Muhammad Ali, eine Ikone des Sports und des sozialen Wandels, wird für immer als einer der größten Boxer aller Zeiten in Erinnerung bleiben. Seine Kämpfe im Ring waren legendär, seine Haltung außerhalb des Rings inspirierend. Doch hinter dem Mythos verbarg sich ein trauriges Kapitel: sein Kampf gegen die Parkinson-Krankheit und sein letzter, entmutigender Auftritt im Ring.
Das Drama in Bahama: Ein trauriger Abschied
Am 11. Dezember 1981 versuchte Muhammad Ali im Queen Elizabeth Sports Center von Nassau ein letztes Mal, an seine glorreichen Zeiten anzuknüpfen. Mit fast 40 Jahren und bereits gezeichnet von ersten Symptomen der Parkinson-Krankheit, endete sein Kampf gegen Trevor Berbick in einem Fiasko. Dieser Kampf, bekannt als "Drama in Bahama", steht im krassen Gegensatz zu seinen legendären Kämpfen wie dem "Rumble in the Jungle" oder dem "Thrilla in Manila".
Schon die demütigende Niederlage gegen Larry Holmes am 2. Oktober 1980 ließ erahnen, dass der Versuch zum Scheitern verurteilt war. Gegen Berbick fehlte Ali die Schnelligkeit und Spritzigkeit seiner Glanzzeiten. Seine Versuche, wie einst zu tänzeln und den Gegner mit Jabs in Verlegenheit zu bringen, reichten nicht mehr aus. Einstimmig wurde Berbick zum Punktsieger erklärt.
Millionen Fans weltweit verfolgten Alis letzten Auftritt mit Bedauern. Die Ärzte hatten ihm von einem weiteren Kampf abgeraten, da seine lange Karriere und die zahlreichen Kopftreffer ihre Spuren hinterlassen hatten. Trotzdem stieg Ali noch einmal in den Ring, um ein letztes Mal zu beweisen, dass er der "Größte" war.
Die Parkinson-Erkrankung: Ein schleichender Gegner
Obwohl Ali betonte, fit für den Kampf zu sein, zeigten die ersten Runden gegen Berbick, dass er seinen Zenit überschritten hatte. Seine Hände zitterten bereits, seine Aussprache wurde undeutlich. Erst gut zwei Jahre nach dem Kampf wurde seine Parkinson-Erkrankung offiziell bekannt gegeben.
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Die Parkinson-Krankheit betäubte den großen Willen des Mannes, dessen Blick und dessen Schritt einst so gefürchtet waren. Angeblich hatten 29.000 Schläge seinen Schädel getroffen, was viele als Ursache seiner Erkrankung ansahen. Doch so einfach ist es nicht.
Bereits 1981 hatte Ali bemerkt, dass sich sein Körper veränderte. In seinem letzten Kampf konnte er seine Arme nicht mehr ausreichend zur Verteidigung heben. Drei Jahre später wurde bei ihm Parkinson diagnostiziert. Damit begann sein letzter großer Kampf gegen einen schwer auszumachenden Gegner.
Morbus Parkinson war leichtfüßiger als jeder Angreifer zuvor. Die Angriffe waren kaum berechenbar, selbst für jemanden wie Ali, der es gewohnt war, in Deckung zu gehen und anzugreifen. Seine hundert Kilo konnte er nun nicht mehr perfekt steuern.
Alis Kampf gegen die Krankheit und sein Vermächtnis
Wie schon im Kampf gegen die Diskriminierung entschied sich Ali auch gegen Parkinson für den Angriff. Er gab Interviews, sprach im Fernsehen über die Krankheit und sein verändertes Leben. Gemeinsam mit dem ebenfalls an Parkinson erkrankten Schauspieler Michael J. Fox warb er für mehr Respekt gegenüber Menschen mit Behinderungen und spendete für die Forschung. Er gründete sogar ein Forschungszentrum.
Trotz seiner fortschreitenden Krankheit verlor Ali nie seinen Optimismus. Auch nicht, als er im Rollstuhl sitzen musste. Seine Frau Yolanda Williams sprach voller Bewunderung über den längsten Kampf ihres Mannes.
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Muhammad Ali starb am 3. Juni 2016 im Alter von 74 Jahren an einem septischen Schock, einer Komplikation seiner Parkinson-Erkrankung. Sein Tod wurde von Millionen Menschen weltweit betrauert.
Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Boxen und Parkinson
Es wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen Boxen und Parkinson gibt, konnte aber bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden. Deutsche Wissenschaftler untersuchten 2008 in der „Heidelberger Boxstudie“, ob häufige Schläge gegen den Kopf die Entstehung von Parkinson begünstigen. Die Vermutung: Winzige Hirnblutungen durch Schläge könnten über Jahre hinweg Parkinson auslösen.
Tatsächlich fand man solche Hirnblutungen in der Studie nur bei aktiven Boxern und auch nur bei wenigen. Prof. Peter Paul Urban, Chefarzt der Neurologie an der Asklepios-Klinik Hamburg-Barmbek, erklärt: „Man kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob die Parkinson-Erkrankung bei Muhammad Ali mit seinem Boxerleben zusammenhing. Allgemein gesagt gibt es eine Form von Parkinson, die sogenannte chronisch-traumatische Enzephalopathie, die durch wiederkehrende Schädelhirntraumata zustande kommt - also durchaus mit Schlägen gegen den Kopf in Verbindung steht, wie sie bei Boxern aber auch Fußballern oft vorkommen. Diese Form nennt man auch Boxer-Enzephalopathie.“
Allerdings schränkt der Neurologe ein, dass bei dieser Form der Krankheit neben Parkinson-Symptomen auch Probleme mit dem Gedächtnis auftreten. Diese waren bei Ali zumindest nicht bekannt. Noch etwas anderes spricht gegen diese Parkinson-Form: Ali soll Riechstörungen und eine Störung des sogenannten Traumschlafes gehabt haben.
Prof. Urban: „Das sind beides eher Anzeichen für einen sogenannten Morbus Parkinson und bei dieser Form spielen Schädelhirntraumata keine Rolle. Es kann aber natürlich sein, dass Muhammad Ali beide Erkrankungsformen hatte, die sich überlagerten, Gedächtnisprobleme erst später dazu gekommen wären, die er jetzt also gar nicht mehr erlebt hat.“
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Ein Leben voller Kämpfe und Triumphe
Muhammad Ali war mehr als nur ein Boxer. Er war ein Kämpfer für Menschenrechte, ein Friedensbotschafter und eine Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Er verweigerte den Wehrdienst im Vietnamkrieg und setzte sich für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner ein.
Seine klaren politischen Haltung gegen den Vietnamkrieg, sein Einsatz für die Emanzipation der Schwarzen und seine Präsenz als gläubiger Muslim machten aus dem besten Schwergewichtsboxer der Welt einen Freiheitskämpfer.
Ali engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und für die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Ali als "Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung": "Muhammad Ali war ein Fighter - im Ring wie im Leben hat er nie aufgegeben."
Die Olympischen Spiele in Atlanta: Ein bewegendes Comeback
Ein besonders bewegender Moment in Alis Leben war die Entzündung des Olympischen Feuers bei den Spielen in Atlanta 1996. Gezeichnet von der Parkinson-Krankheit, zitterte er, als er die Fackel hielt. Dieser Moment berührte die ganze Welt und zeigte, dass Ali trotz seiner Krankheit ein Kämpfer geblieben war.
Muhammad Ali war der berühmteste Kranke der Welt, seit er am 19. Juli 1996 in Atlanta die Olympische Flamme entzündete. Es war eine tief bewegende Szene: Ali zitterte. Und mit ihm die ganze Welt. Ein Kameraschwenk zeigte einen weinenden Bill Clinton. Mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten war die Welt vor den Bildschirmen zu Tränen gerührt.
Alis Vermächtnis: Mehr als nur ein Boxer
Muhammad Ali bleibt eine Legende, ein Mythos, mehr als nur ein Boxchampion. Staatsoberhäupter fühlten sich durch seinen Besuch geehrt. UNO-Generalsekretär Kofi Annan ernannte ihn zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen. Präsident George W. Bush hängte ihm im Weißen Haus im November 2005 die Freiheitsmedaille um, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten und nannte Ali einen "Mann des Friedens".
Sein Leben war geprägt von Kämpfen, Triumphen und Rückschlägen. Er war ein Vorbild für viele Menschen und wird für immer in Erinnerung bleiben.