Die HCG-Diät, auch als Stoffwechselkur bekannt, verspricht einen schnellen Gewichtsverlust von bis zu 12 Kilo in drei Wochen. Ärzte warnen jedoch vor erheblichen Gesundheitsrisiken. Dieser Artikel beleuchtet die Funktionsweise der Diät, die potenziellen Nebenwirkungen, insbesondere Migräne, und warum von dieser Methode abzuraten ist.
Einführung in die HCG-Diät
Die HCG-Diät zielt darauf ab, den Stoffwechsel auf seine "Werkseinstellungen" zurückzusetzen und ihn neu aufzubauen, um eine bessere Leistung zu erzielen. Um Nährstoffmängel aufgrund der geringen Kalorienzufuhr zu vermeiden, werden Supplemente wie Omega-3-Fettsäuren, Multivitamine und Traubenkernöl empfohlen. Zusätzlich erfolgt häufig die Einnahme des Hormons hCG in Form von Globuli. In den Anfängen der Stoffwechselkur wurde sogar geraten, sich das Schwangerschaftshormon täglich zu injizieren.
Was ist HCG und wie wirkt es?
HCG steht für "humanes Choriongonadotropin", ein Hormon, das in den ersten Schwangerschaftsmonaten in der Plazenta der Gebärmutter vermehrt gebildet wird. Es wird auch bei Kinderwunschbehandlungen als Injektion eingesetzt. HCG signalisiert dem weiblichen Körper, dass eine befruchtete Eizelle vorhanden ist und reifen soll, wodurch die Einnistung des Eis in der Gebärmutter gewährleistet wird.
Dr. Matthias Riedl erklärt, dass HCG in Notsituationen während der Schwangerschaft dafür sorgt, dass der Körper sich an seinen Fettreserven bedient. Die HCG-Diät macht sich dieses Prinzip zunutze, indem sie das Hormon täglich einnimmt, um die Fettreserven anzuzapfen.
Angeblicher Nutzen von HCG beim Abnehmen
HCG soll in der Diätphase angeblich dafür sorgen, dass Fettgewebe abgebaut wird, auch an Stellen, an denen ein Fettabbau sonst schwieriger ist. Dies funktioniert jedoch nur unter einer geringeren Energiezufuhr von lediglich 500 Kilokalorien. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Frau benötigt am Tag rund 1800 bis 2000 Kalorien.
Lesen Sie auch: Migräne natürlich lindern durch Ernährung
Ein weiterer angeblicher Nutzen der Hormongabe ist die Unterdrückung des Hungergefühls und die Ausgleichung von Abgeschlagenheit während der drastischen Kalorieneinsparung.
Ablauf der HCG-Diät: Lade-, Diät- und Stabilisierungsphase
Die Stoffwechsel-Diät wird in drei Phasen eingeteilt:
- Ladephase: Zu Beginn der Diät darf man für zwei Tage noch einmal richtig zuschlagen, um alle Speicher aufzufüllen und den Stoffwechsel anzukurbeln.
- Diätphase: Ab Tag 3 startet die Hauptphase, die 21 Tage dauert. Fett, Zucker und Kohlenhydrate sind tabu. Stattdessen sind nur natürliche Lebensmittel wie Gemüse, Fleisch, Milchprodukte, Fisch, Tofu und Obst erlaubt. Die Kalorienmenge deckt jedoch nicht einmal den Grundumsatz.
- Stabilisierungsphase: In dieser Phase gewöhnt man den Körper mit einer langsamen Steigerung der Kalorienzufuhr wieder an die Lebensmittel, die während der Diät nicht verzehrt wurden, um dem Jo-Jo-Effekt zu entkommen.
Globuli & Co.: Ein Mythos?
Die HCG-Diät gibt es bereits seit über 50 Jahren, doch wissenschaftliche Beweise für die angebliche Wunderwirkung fehlen. Studien zeigen eher das Gegenteil, nämlich keinen Nutzen, der über eine einfache Kalorienreduktion hinausgeht. Einige Studien attestieren ihr sogar mehr Potenzial für Schaden als für Nutzen.
Internist Dr. Riedl betont, dass hCG als Eiweißhormon nur injiziert werden kann und in Pillen- oder Tropfenform von der Magensäure zersetzt würde. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass hCG ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ist und nicht als Abnehmhilfe verkauft werden darf.
Nebenwirkungen der Stoffwechselkur: Von Haarausfall bis Migräne
Die HCG-Diät kann eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, darunter:
Lesen Sie auch: Migräne lindern mit der Gerson-Diät
- Kopfschmerzen
- Unruhe
- Erschöpfungszustände
- Depressionen
- Blutgerinnsel
- Mangelernährung
- Nierensteine
- Herzrhythmusstörungen
- Zyklusschwankungen bis zum Ausbleiben der Periode
- Haarausfall
Die geringe Kalorienzufuhr kann zu einem Mangelzustand führen, der irreparable Schäden mit sich bringen kann. Müdigkeit und Kopfschmerzen sind aufgrund der Radikaldiät fast vorprogrammiert.
Migräne als mögliche Nebenwirkung
Obwohl Migräne nicht die häufigste Nebenwirkung der HCG-Diät ist, kann sie aufgrund des extremen Kaloriendefizits, des Nährstoffmangels und der hormonellen Veränderungen auftreten. Stress, der durch die Diät verursacht wird, kann ebenfalls Migräne auslösen.
Was tun bei Migräne während der HCG-Diät?
Da die Einnahme von Schmerzmitteln während der HCG-Diät aufgrund der ohnehin schon hohen Belastung des Körpers vermieden werden sollte, sind alternative Methoden zur Linderung von Migräne gefragt:
- Ruhe: Absolute Ruhe in einem abgedunkelten Raum ist oft die beste Sofortmaßnahme.
- Kühlung: Das Kühlen der Stirn oder des Nackens mit einem Kühlpack kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Pfefferminzöl: Das Auftragen von verdünntem Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken kann ebenfalls schmerzlindernd wirken.
- Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann zur Vorbeugung von Migräne beitragen.
- Entspannungstechniken: Stressreduzierende Maßnahmen wie Yoga, Meditation oder Spaziergänge an der frischen Luft können helfen, Migräne vorzubeugen.
- Akupunktur/Akupressur: Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit Akupunktur oder Akupressur bei Migräne.
Wichtig: Bei starken oder anhaltenden Migräneattacken sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden, um andere Ursachen auszuschließen und eine geeignete Behandlung zu finden.
Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert
Die Gewichtsabnahme bei der HCG-Diät ist nicht auf das Hormon zurückzuführen, sondern ausschließlich auf die sehr niedrige Energiezufuhr. Sobald nach der Diät wieder die alten Essgewohnheiten aufgenommen werden, kehren die verlorenen Pfunde zurück.
Lesen Sie auch: Ernährung bei Migräne
Dr. Riedl empfiehlt stattdessen eine langfristige Ernährungsumstellung mit reduzierten Kohlenhydraten und einem hohen Anteil an eiweißreichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln, Gemüse und Obst.