Gerd Müller und sein Kampf gegen das Vergessen: Eine Fußballlegende im Angesicht von Alzheimer

Gerd Müller, der "Bomber der Nation", ist eine Ikone des deutschen Fußballs. Seine unglaubliche Torquote und seine entscheidenden Treffer haben den FC Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft zu unzähligen Erfolgen geführt. Doch hinter dem gefeierten Sportler verbirgt sich eine трагический история, die von einem schweren Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit geprägt ist.

Ein Leben für den Fußball

Gerd Müller wurde im November 1945 in Nördlingen geboren. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent für den Fußball. Mit 18 Jahren wechselte er zum FC Bayern München und begann eine beispiellose Karriere. Müller erzielte 365 Bundesliga-Tore, ein Rekord, der erst 49 Jahre später von Robert Lewandowski gebrochen wurde. In der Saison 1971/72 traf er sogar 40 Mal ins Schwarze. Auch in der Nationalmannschaft war Müller äußerst erfolgreich. In 62 Spielen erzielte er 68 Tore, darunter das entscheidende 2:1 im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande.

Seine Tore im legendären Team mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Paul Breitner legten den Grundstein für den Rekordmeister und Welt-Klub.

Müller war bekannt für seine unnachahmliche Art, Tore zu erzielen. Er stand oft mit dem Rücken zum Tor, drehte sich blitzschnell um und traf präzise ins Netz. "Hintern raus, kurze Drehung - dann machte es bumm", beschrieb er selbst seine glanzvollen Taten. Sein Geheimnis war jedoch einfach: "I hau' halt immerzu aufs Tor", sagte er, "wenn ich drei Sekunden zum Überlegen hätte, wär's vorbei."

Der stille Star

Im Gegensatz zu anderen Stars wie Franz Beckenbauer scheute Müller das Rampenlicht. Er war ein stiller, schüchterner und bescheidener Mensch, der auf den Trubel um seine Person verlegen reagierte. Als ihm der FC Barcelona in den 1970er-Jahren ein astronomisches Jahresgehalt bot, lehnte er verständnislos ab. "I mog ned, i kann doch ned mehr als ein Schnitzel am Tag essen", sagte "kleines, dickes Müller", wie ihn sein früherer Trainer Zlatko Tschik Cajkowski liebevoll nannte.

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Nach seiner aktiven Karriere hatte Müller Probleme, sich an das Leben außerhalb des Fußballs zu gewöhnen. In den 1980er-Jahren verfiel er dem Alkohol und geriet in finanzielle Not. Seine Freunde Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß halfen ihm aus dieser Krise, gaben ihm eine Aufgabe als Co-Trainer und wieder Halt. "Ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft", sagte Müller einmal.

Der Kampf gegen das Vergessen

Anfang Oktober machte der FC Bayern Müllers Erkrankung an Alzheimer öffentlich. Seit Februar 2015 wurde er professionell betreut. Die Nachricht von seiner Krankheit berührte viele Menschen in Deutschland. "Es ist tragisch und stimmt uns alle beim DFB sehr traurig, dass es unserem Weltmeister und Freund nicht gut geht", sagte Verbandspräsident Wolfgang Niersbach.

Auch seine ehemaligen Mitspieler und Weggefährten zeigten große Anteilnahme. "Gerd war ein wunderbarer Mitspieler und ist ein Freund. Er wird immer seinen festen Platz bei uns haben", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Wir helfen Gerd, wo es nur geht", wurde Uli Hoeneß in der Biografie "Der Bomber der Nation" zitiert. Franz Beckenbauer würdigte dessen Verdienste: "Ohne die Tore vom Gerd wären wir noch immer in unserer alten Holzhütte an der Säbener Straße."

Bundestrainer Joachim Löw sagte: "Er war wohl der allergrößte Stürmer, den wir hatten - ein Stürmer, den wir so nie mehr sehen werden." Bayern-Star Thomas Müller, der die Tradition des Tore-"müllern" fortsetzt, sagte bestürzt: "Die Krankheit von Gerd geht mir an die Nieren. Gerds Torquote wird in Deutschland niemand mehr erreichen, dennoch ist er total bescheiden und hat sich nie darauf etwas Besonderes eingebildet."

Müller war immer der Stille, der schüchterne und bescheidene Star, der auf all den Trubel um seine Person verlegen reagierte.

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Leben im Pflegeheim

Seit Februar wird der einstige Bomber der Nation in einem Pflegeheim im Münchner Süden betreut - liebevoll umsorgt von seiner Frau Uschi. Auch einstige Weggefährten wie eben Roth, Karl-Heinz Rummenigge, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß oder Paul Breitner kümmern sich nach wie vor rührend um ihren Gerd.

Die Bild berichtet allerdings, dass Müller dieses Umfeld bereits verlassen hat. Gerd Müller wird am 3. November 70 Jahre alt. Große Feiern wird es allerdings nicht geben. Der einstige "Bomber der Nation" sei an Alzheimer erkrankt, teilt sein Verein FC Bayern München mit. Seit Anfang Februar 2015 werde Müller professionell betreut.

Zu Müllers 70. Geburtstag wird es keine offiziellen Termine und Besuche geben. Rummenigge: "Wir bitten in dieser für ihn und seine Familie nicht einfachen Situation um den nötigen Respekt.

Das Schicksal Demenz

Müllers Tod erinnert daran, dass Demenz jede und jeden treffen kann, und daran, dass es auf dem Gebiet der Demenztherapie kaum Fortschritte gibt - und im Grunde fast nie gab. Die Krankheit lässt sich heute ein wenig besser managen als früher, und Symptome können teil- und zeitweise gemildert werden. Mehr geht meist nicht.

Dabei sind die meisten Demenzen nicht kategorisch anders als etwa Krebs-, Herzkreislauf- oder Stoffwechselkrankheiten. Bei Demenz fehlt die Option, gezielt einzugreifen Es sind alles langwierige zelluläre und Stoffwechselprozesse. Doch gerade bei Demenz, die vor allem ab einem gewissen Alter vorkommt, fehlt noch immer die Option, gezielt einzugreifen, und die Ursachen zu bekämpfen statt die Symptome. Das einzige Medikament, das dies können soll - eine Entwicklung aus den USA und von der dortigen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen - , ist hochumstritten.

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Auch wenn das Gehirn generell eine besondere wissenschaftliche wie medizinische Herausforderung ist, gibt es sie, die entscheidenden Moleküle, die beeinflussbaren Prozesse. Wann der Durchbruch kommt, ist heute so unsicher wie je. Ob mehr Geld für Forschung die Erfindung der Alzheimerbremse beschleunigen würde, ebenso.

Alzheimer: Eine unheilbare Krankheit

Alzheimer ist eine unheilbare Störung des Gehirns und die häufigste Form von Demenz. Bei der heimtückischen Erkrankung geht das Gedächtnis verloren. Das Wesen des Betroffenen verändert sich. In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen leiden unter Alzheimer. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Berechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen.

Verschiedene Formen von Alzheimer-Demenz

Am häufigsten tritt die sporadische Form des Alzheimers auf. Bei dieser Erkrankung determinieren genetische sowie Umwelteinflüsse den Verlauf. Der größte Risikofaktor ist das Alter. Aber auch das ApoE4-Gen, das für den Transport von Fettsäuren zuständig ist, erhöht das Risiko, zu erkranken.

Wesentlich seltener ist die autosomal-dominante Form der Alzheimer-Demenz. Kennzeichnend für diese Form von Alzheimer ist, dass die Symptome wesentlich früher auftreten und sich schneller verstärken beziehungsweise häufen.

Sind innerhalb einer Familie mehrere Menschen an Alzheimer erkrankt, sprechen Mediziner von einer familiären Form von Alzheimer. Bei dieser Form ist das Risiko der Blutsverwandten erhöht, ebenfalls an Alzheimer zu erkranken. Während das Lebenszeitrisiko normalerweise bei zehn Prozent liegt, erhöht es sich bei Verwandten ersten Grades um das Zweieinhalbfache (25 Prozent).

Symptome: Alzheimer-Demenz durchläuft verschiedene Stadien

Der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung ist bereits seit Alois Alzheimers ersten Aufzeichnungen gut dokumentiert. Die erste Phase von Demenz-Krankheiten wie Alzheimer ist das Stadium der leichten Demenz.

Die Erkranken können sich neue Dinge nicht mehr merken. Zudem gestalten sich vor allem abstrakte Aufgaben des Alltags, wie beispielsweise eine Steuererklärung, schwierig. In dieser Phase der Alzheimer-Krankheit haben sich in bestimmten Bereichen der Großhirnrinde (Neokortex) erste Proteinklumpen gebildet, sogenannte Beta-Amyloid-Plaques.

Ist das Stadium der mittelschweren Demenz erreicht, haben die verklumpten Proteine bereits weitere Hirnareale befallen. Die Erkrankten können komplexe Formen und Muster nicht mehr richtig erkennen und erinnern. So wird es für die Patienten schwierig, Haushaltsgeräte zu bedienen oder sich selbstständig zu kleiden. Auch das Sprachverständnis leidet. Die Erkrankten selbst sehen die eigenen Beeinträchtigungen meist nicht ein (Anosognosie).

Die Symptomatik nimmt im Laufe der Zeit zu. Für den Erkrankten bringt das häufig psychische Zusatzsymptome mit sich, wie Angst, depressive Verstimmungen, Halluzinationen oder eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Das Stadium der schweren Demenz prägen zunehmende motorische und vegetative Störungen etwa Inkontinenz. Die Erkrankten werden pflegebedürftig. Aufgrund der mangelnden Abwehrfähigkeit ihres Immunsystems leiden Alzheimer-Patienten in diesem letzten Stadium häufig an einer Lungenentzündung, an Infektionen oder anderen Krankheiten. Dieses letzte Stadium führt schließlich zum Tod.

Risikofaktoren und Prävention

Ist eine Demenz, vor allem in der häufigsten Form Alzheimer, erst einmal ausgebrochen, lässt sie sich allenfalls verzögern, aber nicht mehr aufhalten oder gar heilen. Umso wichtiger ist es, die Risikofaktoren für den Verfall der kognitiven Fähigkeiten zu kennen - und nach Möglichkeit auszuschalten. Die Forschung hat inzwischen eine ganze Reihe von Gefahrenquellen erkannt, die eine Demenz begünstigen können.

Drei Risikofaktoren für Demenz, die nicht beeinflussbar sind:

  • Alter: Ab dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich die Demenzhäufigkeit alle fünf Jahre
  • Geschlecht: Frauen sind eher demenzgefährdet als Männer
  • Genetische Faktoren: So beeinflusst eine bestimmte Variante des ApoE-Gens (wichtig für den Cholesterintransport im Blut) die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer-Demenz zu erkranken. Bei Trägern von ApoE4 treten Krankheitssymptome besonders früh auf.

Sieben wichtige Risikofaktoren für Demenz, die veränderbar sind:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • geringe Bildung
  • Depression

Fünf neu entdeckte Risikofaktoren für Demenz:

  • Small Vessel Disease: Einblutungen in den kleinen Gehirngefäßen
  • Psychischer Stress in mittleren Jahren
  • Leben ohne Partner
  • Kurzer REM-Schlaf
  • Überzuckerte Getränke

Frühe Anzeichen von Demenz

Zu den frühen Anzeichen von Demenz zählen Mediziner diese Anzeichen:

  • Sie vergessen zunehmend Verabredungen.
  • Sind mehrere Menschen an einem Gespräch beteiligt, haben Sie Schwierigkeiten zu folgen. An den Inhalt von Gesprächen können Sie sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr erinnern.
  • Ereignisse, die länger zurückliegen, sind Ihnen dagegen noch sehr präsent.
  • Sie haben Probleme, sich in Ihrer eigenen Wohnung oder im altbekannten Supermarkt zurechtzufinden.
  • Sie finden sich an einem Ort oder in einem Zimmer wieder und haben vergessen, was Sie dort eigentlich tun wollten.
  • Es fällt Ihnen schwer, eine Mahlzeit zuzubereiten, die mehrere einzelne Schritte erfordert.
  • Beim Lesen müssen Sie Abschnitte mehrmals wiederholen, um sie zu verstehen, und können sich nicht mehr so gut konzentrieren.
  • Sie sind schusseliger und nachlässiger geworden.
  • Ihnen fehlen immer häufiger die richtigen Worte.

Ein Kämpfer bis zum Schluss

Trotz seiner schweren Erkrankung hat Gerd Müller nie seinen Lebensmut verloren. "Er ist immer ein Kämpfer gewesen, war immer tapfer, sein ganzes Leben lang. Das ist er auch jetzt. Der Gerd schläft seinem Ende entgegen", sagte seine Frau Uschi in einem Interview.

Müller wird für immer als einer der größten Fußballer aller Zeiten in Erinnerung bleiben. Seine Tore, seine Erfolge und seine bescheidene Art haben ihn zu einer Legende gemacht. Auch wenn er nun gegen das Vergessen kämpft, wird er in den Herzen der Fußballfans weiterleben.

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