Harry Potter: "Ihre armen winzigen Gehirne" - Eine Analyse des Kontextes

Der Artikel befasst sich mit dem Harry-Potter-Kontext von "ihre armen winzigen Gehirne" und untersucht, wie Gruppenzugehörigkeit, Selbstdefinition und gesellschaftliche Zuschreibungen das Selbstbild und die Beziehungen beeinflussen können. Dabei werden auch persönliche Erfahrungen und philosophische Überlegungen einbezogen.

Die Last der Zuschreibungen

Oft fühlt man sich, wie von Zuschreibungen anderer Menschen erdrückt. Wer bin ich, wenn ich diese Zuschreibungen abkratze? Die Irrwichte verwandeln sich immer in das, wovor die Person, die sie anschaut, am meisten Angst hat. Bin ich eine Irre, die am Gesellschaftsrand steht? Und wenn ihre Augen zu sind, dann bin ich der Hauch, der Äther, ein formloses Irgendwas, das es vielleicht gar nicht gibt. Wenn ich eine Vita über mich schreibe, dann schlüpfe ich in die Blicke anderer und reproduziere ihren Blick.

Das Finden von passenden Kategorien war lange Zeit Dreh- und Angelpunkt im Leben. Diese Kategorien wurden oft zum Leben selbst. Völlig logisch wurden diese vehement verteidigt, wenn man dachte, jemand wolle einem das absprechen. Dabei wurde übersehen, dass es sich dabei um nichts Globales handelt. Schon innerhalb der Filterbubble gab es Unterschiede.

Die Suche nach Gemeinsamkeiten

Es begann eine Reflexion darüber, was einen ausmacht und wo man Gemeinsamkeiten empfinden könnte. Nicht mehr auf Grenzen zurennen, "um zu sehen wo mein Schutz aufhört" (wie es mal ein Innen formulierte). Sich sehr lange Objektifizieren lassen müssen und auch nicht aufbegehren, als dies nach der Befreiung weiter ging- allerdings auf einer anderen Ebene. Man kannte nichts anderes- wurde nicht anders behandelt.

Der Umbruch begann, als die Therapeutin einen einfach so annahm. Plötzlich breitete sich der Rahmen aus. Die kleine Selbstdefinitions/ Kategorien/ Filterbubble dehnte sich in alle Richtungen aus. Das eröffnete sehr viele Möglichkeiten mit anderen gemeinsam zu sein. Sich zu verbünden und einander Gutes zu tun. Dinge zu teilen und zu vermehren. An einander zu wachsen, weil man sich gegenseitig halten kann. Miteinander für oder gegen Dinge zu kämpfen.

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Als man sich noch auf nur einen Teil der Globalität konzentrierte, weil dieser einem vorkam, als würde er alles an und in einem erklären, konnte man kaum etwas teilen. Da konnte man auch kaum etwas geben. Und entsprechend auch nicht wirklich gemeinsam sein. Alles was einen daran gehindert hatte in der ganzen Zeit vorher, war, dass man niemanden hatte der einem das genau so vermittelt hatte und zeigte, wie es konkret geht.

Die Gefahr der Spaltung

Traurig ist es, wenn jemand eine umschließende Kategorie für sich sucht- gerade, wenn er so oder so schon in einer drin steckt, die ihn nicht einmal als global-mehrdimensionales Wesen anerkennt oder gar benennt. Die Gruppenzugehörigkeit kann ein Sahnehäubchen sein. Das Schöne eben, das einen ganz bestimmten Teil in uns berührt und hält. Aber bitte nicht so, als gäbe es nur diesen Teil. Das führt nur zu Spaltung. Auch ohne, so wie ich, in sich drin gespalten zu sein.

Die Bewertung des Selbst und Anderer

Ist es nicht interessant, wie wir uns selbst gegenseitig schon mit der Formulierung abwerten? Wer oder was definiert, wer ein schlechter oder guter und wer ein besserer oder schlechterer Mensch ist? Ist es das, was er tut oder das, was er lässt? Macht uns eine bestimmte Meinung besser als andere? Unser Hund ist immer der bestmögliche Hund für uns. Sie ist immer die Tollste- ganz egal ob sie sich schon zum 3ten 4ten oder eine Millionsten Mal in Dreck gewälzt hat, mir den x-ten dicken Knüppel auf die Füße wirft oder einfach immer noch kein Schmusehund ist. Aber immer wieder müssen wir uns aufwerten, Unterschiede noch unterschiedlicher machen, um unsere Individualität nochmal und nochmal zu unterstreichen.

Menschlichkeit und Unmenschlichkeit

Wann bin ich ein besserer Mensch? Also… zum Beispiel bin ich ein besserer Mensch als mein Hund. Oder mein Laptop. Ich bin ein besserer Mensch, als ein Skelett. Aber wenn ein anderer Mensch neben mir steht… Er ist einer- ich bin einer. Homo Sapiens Sapiens. Beide gleich. Unsere Existenz ist in jedem Fall gleich- immer. Und unser Sein ist ganz grundsätzlich immer “menschlich”. Unser Verhalten kann schwanken, unsere Empfindungen und unsere Werte ebenso- aber sie alle können nur so weit schwanken wie es unser Sein- das Menschsein- zulässt. Wir Menschen können uns noch so sehr verhalten wie die Tiere- wir werden nie aufhören ein Mensch zu sein.

In der Philosophie des Humanismus geht man soweit, dass man davon ausgeht, dass Menschen in ihrer Menschlichkeit einen Rang erreichen könnten. So seien es „Taten der Güte” (Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Menschenliebe und Mitgefühl) die Menschen zu besseren Menschen machten. Als unmenschlich gilt wem andere Menschen egal in ihrem Sein und Leiden sind. Auch diese Philosophen erzwangen einen Dualismus, obwohl sie doch- gerade sie!- , sich doch mit dem Menschen auseinandersetzten und dies als etwas typisch Menschliches hätten erkennen sollen! Kein Tier macht so was! Kein Mensch ist fähig zu Unmenschlichkeit. Man kann sich verhalten, als wäre man keiner. Man kann so tun, als sei man keiner.

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Die Akzeptanz des Selbst

Früher sah ich mich in meinem Sein wie ein grundlegend schlechtes DING. Ein Es. Ein Objekt. Es wollte mir nicht in den Kopf, dass Menschen eben auch absolut brutal, empathielos und sadistisch gegenüber Menschen sein können. Indem ich meine Gefühle und Gedanken als die eines Menschen annahm, nahm ich auch alles unmenschliche Verhalten von mir und anderen Menschen an.

Man kann jede Biologisierung für menschliches Verhalten ablehnen, weil sie Dinge ausschließt, die wichtig sind. Und irgendwie logisch. Also immerhin haben alle Menschen auch Brustwarzen, weil die “biologische Entscheidung” zum Geschlecht des Menschen später, als die Anlage zu Brustwarzen kommt… und naja- wenn man davon ausgeht, dass Leben in erster Linie Metabolismus ist… dann ist doch irgendwie auch logisch, dass alle Menschen auf dem ganzen Planeten schon von Natur aus auch männliche Anteile haben müssen.

Geschlechterrollen und Identität

Die Zugehörigkeit der Geschlechter läuft wirklich nur über so eine Gefühlsschiene. So nach dem Motto: “Ich fühle mich männlich, also bin ich männlich. Ich fühle mich weiblich, also bin ich weiblich. Kann ich den Körper einfach so annehmen? Wir haben inzwischen so ein Stadium des (mehr oder weniger zähneknirschenden) Hinnehmens erreicht und das ist schon ganz okay so. Vor vielen Jahren war ich noch ziemlich krass in Sachen Verleugnung und Unterdrückung der körperlichen Weiblichkeit.

Es ist irgendwie seltsam, dass man oft in bestimmte Rollen gedrängt wird. Ich hab mal überlegt, ob mir jemals ein Mensch so richtig direkt mal gesagt hätte “Ein Mann macht aber dies und das” oder “Jungs müssen dieses und jenes”- nee das ist nie passiert. Aber irgendwie kam schon öfter sowas wie “Für dich wird das ja kein Problem sein, ne?” oder “M- komm mal her- ich brauch ne starke Hand!”. So als wäre ich voll der starke Typ- was ich aber gar nicht bin- es gibt viel stärkere Innens bei uns. Das ist nie mit Absicht passiert, glaub ich. Aber es ist passiert und das finde ich irgendwie seltsam.

Die Freiheit der Wahl

Im Zuge von vermehrter Observanz, irgendwann zum Rauswurf aller Hosen (bis auf zwei Exemplare) entschieden und tragen nur noch Röcke. Am Anfang war es irgendwie so: “Hm- bin ich dann noch ein Mann, auch wenn ich so richtig traditionell weibliche Sachen trage?” -Ja klar! Die Frauen haben doch die ganzen Jahre vorher auch immer wieder Hosen getragen und waren trotzdem noch Frauen. Diese Kiste war ein für uns total runder und guter Schritt sich mit dem Körpergeschlecht- mit der Körperbiologie zu beschäftigen.

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Aber es gibt auch Menschen im Umfeld, die mich schräg angucken und fragen, ob ich mich denn so wohl fühlen kann. Oder, ob ich mich nicht unterdrückt fühle. (Klar ist ja eh auch so- die bösen bösen Religionen, die unterdrücken die armen dummen Menschen ja nur und haben nix anderes zum Ziel als die Unterdrückung von Frauen mittels Regeln und Verdammnisdrohung… hm schon klar…) Ob ich mir nicht vorkomme, wie ein Mädchen. Ja- halloho?! Also klar- ich bin hetero und zufällig ist mein Körper weiblich. Also lebe ich für Aussenstehende eine lebische Liebe. Inzwischen ist es so, dass ich meinen Gefährtinnen nicht mehr sage, dass ich ein männlicher Anteil bin (zumindest nicht, wenn wir keine Beziehung, sondern einfach nur ein Techtelmechtel pflegen).

Erwartungen und Vorlieben

Immer wieder wird ab dann auch von mir mehr oder weniger erwartet, irgendwie auch besonders hart im Bett zu sein, oder irgendwie wird mir halt immer wieder untergeschoben, bestimmte Praktiken toll zu finden oder so. Ich finds schon irgendwie schön, für meine Freundin zu sorgen und so- so ein bisschen die Beschützer und Versorgernummer, ne (wieso die als so besonders männlich gilt, hätte ich ja auch gerne mal beforscht…). Aber das heißt nicht, dass ich den mir von der Biologie versagten Penis so dringend ersetzt haben muss. Wenn ich aber sage, dass ich mich als männlich wahrnehme und Frauen anziehend finde… ja… irgendwie scheint es diese Sachen dann immer gleich mitzubedeuten. Und obwohl es bei uns auch weibliche Innens gibt, die lesbisch lieben und ebenfalls eher in der als “eher männlich” dargestellten Vorliebenschiene agieren.

Die Entstehung männlicher Anteile

"Und wie entstehen männliche Innens? Also wie genau ich entstanden bin, weiß ich selber nicht genau. Ich bin nicht aus dem innigen Wunsch heraus entstanden, jemandem zu gleichen oder weil dem Körper was passiert ist, “was nur Männern so passiert”. Ich hab mal ein Buch in der Hand gehabt, welches diese zweite These vertrat. Der Autor meinte damit die Vergewaltigung, die mit der Penetration des Anus einher geht. Ich glaub, ich bin männlich, weil die Seele von Menschen von Natur aus männliche Anteile hat und wir durch die dissoziative Identitätsstruktur eben noch deutlicher und selbstständiger agieren können.

Die Freiheit und die Einsamkeit

Wer frei ist, ist einsam. Denn: der freiste Vogel unterm Himmel, teilt sich nicht das Nest mit anderen. Nun sind wir frei und stoßen an die Bedürftigkeit von Kategorie, sozialer Identität, und ganz basaler evolotionär bewährter Sozialität und stellen fest, dass es alles das nur gibt, in dem man sich unfrei macht.

Kategorien beruhigen, gestehen mir einen Platz zu. Sie erlauben mir irgendwo zu sein. Schwierig sind halt immer “die Anderen”. Wo mich meine Kategorie sitzen lässt, kann niemand anderes mehr sitzen- was mich beschreibt, beschreibt nur mich- was mich definiert, kann für niemand anderen mehr gelten.

Individualität und Zugehörigkeit

Als individuell kann sich nur bezeichnen, wer genau weiß, dass er allein so ist, wie er ist. Wie findet er das heraus? Indem er zu anderen geht und guckt: “Bin ich so wie du? Bin ich du? Bist du ich? Ich-Du-Ich-Du Wer bist du da in mir drin? Bist du ich? Nein du bist nur ein Teil von mir- du bist nicht ich- Ich bin du? Nein- ich bin ich bin ich bin wir alle bin ich? Wir sind bereits separiert. Wer bist du und wer bin ich?

Die Hogwarts Summergames: Ein sportlicher Wettkampf mit unerwarteten Wendungen

Es war einer dieser Tage, an denen der Sommer seine Zähne fletschte und Hogwarts sich anfühlte wie eine in Stein gemeißelte Sauna mit Türmen, an denen selbst die Schatten schwitzten, während die Große Halle unter einem unsichtbaren Schleier flimmernder Hitze lag. Sie war durchzogen von den lauten Stimmen aufgeregter Schüler und dem ewigen Geklapper von Besteck auf Porzellan, das sich wie ein dumpfes Hämmern in Severus Snapes ohnehin strapaziertes Nervenkostüm grub. Mit stoischer Miene saß er an seinem Platz und hatte die düsteren Augen über den Rand einer dampfenden Tasse ungesüßten, schwarzen Tees hinweg auf nichts und niemanden gerichtet, so als würde er sich mit aller Macht gegen die Teilnahme am allgemeinen Wahnsinn stemmen, der hier tagtäglich in unterschiedlichsten Formen sein Unwesen trieb.

Die Luft war schwer von warmer Brotrinde, klebrigem Marmeladenduft und pubertärer Energie. Und Severus hatte das deutliche Gefühl, dass das Universum heute einen besonders perfiden Sinn für Humor an den Tag legte. Nicht zuletzt deshalb, weil Minerva McGonagall, deren Augen schon beim ersten Hauch von „pädagogisch wertvoll“ aufleuchteten wie die von Sprengstoffexperten beim Anblick einer tickenden Kiste, plötzlich auf sprang und mit ihrer typischen Mischung aus Enthusiasmus und pädagogischem Sadismus die Aufmerksamkeit auf sich zog und dabei verkündete, sie habe eine besonders freudige Überraschung für alle.

„Ich habe eine Ankündigung!“, rief sie mit fröhlicher Stimme über die Tische hinweg, woraufhin das Besteck wie auf Kommando verstummte. Eine gespannte Stille breitete sich aus und Severus wünschte sich, er könnte mit bloßer Willenskraft einen Zeitumkehrer heraufbeschwören, nur um diesen Moment ungeschehen zu machen.

„Die Hogwarts Summergames feiern ihr großes Comeback! Ein wunderbares, Muggel-inspiriertes Sportereignis ganz ohne Magie - Schüler ab der sechsten Jahrgangsstufe dürfen freiwillig teilnehmen und für alle Lehrer unter fünfzig Jahren ist die Veranstaltung verpflichtend. Ihr tretet gegeneinander an! Der Rest unserer Gemeinschaft darf zuschauen, jubeln und motivieren!“

Was folgte, war eine Eruption der Begeisterung, ein ohrenbetäubender Tumult aus Klatschen, Rufen, Pfiffen und ausgelassenem Johlen. So als hätten sie nicht gerade eine Woche voller körperlicher Anstrengung bei dreißig Grad angekündigt bekommen, sondern eine Einladung zu einem Butterbier-Festival mit freiem Eintritt. Severus, der das Schauspiel mit unverhohlenem Abscheu verfolgte, blieb als Einziger völlig reglos, seine Gesichtszüge stählern, seine Gedanken dafür umso beweglicher - und in diesen Gedanken inszenierte er bereits mit sadistischer Sorgfalt den Tod Minerva McGonagalls in tausend verschiedenen Varianten. Einmal fiel ihr der Kronleuchter auf den Kopf, ein andermal wurde sie versehentlich in eine Schildkröte verwandelt und in einem hohlen Buch versteckt, das nie wieder geöffnet wurde, und besonders gefallen hatte ihm die Variante, in der sie beim Zählen der Wahlergebnisse über einen unsichtbaren Dobby stolperte und in einen Bottich mit heißem Kesselkuchen fiel.

Die Konfrontation

Mit der Eleganz einer Gewitterwolke erhob er sich, ließ seine Robe - heute ersetzt durch einen langen schwarzen Mantel über passender Alltagskleidung - um die Beine gleiten und bewegte sich wie ein dunkler Sturm an den anderen Lehrern vorbei, bis er neben Minerva stand, die sich gerade genüsslich Tee einschenkte, als hätte sie nicht eben ein sportliches Massaker verordnet.

„Zufälligerweise“, begann er mit seiner üblichen, seidig-giftigen Stimme, „sind Professor Granger und ich die einzigen unter fünfzig. Ist das … ein Zufall?“

Minerva hob leicht die Brauen, warf ihm einen Blick zu, der in jedem anderen Kontext als unschuldig gegolten hätte, hier jedoch ganz klar die emotionale Schwester von 'erwischt beim Manipulieren' war "Wirklich? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Wie praktisch."

"Sie haben das geplant" sagte er kalt. "Ich weiß wirklich nicht, wovon Sie sprechen, Severus" meinte sie süffisant. "Natürlich nicht" seine Stimme war ruhig, doch in seinen Augen blitzte eine tiefe, finstere Genugtuung - denn wenn er schon leiden musste, dann würde er sie wenigstens damit konfrontieren. Und in genau diesem Moment erschien sie.

Hermine … Hermine fucking Granger. Mit dem Schritt einer Frau, die genau wusste, dass sie Recht hatte, mit dem Grinsen einer Gryffindor, die noch nie in ihrem Leben verloren hatte und mit der Ausstrahlung einer Lehrerin, die ihre Schüler nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit einer unverschämt körperlichen Präsenz beeindruckte.

"Was ist los, Professor Snape? Angst, gegen mich zu verlieren?" fragte sie keck. Ihre Augen funkelten ihn an. Er fand, dass ihre Stimme süffisant, provozierend war und allein die Art, wie sie ihn dabei ansah - diese Mischung aus kluger Berechnung und neckender Arroganz - ließ ihm einen feinen, wütenden Schauer über den Rücken laufen.

Langsam, beinahe genüsslich, wandte er sich ihr zu, ließ seinen Blick von ihrer Hochsteckfrisur über die freie Halspartie bis zu dem eng anliegenden, körperbetonten Top gleiten, das sie unter ihrer offenen Lehrermantel trug - und zwang sich, nicht mit der Zunge zu schnalzen.

"Wenn Sie glauben, Miss Granger, dass Sie mir sportlich das Wasser reichen können, dann empfehle ich Ihnen, sich warm anzuziehen" schnarrte er sie an. "Ich ziehe mich lieber leicht an. Es wird ja heiß, nicht wahr?" sagte sie und zwinkerte ihm zu. Es war nur ein einziger Satz und doch fühlte er sich, als hätte jemand ein Pulverfass in seinem Kopf entzündet. Verdammt. Er hasste sie. Oder versuchte es zumindest…

Nein, er hasste sie nicht, Scheiße. „Der Start ist Montagmorgen, acht Uhr am Spielfeldrand!“, rief Minerva in die Runde und klatschte in die Hände „Sportkleidung ist Pflicht. Magie absolut verboten.“

Der Weitsprung

Montag kam mit der Gnadenlosigkeit eines Cruciatus-Fluchs. Die Sonne brannte erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel herab, als hätte sich der gesamte Kosmos darauf verständigt, Hogwarts in einen brodelnden Hexenkessel zu verwandeln, in dem nicht nur Schweiß floss, sondern auch die letzten Reste seiner Geduld verdampften, während Severus Snape mit einer Mischung aus Abscheu, Gereiztheit und unbeholfenem körperlichem Unbehagen auf das improvisierte Sportfeld starrte, das sich auf der Wiese vor dem Schloss ausbreitete wie eine überdimensionale Farce. Mit wehenden Fähnchen, hüpfenden Schülern und einer zu enthusiastischen Minerva McGonagall, die das Ganze als "belebende Tradition der muggelstämmigen Bewegungsfreude" verkauft hatte.

Bewegung. Freude. Zwei Begriffe, die in Severus’ Welt etwa so gut zusammenpassten wie Alraunenwurzeln und Vanilleeis.

Severus stand da, die Arme verschränkt, in einer perfekt sitzenden, pechschwarzen, sportlichen Kombination, deren enganliegender Stoff sich wie ein sündiger Fluch um seinen Körper schmiegte - vermutlich gewebt aus den Hitzefasern der Hölle selbst -, und obwohl sie ihn beinahe in den Wahnsinn trieb, verlieh sie ihm paradoxerweise genau jene stoische Würde, die ihn davor bewahrte, inmitten all dieser hormonell überhitzten Schüler kollektiv die Nerven zu verlieren. Die Kleidung betonte jede Muskelpartie, die sich jahrelang verborgen unter wallenden Roben gehalten hatte, und - sehr zu seinem eigenen Unmut - zeichnete sich in aller Deutlichkeit ab, dass ihn die Natur nicht nur mit Scharfsinn, sondern auch mit einer sehr eindeutigen Ausprägung körperlicher Präsenz bedacht hatte. Er ließ seinen Blick mit dem angewiderten Ernst eines Aurors über das Feld gleiten, bis er an einer bestimmten Gestalt hängenblieb - oder vielmehr: hängenbleiben musste. Hermine Granger. Natürlich war sie wieder einmal zu früh, zu motiviert und zu knapp bekleidet.

Ihre schwarze Sporthose war dermaßen eng, dass Severus sich nicht sicher war, ob es sich überhaupt um Stoff handelte oder lediglich um eine optische Täuschung. Das bauchfreie Top, das sie trug, ließ keinen Zweifel daran, dass sie nicht nur bereit war zu gewinnen, sondern auch bereit, ihm die letzten Nerven zu rauben. Es war, als hätte sie sich vorgenommen, mit jedem Atemzug seine Selbstbeherrschung zu prüfen - eine Disziplin, in der sie seit ihrer Schulzeit verstörend effizient war.

„Willkommen, meine Lieben“, begann Professor McGonagall mit jener resoluten Mischung aus Strenge und Begeisterung, die in ihrer Stimme stets mitschwang, sobald es darum ging, Disziplin und Spaß miteinander zu vereinen - was in Hogwarts, wie alle wussten, eine ebenso heikle wie seltene Kombination war. Sie stand auf einem leicht erhöhten Podest am Rand des frisch hergerichteten Sportplatzes, in der einen Hand den Zauberstab, in der anderen ein Klemmbrett, das eher nach Ministeriumsformularen als nach Sommerfreude aussah.

„Zu den diesjährigen Summergames“, fuhr sie fort, „die - wie ich mit Stolz verkünden darf - inzwischen in ihr drittes offizielles Jahr gehen. Und doch gibt es diesmal eine Premiere, auf die ich besonders hinweisen möchte: Zum allerersten Mal in der Geschichte dieser Veranstaltung nehmen nicht nur unsere Siebtklässler teil, sondern auch zwei Lehrkräfte, die… sagen wir, sich der Herausforderung stellen.“ Ihre Augen glitten über die Reihen der Schüler - und blieben mit sichtbarem Vergnügen auf Severus Snape und Hermine Granger hängen, die etwas abseits standen. Beide hatten die Arme verschränkt, beide mit der Ausstrahlung zweier Raubtiere, die sich weigerten, als Zirkusnummer wahrgenommen zu werden.

„Wir erwarten, dass alle Disziplinen fair, sportlich und mit gegenseitigem Respekt durchgeführt werden“, fuhr Minerva fort, wobei ein kurzer Blick zu den Zwillingen Finn und Thomas glitt, die bereits Wetten flüsterten. „Kein Mogeln, kein Zaubern, keine fliegenden Besen - und schon gar keine Sabotage. Ich betone das besonders für jene unter uns, deren Leben sich bislang vorzugsweise in dunklen Kerkern und noch dunkleren Zaubertränken abspielte.“ Severus hob nur eine Braue, was offenbar als Bestätigung galt.

„Und nun“, rief Minerva schließlich mit einem energischen Schnippen ihres Zauberstabs, „beginnen wir mit der ersten Disziplin: Weitsprung!“ Im selben Moment erschien eine breite, makellos glatte Sandgrube, flankiert von einer strahlend weißen Absprunglinie. Einige Hufflepuffs - offensichtlich zu freiwilligen Schiedsrichtern erklärt - standen bereits bereit, ausgestattet mit Zauberhüten, Maßbändern und einer auffälligen Unfähigkeit, den Blick von Professor Grangers Beinen abzuwenden.

„Miss Granger, Sie beginnen!“, rief McGonagall mit diesem verfluchten Lächeln, das Severus stets das Gefühl gab, sich in einem schlecht gelaunten Kinderbuch zu befinden.

Hermine trat an die Linie, schüttelte lässig ihr Haar zurück, sah Severus an - dieser eine Blick, dieses verschmitzte Funkeln in den Augen, welches sagte 'Pass auf, Snape' und lief los. Ihr Anlauf war präzise, kraftvoll und gerade lang genug, um in einem eleganten Absprung zu gipfeln. Sie landete mit einem dumpfen Geräusch im Sand, der in einer kleinen Wolke um sie herum aufflog, während sie sich aufrichtete, sich ein wenig Sand vom Bauch klopfte und sich umdrehte, nur um ihm ein süffisantes Lächeln zuzuwerfen.

„Gar nicht schlecht für einen Montagvormittag, finden Sie nicht?“, sagte sie, wobei ihre Stimme genug Selbstzufriedenheit trug, um einen ganzen Ballsaal zu füllen.

Severus schnaufte leise, trat mit langsamen, berechnenden Schritten an die Startlinie, betrachtete die Spur im Sand, die sie hinterlassen hatte - und beschloss, dass diese Linie seine neue persönliche Feindin war. Er spürte den prüfenden Blick dutzender Schüler und - schlimmer noch - ihren.

Er streckte sich, was mehr Knacken als Eleganz erzeugte, holte tief Luft und lief los. Der Anlauf fühlte sich überraschend rhythmisch an, der Absprung wuchtig, der Flug… nun ja, kürzer als gedacht, aber immerhin kontrolliert. Er landete ebenfalls im Sand - leider mit einem Ruck, der seinen unteren Rücken an den Tag erinnerte, an dem er beim Duellierclub gegen Flitwick auf die Nase gefallen war.

„Maßband!“, rief einer der Schüler, während ein anderer bereits aus sicherer Entfernung den Abstand zu Hermines Sprung maß. Es wurde gerechnet, diskutiert, korrigiert.

„Professor Snape: vier Meter vierzig. Professor Granger: vier Meter dreißig.“

Ein Aufschrei ging durch die Schülermenge - die Gryffindors buhten empört, die Slytherins jubelten mit übertriebener Genugtuung. Hermine trat näher, verschränkte die Arme und hob die Braue.

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