Eine Gehirnoperation, insbesondere bei einem Meningeom, kann eine Vielzahl von Nachwirkungen haben, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinflussen. Eine dieser möglichen Auswirkungen sind Veränderungen im Menstruationszyklus. Dieser Artikel soll Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen und mögliche Behandlungsansätze aufzuzeigen.
Einführung
Viele Frauen erleben nach einer Gehirnoperation Veränderungen in ihrem Menstruationszyklus. Diese Veränderungen können von unregelmäßigen Blutungen bis hin zum vollständigen Ausbleiben der Periode reichen. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Symptome vielfältige Ursachen haben können und nicht immer direkt mit der Operation in Verbindung stehen müssen.
Mögliche Ursachen für Menstruationsbeschwerden nach Gehirnoperation
Die Ursachen für Menstruationsbeschwerden nach einer Gehirnoperation können vielfältig sein. Hier sind einige der häufigsten Faktoren:
- Hormonelle Veränderungen:
- Hypophyseninsuffizienz: Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse im Gehirn, die den Menstruationszyklus steuert. Eine Operation in diesem Bereich kann zu einer Unterfunktion der Hypophyse führen, was sich auf die Hormonproduktion und somit auf den Zyklus auswirken kann. Hypophysentumore können mit verschiedenen Begleiterkrankungen verbunden sein, die entweder als Folge des Tumors selbst oder aufgrund der hormonellen Veränderungen auftreten, die sie verursachen. Hypopituitarismus ist eine Erkrankung, bei der die Hypophyse nicht ausreichend Hormone produziert. Dies kann der direkte Druck des Tumors auf das Hypophysengewebe verursachen.
- Prolaktinome: Vermehrt Prolaktin freisetzende Adenome werden Prolaktinome genannt. Bei Frauen kommt es meistens zu einem Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) und Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe).
- Einfluss von Progesteronrezeptoren: Wenn das Meningeom einen "mäßiggradigen Anteil Progesteronrezeptoren" hat, kann dies den monatlichen Zyklus beeinflussen.
- Medikamente:
- Antiepileptika: Medikamente wie Tegretal, Phenhydan und Lamictal, die zur Vorbeugung von Krampfanfällen eingesetzt werden, können den Hormonhaushalt beeinflussen und somit den Menstruationszyklus stören.
- Hormonelle Verhütungsmittel: Auch nach dem Absetzten kann es dauern bis sich der Zyklus wieder normalisiert.
- Krebsmedikamente: Krebsmedikamente wie Anti-Hormon-Präparate bei Brustkrebs oder nach einer Chemotherapie.
- Glukokortikoide: Bei Einnahme von Glukokortikoiden, also Kortisonpräparaten, kann der Zyklus unregelmäßig werden und die Periode ausbleiben.
- Psychopharmaka: Bestimmte Psychopharmaka können zu einem Anstieg von Prolaktin führen und so Menstruationsstörungen und eine Amenorrhoe verursachen. Beispielsweise Medikamente, die unter anderem gegen Psychosen eingesetzt werden, wie Risperidon oder Haloperidol.
- Stress:
- Psychischer und körperlicher Stress: Die Operation selbst, die Diagnose und die damit verbundenen Ängste können erheblichen Stress verursachen, der sich auf den Hormonhaushalt und den Menstruationszyklus auswirken kann.
- Weitere Faktoren:
- Gewichtsveränderungen: Starke Gewichtsabnahmen oder -zunahmen können den Zyklus beeinflussen.
- Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung kann zu Zyklusstörungen führen.
- Grunderkrankungen: Erkrankungen der Schilddrüse, der Geschlechtsorgane, der Leber oder der Nieren, aber auch Stoffwechselkrankheiten, unter anderem Diabetes mellitus, Grund weiblicher Zyklusstörungen sein.
- PCO-Syndrom: Auch eine der häufigsten Hormonstörungen bei erwachsenen Frauen kann eine sekundäre Amenorrhoe auslösen, das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCO). Bei dieser Stoffwechselstörung bilden sich in den Eierstöcken zahlreiche Zysten, die die Hormonproduktion stören. Dadurch werden vermehrt Testosteron und das Gelbkörperhormon gebildet und die für die Menstruation nötige Hormonbalance ist gestört.
- Chemotherapie: Außerdem kann sich nach einer Chemotherapie gegen verschiedene Krebserkrankungen, wie zum Beispiel Brustkrebs, die Blutung einstellen.
- Bestrahlung: Forscher um JoAnn Pinkerton von der „North American Menopause Society“ (NAMS) haben das Ausbleiben der Periode nach der Bestrahlung gegen Lungenkrebs geprüft. Das Ergebnis: 64 Prozent der befragten Patientinnen gaben an, dass bei ihnen nach der Behandlung eine frühzeitige Menopause eingetreten war und ihre Blutung ausblieb.
- Tumorbedingte Ursachen: Die häufigste Ursache für eine Funktionsstörung der Hypophyse im Erwachsenenalter ist der Hypophysentumor. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Adenome (gutartige Wucherung von Drüsengewebe). Kommt es bei einem hormonaktiven Adenom zu einer vermehrten Produktion von Corticotropin (ACTH), löst dies in den Nebennieren eine vermehrte Produktion von Cortisol aus und es entsteht das Krankheitsbild des Morbus Cushing mit „Vollmondgesicht“, „Stiernacken“, Akne, ungewollter Gewichtszunahme, Depressionen, Wassereinlagerungen, Muskelschwäche sowie einem Abbau der Knochensubstanz, in deren Folge Knochenbrüche auftreten können.
Symptome und Beschwerden
Die Symptome von Menstruationsbeschwerden nach einer Gehirnoperation können vielfältig sein und von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:
- Unregelmäßige Blutungen: Die Periode kann unregelmäßig kommen, stärker oder schwächer als gewöhnlich sein.
- Ausbleiben der Periode (Amenorrhö): Die Periode kann für mehrere Monate oder sogar dauerhaft ausbleiben.
- Stärkere Blutungen: Seit der OP hat meine Freundin sehr heftige Monatsblutungen, verliert sehr viel Blut.
- Schmerzen: Stärkere Menstruationsschmerzen als vor der Operation.
- Weitere Symptome: Begleitende Symptome wie Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlafstörungen können auftreten.
- Wechseljahrsbeschwerden: Wechseljahrsbeschwerden oder auch Milchabsonderungen aus der Brustdrüse.
Diagnostik
Um die Ursache der Menstruationsbeschwerden zu ermitteln, sind verschiedene Untersuchungen erforderlich. Dazu gehören:
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- Anamnese: Der Arzt wird ausführlich nach der Krankengeschichte, den Begleiterscheinungen und den eingenommenen Medikamenten fragen.
- Gynäkologische Untersuchung: Eine körperliche Untersuchung und ein Ultraschall der Gebärmutter und Eierstöcke können organische Ursachen ausschließen.
- Hormonuntersuchungen: Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Hormonspiegel (Östrogen, Progesteron, FSH, LH, Prolaktin, Schilddrüsenhormone) geben Aufschluss über mögliche hormonelle Störungen.
- Bildgebende Verfahren: Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Hypophyse oder des Hypothalamus können MRT-Aufnahmen des Gehirns erforderlich sein.
- Funktionstests: Für den sogenannten Gestagen-Test nimmt die Patientin einige Tage ein Gestagenpräparat ein. Kommt es nach dem Absetzen zu einer Blutung, zeigt dies, dass die Gebärmutterschleimhaut tatsächlich ausreichend ausgebildet war - zuvor also ausreichende Mengen an Östrogen produziert wurden, weil diese den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut stimulieren. Die Amenorrhoe muss dann andere Ursachen haben.Fällt der Test negativ aus, kommt ein Östrogen-Gestagen-Test infrage. Damit prüft der Arzt, ob die Gebärmutterschleimhaut überhaupt ausreichend aktiviert werden kann. Dabei erhält die Patientin zunächst Östrogene, die den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut anregen, und im Anschluss daran Gestagen. Tritt in der Folge eine Blutung auf, weist dies darauf hin, dass die Gebärmutterschleimhaut intakt ist.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Menstruationsbeschwerden nach einer Gehirnoperation richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Hier sind einige mögliche Therapieansätze:
- Hormontherapie:
- Hormonersatztherapie (HRT): Bei einer Hypophyseninsuffizienz oder vorzeitigen Wechseljahren kann eine HRT helfen, den Hormonmangel auszugleichen und die Menstruation wiederherzustellen.
- Gestagene: Bei unregelmäßigen Blutungen oder einer Gelbkörperschwäche können Gestagene eingesetzt werden, um den Zyklus zu stabilisieren.
- Orale Kontrazeptiva: Um die Androgenisierung zu vermindern, empfiehlt sich die Gabe eines oralen Kontrazeptivums mit einer stark antiandrogen wirkenden Gestagenkomponente wie Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat, Dienogest oder Drospirenon. Dadurch sinken die LH-Sekretion und nachfolgend auch die ovarielle Androgenproduktion.
- Medikamentöse Behandlung:
- Prolaktin-Senker: Bei einem Prolaktinom können Medikamente wie Cabergolin oder Bromocriptin den Prolaktinspiegel senken und die Menstruation wiederherstellen.
- Antiepileptika: Wenn Antiepileptika die Ursache für die Zyklusstörungen sind, kann in Absprache mit dem Arzt eine Umstellung auf ein anderes Medikament erwogen werden.
- Antidiabetikums Metformin: Der Einsatz des Antidiabetikums Metformin führt zur Verbesserung von Symptomen wie Akne, Übergewicht und Bluthochdruck. Zudem senkt Metformin die Androgenkonzentration, wodurch sich der Menstruationszyklus normalisiert und die Fertilität ansteigt.
- Operation oder Bestrahlung:
- Tumorentfernung: Wenn ein Tumor die Ursache für die hormonellen Störungen ist, kann eine Operation oder Bestrahlung zur Entfernung oder Verkleinerung des Tumors in Erwägung gezogen werden.
- Radiochirurgische Behandlung: Im Falle einer Größenzunahme des Resttumors komme nur eine radiochirurgische Behandlung in Frage, wegen der "festen Adhärenz der Hirnnerven, Gefäße und des Hirnstamms an der Tumorkapsel".
- Weitere Maßnahmen:
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und den Hormonhaushalt zu regulieren.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann den Körper unterstützen und den Zyklus stabilisieren.
- Psychologische Unterstützung: Eine psychologische Beratung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen umzugehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
- Phytopharmaka: Bei leichteren Fällen oder wenn die Frau keine Verhütung wünscht, kann der regulierende Einsatz von Phytopharmaka, hier unter anderem Mönchspfeffer-Präparaten, erwogen werden.
- Antifibrinolytikum Tranexamsäure: Als First-line-Therapie sowohl der Hypermenorrhö als auch der Menorrhagie kommt das Antifibrinolytikum Tranexamsäure zum Einsatz, das in Studien den Blutverlust etwa halbieren konnte (6). Die Anwendung erfolgt nur während der Blutung, entweder oral oder intravenös in Dosierungen abhängig von der Blutungsstärke.
Umgang mit den Begleiterscheinungen
Neben den Menstruationsbeschwerden selbst können nach einer Gehirnoperation auch andere Symptome auftreten, die das Leben der Betroffenen zusätzlich beeinträchtigen. Hier sind einige Tipps, wie man mit diesen Begleiterscheinungen umgehen kann:
- Gesichtstaubheit: Bei einer rechtsseitigen Gesichtstaubheit (Tumor saß auch rechts), das ist wohl die Trigeminusirritation. Sie empfindet rechtsseitig, d.h. von den Haaren über Stirn bis zum Kinn genau in der Hälfte des Gesichts kaum etwas, z.B. nicht heiß und kalt, nur in der rechten Wange außen sei ein wenig Gefühl. Auch innen im Mundraum empfindet sie rechtsseitig nichts, hat auch keinen Geschmackssinn.
- Druck im Ohr: Im rechten Ohr empfindet sie zunehmend oft einen Druck wie wenn man schnell mit dem Fahrstuhl fährt, so als ob "das Ohr zu ist", oder wie wenn man erkältet ist, sie hört dann auf diesem Ohr nur gedämpft. Dies geschieht vor allem, wenn sie viel getan hat.
- Krampfanfälle: Meine Freundin hat nach der OP zwei "generalisierte" Krampfanfälle gehabt, den ersten am 11. März 04, den zweiten am 02.07.04. Beide Male wurde sie einge Tage stationär im Krankenhaus aufgenommen. Nach dem ersten Anfall erhielt sie zur Anfallsprophylaxe zunächst Tegretal, dann Phenhydan 100 (3 x tgl 1).
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen: Konzentrationsübungen, Planungsgruppen und Gleichgewichtsübungen etc. Am PC bin ich nach 10 min geschafft. Rechenaufgaben auf Grundschulniveau,aber mehr ist grad nicht drin. Tue mich sehr schwer damit.
- Reizüberflutung: Sie kann helles Licht und Sonne nicht mehr ab, keinen Lärm, nicht zu viele Menschen auf einmal um sich herum haben.
- Schlafstörungen: Schlafstörungen, wacht oft sehr früh auf und kann nicht wieder einschlafen.
- Übelkeit, Ohrensausen und Panikgefühle: Sie verspürt ca. 3 bis 5 Mal in einem Monat eine Art "Anfälle", die gekennzeichnet sind durch Übelkeit, Ohrensausen und Panikgefühle und etwa eine halbe Stunde andauern.
- Fahrverbot: Meine Freundin darf nicht Autofahren wegen der Anfallgefahr. Das macht ihr schwer zu schaffen, zumal sie verkehrstechnisch sehr ungünstig wohnt (kleiner ort in Nordfriesland).
- Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann sehr hilfreich sein, um Erfahrungen zu teilen und Unterstützung zu finden.
- Unterstützung durch Familie und Freunde: Die Unterstützung durch Familie und Freunde ist von unschätzbarem Wert, um die schwierige Zeit nach der Operation zu meistern.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Die Periode dreimal hintereinander ausbleibt.
- Die Blutungen sehr stark oder unregelmäßig sind.
- Starke Schmerzen auftreten.
- Weitere Symptome wie Fieber, Schwindel oder Übelkeit hinzukommen.
- Unsicherheit oder Ängste bestehen.
- Sie neben dem Ausbleiben der Regel weitere Symptome wie Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Sex, Brustschmerzen oder milchige Absonderungen aus den Brüsten feststellen.
- Sie neben der Amenorrhoe auch noch Anzeichen einer Vermännlichung (Virilisierung) feststellen wie Haarausfall, tiefere Stimme, stärkere und eher männlich ausgerichtete Körperbehaarung (wie Bart- und Brusthaare).
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