Heiße Fußbäder gegen Migräne: Wirksamkeit und Anwendung

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz; es ist ein komplexes neurologisches Geschehen, das das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Viele Menschen suchen nach natürlichen Wegen, um Migräne zu lindern, ohne auf eine dauerhafte Medikamenteneinnahme angewiesen zu sein. In diesem Artikel werden wir die Wirksamkeit von heißen Fußbädern gegen Migräne untersuchen und andere wissenschaftlich fundierte Sofortmaßnahmen vorstellen, die bei akuten Migräneanfällen helfen können.

Hydrotherapie bei Migräne und Kopfschmerzen: Ein Überblick

Die Hydrotherapie, die Therapie mit Wasser, hat eine lange Tradition und wird seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt. Sebastian Kneipp, ein Pfarrer aus Bad Wörishofen, machte im 19. Jahrhundert kalte und warme Güsse populär. Mittlerweile wendet man Kneipps Naturheilverfahren mit Fußbädern und Güssen auch in der Schulmedizin an.

Die Hydrotherapie wirkt physikalisch: Wasser ist ein Wärmeleiter und kann seine Temperatur an den Körper abgeben. Temperaturreize bleiben nicht lokal begrenzt, sondern stimulieren den Organismus, einschließlich Immunsystem, Kreislauf, Nervensystem und Stoffwechsel. Durch bestimmte Hautreize können innere Organe beeinflusst werden, was zu einer Durchblutungssteigerung an einer von der behandelten Körperregion entfernten Stelle führt.

Die Wirkung von Fußbädern auf den Körper

Ein Fußbad kann eine wohltuende und entspannende Wirkung auf den gesamten Körper haben. Es gibt verschiedene Arten von Fußbädern, darunter warme, kalte und wechselwarme Anwendungen.

  • Warmes Fußbad: Bei einem warmen Fußbad weiten sich die Gefäße, die Durchblutung der Beine sowie die der Bauch- und Beckenorgane wird angeregt, und der Blutdruck wird gesenkt. Außerdem wirkt das warme Wasser beruhigend auf das vegetative Nervensystem.

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  • Kaltes Fußbad: Ein kaltes Fußbad hingegen verengt die Gefäße. Es wirkt zunächst blutdrucksteigernd. Anschließend erweitern sich die Gefäße wieder, da die körpereigene Wärmeregulation die unterkühlte Stelle stärker durchblutet. Dadurch wird der Blutdruck gesenkt. Diese Signale an das Immunsystem bauen einen Schutz vor Erkältungen auf.

  • Wechselwarme Anwendungen: Wechselwarme Anwendungen, bei denen kalte und warme Güsse im Wechsel angewendet werden, sind den rein warmen Anwendungen überlegen, bezogen auf die allgemeine gesundheitliche Vorbeugung und das Training des Immunsystems.

Heiße Fußbäder gegen Migräne: Der Mythos

Ein heißes Fußbad wird oft als Hausmittel gegen Migräne empfohlen. Die Idee dahinter ist, dass das warme Wasser die Gefäße in den Füßen erweitert und so den Druck im Kopf senken soll. Hartmut Göbel, Neurologe in der Schmerzklinik in Kiel, hält diese Idee jedoch für Unsinn.

Evidenzbasierte Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Fußbädern bei Migräne

Obwohl die Vorstellung, dass heiße Fußbäder den Druck im Kopf senken, nicht wissenschaftlich fundiert ist, gibt es Hinweise darauf, dass Fußbäder bei Migräne helfen können. Eine indische Forschergruppe führte eine Studie durch, in der sie die Wirkung von heißen Arm- und Fußbädern sowie einer Eismassage am Kopf bei Migränepatienten untersuchte. Die Ergebnisse zeigten, dass die Hydrotherapie in der Lage ist, den Vagustonus zu erhöhen und die Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen bei Migränepatienten zu reduzieren.

Die richtige Anwendung eines heißen Fußbads bei Migräne

Wenn Sie ein heißes Fußbad zur Linderung von Migräne ausprobieren möchten, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

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  1. Füllen Sie einen Eimer oder eine Wanne mit möglichst hohem Rand zunächst mit körperwarmem Wasser (37-38 °C).
  2. Allmählich heißes Wasser an der Fußspitze zulaufen lassen.
  3. Wenn das Badewasser auf 40 °C erwärmt ist, Wasserzufuhr stoppen und die Füße noch einige Minuten weiter baden.
  4. Kurz kühl abduschen, das Wasser abstreifen und warme Socken anziehen oder gleich ins Bett gehen.

Wer eine unempfindliche Haut hat, kann ein Fußbad mit Senfmehl durchführen. Dafür 1-2 EL schwarzes Senfmehl (aus der Apotheke) im Wasser auflösen. Die Füße höchstens 20 Minuten baden. Eine anschließende leichte Rötung der Füße ist normal. Füße nach dem Bad gut abspülen und abtrocknen, eventuell mit einem schmeichelnden Öl einreiben. Nicht bei offenen Wunden anwenden.

Achtung! Temperaturansteigende Bäder können zu Kreislaufproblemen führen.

Weitere Sofortmaßnahmen gegen Migräne

Neben heißen Fußbädern gibt es noch weitere Sofortmaßnahmen, die bei akuten Migräneanfällen helfen können:

  • Kühlpack im Nacken: Ein Kühlpack auf dem Nacken- und Hinterkopfbereich bewirkt eine Gefäßverengung (Vasokonstriktion), reduziert den Blutfluss und senkt den Druck im Kopf.
  • Ingwer: Ingwer enthält Gingerole und Shogaole, sekundäre Pflanzenstoffe mit nachgewiesener entzündungshemmender und schmerzlindernder Wirkung. Ingwer kann als frischer Ingwertee, Ingwerpulver-Kapseln oder durch Kauen auf frischem Ingwer eingenommen werden.
  • Magnesium: Ein Mangel an Magnesium ist bei Migränebetroffenen überdurchschnittlich häufig. Magnesium spielt eine zentrale Rolle für die Nervenleitung, die Muskelfunktion, die Gefäßspannung und die Reizverarbeitung im Gehirn. Die ideale Dosis liegt je nach Produkt und Bedarf zwischen 1.000 und 2.000mg Magnesium-L-Threonat täglich.
  • Grüne Farbbrille: Das Tragen einer grünen Farbbrille kann dazu beitragen, die neuronale Übererregung, die bei Migräne mit Aura auftritt, zu dämpfen.
  • Vagus-Stimulation: Die Stimulation des Nervus vagus, des größten Hirnnervs, kann helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Schmerzen zu lindern. Dies kann durch Summen, Gähnen, kaltes Gesichtsbad oder langsame Bauchatmung erreicht werden.
  • Kamillosan: Das Auftragen von Kamillosan auf Nacken, Schläfen und Hinterkopf kann durch die Aktivierung sensorischer Nervenrezeptoren beruhigende Signale an das zentrale Nervensystem senden.
  • Grape Pomace Extrakt: Der hochkonzentrierte Pflanzenextrakt aus Traubentrester enthält OPCs, die antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben.

Wichtige Hinweise

Die Wirksamkeit der verschiedenen Methoden variiert je nach Person. Diese natürlichen Ansätze sind als Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung gedacht, nicht als Ersatz für ärztlich verordnete Medikamente. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, bevor Sie Änderungen an Ihrer Medikation vornehmen.

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