Hämatom nach Lumbalpunktion: Ursachen und Behandlung

Ein Hämatom nach einer Lumbalpunktion ist eine mögliche Komplikation, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten eines solchen Hämatoms.

Einführung

Eine Lumbalpunktion ist ein medizinisches Verfahren, bei dem eine Nadel in den Spinalkanal eingeführt wird, um Liquor cerebrospinalis (Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) zu entnehmen. Obwohl es sich um einen relativ sicheren Eingriff handelt, können in seltenen Fällen Komplikationen wie Hämatome auftreten. Ein Hämatom entsteht, wenn Blut aus beschädigten Blutgefäßen ins umliegende Gewebe oder in Körperhöhlen gelangt. Im Falle einer Lumbalpunktion kann dies im Bereich des Wirbelkanals geschehen.

Ursachen für ein Hämatom nach Lumbalpunktion

Verschiedene Faktoren können zur Entstehung eines Hämatoms nach einer Lumbalpunktion beitragen:

  1. Verletzung von Blutgefäßen: Während der Punktion können Blutgefäße im Wirbelkanal verletzt werden. Dies ist besonders wahrscheinlich, wenn die Punktion schwierig ist oder der Patient sich während des Eingriffs bewegt. Die Blutung aus den verletzten Gefäßen führt dann zur Bildung eines Hämatoms.

  2. Blutgerinnungsstörungen: Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder solche, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen (z. B. Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, Phenprocoumon), haben ein erhöhtes Risiko für Hämatome. Diese Medikamente und Störungen beeinträchtigen die Fähigkeit des Körpers, Blutungen zu stoppen, was zu größeren Hämatomen führen kann.

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  3. Anatomische Faktoren: Anatomische Variationen im Bereich der Lendenwirbelsäule können die Punktion erschweren und das Risiko von Gefäßverletzungen erhöhen.

  4. Iatrogene Ursachen: Selten kann ein Hämatom auch durch iatrogene Ursachen entstehen, also durch medizinische Eingriffe selbst, beispielsweise wenn die Punktionstechnik nicht optimal ist.

  5. Erhöhter intrakranieller Druck (ICP): Obwohl nicht direkt eine Ursache für das Hämatom selbst, kann ein erhöhter intrakranieller Druck (ICP) zu einem Vakuumeffekt führen, der eine Vasodilatation und eine weitere Blutungsneigung verursacht.

  6. Infektionskrankheiten: Nervenwurzeln können auch direkt durch Infektionskrankheiten bedroht werden, was sekundär zu Blutungen führen kann.

Symptome eines Hämatoms nach Lumbalpunktion

Die Symptome eines Hämatoms nach einer Lumbalpunktion können variieren, abhängig von der Größe und Lokalisation des Hämatoms. Einige häufige Symptome sind:

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  1. Lokale Schmerzen: Schmerzen im Bereich der Punktionsstelle sind ein häufiges Symptom. Diese Schmerzen können dumpf, stechend oder brennend sein und sich bei Bewegung verstärken.

  2. Rückenschmerzen: Ausstrahlende Rückenschmerzen können auftreten, insbesondere wenn das Hämatom auf Nervenwurzeln drückt. Radikuläre Schmerzen entstehen durch Reizung, Druck oder Schädigung von Nervenwurzeln und strahlen typischerweise entlang des Versorgungsgebietes (Dermatom) des Spinalnervs aus.

  3. Neurologische Ausfälle: In schweren Fällen kann ein großes Hämatom auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln drücken und neurologische Ausfälle verursachen. Diese können sich als Schwäche, Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Beinen äußern. In seltenen Fällen kann es auch zu Blasen- oder Darmfunktionsstörungen kommen.

  4. Kopfschmerzen: Kopfschmerzen können als Folge der Lumbalpunktion auftreten, aber auch durch die Kompression des Rückenmarks oder der Hirnhäute durch das Hämatom verstärkt werden.

  5. Sichtbarer Bluterguss: Ein sichtbarer blauer Fleck (Hämatom) an der Punktionsstelle ist ein deutliches Zeichen für eine Blutung. Die Farbe des Blutergusses kann sich im Laufe der Zeit verändern, von rot über blau und grün bis hin zu gelb und braun.

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  6. Schwellung: Eine Schwellung im Bereich der Punktionsstelle kann ebenfalls auftreten.

Diagnose

Die Diagnose eines Hämatoms nach einer Lumbalpunktion umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren.

  1. Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt wird zunächst nach den Symptomen, dem zeitlichen Verlauf und eventuellen Risikofaktoren (z. B. Blutgerinnungsstörungen, Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten) fragen. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Bereich der Punktionsstelle untersucht, um Schwellungen, Blutergüsse und neurologische Ausfälle festzustellen.

  2. Bildgebende Verfahren:

    • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das empfohlene bildgebende Verfahren zur Diagnose eines Hämatoms im Wirbelkanal. Sie kann die Größe, Lokalisation und Ausdehnung des Hämatoms genau darstellen und feststellen, ob das Rückenmark oder die Nervenwurzeln komprimiert werden.
    • Computertomographie (CT): Eine CT-Untersuchung kann ebenfalls zur Diagnose eines Hämatoms verwendet werden, ist aber in der Regel weniger sensitiv als die MRT. Sie kann jedoch hilfreich sein, um knöcherne Strukturen und andere mögliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen.
  3. Lumbalpunktion: Wenn die Diagnose unklar ist oder eine Infektion vermutet wird, kann eine erneute Lumbalpunktion durchgeführt werden, um den Liquor zu untersuchen. Dies ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die Punktion selbst das Hämatom vergrößern könnte. Typischerweise zeigt sich bei frischer SAB ein blutiger, bei länger zurückliegender SAB ein xanthochromer Liquor.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome nach einer Lumbalpunktion auszuschließen. Dazu gehören:

  • Postpunktioneller Kopfschmerz: Kopfschmerzen, die durch den Liquorverlust nach der Punktion verursacht werden.
  • Meningitis: Eine Entzündung der Hirnhäute, die durch eine Infektion verursacht wird.
  • Nervenwurzelreizung: Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel, die ähnliche Schmerzen und neurologische Ausfälle verursachen kann wie ein Hämatom.
  • Radikulopathie: Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, kommt es zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen.

Behandlung

Die Behandlung eines Hämatoms nach einer Lumbalpunktion richtet sich nach der Größe des Hämatoms, den Symptomen und dem Vorliegen neurologischer Ausfälle.

  1. Konservative Behandlung:

    • Schmerzlinderung: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen können vorübergehend auch Opioide verordnet werden.
    • Kühlung: Das Auflegen von Kühlpackungen auf die Punktionsstelle kann helfen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
    • Hochlagern: Das Hochlagern der Beine kann den Blutfluss verbessern und Schwellungen reduzieren.
    • Beobachtung: Kleine Hämatome, die keine neurologischen Ausfälle verursachen, können in der Regel konservativ behandelt und beobachtet werden.
  2. Medikamentöse Therapie:

    • NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren.
    • Opioide: In einigen Fällen können vorübergehend Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
    • Muskelrelaxanzien: Muskelentspannende Muskelrelaxanzien können bei Muskelverspannungen helfen.
    • Antidepressiva: Bei chronischen Schmerzen können Antidepressiva eingesetzt werden.
    • Kortikosteroide: Bei Radikulopathie wird ein Gemisch aus Kortison und Betäubungsmitteln in die Nähe der gereizten Nervenwurzel gespritzt.
  3. Physiotherapie: Je nach Ursache können physiotherapeutische Behandlungen helfen, z. B. mit Kälte oder Wärme. Krankengymnastik dehnt und stärkt die Muskulatur und lindert dadurch die Schmerzen.

  4. Interventionelle Schmerztherapie: Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass eine konservative Therapie nichts ausrichten kann. Dabei wird z. B. ein Gemisch aus Kortison und Betäubungsmittel an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt.

  5. Chirurgische Behandlung:

    • Dekompression: Wenn das Hämatom groß ist und das Rückenmark oder die Nervenwurzeln komprimiert, kann eine chirurgische Dekompression erforderlich sein. Dabei wird das Hämatom operativ entfernt, um den Druck auf die Nervenstrukturen zu entlasten.
    • Hämatomausräumung: Blutergüsse können sich von selbst zurückbilden. Bilden sie sich nicht zurück, werden sie ausgeräumt.

Komplikationen

Ein unbehandeltes oder großes Hämatom nach einer Lumbalpunktion kann zu verschiedenen Komplikationen führen:

  • Chronische Schmerzen: Anhaltende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule.
  • Neurologische Defizite: Dauerschäden an den Nervenwurzeln oder dem Rückenmark, die zu Schwäche, Taubheitsgefühl oder Blasen- und Darmfunktionsstörungen führen können.
  • Kompartmentsyndrom: In seltenen Fällen kann es zu einem Kompartmentsyndrom kommen, bei dem der Druck innerhalb eines Muskelkompartiments so stark ansteigt, dass die Blutversorgung der Nerven und Muskeln beeinträchtigt wird.
  • Infektion: Eine Infektion des Hämatoms ist selten, aber möglich.

Prävention

Obwohl nicht alle Hämatome nach einer Lumbalpunktion verhindert werden können, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko reduzieren können:

  • Sorgfältige Punktionstechnik: Eine sorgfältige und atraumatische Punktionstechnik kann das Risiko von Gefäßverletzungen minimieren.
  • Berücksichtigung von Risikofaktoren: Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten sollten vor der Punktion sorgfältig evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden.
  • Vermeidung von Bewegung: Der Patient sollte während der Punktion ruhig liegen, um das Risiko von Gefäßverletzungen zu reduzieren.
  • Postpunktionelle Überwachung: Nach der Punktion sollte der Patient auf Anzeichen eines Hämatoms überwacht werden.

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