Die Diagnose Krebs und die damit einhergehenden Behandlungen stellen eine immense Belastung für Körper und Psyche dar. Ein häufiges Anliegen von Betroffenen ist die Frage, wie sich die Therapie auf den Haarwuchs auswirkt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Haarverlust nach einer Hirntumor-Operation, insbesondere im Zusammenhang mit Strahlentherapie und Chemotherapie, und stellt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten sowie Strategien zum Umgang mit dieser Nebenwirkung vor.
Ursachen für Haarausfall nach Hirntumor-Behandlung
Haarausfall ist eine häufige Nebenwirkung von Krebsbehandlungen, insbesondere von Chemotherapie und Strahlentherapie. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und hängen von der Art der Behandlung, der Strahlendosis und der individuellen Veranlagung ab.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie ist eine gängige Behandlungsmethode bei Hirntumoren. Dabei werden radioaktive Strahlen eingesetzt, um die Krebszellen zu zerstören. Die Strahlen wirken jedoch nicht nur auf die Krebszellen, sondern können auch gesunde Zellen im bestrahlten Gewebe schädigen.
- Wirkprinzip: Die Strahlung bringt Energie in die Krebszellen ein, wodurch diese zerstört werden.
- Nebenwirkungen: Die Strahlen können auch gesunde Zellen schädigen, was zu Nebenwirkungen wie Hautreaktionen, Müdigkeit und Haarausfall führen kann.
- Haarausfall: Bei einer Strahlentherapie im Kopfbereich fallen den meisten Patienten die Haare ganz oder teilweise aus. In mehr als der Hälfte der Fälle ist der Haarverlust von Dauer. Die Wahrscheinlichkeit und der Schweregrad des Haarausfalls hängen von der Strahlendosis ab. Protonenbestrahlung scheint besonders häufig zu Haarausfall zu führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Bestrahlung von Körperregionen fernab des Kopfes keinen Einfluss auf den Haarwuchs hat.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist eine weitere häufige Behandlungsmethode bei Krebs. Dabei werden Medikamente, sogenannte Zytostatika, eingesetzt, die das Wachstum von Krebszellen hemmen. Zytostatika wirken besonders auf sich schnell teilende Zellen, zu denen neben den Tumorzellen auch die Haarwurzelzellen gehören.
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- Wirkprinzip: Zytostatika greifen in den Zellteilungsprozess ein und zerstören so die Krebszellen.
- Nebenwirkungen: Da Zytostatika auch gesunde Zellen angreifen, können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Haarausfall auftreten.
- Haarausfall: Etwa zwei bis vier Wochen nach Beginn der Chemotherapie kann es zu Haarausfall kommen. Ob und wie stark die Haare ausfallen, hängt von der Art des Zytostatikums, der Dosierung und der individuellen Veranlagung ab. Auch Körperbehaarung, Wimpern, Augenbrauen und Barthaare können betroffen sein.
Eine Kombinations-Chemo mit Doxorubicin, Cyclophosphamid und Paclitaxel führt sehr häufig zu Haarausfall.
Zielgerichtete Therapien
Zielgerichtete Therapien greifen in spezifische Strukturen der Krebszellen ein, die für deren Wachstum und Überleben wichtig sind. Auch diese Therapien können Nebenwirkungen verursachen, die sich auf Haut und Haare auswirken.
- Haarausfall: In seltenen Fällen können zielgerichtete Therapien zu teilweisem Haarausfall führen. Häufiger kommt es zu Veränderungen der Haarstruktur und -farbe oder zu dünnerem und brüchigem Haar. Bei Männern kann der Bartwuchs zurückgehen.
Antihormontherapie
Eine Antihormontherapie kann ebenfalls Haarausfall verursachen, da sowohl Östrogene als auch Androgene auf die Haarfollikel wirken.
Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall nach Strahlentherapie
Die Behandlung von dauerhaftem Haarverlust nach einer Bestrahlung des Kopfes ist schwierig. Eine Studie des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York hat jedoch gezeigt, dass eine 5-prozentige Minoxidil-Lösung bei einigen Patienten helfen kann.
- Minoxidil: In der Studie besserte sich der Haarausfall bei 82 Prozent der Patienten, die mit Minoxidil behandelt wurden.
- Haartransplantation: In einigen Fällen kann eine Haartransplantation oder ein plastisch-chirurgischer Eingriff den Haarverlust korrigieren.
Umgang mit Haarausfall während der Krebstherapie
Haarausfall kann eine große seelische Belastung für Krebspatienten darstellen. Es gibt jedoch verschiedene Strategien, um mit dieser Nebenwirkung umzugehen und das Selbstwertgefühl zu stärken.
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Perücken und Kopfbedeckungen
Viele Patienten entscheiden sich für eine Perücke, um den Haarverlust zu kaschieren. Es ist ratsam, sich frühzeitig an einen versierten Friseur oder ein Perückenstudio zu wenden, um eine passende Perücke anfertigen zu lassen. Alternativ können auch Tücher, Hüte, Turbane, Baseballkappen oder Stirnbänder getragen werden.
- Perücken: Heutige Perücken sind leicht, atmungsaktiv und wirken natürlich. Echthaarperücken sind teurer und pflegeaufwändiger, können aber gefärbt und gelockt werden.
- Kopfbedeckungen: Tücher, Baseballkappen, Schirmmützen, Fischerhüte und Strohhüte eignen sich gut als Sonnenschutz im Sommer. Im Winter können Hüte und Mützen aus Wolle, Kunstpelz, Samt und Strick vor Kälte schützen.
Kosmetik und Hautpflege
Schon einfache Tricks und Tipps können helfen, sich wohler zu fühlen. Schmuck oder die Betonung der Augen oder des Mundes durch Kosmetika können die Aufmerksamkeit von der Frisur ablenken.
- Seminare: Viele Organisationen bieten Kosmetikseminare, Pflege- und Haarprogramme oder Beratung bei der Wahl von Prothesen und Perücken an.
Unterstützung und Austausch
In Selbsthilfegruppen und Gesprächen mit anderen Betroffenen können Sie Ihren Kummer äußern und erfahren, wie andere mit ähnlichen Problemen umgehen.
Tipps für die Haarpflege während der Therapie
Haare und Kopfhaut können durch Krebstherapien besonders sensibel sein. Daher sollten sie vorsichtig gewaschen werden:
- Shampoo: Verwenden Sie lauwarmes Wasser und ein sehr mildes Shampoo. Dies gilt auch für die Kopfhaut ohne Haare.
- Kopfhautpflege: Schützen Sie die Kopfhaut vor dem Austrocknen mit fetthaltigen Salben oder Olivenöl.
- Sonnenschutz: Tragen Sie im Freien ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor oder eine Kopfbedeckung.
- Kälteschutz: Schützen Sie die Kopfhaut im Winter vor Kälte mit einer Kopfbedeckung.
Nach dem Ende der Therapie
Im Normalfall wachsen die Haare nach dem Ende der Therapie wieder nach, etwa einen Zentimeter im Monat. Manchmal haben die nachwachsenden Haare eine andere Farbe oder Struktur. Körperhaare brauchen etwas länger, um nachzuwachsen.
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- Haarwachstum: Etwa drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind die Kopfhaare meist schon wieder so weit nachgewachsen, dass viele Patienten ohne Perücke oder Kopfbedeckung auskommen.
- Haarveränderungen: Viele Betroffene berichten, dass das neu nachgewachsene Haar nach einer Krebstherapie verändert aussieht: Meistens ist das Haar etwas gewellt oder gelockt und die Farbe weicht ab.
- Dauerhafte Schäden: Nur wenige Betroffene berichten von dauerhaften Schäden durch Krebsmedikamente. Lediglich Patienten, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarktransplantation erhalten hatten, berichten von dauerhaftem Haarverlust.
Kostenübernahme für Haarersatz
Gesetzlich versicherte Frauen, Kinder und Jugendliche, bei denen infolge einer Krebstherapie Haarausfall droht, erhalten eine Perücke auf Rezept. Nicht alle gesetzlichen Krankenversicherungen finanzieren eine Perücke für männliche Krebspatienten.
- Rezept: Auf dem Rezept für die Perücke sollten Unverträglichkeiten oder Hauterkrankungen des Patienten ausdrücklich vom behandelnden Arzt erwähnt werden.
- Kostenvoranschlag: Es ist ratsam, sich frühzeitig von einem zertifizierten Zweithaar-Spezialisten beraten zu lassen. Dieser erstellt einen Kostenvoranschlag und übernimmt die Abrechnung mit der Krankenkasse.
Hypophysenadenom und seine Behandlung
Ein Hypophysenadenom ist ein gutartiger Hirntumor an der Hirnanhangdrüse, der sich auf den Hormonhaushalt auswirken kann. Er kann operativ entfernt oder medikamentös behandelt werden.
- Symptome: Die Symptome sind vielfältig und hängen von der Größe und Hormonaktivität des Tumors ab. Kleine, hormoninaktive Adenome verursachen oft keine Beschwerden. Größere oder hormonaktive Tumore können zu hormonellen Problemen, Druck auf die Sehnervenkreuzung oder Einblutungen führen.
- Diagnostik: Bei Verdacht auf ein Hypophysenadenom wird eine MRT mit Kontrastmittel durchgeführt. Außerdem sind endokrinologische und augenärztliche Untersuchungen sinnvoll.