Eigentlich sollte alles gut sein. Man hatte einen schönen Abend, ein aufregendes Erlebnis oder ein Wiedersehen mit alten Freunden. Doch dann kommt der nächste Tag und mit ihm ein Gefühl grundloser Traurigkeit und Unwohlseins, fast wie ein Kater - selbst ohne Alkohol. Dieses paradoxe Phänomen, der sogenannte "Happy Hangover" oder "Glücks-Kater", kann besondere Momente im Leben trüben.
Der Downfall nach schönen Erlebnissen
Vielleicht kennen Sie das: Man fiebert lange auf ein großes Ereignis hin oder erlebt einen wunderschönen Abend mit den Liebsten. Man könnte nicht glücklicher sein, und doch fühlt man sich am nächsten Tag schlecht, niedergeschlagen, traurig und leer. Es ist fast, als hätte man einen Kater, obwohl man vielleicht gar keinen Alkohol getrunken hat.
Die Wahrheit ist: Man hat tatsächlich eine Art Kater. Nur eben nicht den, den man nach einer durchzechten Nacht kennt. Der Happy Hangover ist eine emotionale Katererscheinung, bei der man sich nach schönen Erlebnissen oder besonderen Momenten ausgelaugt und unglücklich fühlt. Das Schlimmste daran ist, dass es dafür keinen offensichtlichen Grund gibt.
Auf Hoch folgt Tief
Das Leben besteht nicht nur aus schönen Momenten. Wer einen tollen Urlaub verbracht, seinen Geburtstag gefeiert oder geheiratet hat, kennt das Gefühl: Man hat sich lange darauf gefreut, eine tolle Zeit gehabt und kann diese im Nachhinein nicht richtig genießen, weil alle positiven Emotionen verschwunden zu sein scheinen.
Wie in Wirtschaft und Wetter gibt es auch im Seelenleben einen Zyklus. Wir haben mal gute, mal schlechte Laune, fühlen uns energiegeladen und stark, dann wieder schwach und ausgelaugt. Auf ein Hoch folgt irgendwann ein Tief, das ist der Lauf des Lebens. Niemand kann dauerhaft auf der "Gute-Laune-Welle" reiten.
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Das "Problem" mit den Glückshormonen
Es mag paradox klingen, aber nach einem Moment des Glücks ist es logisch, dass es irgendwann wieder bergab geht. Der Happy Hangover lässt sich durch biochemische Prozesse im Körper erklären, die nach einem intensiven Glücksgefühl oder einer euphorischen Erfahrung auftreten.
Momente, in denen wir Erfolge feiern, Partys erleben oder ein emotionales Hoch haben, führen zu einem Anstieg von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen. Diese "Glückshormone" sind für unsere positiven Gefühle verantwortlich. Sobald der Höhepunkt vorbei ist, reguliert der Körper diese Stoffe wieder herunter. Dieser Rückgang kann den Happy Hangover auslösen. Plötzlich fühlen wir uns ausgelaugt, als wäre unser "Vorrat" an guter Laune für die nächste Woche aufgebraucht.
Es gibt keine feste Menge an Glück, die uns für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung steht. Wann wir uns glücklich fühlen, hängt von vielen Faktoren ab, vor allem von dem, was passiert und was wir tun. Wenn wir einen schönen Moment erleben, bekommen wir das zu spüren: Wir freuen uns, sind zufrieden, Glückshormone werden ausgeschüttet. Dieses Glücksgefühl können wir jedoch nicht tagelang aufrechterhalten. Auch wenn es uns am nächsten Tag noch gut geht, ist ein Unterschied zum Vortag spürbar. Und das fühlt sich dann wie ein Kater an. Es ist zwar nervig, aber auch ein Zeichen dafür, dass wir einen besonderen Moment erlebt haben.
Sollte man also auf solche Momente verzichten, nur weil danach der Happy Hangover kommt?
Was tun gegen den Glücks-Kater?
Der Happy Hangover entsteht durch die automatische Regulierung unseres Hormonhaushaltes. Um ihn zu vermeiden, müsste man auf alle schönen Momente im Leben verzichten. Das ist natürlich keine Option.
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Akzeptieren Sie, dass der Happy Hangover eine natürliche Folge von starken Emotionen ist und zeigt, wie eng unser physisches und emotionales Wohlbefinden miteinander verbunden sind. Es ist ein sinnvoller Mechanismus des Körpers, auch wenn es sich in den "Down"-Momenten nicht so anfühlt.
Was hilft, ist, sich selbst etwas Gutes zu tun: Ausschlafen, sich bewegen, entspannen. In der Regel ist der Glücks-Kater nur von kurzer Dauer, bis sich der Hormonhaushalt wieder eingependelt hat. Machen Sie sich bewusst: "Es ist ein normaler Prozess, den mein Körper gerade durchlebt - und er zeugt nur davon, dass ich eine wahnsinnig gute Zeit hatte." Verständnis für sich selbst und die eigene Gefühlslage aufzubringen, das Empfinden nachvollziehbar zu machen und Akzeptanz zu zeigen, macht den Happy Hangover weniger schlimm.
Hangxiety: Angst am Morgen danach
Neben dem "Happy Hangover" gibt es auch noch die "Hangxiety", ein Begriff, der sich aus den englischen Wörtern "hangover" (Kater) und "anxiety" (Angst) zusammensetzt. Hierbei erleben Betroffene nach einer durchzechten Nacht zusätzlich zu den körperlichen Symptomen eines Katers auch psychische Beschwerden wie Angstzustände, innere Unruhe, Schuldgefühle oder Panikattacken.
Ursachen von Hangxiety
Alkohol beeinflusst unser Gehirn und das Gleichgewicht der Neurochemikalien, die unsere Stimmung beeinflussen. Wenn wir trinken, schüttet unser Körper Wohlfühlchemikalien wie Dopamin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA) aus, wodurch wir uns glücklich und entspannt fühlen. Diese künstliche Stimmungsaufhellung verschwindet jedoch, wenn der Alkohol abgebaut wird.
Gleichzeitig blockiert Alkohol den stimulierenden Botenstoff Glutamat. In der Folge wird die gesamte körperliche Erregungsweiterleitung heruntergefahren, sodass der Körper neue Glutamat-Rezeptoren ausbildet. Wenn die Wirkung des Alkohols nachlässt, kommt es zu einem Glutamat-Überschuss, der für einen Anstieg des Erregungsniveaus sorgt.
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Besonders Menschen, die ohnehin schnell sensibel und emotional reagieren oder sich viele Sorgen machen, spüren die negativen psychischen Auswirkungen des Alkoholkonsums. Studien haben gezeigt, dass schüchterne Menschen besonders häufig von Hangxiety betroffen sind.
Symptome von Hangxiety
Die Symptome von Hangxiety können vielfältig sein:
- Gedankenkarussell: Man liegt im Bett und grübelt über den vergangenen Abend, versucht sich an Gespräche zu erinnern und fragt sich, ob man etwas Peinliches gesagt oder getan hat.
- Soziale Paranoia: Man hat Angst, dass andere einen verurteilen oder schlecht über einen reden.
- Körperliche Symptome: Schwitzige Hände, Herzrasen, ein flauer Magen oder Muskelzittern.
- Depressive Verstimmung: Man fühlt sich energielos, beängstigt oder traurig.
Was hilft gegen Hangxiety?
- Wasser trinken: Alkohol entzieht dem Körper Wasser, daher ist es wichtig, ausreichend zu trinken, um die Dehydrierung auszugleichen.
- Essen: Eine ausgewogene Mahlzeit kann helfen, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
- Ruhe: Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und vermeiden Sie Stress.
- Bewegung: Leichte Bewegung kann helfen, die Stimmung aufzuhellen und den Körper in Schwung zu bringen.
- Soziale Kontakte: Treffen Sie sich mit Freunden oder Familie, um sich abzulenken und positive Energie zu tanken.
- Alkohol vermeiden: Der beste Weg, um Hangxiety zu vermeiden, ist, den Alkoholkonsum einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten.
Wann ist professionelle Hilfe nötig?
Wenn Sie regelmäßig unter Hangxiety leiden oder wenn die Angstzustände und depressiven Gefühle sehr stark sind, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein Arzt oder Therapeut kann Ihnen helfen, die Ursachen Ihrer Hangxiety zu erkennen und geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Alkohol und psychische Gesundheit
Alkohol kann kurzfristig entspannend wirken und Glücksgefühle hervorrufen, aber langfristig kann er die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann zu Angststörungen, Depressionen und anderen psychischen Problemen führen.
Alkohol als "Stimmungsaufheller"?
Viele Menschen greifen zu Alkohol, um Stress abzubauen oder negative Gefühle zu unterdrücken. Dies kann jedoch zu einem Teufelskreis führen, da Alkohol die Symptome von Angst und Depressionen langfristig verschlimmern kann.
Alkohol kann zwar kurzfristig die Stimmung aufhellen, aber er greift stark in die Hirnchemie ein. Er bewirkt, dass Dopamin ausgeschüttet wird, was eine Art Vorfreude hervorruft. Wenn Dopamin und Serotonin dann verschwinden oder nur noch in geringen Mengen vorhanden sind, fühlt man sich schlecht. Der Körper reguliert diesen Haushalt auf natürliche Weise wieder nach oben, aber das dauert.
Alkohol und Schlaf
Alkohol kann zwar das Einschlafen erleichtern, aber er beeinträchtigt die Schlafqualität. Man schläft unruhiger und wacht häufiger auf. Schlafmangel kann wiederum zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Angstzuständen führen.
Alkoholmissbrauch und psychische Erkrankungen
Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Borderline-Erkrankungen neigen häufiger zu Alkoholmissbrauch. Sie greifen zum Alkohol, um ihre Symptome zu lindern. Dies kann jedoch zu einer Abhängigkeit und einer Verschlimmerung der psychischen Probleme führen.
In diesem Fall spricht man auch von einer sogenannten Komorbidität. Es muss zusätzlich eine Suchttherapie durchgeführt werden, d. h. eine professionelle Entgiftung und Entwöhnung von Alkohol. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Angststörung trotz adäquater Behandlung durch die Sucht erneut hervorgerufen wird.
Therapie bei Alkoholproblemen und Angstzuständen
Wenn Sie unter Alkoholproblemen und Angstzuständen leiden, ist eine professionelle Therapie ratsam. In einer Therapie können Sie lernen, mit Ihren Angstgefühlen umzugehen, alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln und Ihren Alkoholkonsum zu reduzieren oder ganz einzustellen.
Es gibt verschiedene Therapieansätze, die bei Alkoholproblemen und Angstzuständen hilfreich sein können:
- Verhaltenstherapie: Hier lernen Sie, Ihr Verhalten zu ändern und negative Denkmuster zu durchbrechen.
- Gesprächstherapie: In Einzel- oder Gruppengesprächen können Sie Ihre Probleme und Gefühle besprechen und neue Perspektiven gewinnen.
- Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, um Angstzustände und Entzugserscheinungen zu lindern.
Sport und Hangover: Geht das?
Auch wenn Sport und Alkohol keine idealen Partner sind, müssen Sie nach einer durchzechten Nacht nicht unbedingt auf Ihr Training verzichten.
Wann sollte man wieder mit dem Training starten?
Am besten verlegen Sie Ihre Trainingseinheit auf den Abend, wenn Sie sich wieder klarer fühlen. Unter Alkoholeinfluss sinken Koordinations- und Reaktionsfähigkeit, wodurch das Risiko für Sportverletzungen steigt.
Welches Training ist geeignet?
Wählen Sie ein leichtes, aerobes Training mit niedriger Pulsfrequenz. Vermeiden Sie intensive Belastungen und achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Elektrolyten, um einer Elektrolyt-Entgleisung vorzubeugen.
Wie sollte das Sportler-Katerfrühstück aussehen?
Am besten sind protein- und ballaststoffreiche Mahlzeiten. Wenn Sie länger mit dem Training warten, sind Eier mit Toast eine gute Wahl. Ansonsten snacken Sie lieber eine Banane, die viele Mineralstoffe und Kalium enthält. Auf fettreiches Essen sollten Sie verzichten.
Elektrolyte: Was ist das und wofür sind sie gut?
Elektrolyte sind Moleküle, die für die Regulation der Zellmembran und für Kontraktionsleistungen verantwortlich sind. Die wichtigsten Elektrolyte sind Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium. Durch Alkoholkonsum entsteht eine Elektrolyte-Verschiebung und ein Mangel, den man jedoch über die Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel kompensieren kann.
Wie nehme ich Elektrolyte am besten auf?
Mit einer guten, ausgewogenen Ernährung bekommen wir alle Elektrolyte, die wir benötigen. Sportlern empfiehlt Dr. Bloch vor allem Apfelschorle, da Apfelsaft in Kombination mit Mineralwasser eine besonders hohe Elektrolyte-Konzentration enthält. Manche Sportler bevorzugen isotonische Getränke.
Was hat es mit dem Elotrans-Hype auf sich?
Elotrans ist ein Nahrungsergänzungspulver, das konzentriert Elektrolyte enthält. Es wird eigentlich eingenommen, um nach einer Durchfall-Erkrankung den verlorenen Mineral- und Wasserhaushalt wieder herzustellen. Nach einem Kater kann es sinnvoll sein, Elektrolyte zu substituieren, da die Nahrungsaufnahme oft beeinträchtigt ist.