Migräne: Eine Volkskrankheit im Fokus – Ursachen, regionale Unterschiede und Therapieansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch hämmernde, pulsierende Kopfschmerzen, Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche und Gerüche sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen äußern kann. In Deutschland sind laut Robert Koch-Institut (RKI) 14,8 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer betroffen. Die Erkrankung kann die Lebensqualität erheblich beeinflussen und bedarf einer passgenauen, multimodalen Schmerztherapie, die auf den konkreten Einzelfall abstellt.

Migräne als gesellschaftliches Problem: Offenheit und Repräsentation

Die Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek spricht offen über ihre Migräne-Erkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen. „Ich habe diese Erkrankung und sie belastet mich massiv. Viele Termine kann ich trotz Migräne nicht absagen und muss mir dann mit Medikamenten helfen“, sagte die 37-Jährige der „Rheinischen Post“. In diesen Fällen nehme sie ein „ein sehr starkes Mittel, das dazu führt, dass man sich nicht mehr so gut konzentrieren kann“. Reichinnek plädiert für einen offeneren Umgang mit Krankheiten oder Schwächen in der Politik. Sie kritisierte, dass der Bundestag die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht nicht repräsentiere, auch nicht mit Blick darauf, wer chronische Krankheiten oder Behinderungen habe. Umso wichtiger finde sie es, darüber zu sprechen. „Ich würde niemanden dazu auffordern, weil es eine sehr private Entscheidung ist, solche Sachen öffentlich zu machen. Aber natürlich ist es ein wichtiges Zeichen, das für Sichtbarkeit sorgt. Gerade bei Migräne“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Die Krankheit betreffe vor allem Frauen. „Und wie oft werden Frauen nicht ernst genommen, wenn sie sagen, dass sie massive Kopfschmerzen haben“, kritisierte die Politikerin.

Regionale Unterschiede in der Migräne-Häufigkeit

Eine BARMER-Auswertung zeigt, dass Migräne-Kopfschmerz in Sachsen besonders häufig in Chemnitz diagnostiziert wird, wo rund 38 von 1.000 Einwohnern betroffen sind. Im Erzgebirgskreis sind es dagegen nur 28 von 1.000, was die niedrigste Betroffenenrate in Sachsen darstellt. Auf Bundesebene weisen Thüringen die höchsten Betroffenenraten auf, während Bremen und Hamburg die geringsten aufweisen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 3,6 Prozent, sachsenweit bei 3,4 Prozent. Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen, betont, dass diese regionalen Unterschiede rein medizinisch nicht erklärbar sind und möglicherweise auf unterschiedliche Altersstrukturen oder Versorgungsmuster zurückzuführen sind.

Geschlechtsspezifische Unterschiede und Altersverteilung

Frauen leiden viermal häufiger an Migräne als Männer. Im Jahr 2022 erhielten in Sachsen rund 53 Frauen je 1.000 Einwohnerinnen und 13 Männer je 1.000 Einwohner eine entsprechende Diagnose. Die Erkrankung tritt in allen Berufsgruppen auf und wird am häufigsten im mittleren Alter von 50 bis 59 Jahren diagnostiziert. Allerdings sind auch junge Menschen betroffen, wie die hohen Betroffenenzahlen bei Auszubildenden zeigen. In Sachsen betrug die Betroffenheit bei Auszubildenden fast 4,5 Prozent, bei Studierenden rund drei Prozent.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind trotz intensiver Forschung bis heute nicht vollständig geklärt. Neben genetischer Veranlagung könnten bestimmte chemische Entzündungsprozesse eine Migräneattacke auslösen. Individuelle Auslöser können Wetterumschwünge, Stress, hormonelle Schwankungen während der Menstruation, unregelmäßiger Schlaf, aber auch Geruchs- und Lärmbelästigungen sein.

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Chronische Kopfschmerzen und Medikamentenmissbrauch

Zahlreiche Studien belegen, dass etwa vier bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung an chronischen täglichen Kopfschmerzen leiden. Eine Studie in Taiwan ergab, dass 4,3 Prozent der Frauen und 1,9 Prozent der Männer über chronische Kopfschmerzen berichteten. Sie hatten an mehr als 15 Tagen pro Monat und länger als vier Stunden pro Tag Kopfweh. Dieser Fehlgebrauch von Analgetika ist nach Meinung der DMKG-Experten zumindest eine (Mit-)Ursache der Chronifizierung. Mehr als die Hälfte der Patienten hatte eine so genannte Transformierte Migräne, bei der es sich um einen meist pochend-pulsierenden Schmerz, oft im ganzen Kopf, handelt. Hinzu kommen Attacken mit stärkeren Schmerzen, begleitet von Übelkeit und Erbrechen.

Zunehmende Kopfschmerzen bei jungen Erwachsenen

Eine aktuelle Studie der Barmer Ersatzkasse zeigt, dass Kopfschmerzen in Deutschland zunehmend zur Volkskrankheit werden, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Der Anteil der 18- bis 27-Jährigen mit Kopfschmerzdiagnose erhöhte sich in den vergangenen zehn Jahren um 42 Prozent. Insgesamt wurde 7,6 Millionen Patienten im Jahr 2015 eine der rund 250 bekannten Formen von Kopfschmerz diagnostiziert. Ursachen für diesen Anstieg könnten der zunehmende Druck auf junge Menschen in Ausbildung und Beruf, Digitalisierung und Bildschirmarbeit sowie die gestiegene Nutzung von Smartphones sein.

Therapie und Prävention von Migräne

Bei chronischen Kopfschmerzen spielen vor allem spezifische vorbeugende Behandlungsstrategien eine entscheidende Rolle, um Häufigkeit und Stärke der Schmerzen zu reduzieren. Wichtig und sinnvoll sind bei allen Kopfschmerzen nicht-medikamentöse Verfahren, etwa Entspannungsmethoden und Strategien zur Stress- und Schmerzbewältigung. Darüber hinaus werden zur Migräneprophylaxe bestimmte Betablocker (Metoprolol; Propanolol) eingesetzt. Ebenso die Substanz Flunarizin, die zur Gruppe der Kalzium-Antagonisten gehört. Bei Spannungskopfschmerzen helfen demgegenüber bestimmte Antidepressiva, die in die Schmerzverarbeitung eingreifen. Bei einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz ist zunächst eine Entzugsbehandlung nötig, um die ursprüngliche Kopfschmerzart zu diagnostizieren. Speziell bei der Migräne-Vorbeugung geht es um die bestmögliche Minderung von Attacken in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Intensität. Insbesondere Maßnahmen wie Entspannungstraining, progressive Muskelentspannung nach Jacobson sowie Ausdauersport seien nach Einschätzung von Ärztinnen und Ärzten in vielen Fällen empfehlenswert. Prävention verhindert zwar nicht den nächsten Migräneanfall, kann aber seine Häufigkeit, Intensität und Dauer erheblich verringern.

Alternative Therapieansätze: Cranio-Sacral-Therapie

Die Cranio-Sacral-Therapie ist eine alternativmedizinische Behandlungsform, die sich aus der Osteopathie entwickelt hat. Sie beruht unter anderem auf der Annahme, dass sich die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) auf den gesamten Körper übertragen und Blockaden in diesem System zu verschiedenen Beschwerden führen können. Als Craniosacral-Therapeut kann man kleinste Veränderungen der Hirnwasserströmung mit den Händen spüren und durch spezielle Handgriffe versuchen, die Strömung zu normalisieren und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

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