Eine Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine akute Entzündung der Hirnhäute, die Gehirn und Rückenmark umschließen. Bakterielle Meningitis kann schwerwiegend sein und zu Tod oder schwerer Invalidität führen. Zu den möglichen Folgen einer Meningitis gehören Entwicklungsstörungen, Intelligenzminderung, Schädigung des Innenohrs, Hirnnervenlähmungen, Krampfanfälle und eben auch halbseitige Lähmungen.
Meningitis: Was ist das?
Eine Meningitis ist eine akute Entzündungskrankheit, die die Hirnhäute (Meningen) befällt. Jedes Jahr gibt es in Deutschland viele neue Fälle von bakterieller Meningitis, vor allem bei Kindern unter einem Jahr. Die Meningitis kann durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht werden. Besonders schwerwiegend sind bakterielle Hirnhautentzündungen, da sie zum Tod des Patienten oder schwerer Invalidität führen können.
Ansteckung und Prävention
Hirnhautentzündungen sind besonders ansteckend und können sich durch Speicheltröpfchen übertragen, wenn man sich in der Nähe eines Erkrankten aufhält. Diese Tröpfchen verteilen sich in der Luft beim Sprechen, Niesen oder Husten. Die derzeit einzige Möglichkeit zur Prävention einer Meningitis ist eine Impfung. Babys können beispielsweise gegen Haemophilus influenzae, Meningokokken und Pneumokokken geimpft werden. Auch gegen Mumps, eine häufige Ursache von Hirnhautentzündung, gibt es einen Impfstoff.
Symptome einer Meningitis
Zu den häufigsten Symptomen einer Hirnhautentzündung gehören:
- Hohes Fieber
- Schmerzender oder steifer Hals (Meningismus)
- Intensive Kopfschmerzen
- Erbrechen (oft ohne Übelkeit)
- Schläfrigkeit
- Konvulsionen
- Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen
- Krampfanfälle oder Lähmungen
- Hörstörungen
- Hautveränderungen (z.B. Blaue Flecken, Petechien)
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle diese Symptome gleichzeitig auftreten müssen. Bei Verdacht auf Meningitis sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da eine frühzeitige Behandlung die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden verringert.
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Halbseitige Lähmung (Hemiparese/Hemiplegie) als Folge von Meningitis
Eine der möglichen schwerwiegenden Folgen einer Meningitis ist die halbseitige Lähmung, auch Hemiparese oder Hemiplegie genannt.
Was ist eine Hemiparese/Hemiplegie?
Die Hemiparese (unvollständige Lähmung) bzw. Hemiplegie (vollständige Lähmung) bezeichnet eine Lähmung einer Körperhälfte. Sie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das aus verschiedenen Grunderkrankungen resultiert, darunter auch Meningitis.
Ursachen der Hemiparese nach Meningitis
Entzündungen im Bereich des zentralen Nervensystems (ZNS), wie Meningitis oder Enzephalitis, können eine Spastik und somit auch eine Hemiparese verursachen. Die Meningitis kann durch bakterielle oder virale Infektionen verursacht werden. Viren und Bakterien, die das Gehirn angreifen, zerstören das Nervengewebe und beeinträchtigen die Muskelkontrolle.
Eine Schädigung einer Gehirnhälfte führt zu einer Lähmung der gegenüberliegenden Körperhälfte. Bei einer Meningitis kann die Entzündung die Nervenbahnen im Gehirn schädigen, die für die Steuerung der Muskeln verantwortlich sind. Dies kann zu einer Schwächung oder Lähmung der Muskeln auf einer Körperseite führen.
Symptome der Hemiparese
Eine Hemiparese äußert sich durch eine schwache oder gelähmte Muskelgruppe auf einer Körperseite. Abhängig von der Lokalisation des Hirnschadens können sowohl motorische als auch sensorische Funktionen beeinträchtigt sein. Zu den typischen Anzeichen gehören:
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- Schwäche in Arm und/oder Bein: Die betroffenen Gliedmaßen können nicht mehr kraftvoll bewegt werden.
- Koordinationsstörungen: Das Gehen und das Gleichgewicht sind stark beeinträchtigt. Betroffene können nicht mehr richtig greifen.
- Sensibilitätsstörungen: Die Fähigkeit, Berührungen, Schmerzen oder Temperaturänderungen wahrzunehmen, ist reduziert.
- Gesichtslähmung (Faszialisparese): Eine Gesichtshälfte kann erschlaffen, was zu asymmetrischen Gesichtszügen führt.
- Sprach- und Schluckstörungen: Betroffene haben oft Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken.
- Spastische und schlaffe Hemiparese: Die Muskelspannung kann entweder erhöht (spastische Hemiparese) oder vermindert (schlaffe Hemiparese) sein.
Diagnose der Hemiparese
Die Diagnose einer Hemiparese beginnt meist mit einer ausführlichen klinischen Untersuchung, bei der der Arzt die Muskelkraft, Koordination und Reflexe testet. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) sind entscheidend, um die genaue Ursache der Hemiparese zu identifizieren und den Ort sowie das Ausmaß der Hirnschädigung festzustellen. Zusätzlich können weitere Tests wie Blutuntersuchungen, Elektroenzephalographie (EEG) oder Lumbalpunktion durchgeführt werden, um Infektionen, Entzündungen oder andere begleitende Erkrankungen auszuschließen.
Differentialdiagnosen
Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für eine akute Parese auszuschließen, wie z.B.:
- Transistorisch ischämische Attacke (TIA) und Apoplex (Schlaganfall)
- Hypoglykämie (Unterzuckerung)
- Porphyrie (genetische Stoffwechselerkrankung)
- Chronisches Subduralhämatom (Bluterguss im Gehirn)
- Hirntumoren
- Guillain-Barré-Syndrom (Autoimmunerkrankung des Nervensystems)
- Multiple Sklerose (chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems)
- Migräne
- Transverse Myelitis (Entzündung des Rückenmarks)
Behandlung der Hemiparese nach Meningitis
Die Behandlung der Hemiparese nach Meningitis zielt darauf ab, die Folgeschäden zu vermindern und eine Besserung zu erzielen. Da die spastische Lähmung nicht heilbar ist, konzentriert sich die Therapie auf die Rehabilitation und die Verbesserung der Lebensqualität des Betroffenen.
Akutbehandlung
Die erste Phase der Behandlung konzentriert sich darauf, die Ursache der Hemiparese zu behandeln. Bei einer Meningitis werden Antibiotika oder antivirale Medikamente verabreicht, um die Infektion zu bekämpfen.
Rehabilitation und Therapie
Nach der Akutbehandlung beginnt die langwierige Phase der Rehabilitation, die oft mehrere Bereiche umfasst:
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- Physiotherapie: Ziel ist es, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern. Durch gezielte Übungen sollen Patienten lernen, ihre Bewegungen wieder zu kontrollieren. Gerade bei einer Schädigung des zentralen Nervensystems kommt häufig Krankengymnastik nach Bobath in Betracht. Möglich sind zum Beispiel auch die manuelle Therapie oder Krankengymnastik an Geräten.
- Ergotherapie: Hier liegt der Fokus auf alltäglichen Aktivitäten wie Anziehen, Essen und Körperpflege. Die Feinmotorik wird trainiert, um die Selbstständigkeit der Betroffenen zu erhöhen.
- Logopädie: Sprach- und Schlucktherapien helfen, die Kommunikationsfähigkeiten und die Nahrungsaufnahme zu verbessern.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Belastungen, die durch die Hemiparese entstehen können.
Medikamentöse Therapie
Bei ausgeprägten Spasmen werden ergänzend zur Physiotherapie auch Medikamente eingesetzt. Durch Muskelrelaxanzien wird eine Entspannung der Skelettmuskulatur bewirkt. In der Behandlung von Patienten mit Spastik wird auch Botulinumtoxin - besser bekannt als Botox - eingesetzt. Durch die Injektion des Nervengiftes in stark verdünnter Form wird die Reizweiterleitung von den Nervenfasern auf die Muskeln gehemmt. Für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten lassen die Verspannungen deutlich nach. In Kombination mit einer intensiven Physiotherapie lassen sich so deutliche Behandlungserfolge erzielen. Botox kann langfristig eingesetzt werden.
Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag
- Gehhilfen (z.B. Rollstühle, Treppenlifte) und spezielle Bestecke können den Alltag erheblich erleichtern.
- Wohnraumanpassungen (z.B. Entfernen von Stolperfallen, Einbau von Haltegriffen im Bad) erhöhen die Sicherheit.
Interdisziplinärer Ansatz
Ein ganzheitlicher, interdisziplinärer Ansatz ist besonders wirksam. Es berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse der Patienten und fördert die Wiederherstellung verlorener Funktionen durch die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche.
Prognose und Komplikationen
Die Prognose bei Hemiparese hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache, dem Schweregrad der Schädigung und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Bei frühzeitiger und intensiver Rehabilitation können viele Patienten deutliche Fortschritte erzielen und teilweise ihre Selbstständigkeit wiedererlangen. Die Erholung kann jedoch Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern.
Bei vielen Patienten entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung Spastiken, also Verkrampfungen der Muskeln, die zu schmerzhaften Verhärtungen führen können. Unbehandelt können diese Spastiken zu dauerhaften Verkürzungen der Muskeln und Gelenke (Kontrakturen) führen. Zudem können durch die eingeschränkte Mobilität und die einseitige Belastung des Körpers sekundäre Gesundheitsprobleme wie Gelenkverschleiß, Druckgeschwüre oder tiefe Venenthrombosen auftreten. Regelmäßige Bewegung und eine gute Hautpflege sind daher essenziell.
Leben mit Hemiparese: Tipps für Patienten und Angehörige
Für Patienten:
- Gehhilfen nutzen
- Wohnraumanpassungen vornehmen
- Regelmäßige Bewegung
- Gesunde Ernährung
- Rauchstopp und Alkoholverzicht
- Selbsthilfegruppen besuchen
- Psychologische Begleitung in Anspruch nehmen
Für Angehörige:
- Geduld und Empathie zeigen
- Gemeinsame Aktivitäten planen
- Pflegeschulungen besuchen
- Auf die eigene Gesundheit achten
- Entlastungsangebote nutzen
Fortschritte in der Behandlung der Hemiparese
Neueste therapeutische Ansätze nutzen die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu schaffen (Neuroplastizität), um verlorene Funktionen wiederzuerlangen. Robotergestützte Therapien und Exoskelette unterstützen die Physiotherapie und ermöglichen gezieltes, intensives Training. Kontinuierliche Forschung und klinische Studien tragen dazu bei, die Behandlungsmöglichkeiten für Hemiparese zu erweitern und zu verbessern.
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