Handol gegen Migräne: Wirksamkeit von Manueller Lymphdrainage und Klassischer Massage

Migräne ist eine häufige und beeinträchtigende neurologische Erkrankung, von der etwa 15 Prozent der Deutschen betroffen sind. Viele Betroffene erleben nicht nur akute Kopfschmerzattacken, sondern auch neurologische Veränderungen, die den Alltag beeinträchtigen. Obwohl es verschiedene Behandlungsansätze gibt, erfahren viele Migränepatienten keine ausreichende Linderung ihrer Symptome. Eine Auswertung des Praxisregisters Schmerz zeigte, dass nur etwa vier Prozent der Personen mit Migräne durch eine entsprechende Therapie eine starke bis sehr starke Symptomlinderung erfahren und mit der Behandlung zufrieden sind. Fast 85 Prozent der Befragten gaben an, dass die Behandlung mit keiner nennenswerten Besserung verbunden gewesen ist oder den Akutschmerz nicht beeinflusst habe. Daher ist es wichtig, weitere Therapieoptionen zu untersuchen, um die Lebensqualität von Migränepatienten zu verbessern.

Methoden der physikalischen Therapie zur Prophylaxe der Migräne werden häufig angewendet, obwohl sie bislang nur unzureichend untersucht wurden. Ziel einer randomisierten, kontrollierten Parallelgruppenstudie war es, die Wirksamkeit von Manueller Lymphdrainage (LD) und klassischer Rückenmassage (KM) als Prophylaxe gegen Migräne mit und ohne Aura zu untersuchen.

Studiendesign und -methoden

Die Studie umfasste 64 Patienten (57 Frauen, mittleres Alter 45 +/- 10 Jahre), die in drei Gruppen randomisiert wurden:

  • Lymphdrainage-Gruppe (LD): 21 Patienten erhielten Manuelle Lymphdrainage.
  • Klassische Massage-Gruppe (KM): 21 Patienten erhielten klassische Rückenmassage.
  • Wartegruppe (WG): 22 Patienten erhielten keine Therapie.

Es erfolgte eine 30-minütige Therapie 1 x pro Woche über 8 Wochen. Vor Beginn und nach Ende der 8-wöchigen Therapie erfolgte jeweils eine 4-wöchige Beobachtungsphase, die für die Ermittlung der Wirksamkeit verglichen wurden. Bei Aufnahme in die Studie und alle vier Wochen wurden alle Patienten von einem Arzt untersucht. Als Messparameter diente der kontinuierlich geführte Kopfschmerzkalender der DMKG. Primäre Endpunkte waren die Responderrate (mind. 50%ige Reduktion der Migräneattacken und Kopfschmerztage) und die Differenz der Migränetage, der Kopfschmerztage und in der Einnahme von Akutmedikamenten zwischen den beiden Beobachtungsphasen. In einer sekundären Endpunktanalyse wurden dieselben Parameter zwischen der Baseline und dem Behandlungsende verglichen.

Ergebnisse der Studie

Ergebnisse zum Beobachtungsende

  • Keine signifikanten Unterschiede der Responderraten.
  • Ein signifikanter Unterschied in der Differenz der Migräneattacken (p=0,016) und der Migränetage (p=0,019) zwischen LD und WG (p=0,006 bzw. p=0,015) sowie zwischen KM und WG (p=0,042 bzw. p=0,016).
  • Im Verlauf zeigte sich eine signifikante Abnahme der Zahl der eingenommenen Akutmedikamente in der LD-Gruppe im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen (p=0,004).

Ergebnisse zum Behandlungsende

  • Keine signifikanten Unterschiede der Responderraten.
  • Ein signifikanter Unterschied der Differenz der Migräneattacken zwischen LD und WG (p=0,013), und zwischen KM und WG (p=0,033).
  • Kein Unterschied der Differenz der Migränetage (p=0,162) und der Kopfschmerztage (p=0,290).

Diskussion der Ergebnisse

In dieser Studie führten beide physikalischen Therapiemaßnahmen KM und LD zu einer Reduktion der Migräneattacken zum Behandlungsende sowie zum Ende der Beobachtungsphase. Nur unter LD kam es zusätzlich zu einer Reduktion der eingenommenen Akutmedikamente.

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Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl Manuelle Lymphdrainage als auch klassische Rückenmassage wirksame Methoden zur Reduktion von Migräneattacken sein können. Interessanterweise zeigte sich bei der Manuellen Lymphdrainage zusätzlich eine Reduktion der eingenommenen Akutmedikamente, was auf einen potenziellen Vorteil dieser Therapieform hindeutet.

Schlussfolgerung

LD und KM sind im Vergleich zu einer Wartegruppe wirksam zur Prophylaxe der Migräne mit und ohne Aura. Im direkten Vergleich zeigen sich in einigen Parametern signifikante Vorteile der LD gegenüber der KM.

Die Studie liefert Evidenz dafür, dass Manuelle Lymphdrainage und klassische Rückenmassage im Vergleich zu einer Wartegruppe wirksam zur Prophylaxe von Migräne mit und ohne Aura sind. Im direkten Vergleich zeigen sich in einigen Parametern signifikante Vorteile der LD gegenüber der KM. Diese Ergebnisse sind vielversprechend und könnten dazu beitragen, das Spektrum der nicht-medikamentösen Behandlungsoptionen für Migränepatienten zu erweitern.

Weitere Aspekte der Migränebehandlung

Medikamentöse Therapie

Trotz der potenziellen Vorteile physikalischer Therapien ist die medikamentöse Behandlung ein wichtiger Bestandteil der Migränetherapie. Akute Migräneattacken werden häufig mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Triptanen behandelt. Triptane sind spezielle Medikamente zur Behandlung der Migräne. Bei Patienten, die mehr als fünf Migräneanfälle im Monat haben, können vorbeugend Beta-Blocker, Antiepileptika in niedriger Dosis oder eine sehr geringe Dosis von tricyclischen Antidepressiva verordnet werden. Für Patienten mit chronischer Migräne, die an mehr als 15 Tagen pro Monat unter Kopfschmerzen leiden, können Botox-Injektionen in genau festgelegte Stellen am Kopf helfen.

Hypnose als alternative Behandlungsmethode

Hypnose ist ein sehr wirksames Mittel bei Schmerzzuständen aller Art. Studien haben die Wirksamkeit von Hypnose bei Migräne nachgewiesen. Während der Hypnose wird die Schmerzverarbeitung im Gehirn blockiert. Darüber hinaus wirkt Hypnose auch auf die psychischen Auslöser von Migräne. Während der Trance hat der Patient eine direkte Verbindung zu seinem Unterbewusstsein. Durch Hypnose können Patienten lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen und sich zu entspannen.

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Bedeutung der Selbsthilfe und des Patientenmanagements

Jeder Patient ist individuell, deswegen kann auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe sehr hilfreich sein. Ingeborg Lampert, eine Migränepatientin, möchte eine Selbsthilfegruppe für Migränepatienten aufbauen. Es ist wichtig, dass Patienten lernen, mit der Krankheit umzugehen und Strategien entwickeln, um Anfälle zu vermeiden oder zu lindern. Dazu gehören beispielsweise Entspannungsübungen, Physiotherapie und die Einhaltung der Regeln der Migräne Liga Deutschland.

Attackenangst bei Migräne

Im Kontext von Kopfschmerzerkrankungen beschreibt der Begriff „Attackenangst“ die Furcht vor dem Auftreten einer Kopfschmerzattacke. Ein Übermaß an Attackenangst kann sich ungünstig auf den Krankheitsverlauf bei Migräne auswirken und zu einer Verstärkung der Migräneaktivität führen. Zur Behandlung von Attackenangst bei Migräne existieren neben medikamentösen Maßnahmen auch gezielte verhaltenstherapeutische Interventionen.

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