Hauptsache Gesund? Ursachen von Angststörungen, Spinnenphobien und Fehldiagnosen

Angst ist ein natürliches Gefühl, das uns vor Bedrohungen schützt. Doch wenn Angst überhandnimmt und das tägliche Leben beeinträchtigt, spricht man von einer Angststörung. Angststörungen sind weit verbreitet, und es gibt verschiedene Arten, die unterschiedliche Ursachen haben können. Gleichzeitig können körperliche Ursachen hinter Symptomen stecken, die fälschlicherweise als psychisch bedingt diagnostiziert werden, was zu Fehldiagnosen und unnötigem Leid führt.

Zunehmende Angst: Ein Spiegel unserer Zeit?

In der heutigen Gesellschaft wird Angst offener thematisiert, was grundsätzlich positiv ist. Die Frage ist jedoch, wann normale Ängste zu einer behandlungsbedürftigen Störung werden. Ein schneller Atem, Herzrasen oder Schweißausbrüche sind normale Angstreaktionen, die uns in Gefahrensituationen schützen. Menschen mit Angststörungen empfinden diese Symptome jedoch auch in Situationen, die von anderen als normal wahrgenommen werden.

Statistiken zeigen, dass Frauen häufiger von Angststörungen betroffen sind als Männer. Studien belegen, dass etwa 21 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren innerhalb eines Jahres an einer Angststörung leiden, während es bei Männern etwa 9 Prozent sind. Dies könnte mit traditionellen männlichen Denkmustern zusammenhängen, die dazu führen, dass Männer ihre Erkrankung verschweigen oder sogar leugnen. Es ist wichtig, diese Vermeidungstaktik zu durchbrechen, da unbehandelte Angststörungen chronisch werden und Folgeerkrankungen auslösen können.

Vielfältige Ursachen von Angststörungen

Die Ursachen für Angststörungen sind vielfältig. Genetische Veranlagung, der Lebensstil (z.B. Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Drogenkonsum, Schlafentzug) und traumatische Erlebnisse können eine Rolle spielen. Phobische Angststörungen, die oft einen konkreten Auslöser haben, sind manchmal mit Urängsten des Menschen verbunden, wie z.B. der Angst vor Spinnen (Arachnophobie) oder Schlangen.

Es ist wichtig, zwischen einer Angsterkrankung und Angstsymptomen zu unterscheiden. Belastung durch Arbeit, Stress oder die erlebte Pandemie können Angst auslösen, die jedoch nur ein Symptom ist. Ebenso kann Angst eine Begleiterscheinung einer anderen psychischen oder physischen Erkrankung sein. Auch Vorurteile und Diskriminierung können Angststörungen auslösen, da sie Gefühle der Unsicherheit, Hilflosigkeit und Scham hervorrufen können.

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Die Bandbreite der Angststörungen

Angststörungen lassen sich in drei große Bereiche unterteilen:

  • Phobische Störungen: Gekennzeichnet durch eine intensive und irrationale Furcht vor bestimmten Objekten, Situationen oder Aktivitäten. Die Angst ist übertrieben und beeinträchtigt das tägliche Leben. Körperliche Symptome können Herzrasen, Atembeschwerden, Schwindel, Zittern, Schwitzen und Übelkeit sein.
  • Panikstörung: Wiederkehrende und unerwartete Panikattacken, die von intensiven körperlichen und psychischen Symptomen begleitet werden. Körperliche Symptome können Herzklopfen, Brustschmerzen, Atembeschwerden, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Übelkeit und Magenbeschwerden sein. Psychische Symptome können ein Gefühl von Unwirklichkeit, Angst vor Kontrollverlust oder dem Tod sein.
  • Generalisierte Angststörung (GAS): Übermäßige und anhaltende Sorge und Angst, die sich auf verschiedene Aspekte des Lebens bezieht. Menschen mit GAS machen sich ständig Sorgen, auch wenn es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt. Symptome können Muskelverspannungen, Unruhe, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und körperliche Beschwerden sein.

Behandlungsmöglichkeiten für Angststörungen

Eine genaue Diagnose und Behandlung sollte von einem Arzt oder Therapeuten gestellt werden.

  • Psychotherapie: Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine bewährte Methode, um negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu identifizieren und zu ändern. Bei phobischen Störungen kann eine Konfrontationstherapie helfen, die Angst vor dem auslösenden Objekt oder der Situation abzubauen.
  • Medikamente: Antidepressiva können bei Panikstörungen und generalisierten Angststörungen eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern. Die Verschreibung und Überwachung sollte jedoch von einem Arzt erfolgen.
  • Weitere Maßnahmen: Sport, Entspannungsübungen und eine gesunde Lebensweise können ebenfalls dazu beitragen, Angst zu reduzieren.

Spinnenphobie: Mehr als nur ein Ekel?

Die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) ist eine weit verbreitete Phobie. Sie kann so stark sein, dass sie das tägliche Leben beeinträchtigt. Allein der Anblick einer Spinne kann Panik auslösen.

Die Ursachen für Spinnenphobie sind vielfältig. Zum einen kann sie genetisch bedingt sein, da die Angst vor Spinnen in unseren Genen gespeichert sein könnte. Zum anderen können traumatische Erlebnisse mit Spinnen, wie z.B. ein Spinnenbiss, die Phobie auslösen. Auch kulturelle Faktoren können eine Rolle spielen, da Spinnen in vielen Kulturen als gefährlich und unheimlich gelten.

Was tun gegen Spinnen in der Wohnung?

Viele Menschen mit Spinnenphobie suchen nach Möglichkeiten, Spinnen aus ihrer Wohnung fernzuhalten. Fliegengitter an den Fenstern und das Verschließen von Ritzen und Spalten können helfen. Auch bestimmte Sprays und Duftstoffe sollen Spinnen abwehren.

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Wenn sich doch eine Spinne in die Wohnung verirrt hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie zu entfernen. Viele Menschen verwenden ein Glas und ein Stück Papier, um die Spinne einzufangen und ins Freie zu bringen. Andere greifen zu drastischeren Maßnahmen wie dem Staubsauger oder Haarspray. Letzteres ist jedoch nicht tierfreundlich, da es die Spinne quält.

Spinnen als Schädlingsbekämpfer

Es ist wichtig zu bedenken, dass Spinnen auch nützlich sind. Sie fressen Insekten wie Mücken und Fliegen und tragen so zur Schädlingsbekämpfung bei. Wer keine Spinnen in der Wohnung mag, kann sie auch im Garten ansiedeln, wo sie ebenfalls nützliche Dienste leisten.

Wenn die Diagnose falsch ist: Psychosomatische Fehldiagnosen

Nicht immer sind psychische Ursachen für Beschwerden verantwortlich. Manchmal stecken körperliche Ursachen hinter Symptomen, die fälschlicherweise als psychosomatisch diagnostiziert werden. Dies kann zu Fehldiagnosen und unnötigem Leid führen.

Ein Beispiel ist die Autoimmunenzephalitis, eine Entzündung des Gehirns, die mit schweren Depressionen und psychotischen Symptomen beginnen kann. Wird die Krankheit nicht erkannt, kann sie fälschlicherweise als Schizophrenie diagnostiziert werden. Eine Gehirnwasseruntersuchung kann jedoch Hinweise auf die Entzündung liefern und eine korrekte Diagnose ermöglichen.

Die Rolle der Ärzte

Ärzte sollten in der Lage sein, ihre Diagnosen offen zu halten, wenn sie die Ursache von Beschwerden nicht klären können. Eine zu schnelle Festlegung auf eine psychosomatische Diagnose kann dazu führen, dass andere mögliche Ursachen übersehen werden.

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Es ist wichtig, dass Ärzte die Patienten ernst nehmen und ihre Beschwerden nicht als eingebildet abtun. Gerade bei Frauen gibt es eine Tendenz zur Psychologisierung, wenn sie über ihre Symptome berichten. Frauen müssen oft beweisen, dass ihnen wirklich etwas fehlt.

Die Bedeutung der Aufklärung

Patienten sollten sich nicht mit einer psychosomatischen Diagnose zufrieden geben, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Sie sollten sich eine zweite Meinung einholen und nach anderen möglichen Ursachen suchen. Auch das Internet kann eine wertvolle Informationsquelle sein, sollte aber kritisch genutzt werden.

Die globale Erwärmung und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit

Die globale Erwärmung hat nicht nur Auswirkungen auf das Klima, sondern auch auf die Gesundheit. So warnt Ute Mackenstedt vom Fachgebiet Parasitologie der Stuttgarter Universität Hohenheim vor einer deutlichen Zunahme von FSME-Fällen durch die Ausbreitung der Zecken in Deutschland.

Die globale Erwärmung verbessert die Lebensbedingungen für die Spinnentiere deutlich. Milde Winter führen dazu, dass mehr Zecken überleben und auch in den Wintermonaten aktiv sind. Dadurch kommt es auch zu einer Ausbreitung der von Zecken übertragenen Krankheiten wie FSME.

Gerhard Dobler, Mikrobiologe der Bundeswehr, warnt davor, dass viele FSME-Fälle nicht richtig diagnostiziert würden, da die Symptome zunächst nicht eindeutig für die Infektion seien. Die bekanntesten FSME-Symptome seien zwar Gehirn- und Hirnhautentzündung, aber auch Anzeichen einer Sommergrippe wie Fieber, Kopfschmerzen oder Erbrechen und selbst Darmsymptome könnten auf eine FSME-Infektion hindeuten.

Prävention und Schutz

Um sich vor FSME zu schützen, empfiehlt sich eine Impfung. Auch das Tragen von langer Kleidung und die Verwendung von Insektenschutzmitteln können helfen, Zeckenbisse zu vermeiden. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man den Körper gründlich nach Zecken absuchen.

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