Die Diagnose Epilepsie und Autismus bei Kindern kann für Familien eine große Herausforderung darstellen. Die Geschichte von Zahide und ihrer Mutter Naime Yıldırım bietet Einblicke in die Schwierigkeiten, aber auch in die Möglichkeiten, mit diesen Erkrankungen umzugehen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von Epilepsie, Autismus und die damit verbundenen Herausforderungen, wobei die Erfahrungen von Zahide und ihrer Familie als roter Faden dienen.
Einführung
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind eine Gruppe von Entwicklungsstörungen, die sich auf die soziale Interaktion, Kommunikation und Verhaltensweisen auswirken. Kinder mit Epilepsie und Autismus benötigen oft spezielle Unterstützung und Betreuung, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Die Geschichte von Zahide und ihrer Mutter Naime Yıldırım zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig Unterstützung zu suchen und eine inklusive Umgebung zu schaffen.
Die Diagnose: Ein Wendepunkt im Leben von Familie Yıldırım
Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft kam Zahide zur Welt. Anfangs schien alles normal, doch schon bald bemerkte Naime, dass sich ihre Tochter anders entwickelte als ihr älterer Bruder. Zahide zeigte kein Beugen und Strecken der Arme, antwortete nicht auf Ansprache und konnte Spielzeuge nicht mit beiden Händen ergreifen. Das freie Sitzen mit geradem Rücken war nicht möglich, und auch die Sprachentwicklung blieb aus.
Der Kinderarzt meinte zunächst, dass sich jedes Kind unterschiedlich entwickelt und Zahide möglicherweise mehr Zeit braucht. Doch Naime ließ sich nicht beruhigen. Ihr Mutterinstinkt sagte ihr, dass etwas nicht stimmte. Sie holte eine zweite Meinung ein und wechselte den Kinderarzt. Der neue Arzt stellte schnell fest, dass Zahide eine körperliche Entwicklungsverzögerung hatte und ihr Muskelaufbau geschwächt war. Sie musste zur Physiotherapie.
Mit 18 Monaten erlitt Zahide ihren ersten Krampfanfall. Naime erinnert sich an diesen Tag: "Wir waren bei einer Freundin zu Hause, und Zahide saß auf dem Teppich mit Spielzeug um sich herum. Ich bemerkte, dass sie einen starren Blick bekam. Sie fing an, die Augen zu schließen, und ich dachte, dass sie müde ist. Dann wurden ihre Lippen blau, auch ihre Finger liefen blau an. Ich geriet in Panik. Es kam kein Lebenszeichen mehr von ihr."
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Im Krankenhaus wurde Zahide mit Sauerstoff versorgt und stationär aufgenommen. Es wurden Untersuchungen durchgeführt, von denen Naime keine Ahnung hatte. "Was ist denn ein EEG? Kernspintomographie? Oder was ist ein EKG? Ich wusste es nicht, und niemand hat es mir erklärt. Diese Fachbegriffe waren mir zu diesem Zeitpunkt fremd", erzählt sie. Die Ärzte hatten einen Verdacht auf Epilepsie.
Epilepsie: Symptome, Diagnose und Behandlung
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch abnormale elektrische Entladungen im Gehirn. Die Symptome von Epilepsie können vielfältig sein und hängen von der Art des Anfalls ab. Einige häufige Symptome sind:
- Starre Blicke
- Zuckungen oder Krämpfe
- Bewusstseinsverlust
- Verwirrtheit
- Ungewöhnliches Verhalten
Die Diagnose von Epilepsie erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung, ein EEG (Elektroenzephalogramm) und bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie). Ein EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann helfen, abnormale Entladungen zu erkennen. Eine MRT kann strukturelle Veränderungen im Gehirn aufzeigen, die möglicherweise für die Anfälle verantwortlich sind.
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren. Dies kann durch Medikamente, eine spezielle Diät (ketogene Diät) oder in seltenen Fällen durch eine Operation erreicht werden. Naime berichtet, dass Zahide Medikamente gegen ihre Epilepsie erhält, die helfen, die Anfälle zu kontrollieren.
Autismus: Eine zusätzliche Herausforderung
Neben Epilepsie wurde bei Zahide auch Autismus diagnostiziert. Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind eine Gruppe von Entwicklungsstörungen, die sich auf die soziale Interaktion, Kommunikation und Verhaltensweisen auswirken. Menschen mit Autismus können Schwierigkeiten haben, soziale Signale zu verstehen, Beziehungen aufzubauen und sich in sozialen Situationen zurechtzufinden. Sie können auch repetitive Verhaltensweisen zeigen und ein eingeschränktes Interessenspektrum haben.
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Naime hatte schon früh den Verdacht, dass Zahide Autismus haben könnte. "In dieser Zeit merkte ich, dass ihre Entwicklung sehr stark verzögert war. Sie konnte nicht sprechen. Wenn sie etwas wollte, dann schrie sie oder sie zeigte mit ihrem Finger drauf. Blickkontakt konnte sie nicht halten. Unter mehreren Personen fühlte sie sich nicht wohl. Auf dem Spielplatz konnte sie nicht spielen, weil sie anders war. Die Kinder haben sie immer ausgestoßen", erzählt sie.
Die Diagnose Autismus wurde schließlich von einem Kinderpsychiater bestätigt. Naime berichtet, dass es keine spezifische Behandlung für Autismus gibt, aber verschiedene Therapien und Fördermaßnahmen können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Unterstützung und Inklusion: Der Schlüssel zum Erfolg
Für Kinder mit Epilepsie und Autismus ist eine umfassende Unterstützung und Inklusion von entscheidender Bedeutung. Dies umfasst:
- Frühförderung: Frühförderstellen bieten spezielle Programme und Therapien für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen. Naime betont die Bedeutung der Frühförderstelle für Zahide: "Da haben wir dann die Information bekommen mit der Rohräcker-Schule. Da ist auch ein Kindergarten für solche speziellen Kinder, also für behinderte Kinder. Das ist im Prinzip egal, ob das eine körperliche, geistige oder sprachliche Behinderung ist. Und ich habe sofort gemerkt: Das ist es! Das ist der Platz für Zahide."
- Inklusive Bildung: Inklusive Schulen ermöglichen es Kindern mit und ohne Behinderung, gemeinsam zu lernen. Zahide besucht die SBBZ-Schule in der Hauptstufe und ist dort glücklich. "Sie hat viele Freunde und kann mittlerweile auch mit Fremden kommunizieren", berichtet Naime.
- Therapien: Verschiedene Therapien wie Ergotherapie, Logopädie und Verhaltenstherapie können Kindern mit Epilepsie und Autismus helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern und ihre Lebensqualität zu steigern.
- Familienunterstützung: Familien mit Kindern mit Behinderungen benötigen oft zusätzliche Unterstützung. Es gibt verschiedene Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Familien beraten und unterstützen. Naime engagiert sich ehrenamtlich, um andere Familien mit besonderen Kindern zu unterstützen.
- Akzeptanz und Verständnis: Es ist wichtig, dass die Gesellschaft Kinder mit Epilepsie und Autismus akzeptiert und versteht. Naime berichtet von negativen Erfahrungen, als Zahide jünger war: "Es war schlimm für mich, mit ihr rauszugehen, weil sie sich eben anders verhielt. Alle haben blöd geschaut und immer musste jemand einen Kommentar abgeben. Ich musste mich entschuldigen und viel streiten."
Die Rolle der Kindertagesstätten
Kindertagesstätten (Kitas) spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung und Förderung von Kindern, insbesondere auch von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Die AWO Nürnberg bietet beispielsweise an 16 Standorten Kindertagesbetreuung in Kinderkrippen, Kindergärten, Horten und altersübergreifenden Häusern an. Kitas sind heute ein Bildungsangebot, dem schon im Bereich der Kinderkrippe weit über die reine Betreuung hinaus immer größere Bedeutung zukommt. Sie bieten eine Möglichkeit, Kindererziehung und Berufsleben miteinander zu vereinbaren, und übernehmen eine stärkere Rolle in der unmittelbaren Erziehung der Kinder.
Einige Kitas haben sich auf die Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen spezialisiert. Diese Kitas verfügen über ein multiprofessionelles Team und bieten spezielle Programme und Therapien an. Sie können auch eine wichtige Anlaufstelle für Familien sein, die Unterstützung und Beratung suchen.
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Herausforderungen und Perspektiven
Die Betreuung eines Kindes mit Epilepsie und Autismus ist mit vielen Herausforderungen verbunden. Naime berichtet von schlaflosen Nächten, Ängsten und der ständigen Sorge um Zahide. Sie musste sich mit vielen Vorurteilen und negativen Kommentaren auseinandersetzen. Trotz all dieser Schwierigkeiten hat Naime nie aufgegeben. Sie hat sich immer für Zahide eingesetzt und ihr geholfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
Heute ist Zahide 15 Jahre alt und besucht die SBBZ-Schule. Sie ist glücklich, hat Freunde und kann mittlerweile auch mit Fremden kommunizieren. Sie hat die Begabung, Stimmen perfekt nachzuahmen. Naime ist stolz auf ihre Tochter und dankbar für alles, was sie gemeinsam gelernt haben. "Durch sie habe ich gelernt. Wir haben gemeinsam gelernt. Es ist eine Prüfung für mich. Ich werde immer für sie da sein. Ich werde immer versuchen, sie zu verstehen", sagt sie.
Die vielen Gesichter der Epilepsie und Autismus
Die Geschichte von Zahide und Naime zeigt, dass Epilepsie und Autismus viele Gesichter haben. Jedes Kind ist anders und benötigt eine individuelle Unterstützung. Es ist wichtig, dass Eltern, Fachkräfte und die Gesellschaft zusammenarbeiten, um eine inklusive Umgebung zu schaffen, in der Kinder mit Epilepsie und Autismus ihr volles Potenzial entfalten können.