Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In Deutschland sind rund 400.000 Menschen betroffen. Obwohl einige Symptome wie Zittern und unsicherer Gang schon lange bekannt waren, fasste der englische Mediziner James Parkinson diese 1817 erstmals unter dem Begriff „Schüttellähmung“ zusammen. Dieser Artikel beleuchtet die historischen Anfänge der Parkinson-Forschung, die charakteristischen Symptome, mögliche Ursachen und moderne Behandlungsansätze.
James Parkinson und die Erstbeschreibung
James Parkinson, geboren am 11. April 1755, war ein britischer Arzt, der die Krankheit im Jahr 1817 in seinem „Essay on the Shaking Palsy“ systematisch beschrieb. Er beobachtete für seine detaillierte Abhandlung lediglich sechs Patienten. Parkinson selbst bezeichnete die Erkrankung als „Schüttellähmung“. Er vermutete seinerzeit, dass eine Veränderung des Rückenmarks die Symptome auslöst.
Charakteristische Symptome
Charakteristisch für die Parkinson-Krankheit sind:
- Zittern: Vor allem in Ruhe auftretendes Zittern, meist beginnend an einer Hand.
- Muskelsteifheit: Erhöhter Muskeltonus, der zu einer Verlangsamung der Bewegungen führt.
- Unsicherer Gang: Schwierigkeiten beim Gehen, oft mit kleinen, schlurfenden Schritten.
- Undeutliche Sprache: Verlangsamte und leise Sprache, manchmal auch mit Schwierigkeiten bei der Artikulation.
Ursachen und Risikofaktoren
Heute weiß man, dass „Morbus Parkinson“ ein allmählicher Verfallprozess im Gehirn ist. Die Ursachen sind vielfältig und auch fast 210 Jahre nach Parkinsons Entdeckung kaum geklärt. Die Forschung konzentriert sich auf verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen könnten:
- Genetische Veranlagung: In einigen Fällen tritt Parkinson familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet.
- Umweltfaktoren: Pestizide und andere Umweltgifte werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.
- Alterungsprozess: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
- Veränderungen im Gehirn: Ein Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn, spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Krankheit.
Die Rolle von Dopamin
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen, die Motivation und das Belohnungssystem wichtig ist. Bei Parkinson-Patienten sterben die dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn allmählich ab. Dies führt zu einem Dopaminmangel, der die typischen Symptome der Krankheit verursacht. Die Behandlung zielt daher oft darauf ab, den Dopaminmangel auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken.
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Diagnose und Früherkennung
Es ist oft schwierig, Parkinson früh zu erkennen. Die Symptome entwickeln sich langsam und können anfangs unspezifisch sein. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch wichtig, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Zu den diagnostischen Verfahren gehören:
- Klinische Untersuchung: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten und neurologischen Funktionen durch einen Arzt.
- Bildgebende Verfahren: MRT oder CT des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Dopamin-Transporter-Szintigraphie (DAT-Scan): Ein spezielles bildgebendes Verfahren, das die Funktion der dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn sichtbar macht.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern:
- Medikamente:
- L-Dopa: Eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird.
- Dopaminagonisten: Medikamente, die an den Dopaminrezeptoren im Gehirn wirken und die Wirkung von Dopamin nachahmen.
- MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn hemmen.
- COMT-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von L-Dopa im Körper hemmen und so die Wirkung von L-Dopa verlängern.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Symptome zu lindern.
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und des Gleichgewichts.
- Ergotherapie: Anpassung des Wohnumfelds und Erlernen von Strategien zur Bewältigung des Alltags.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
Leben mit Parkinson
Die Diagnose Parkinson kann für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Herausforderung sein. Es ist wichtig, sich umfassend über die Krankheit zu informieren und sich professionelle Hilfe zu suchen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen bieten Unterstützung und Austauschmöglichkeiten. Ein positives Lebensgefühl und die aktive Gestaltung des Alltags können dazu beitragen, die Lebensqualität trotz der Krankheit zu erhalten. Kathrin Wersing und Claudia Eyd haben beispielsweise ein Buch zum Podcast mit 50 inspirierenden Lebensgeschichten veröffentlicht: "Jetzt erst recht. Positiv leben mit Parkinson".
Forschung und Perspektiven
Die Parkinson-Forschung ist sehr aktiv und zielt darauf ab, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln und die Früherkennung zu verbessern. Vielversprechende Ansätze sind unter anderem:
- Gentherapie: Übertragung von Genen in das Gehirn, um die Dopaminproduktion zu erhöhen.
- Stammzelltherapie: Transplantation von Stammzellen in das Gehirn, um die abgestorbenen dopaminproduzierenden Zellen zu ersetzen.
- Neuroprotektive Therapien: Medikamente, die die Nervenzellen vor dem Untergang schützen sollen.
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