Hannelore Hoger, eine bekannte deutsche Schauspielerin, hat sich in ihrem Leben und in ihrer Arbeit immer wieder mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt. Ihre persönlichen Erfahrungen, insbesondere die Demenzerkrankung ihrer Mutter, haben ihr einen tiefen Einblick in die Herausforderungen und Schwierigkeiten gegeben, mit denen Betroffene und ihre Familien konfrontiert sind. Dieser Artikel beleuchtet Hannelore Hogers Auseinandersetzung mit Demenz, ihre Erfahrungen und ihr Engagement für eine demenzfreundlichere Gesellschaft.
Persönliche Erfahrungen und die Rolle im Film "Nichts für Feiglinge"
Hannelore Hoger spielte in dem Film "Nichts für Feiglinge" die Rolle der Lisbeth, einer alten Dame, die an Demenz erkrankt. Diese Rolle ermöglichte es ihr, ihre persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit in ihre schauspielerische Arbeit einfließen zu lassen. Hoger verkörperte eindrücklich den fortschreitenden geistigen Verfall, den Schmerz und die Scham, die mit dem Verlust des Gedächtnisses einhergehen.
Hogers Mutter war dement und musste am Ende in ein Heim gegeben werden, da sie rund um die Uhr Betreuung benötigte. Diese Entscheidung fiel Hoger schwer, und sie bedauert sie bis heute. Sie betont, dass sie heute alles daransetzen würde, die Betreuung zu Hause zu organisieren.
Gesellschaftliches Tabu und Unwissenheit
Hannelore Hoger spricht offen über ihre persönlichen Erfahrungen mit Demenz und will sich dem gesellschaftlichen Tabu im Umgang mit der Krankheit nicht beugen. Sie kritisiert die Unwissenheit in der Gesellschaft und den mangelnden Umgang mit Menschen, die sich verändern. Viele Leute könnten nicht damit umgehen, wenn sich die eigenen Eltern veränderten.
Herausforderungen in der Betreuung und Pflege
Hannelore Hoger hat durch ihre Erfahrungen traurige Einblicke in Betreuungseinrichtungen gewonnen. Sie bemängelt das fehlende Personal und das oft ungeschulte Personal in vielen Heimen. Hinzu komme meistens die schlechte Bezahlung. Natürlich sei das Personal in Pflegeheimen auch überfordert. Sie betont, dass dies ein großes Problem in unserer Gesellschaft werden wird.
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"Nichts für Feiglinge": Ein Film als Diskussionsbeitrag
Hannelore Hoger verstand den Film "Nichts für Feiglinge" als Diskussionsbeitrag zum Thema Altwerden und Demenz. Der Film zeigt schonungslos den geistigen Verfall eines Menschen und die Entpersönlichung, die mit dem Verlust des Gedächtnisses einhergeht.
Ihre Filmfigur Lisbeth landet am Ende der Geschichte in einem Heim, wie es sich jeder wünschen würde - ein Gutshaus auf dem Land, freundliche, teils wunderliche Senioren im Kaschmirjäckchen. Gegen den Verlust der Erinnerung, gegen diese bittere Erfahrung ist trotzdem nichts auszurichten.
Forderungen und Wünsche für eine demenzfreundlichere Gesellschaft
Hannelore Hoger setzt sich für eine offene und akzeptierende Haltung gegenüber Menschen mit Demenz ein. Sie betont die Bedeutung von Verständnis, Freundlichkeit und Mitgefühl. Sie wünscht sich mehr Unterstützung für Angehörige und bessere Rahmenbedingungen in der Betreuung und Pflege.
- Enttabuisierung: Die Enttabuisierung muss eher mit konkreten Beispielen und Angeboten im Stadtteil beginnen.
- Mehr Mut: Mehr Mut wünscht sie sich von den Verantwortlichen, um auf das Thema Demenz aufmerksam zu machen.
- Unterstützung und Begleitung: Menschen im Frühstadium einer Demenzerkrankung benötigen in gewisser Weise eine Begleitung, Ansprechpersonen oder eine betreute Selbsthilfegruppe, um sich mit der neuen Lebenssituation auseinanderzusetzen zu können. Dabei muss es sehr stark um den Erhalt der Autonomie gehen, die Erfüllung von Lebensträumen, die Vorsorge für später und die Gestaltung der Freizeit und die Knüpfung neuer Kontakte.
- Vielfältige Wohnformen: Es besteht Bedarf, verschiedene Wohnformen (Demenz-WGs) zu erarbeiten; dafür könnte der Leerstand vieler Gebäude in den einzelnen Kommunen genutzt werden.
- Gemeinsamkeiten entwickeln: Wirkliche Verbesserungen für die Situation der Menschen mit Demenz können nur passieren, wenn Formen der Gemeinsamkeiten weiter entwickelt und ausgelebt werden.
- Nicht nachlassen: Nicht nachlassen, Betroffene ausfindig zu machen und den Angehörigen ebenso zu helfen.
- Zusammenleben fördern: Wenn man in einer Hausgemeinschaft lebt, dann fällt es auf, wenn jemand nachts plötzlich die Kaffeebohnen mahlt oder wenn der Wasserhahn nicht zugedreht ist.
Initiativen und Projekte für mehr Demenzfreundlichkeit
Viele Initiativen und Projekte setzen sich für mehr Demenzfreundlichkeit ein. Dazu gehören beispielsweise:
- Kulturpaten: Projekte wie die Kulturpaten basieren auf ehrenamtlichem Engagement. Es zeigt sich leider immer wieder, dass sich diese Projekte auflösen, wenn es keine professionelle Begleitung und Koordination gibt. Für diese Aufgaben gibt es nach Ablauf der Projektlaufzeit in der Regel keine Finanzierung, so dass viele mühsam aufgebaute Angebote wieder verschwinden und immer neue Projektideen entstehen müssen.
- Mobile Ausstattung: Anlässlich der Veranstaltungen zum Thema Demenz wurde die Grundidee, die Gemeinden mit entsprechenden Materialien auszustatten, dahingehend geändert, eine mobile Ausstattung anzulegen, welche bedarfsorientiert von den Veranstaltern beim Pflegestützpunkt ausgeliehen werden kann: Geschirr für größere Veranstaltungen, Bastelmaterialien, eine umfangreiche Spielsammlung, Bibliothek zum Thema Demenz und ausreichend Materialien für künftige Biographiearbeiten sowie Sport- und Spielmaterialien für die Bewegungsangebote.
- Runder Tisch: Die Arbeit des "Runden Tisches" hat dazu geführt, dass sich die anfängliche Skepsis der möglichen Kooperationspartner, welche vermutlich aus der Sorge um eigene Nachteile bedingt war, zu einer positiven Unterstützung aller Teilnehmer gewandelt hat.
- Bürgermix: Weiterhin an einem gesunden Bürgermix arbeiten, d.h. soviel wie möglich Ehrenamtler und so wenig wie notwendig Hauptamtliche.
- Demenzfreundliches Quartier: Ein „demenzfreundliches Quartier“ wäre eine altersgerechtere bzw.
Die Bedeutung von Begegnung und Teilhabe
Ein wichtiger Aspekt der Demenzfreundlichkeit ist die Begegnung und Teilhabe von Menschen mit Demenz am gesellschaftlichen Leben. Durch das Miteinander von Menschen mit und ohne Demenz erleben sie sich als Teil einer kulturinteressierten Gruppe, so dass die krankheitsbedingten Einschränkungen in den Hintergrund treten.
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Die Teilnehmer mit und ohne Demenz begegneten sich auf Augenhöhe. Die Menschen mit Demenz konnten sich als kompetent in der Weitergabe Ihrer Erinnerungen und fachlichen Kenntnisse erleben und die jüngeren Teilnehmer profitierten von den Augenzeugenberichten.
Angehörige nicht vergessen
Nicht nur die Betroffenen brauchen Hilfe, sondern auch die Angehörigen. In Gesprächen mit Angehörigen wird oft deutlich, dass es in den Familien immer noch viele unerledigte Dinge gibt, die nie geklärt wurden. Es ist wichtig, Angehörige zu unterstützen und ihnen Möglichkeiten zur Entlastung zu bieten.
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