmen die Lebensqualität und der Behandlungswunsch der Patienten ein.

Therapeutische Ansätze

Die Therapie neurologischer Beschwerden im gynäkologischen Kontext ist vielfältig und wird individuell auf die Patientin abgestimmt.

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  • Operative Therapie: Das Ziel der Operation ist es, wenn möglich, den Tumor vollständig zu entfernen, ohne neue neurologische Ausfälle zu verursachen. Um dieses Ziel zu erfüllen, werden moderne Geräte (Mikroskop mit 5-ALA-Fluoreszenz, Neuronavigation mit Möglichkeit einer stereotaktischen Biopsie, intraoperatives Neuromonitoring, Ultraschalluntersuchung) eingesetzt, die uns erlauben, die Operationen mit hoher Sicherheit durchzuführen. Je nach Tumorart, werden verschiedene OP-Techniken sowie verschiedene Geräte eingesetzt, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Bei intraoperativem Nachweis eines Glioblastoms, kann ggf. eine intradurale Chemotherapie durch den lokalen Einsatz von Gliadel-Wafer (Carmustin) intraoperativ begonnen werden.

    • Intraoperatives Neuromonitoring (IONM): Für die Überwachung oder Identifikation der motorischen Nervenbahnen und des motorischen Kortex wird mit Hilfe des intraoperativen Neuromonitoring (IONM) ein kortikales oder subkortikales Mapping zur durchgeführt. Zusätzlich können die motorischen Bahnen anhand vorheriger spezieller MRT-Untersuchung im Neuronavigationsgerät dargestellt werden (Traktographie). Diese Funktionen erlauben uns auch Tumoren, die sich in der unmittelbaren Nähe der neurologisch relevanten Bereiche befinden, zu entfernen.
    • Operation im wachen Zustand: Die Sprachfunktion der Patienten kann nicht mittels IONM überwacht werden. Sollte sich der Tumor in der Nähe des Sprachzentrums befinden, wird eine Operation im wachen Zustand unter lokaler Betäubung und mit Hilfe beruhigender Medikamente durchgeführt. Hierbei wird der Patient nach einer entsprechenden Vorbereitung initial in Vollnarkose operiert und währen der Operation für einen definierten Zeitraum in den wachen Zustand geholt. Nach der Identifikation des Sprachzentrums erfolgt die Resektion des Tumors im anhaltend wachen Zustand um ein kontinuierliches Monitoring der Sprache zu ermöglichen. Nach Abschluss der Tumorresektion erfolgt die weitere Operation in Vollnarkose. Wir begleiten die Patienten dabei sowohl chirurgisch als auch psychoonkologisch.
  • Strahlentherapie: Die Indikation zur Durchführung einer Strahlentherapie wird im Rahmen der Tumorkonferenz getroffen. Das Ziel der Therapie ist es, das Tumorwachstum durch eine Störung des Zellteilungsprozesses innerhalb des Tumors zu verlangsamen und ggf. Tumormasse im Verlauf zu reduzieren. Je nach Bestrahlungsplan, kann die Therapie als einmalige (z.B. Radiochirurgie) oder wiederholte (fraktionierte) Behandlung erfolgen.

  • Chemotherapie: Die Therapie kann intravenös oder in Tablettenform erfolgen. Die Medikamente (Chemotherapeutika oder Zytostatika) führen dazu, dass die Teilung der Tumorzellen gestört wird und dadurch der Abbau durch körpereigene Zellen erfolgen kann. Abhängig von der Tumorart werden verschiede Medikamente genutzt (Temozolomid, Lomustin, Procarbazin + Lomustin, Carmustin, etc.).

  • Tumor Treating Fields (TTF): Dies ist eine lokale, nicht-invasive Behandlung für Gliome WHO-Grad 4 (Glioblastom und Astrozytom WHO III). Durch die lokale Stimulation mit elektrischen Wechselfeldern bestimmter Frequenzen wird der Teilungsprozess der Tumorzellen gestört und dadurch das Wachstum des Tumors gehemmt. Die Behandlung findet im häuslichen Umfeld statt und gehört neben Radio- und Chemotherapie zur Standardtherapie bei neudiagnostizierten Gliomen WHO Grad 4. Die Therapie erfordert die vollständige Rasur des Kopfes mit anschließendem Kleben der elektrischen Transducer direkt auf die Kopfhaut. Die Therapie erfolgt ideal kontinuierlich, ganztägig, mit Hilfe eines kleinen taschenförmigen Generators.

Nachsorge

Je nach Tumorart und durchgeführter postoperativen Therapie erfolgt eine regelmäßige bildgebende und klinische Kontrolle. Das Intervall der Kontrolle wird im Rahmen der Tumorkonferenz festgelegt. Ziel der regelmäßigen Untersuchungen ist ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

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Spezialisierte gynäkologische Zentren

Einige gynäkologische Zentren haben sich auf die Behandlung von Patientinnen mit Krebserkrankungen spezialisiert. Die Klinik für Gynäkologie in Berlin-Friedrichshain hat sich auf die gynäkologische Onkologie mit Abdeckung des gesamten gynäko-onkologischen Spektrums spezialisiert. Dazu gehört die Behandlung bei:

  • Vulva-, Vagina-, Zervix-, Uterus- und Ovarialkrebs
  • Keimzelltumoren
  • Keimstrangstromatumoren
  • Trophoblasterkrankungen und Chorionkrebs

Diese Zentren arbeiten eng mit anderen Fachabteilungen zusammen, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten. Sie legen besonderen Wert auf eine gute Abstimmung mit den niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen, Fachärztinnen und Fachärzten der Onkologie sowie verbundener Fachrichtungen.

Kompetente und einfühlsame gynäkologische Behandlung

Diese Zentren legen Wert auf eine kompetente medizinische Versorgung und menschlich einfühlsame Betreuung. Ein Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften und physiotherapeutischem Fachpersonal unterstützt die Patientinnen auf dem Weg der Genesung. Bei Bedarf werden sie durch Seelsorgerinnen und Seelsorger oder ärztliches Fachpersonal der psychiatrischen Abteilung unterstützt. Für die Zeit nach dem Klinikaufenthalt hilft der Sozialdienst bei der Organisation von Rehabilitation und Anschlussbehandlungen.

Forschung und Weiterbildung

Viele gynäkologische Kliniken beteiligen sich aktiv an der Forschung zur Verbesserung der Frauenheilkunde. Sie bilden sich regelmäßig fort und legen großen Wert auf den Austausch mit anderen Fachabteilungen.

Universitäts-Frauenkliniken

Universitäts-Frauenkliniken befassen sich mit der Erkennung, Vorbeugung und Heilung von spezifischen Erkrankungen von Frauen und betreiben eine umfangreiche Versorgung rund um Schwangerschaft & Geburt und den gynäkologischen Erkrankungen. Sie bieten oft spezialisierte Zentren für Brustkrebs und gynäkologische Krebserkrankungen an.

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Mutter-Kind-Zentren

In Mutter-Kind-Zentren (universitäres Perinatalzentrum Level I) werden Patientinnen und ihre Kinder während der gesamten Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett betreut. Neben einer langjährigen Erfahrung als babyfreundliche Klinik ist die Geburtshilfe spürbar zugewandt und individuell und stärkt die eigenen Kompetenzen der betreuten Familien.

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