Das Morton Neurom, auch bekannt als Morton Neuralgie oder Morton-Metatarsalgie, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch die Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß gekennzeichnet ist. Diese Verdickung übt Druck auf den Nerv aus und verursacht Schmerzen, die besonders häufig zwischen der dritten und vierten Zehe auftreten. In diesem Artikel werden die Ursachen, Diagnose und modernen Behandlungsansätze des Morton Neuroms detailliert erläutert.
Einführung in das Morton Neurom
Das Morton Neurom ist eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen im Mittelfußbereich und stellt Podologen regelmäßig vor diagnostische und therapeutische Herausforderungen. Diese schmerzhafte Verdickung des Nervengewebes zwischen den Mittelfußknochen betrifft besonders Frauen und kann die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen. Benannt wurde das Morton Neurom nach dem US-amerikanischen Chirurgen Thomas G. Morton (1835-1903). Neurom steht dabei für die Vermehrung von Nervengewebe.
Was ist das Morton Neurom?
Das Morton Neurom ist eine Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß, die meistens zwischen der 3. und 4. Zehe auftritt. Es können sowohl einer als auch beide Füße betroffen sein. Bei rund zwei Drittel der Patientinnen und Patienten findet sich die Nervenreizung zwischen der 3. und der 4. Zehe - seltener zwischen der 2. und 3. Jeder einzelne dieser Umbauprozesse führt zu einer Größenzunahme des betroffenen Nervs und der Strukturen um ihn herum - und dadurch zu starker mechanischer Belastung beim Laufen. Frauen leiden etwa viermal häufiger unter dem Morton Neurom als Männer.
Die Nervenverdickungen werden auch als Nervenknoten bezeichnet. Diese sind nicht immer gleich groß, sondern von Patient zu Patient sehr unterschiedlich: Zwischen wenigen Millimetern und der Größe einer Erbse ist alles möglich.
Anatomische Grundlagen
Um das Morton Neurom besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Anatomie des Fußes zu betrachten:
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- Mittelfuß: Der Mittelfuß besteht aus den Mittelfußknochen.
- Zehen: Fünf Zehen (Vorfuß). Die große Zehe bezeichnet die Medizin als 1., die Kleinzehe als 5.
- Knochen: Insgesamt bestehen unsere Füße aus jeweils 28 Knochen inklusive 2 Sesambeinen (kleine Knochen, die in eine Sehne eingebettet sind). Den Mittelfuß bilden 5 Mittelfußknochen.
- Interdigitalnerven: Die Mittelfußnerven werden auch als Interdigitalnerven (Nervi digitales plantares communes) bezeichnet. Genau genommen handelt es sich dabei um Nervenäste, die zwischen den Mittelfußknochen an der Fußsohle bis in die Zehen und die Zehenzwischenräume verlaufen. Auf Höhe der Mittelfußknochen teilen sich diese beiden Nerven in die Interdigitalnerven auf.
- Ligamentum intermetatarsale: Die Mittelfußknochenköpfchen sind mit einem Band, dem Ligamentum intermetatarsale, verbunden.
- Fußsohle: Die Fußsohle ist die Unterseite des Fußes und gleichzeitig ein Fettpolster, das Stöße dämpfen kann. Zwischen den Muskeln und der Haut spannt sich eine Sehnenplatte aus Bindegewebe - die Plantaraponeurose (auch Plantarfaszie). Plantar bedeutet so viel wie „zur Fußsohle gehörend“. Die Sehnenplatte stabilisiert unter anderem das Längsgewölbe im Fuß. Außerdem ist sie mit der Haut der Fußsohle verwachsen und damit nicht verschiebbar. Das ermöglicht einen sicheren Stand.
- Fußrücken: Die Oberseite des Mittelfußes wird als Fußrücken (auch Spann/Rist) bezeichnet.
- Fußgewölbe: Jeder Fuß hat außerdem ein Längsgewölbe (von vorne nach hinten) und ein Quergewölbe (quer zum Längsgewölbe auf Höhe der Mittelfußknochen). Gebildet werden die Fußgewölbe von Sehnen, Bändern und Muskeln, die an den Fußknochen ansetzen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Morton-Neuralgie ist eine Reaktion auf eine permanente Reizung der Nerven, weil diese dauerhaft zusammengedrückt werden (Kompression). Eine besondere Ausprägungsform des Spreizfußes ist die Morton Neuralgie bzw. das Morton Neurom. Hierbei handelt es sich um eine Dauerreizung der Nerven, die zwischen den Köpfchen der Mittelfußknochen verlaufen. Langfristig entsteht eine knotenartige Verdickung. In der Regel entsteht eine Morton Neuralgie als Folge eines Spreizfußes oder einer anderen krankhaften Veränderung des Fußgewölbes. Ist dadurch die Statik des gesamten Fußes beeinträchtigt, werden die Nerven aufgrund des dauerhaft zu großen Drucks zwischen Fußsohle und Mittelköpfchen regelrecht eingeklemmt und bilden schließlich eine knotenartige Verdickung.
- Spreizfuß: Ein Spreizfuß entsteht, wenn das Quergewölbe des Fußes absinkt, was zu einer erhöhten Belastung der Mittelfußknochen führt.
- Enge Schuhe und harte Sohlen: Begünstigt werden ein Spreizfuß und somit auch das Morton Neurom durch das regelmäßige Tragen von zu engen Schuhen oder zu harten Sohlen.
- Einseitige Belastungen: Einseitige Belastungen könnten auch eine Ursache sein: Sie sorgen dafür, dass Muskeln und Faszien hohe Spannungen aufbauen.
- Mechanische Belastung: Enge Schuhe mit hohen Absätzen sowie Sportarten mit hohem Stoß- und Druckaufprall sorgen für eine wiederholte, mechanische Belastung und Druck auf den Vorfuß.
- Genetische Veranlagung: Forscher gehen davon aus, dass auch die familiäre Veranlagung eine Rolle spielt.
- Traumatische Verletzungen: Bei Verstauchungen und Prellungen im Bereich des Vorfußes wird mitunter der Nerv geschädigt.
Die Ursache eines Morton Neuroms ist somit von Fall zu Fall unterschiedlich und nicht immer eindeutig identifizierbar. Bei anhaltenden Fußschmerzen oder Verdacht auf ein Morton Neurom hilft deshalb eine genaue Ursachenanalyse.
Symptome
Die Symptome bei einem Morton Neurom lassen sich oft nicht klar einordnen, weil sie bei Betroffenen unterschiedlich ausfallen können. Typisch sind brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß und in den Zehen (Mittelfußschmerzen und Vorfußschmerzen), die plötzlich einschießen. Die Morton Neuralgie äußert sich in der Regel durch plötzlich auftretende, brennende oder auch stechende Schmerzen - manchmal auch begleitet von einem Taubheitsgefühl. Diese treten vor allem nach Belastung auf, zu der auch ein ausgiebiger Spaziergang, aber ebenso langes Stehen zählen. Während die Schmerzen zu Beginn nur gelegentlich auftreten, nimmt die Intensität im Laufe der Zeit immer weiter zu.
Die Beschwerden verschlimmern sich bei Fortschreiten der Krankheit. Der Fuß wird vorne breiter. Auch Belastungsschmerzen sind typisch. Einige beschreiben die Symptome als pelziges Kribbeln oder Brennen in den Zehen. Andere klagen über einen plötzlich stechenden Schmerz.
Diagnose
Um herauszufinden, ob ein Morton Neurom vorliegt, erfolgt zunächst eine sorgfältige manuelle Untersuchung. Wir im MVZ im Helios am Münchner Olympiapark prüfen dabei immer, ob durch bestimmten Druck auf den Mittelfußbereich der Schmerz womöglich zunimmt. Des Weiteren können bildgebende Verfahren, wie etwa die Kernspintomografie (MRT), oder eine dynamische Druckpunktmessung des Fußes den Befund zusätzlich absichern. Liefern auch diese Diagnostikverfahren noch keinen fundierten Befund, kann zusätzlich ein örtliches Betäubungsmittel in die Region der Nervenknoten injiziert werden.
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- Manuelle Untersuchung: Eine sorgfältige manuelle Untersuchung, bei der der Arzt prüft, ob durch Druck auf den Mittelfußbereich der Schmerz zunimmt.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren, wie etwa die Kernspintomografie (MRT), oder eine dynamische Druckpunktmessung des Fußes den Befund zusätzlich absichern. Die MRT-Diagnostik ist kontrovers diskutiert. Viele Morton Neurome zeigen lediglich mikroskopische Veränderungen ohne sichtbare Verdickung im MRT.
- Lokalanästhesie: Liefern auch diese Diagnostikverfahren noch keinen fundierten Befund, kann zusätzlich ein örtliches Betäubungsmittel in die Region der Nervenknoten injiziert werden.
- Mulder-Zeichen: Typisch ist das sogenannte Mulder-Zeichen (auch Mulder-Click-Zeichen oder Klick-Zeichen): Die Ärztin oder der Arzt drückt bei der Untersuchung von beiden Seiten auf die Stelle, an der die Morton-Neuralgie vermutet wird.
Manchmal geben Röntgenbilder, Ultraschall, Kernspintomographie oder MRT (Magnetresonaztomographie) im Rahmen der Diagnostik in der Orthopädie näheren Aufschluss. Allerdings sind auch sie nicht eindeutig. Ein weiteres Diagnose-Verfahren ist die Betäubung (Lokalanästhesie) des schmerzenden Bereichs mit einer Spritze.
Behandlungsmöglichkeiten
Wie ein Morton Neurom behandelt wird - ob klassisch konservativ, medikamentös oder sogar operativ - hängt in erster Linie davon ab, wie ausgeprägt die Symptome sind.
Konservative Behandlung
Beim Morton Neurom bedeutet konservative Therapie “ohne OP” - also dass Methoden wie Mobilisierung des Fußes und Übungen zur Muskelkräftigung mit dem gezielten Einsatz von orthopädischen Hilfsmitteln kombiniert werden. Die konservative Neurinom Therapie hat stets zum Ziel, den mechanischen Stress auf den Nerv zu reduzieren. Sie führt in der Regel zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzen und Beschwerden, in einigen Fällen verschwinden die Symptome sogar vollständig.
- Mobilisation des Vorfußes: Eine gezielte Mobilisation des Vorfußes, beispielsweise durch Fußmassagen und bestimmte Fußübungen, trägt bei einem Morton Neurom zur Rückbildung des Nervenknotens bei und schafft Platz zwischen den meist zu eng stehenden Mittelfußknochen.
- Orthopädische Schuhe: Das Tragen von Schuhen mit breiteren Zehenboxen reduziert den Druck auf die betroffenen Zehen und lindert dadurch die Schmerzen.
- Medizinische Einlagen & Polster: Spezielle orthopädische Einlegesohlen, Polster und Einlagen entlasten die Nerven im Mittel- und Vorfuß. Sie werden unter dem Fußgewölbe platziert, korrigieren die Fußstellung und verringern den Druck auf den Plantarnerv.
- Fußgewölbestützen: Auch Fußgewölbestützen können helfen, den Druck auf den betroffenen Nerv zu reduzieren.
- Schienen & Zehenspreizer: Um die Zehen in einer bestimmten Position zu halten, bieten wir im Seeger Sanitätshaus außerdem Schienen und Zehenspreizer an.
- Einlegesohlen: Spezielle orthopädische Einlagen sollen die Nerven im Mittel- und Vorfuß entlasten. Kurzfristig kann das die Schmerzen lindern. Endet die Einlagenversorgung jedoch, kehren die Beschwerden meist schnell zurück. Daher empfehlen wir dir, unsere Liebscher & Bracht Übungen® auszuprobieren - vorübergehend auch begleitend zum Tragen von Einlagen.
- Spezielles Schuhwerk: Viele Betroffene bekommen den Tipp, geeignete Schuhe zu tragen oder auf hohe Absätze zu verzichten. Noch wichtiger ist allerdings, dass du durch regelmäßiges Dehnen und die Faszien-Rollmassage dafür sorgst, dass hohe Spannungen im Gewebe heruntergefahren werden.
- Physiotherapie und Fußgymnastik: Einige Betroffene bekommen Physiotherapie, ein Fußmuskeltraining oder auch Fußgymnastik verschrieben. Aus unserer Sicht kann dies unter Umständen hilfreich sein, wenn neben dem Fuß auch die Wade behandelt wird, die deine Fußmuskulatur ansteuert.
- Dehnübungen: Bei schmerzenden Füßen empfehlen wir dir: Dehne deine Fußsohle und deine Wade! Doch Achtung: Dehnung ist nicht gleich Dehnung. Faszien, also dein Bindegewebe, brauchen eine gewisse Zeit, um nachzugeben. Der Prozess beginnt nach etwa 30 Sekunden13) und lässt sich nach 2 Minuten steigern. Den Effekt der Dehnübungen unterstützt du durch eine vorsichtige Faszien-Rollmassage. An der Fußsohle eignet sich dafür unsere Mini-Faszienkugel ganz besonders. Mit ihrer Hilfe rollst du das Gewebe in deinem Fuß spiralförmig so gezielt aus, dass sich Verklebungen lösen können und die Zwischenzellflüssigkeit wieder besser zirkuliert. Kreise dein Gewebe möglichst langsam ab. Sei besonders vorsichtig, wenn du Druckschmerz bei einem Morton Neurom hast.
- Faszien-Rollmassage: Harter Kern, weiche Oberfläche - genau das macht unsere Faszienrollen und -kugeln so besonders. Die Faszien-Rollmassage ist intensiv und bleibt auch bei Schmerzen noch angenehm.
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Neurinom-Behandlung ist eine weitere Möglichkeit ohne OP bei der Therapie des Morton Neuroms: Durch entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen sowie durch Kortikosteroid-Injektionen rund um die Region des Neuroms werden vorübergehend Schmerzen und Entzündungen reduziert. Auf diese Weise werden jedoch nur die Symptome kontrolliert. Die Wirksamkeit von Medikamenten und Injektionen variiert in Abhängigkeit von der Schwere des Morton-Neuroms.
- Kortison-Spritzen: Helfen Einlagen und ein verändertes Schuhwerk nichts, werden herkömmlicherweise Kortison-Spritzen empfohlen.20) Oft werden bei dieser Methode entzündungshemmende Mittel wie Kortison gespritzt, die dafür sorgen sollen, dass der Nervenknoten abschwillt.
Operative Behandlung
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend sind oder Symptome fortschreiten, kann ein operativer Eingriff zur Entfernung des Neuroms in Betracht gezogen werden. Der chirurgische Eingriff bietet die Möglichkeit einer dauerhaften Heilung, da das betroffene Gewebe entfernt wird. Wissenswert ist außerdem: Die Heilungschancen sind von Fall zu Fall unterschiedlich und nicht alle Patient*innen mit Morton Neurom benötigen automatisch eine Operation.
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- Operationen: Letzte Maßnahme des Behandlungskatalogs ist eine Operation.
- Neurektomie: Meistens wird in der Fußchirurgie das Nervengeschwulst über einen Schnitt am Fußrücken entfernt. Dadurch kann die betroffene Person nach der Entfernung schnell wieder laufen, muss aber zur Nachbehandlung in der Regel spezielle Schuhe zur Entlastung des Vorfußes (Vorfußentlastungsschuh) tragen.
Alternative Behandlungen
Mit der Stoßwellentherapie gibt es noch ein weiteres nicht-invasives, alternatives Verfahren ohne OP, um das Morton Neurom, also den schmerzhaften Nervenknoten im Vorfuß, zu therapieren: Der Nervenknoten wird dabei zwar nicht zerstört, aber durch die Stoßwellentherapie kann die Durchblutung im Bereich des Nervs gesteigert werden.
Was kann man jetzt tun?
Was also tun? Aus unserer Sicht sollten Operationen immer das letzte Mittel sein. Wir empfehlen dir deshalb: Erhöhe deine Chance, dass Kortison oder Operation bei dir erst gar nicht notwendig werden. Vielleicht benötigst du dafür noch nicht einmal Einlagen oder musst auf deine Lieblingsschuhe verzichten.
Prävention
Hilfsmittel wie Schuheinlagen und Polster eignen sich natürlich auch zur Prävention der Metatarsalgie. Ist z. B.
Weitere Fußerkrankungen
Neben dem Morton Neurom gibt es zahlreiche weitere Fußerkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:
- Hallux Valgus: Der Hallux valgus ist die häufigste Zehendeformität und tritt meist beidseits auf. Frauen sind häufiger betroffen. Beschwerden macht vor allem der als "Ballen" vorstehende Mittelfußknochen. Dort kommt es zur Reizung des darüber liegenden Schleimbeutels und zur Schwielenbildung. Mit der Zunahme der Fehlstellung kommt es schließlich zur Arthrose des Großzehengrundgelenks mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung. Häufig entstehen als Folge Hammer- und Krallenzehen und eine Abweichung der Kleinzehe.
- Hammer- und Krallenzehen: Die Gelenke der Zehen sind steif und können nicht mehr gestreckt werden. Hühneraugen, Hornhaut, Hautreizungen und Störungen an den benachbarten Zehengrundgelenken treten hinzu. Entsprechend werden Hammer- und Krallenzehkorrekturen isoliert oder im Rahmen größerer Korrektureingriffe operiert: Ein Teil des betroffenen Gelenks wird entfernt und die Zehe gestreckt. Die Lücke füllt sich mit Bindegewebe. Eventuell kann eine Sehnenverlagerung oder Verlängerung notwendig werden.
- Plattfuß: Am häufigsten ist der Plattfuß, Kombinationen mit anderen Fehlstellungen sind möglich. Während diese Fehlstellung bei Kindern häufig auftritt und mit Einlagenversorgung etc. meist ausreichend behandelt werden kann, muß bei einem Weiterbestehen nach Abschluss des Knochenwachstums (also beim Jugendlichen) in der Regel operiert werden, um Folgeprobleme zu vermeiden: Beim Plattfuß fällt das gesamte Fußskelett zusammen, was zur Verminderung der Statik und Belastbarkeit des Fußes sowie in der Folge zur Arthrosenbildung führt.
- Hallux Rigidus: Durch zunehmende Abnutzung der Gelenkflächen im Großzehengrundgelenk kommt es zu stärker werdenden Schmerzen beim Laufen, bisweilen auch in Ruhe. Operativ werden neugebildete Knochenanlagerungen entfernt. In fortgeschrittenen Stadien kann man durch eine Verkürzungsoperation des Knochens das Gelenk entlasten oder es ist eine Gelenkversteifung erforderlich (keine große Bewegungseinschränkung, da das Gelenk vorher durch die Arthrose bereits praktisch steif ist).
- Arthrose der Fußgelenke: Diese oft sehr schmerzhaften Erkrankungen der zahlreichen kleinen Gelenke des Fußes lassen sich operativ gut behandeln; allerdings sind sie zuweilen Folge einer komplexen Fußfehlstellung.
- Arthrose des Sprunggelenks: Die Arthrose des Sprunggelenks ist eine Abnutzung des Gelenkknorpels, häufig verursacht durch erhöhte mechanische Beanspruchung, abgelaufene Knöchel- oder Gelenkbrüche, verschiedene Gelenkentzündungen oder eine angeborene Fehlstellung. Es handelt sich um eine schleichende, chronisch verlaufende Erkrankung, die typischerweise mit einem im Sprunggelenk lokalisierten Belastungsschmerz beginnt, nicht selten begleitet von Gelenkerguss und Schwellung.
- Tarsaltunnelsyndrom: Ähnlich wie beim "Karpaltunnelsyndrom" an der Hand gibt es ein Nervenengpasssyndrom am Fuß, bei dem der Druck auf den Nerv zu Schwellung und Funktionseinschränkung führt (Die Engstelle liegt dabei hinter dem Innenknöchel oder am Fußrücken). Ursachen können Verrenkungen, Überlastung, Fehlstellungen oder rheumatische Erkrankungen sein.
- Fersensporn: Durch eine Fehlbelastung der Fußwölbung kommt es zu einer Reizung der flächenhaften Bindegewebsplatte der Fußsohle an deren Ansatz am Fersenbein.
- Haglundferse: Eine Formvariante des Fersenbeines führt zu Schmerzen, Schwellung und Rötung über der Achillessehne, oft ausgelöst durch Druck (Schuhwerk).
Bedeutung der Fußpflege bei Diabetes
Ein diabetisches Fußsyndrom entsteht nicht plötzlich. Es entwickelt sich über Jahre als Folge der diabetischen Grunderkrankung. Vorrangiges Ziel ist, Amputationsraten zu senken. Beim neuropathischen Erscheinungsbild stehen vor allem Veränderungen der Haut im Vordergrund. Extrem trockene Haut mit verminderter Schweißsekretion und massive Hornhautbildung über druckbelasteten Stellen des Fußes sind augenfällige Hinweise auf eine vorliegende Neuropathie; häufig bleiben diese unbeachtet.
Risikofaktoren und Komplikationen
- Motorische Neuropathie: Durch gestörte Innervation und anschließende Atrophie der Skelettmuskulatur des Fußes führt die motorische Neuropathie zu einer Instabilität der Fußarchitektur. Es kommt zu Veränderungen der Belastungsschwerpunkte beim Gehen. Typisch sind Störungen im Abrollvorgang des Fußes mit übermäßiger Belastung des Vorfußes.
- Autonome Neuropathie: Eine Schädigung der autonomen Nervenfasern führt zur Verminderung der Schweißsekretion und zur Sebostase mit sehr trockener, häufig rissiger Haut (Xerodermie). Bei fehlendem Säureschutzmantel bilden Fissuren und Rhagaden Eintrittspforten für bakterielle Infektionen. Ebenso steigt die Anfälligkeit für Nagel- und Fußmykosen. Über druckbelasteten Stellen entwickelt sich überschießende Hornhaut.
- Sensorische Neuropathie: Größter Risikofaktor beim diabetischen Fußsyndrom ist die sensorische Neuropathie. Weit häufiger als unter schmerzhaften Missempfindungen (Brennen, Stechen, Kribbeln, Ameisenlaufen) leiden die Patienten unter fehlender Sensibilität. Mit dem Verlust der Schmerzwahrnehmung fällt ein wichtiger Schutzmechanismus aus: Die Reflexe zur Schmerzvermeidung fehlen.
- Eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit: Bei persistierender Hyperglykämie entwickelt sich neben der Neuropathie eine eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit, vermutlich durch eine Proteinglykosilierung an Gelenken, Sehnen, Weichteilen und Haut (1).
- Diabetische Neuro-Osteoarthropathie (DNOAP): Eine Besonderheit ist die diabetische Neuro-Osteoarthropathie (DNOAP): Bei der auch als Charcotfuß bezeichneten schwerwiegendsten neuropathischen Fußkomplikation führen Störungen des Knochenstoffwechsels, Umbauvorgänge in Knochen und Gelenken und aseptische Knochennekrosen zu schweren Deformationen des Fußes.
- Makroangiopathie: Makroangiopathie mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit manifestiert sich bei Diabetikern vornehmlich in den Unterschenkelgefäßen.
Prävention und Behandlung
- Geeignete Schuhe: Wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Verletzungen sind geeignete Schuhe. Während bei geringem Risiko fußgerechte Konfektionsschuhe ausreichen, werden bei höheren Gefährdungsgraden gegebenenfalls Maßschuhanfertigungen notwendig.
- Spezielle Strümpfe: Speziell für Diabetespatienten geeignete Strümpfe ergänzen die Schuhversorgung. Die Strümpfe sollten keine reibenden Nähte besitzen, die Bündchen nicht einschnüren und das Material atmungsaktiv und Feuchtigkeit aufsaugend sein.
- Sorgfältige Fußpflege: Sorgfältige Fußpflege ist beim Diabetiker extrem wichtig. Dazu gehört: Tägliche Reinigung mit lauwarmem Wasser und sanften Waschlotionen, gründliches Abtrocknen (auch zwischen den Zehen), anschließendes Eincremen. Hornhaut sollte regelmäßig mit Schmirgelschwämmen entfernt werden. Hühneraugen oder Schwielen sind Hinweise auf neuropathische Fußdeformitäten und bedeuten Ulcusgefahr. Sie müssen von Fachleuten, zum Beispiel diabetologisch ausgebildeten Podologen, beurteilt und entfernt werden.
- Kallusvermeidung: Kallusvermeidung und konsequente, regelmäßige -entfernung vermindert das Ulcusrisiko entscheidend.
- Behandlung von Nagelmykosen: Nagelmykosen sind für Diabetespatienten mit einem erhöhten Risiko verbunden, Geschwüre und Gangrän zu entwickeln. Aus diesem Grund ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Leitliniengerecht wird hierzu die Kombination von systemischer und lokaler Therapie empfohlen, wobei die jeweils eingesetzten Präparate aus verschiedenen Wirkstoffgruppen stammen sollten (Tabelle 3).
- Wundversorgung: Wird ein Fußgeschwür diagnostiziert, ist rasches und konsequentes Handeln entscheidend für den Therapieerfolg. Rein neuropathische Fußulzerationen haben gute Chancen, innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne abzuheilen. Wichtigste Voraussetzung ist die Druckentlastung der betroffenen Fußregion. Die lokale Wundversorgung kann die Druckentlastung nicht ersetzen, aber die Abheilungsrate beschleunigen.
- Antibiotika-Therapie: Bei klinisch manifester Wundinfektion ist eine systemische Antibiotika-Therapie notwendig, die je nach Schwere des Krankheitsbildes oral oder intravenös durchgeführt wird.
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