Einführung
Harald Ringstorff, ein prägender Politiker Mecklenburg-Vorpommerns, verstarb im Alter von 81 Jahren nach langer, mit Geduld ertragener Krankheit. Sein Tod markierte das Ende eines Lebens, das der Politik und der Entwicklung seines Bundeslandes gewidmet war. Dieser Artikel beleuchtet sein Leben, seine politische Karriere und die Krankheit, die sein Leben nach dem Ausscheiden aus dem Amt zunehmend bestimmte.
Frühes Leben und Ausbildung
Harald Ringstorff wurde am 25. September 1939 in Wittenburg geboren. Er stammte aus einer Familie von Einzelhändlern. Nach dem Abitur und Wehrdienst begann er 1960 ein Chemiestudium an der Universität Rostock, das er 1965 mit dem Diplom abschloss. Anschließend war er als Assistent in der analytischen Chemie tätig. Seine ehemaligen Studierenden beschrieben ihn als streng, gerecht und konsequent handelnd, aber aufgrund seiner zugewandten Art auch als sehr beliebt. Schon damals zeigte er großes Interesse an Politik. 1969 promovierte er erfolgreich mit einer Arbeit zur Spurenanalyse mittels Quecksilberelektrode.
Berufliche Tätigkeit
Ab 1970 arbeitete Ringstorff im Schiffbaukombinat in Rostock. Vor 1989 war er als Chemiker auf der Werft in Rostock tätig.
Politischer Werdegang
Anfänge in der DDR und der Wendezeit
Ringstorffs politische Karriere begann erst mit dem Ende der DDR. Im Herbst 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Sozialdemokratischen Partei in Rostock und der SDP in der DDR. Dies war ein mutiger Schritt in einer Zeit des politischen Umbruchs. Er setzte sich für Demokratie, Freiheit und sozialen Zusammenhalt ein und trug so zum Zusammenwachsen von Ost und West bei.
Engagement in Mecklenburg-Vorpommern
1990 wurde Ringstorff zum Landesvorsitzenden der SPD in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, ein Amt, das er 13 Jahre lang bis 2003 innehatte. Er wurde in die DDR-Volkskammer gewählt und war dann SPD-Fraktionschef im Landtag. Im Herbst 1990 wurde er Oppositionsführer im Schweriner Landtag. Mit klaren Positionen leistete er seinen Beitrag zum Neuaufbau des Landes. Es galt dabei auch, Demokratie und Freiheit zu festigen und zu verteidigen - auch gegen die Feinde aus dem rechtsextremen Bereich.
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Wirtschaftsminister und Fraktionsvorsitzender
Nach der Landtagswahl 1994 wurde Ringstorff Wirtschaftsminister in einer CDU-geführten Regierung. In der Werftenkrise legte er sein Amt nieder und wurde wieder Fraktionsvorsitzender. Dies waren seine schwierigsten Jahre in der Politik, geprägt von harten Auseinandersetzungen, auch in den eigenen Reihen. Er setzte sich jedoch durch.
Ministerpräsident und rot-rote Koalition
1998 wurde die SPD mit Ringstorff als Spitzenkandidaten erstmals stärkste Kraft im Landtag. Er wurde Ministerpräsident der ersten rot-roten Landesregierung, was bundesweit für großes Aufsehen sorgte. Acht Jahre nach der Deutschen Einheit war es für ihn an der Zeit, Trennendes hinter sich zu lassen und sich für Versöhnung einzusetzen. Ringstorff regierte von 1998 bis 2006 gemeinsam mit der PDS, der heutigen Partei Die Linke. Dies geschah anfangs gegen Widerstände in der Bundes-SPD. Auch in der vierten Wahlperiode (2002 bis 2006) setzte er auf Rot-Rot. In der fünften Wahlperiode (2006 bis 2011) ging er mit der CDU eine Große Koalition ein.
Rücktritt und Vermächtnis
Am 3. Oktober 2008, dem Tag der Deutschen Einheit, trat Ringstorff aus Altersgründen von seinem Amt als Ministerpräsident zurück. Er wählte diesen Tag bewusst, da die deutsche Einheit für ihn eine hohe persönliche Bedeutung hatte. Ohne den Fall der Mauer und die deutsche Einheit hätte er sicher nie politische Verantwortung übernommen. Zugleich hat die deutsche Einheit die Aufgaben der vergangenen Jahre maßgeblich bestimmt.
Schwerpunkte seiner Politik
Ringstorff prägte die Landespolitik Mecklenburg-Vorpommerns wie kaum ein anderer. Er war ein Politiker der ersten Stunde und zehn Jahre lang Ministerpräsident. Zu den Schwerpunkten seiner Politik gehörten:
- Heimatverbundenheit: Ringstorff war tief verwurzelt mit dem Land, seiner Heimat verbunden und liebte die plattdeutsche Sprache und die heimische Natur. Er war ein typischer Mecklenburger.
- Klarer politischer Kompass: Er stand für eine Verbindung einer vernünftigen Wirtschaftspolitik mit einem konsequenten Eintreten für soziale Gerechtigkeit.
- Solide Finanzpolitik: Mecklenburg-Vorpommern profitiert bis heute von seinem Kurs der soliden Finanzpolitik bis hin zur Entwicklung der Gesundheitswirtschaft als Schlüsselbranche für das Land.
- Versöhnung: Für ihn war es acht Jahre nach der Deutschen Einheit an der Zeit, Trennendes hinter sich zu lassen.
- Haushaltspolitik: Die Schweriner Landesregierung begann 1998, die Staatseinnahmen und -ausgaben so in Einklang zu bringen, dass Mecklenburg-Vorpommern keine neuen Schulden mehr aufnehmen brauchte. Sie setzte diesen Kurs in den zehn Regierungsjahren bis 2008 fort.
Krankheit und Tod
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde Ringstorffs Leben zunehmend von einer schweren Krankheit bestimmt. Er litt in seinen letzten Lebensjahren an einer fortschreitenden Nervenkrankheit. Trotz seiner Krankheit nahm er regelmäßig an wichtigen Ereignissen im Land teil. Seine Ehefrau Dagmar kümmerte sich bis zuletzt liebevoll um ihn. Harald Ringstorff verstarb am vergangenen Donnerstag im Alter von 81 Jahren.
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Würdigung
Harald Ringstorff war ein großer Ministerpräsident und ein großartiger Mensch. Er hat sich mit seiner großen Heimatverbundenheit, seiner bodenständigen, ruhigen und zugleich zupackenden Art und seiner Liebe zur plattdeutschen Sprache das Amt des Ministerpräsidenten hervorragend ausgefüllt. Er war ein bedächtiger Landesvater mit trockenem Humor und gesundem Menschenverstand.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig würdigte ihn als einen Politiker, der die Landespolitik geprägt hat wie kaum ein anderer. Sie betonte seine Verdienste um die Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns und seinen Einsatz für Demokratie, Freiheit und sozialen Zusammenhalt.
Trauerakt und Erinnerung
Ein Jahr nach seinem Tod richtete die Landesregierung einen Trauerakt im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin aus. Aufgrund der Corona-Lage war eine Trauerfeier zuvor nicht möglich gewesen. Eingeladen waren mehr als 100 Wegbegleiter, Familienangehörige und Freunde. Bei dem Trauerakt hielten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die frühere Finanzministerin Sigrid Keler und Ringstorffs älteste Schwester Marianne Keller Ansprachen.
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tags: #harald #ringstorff #nervenkrankheit