Die heimliche Liebe, ein Zustand verborgener Zuneigung und Sehnsucht, ist ein vielschichtiges Phänomen, das in der menschlichen Psyche tief verwurzelt ist. Sie kann von harmlosen Schwärmereien bis hin zu obsessiven Verhaltensweisen reichen und birgt sowohl beglückende als auch schmerzhafte Aspekte. Dieser Artikel beleuchtet die psychologischen Hintergründe der heimlichen Liebe, ihre Ursachen, möglichen Auswirkungen und Strategien zur Bewältigung.
Die Faszination des Verborgenen
Manchmal muss die Liebe komplizierte Wege gehen - und manchmal muss sie auch geheim bleiben. Studien zeigen, dass eine geheim gehaltene Liebe die Leidenschaft beflügelt. Eine Beziehung, die - aus welchem Grund auch immer - geheim bleiben muss, macht den Partner attraktiver. Sie führt dazu, obsessiver zu sein und macht den Partner noch attraktiver, als er ohnehin schon ist.
Bereits 1994 untersuchte der US-Psychologe Dan Wegner dieses Phänomen in einem wegweisenden Experiment. Er ließ Probanden zu viert Karten spielen, wobei jeweils zwei Spieler ein Team bildeten. Einige Paare durften sich heimlich unter dem Tisch mit den Füßen austauschen, ohne dass das andere Paar davon wusste. Das Ergebnis: Jene Frauen und Männer, die heimlich miteinander "gefüßelt" hatten, fanden sich am attraktivsten.
Formen der heimlichen Liebe
Heimliche Liebe ist eine Liebe, die heimlich geschieht. Heimliche Liebe wird meist in Bezug auf Liebschaften, Liebesbeziehungen gebraucht. Im weiteren Sinn ist heimliche Liebe aber auch die insgeheime Liebe zu jemandem, zu etwas, das man aus verschiedensten Gründen geheim halten will.
Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Liebe heimlich bleiben muss oder soll:
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- Heimliche Liebe wegen Ehezwang: In Gesellschaften, in denen Liebe im Sinne von Sexualität und Partnerschaft nur in der Ehe erlaubt ist.
- Heimliche Liebe wegen gesellschaftlicher Konventionen: In manchen Ländern ist die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Schichten, Kasten, Religionen, Nationalitäten nicht erlaubt.
- Heimliche Liebe wegen sexueller Orientierung: In früheren Zeiten war Homosexualität, lesbische Liebe, schwule Liebe verpönt bzw. verboten. Auch heute noch ist in vielen Ländern der Erde Homosexualität illegal. Es bleibt nur der Ausweg in die heimliche Liebe.
- Heimliche Liebe aus Altersgründen: Sex mit Minderjährigen ist in Deutschland verboten.
- Heimliche Liebe zwischen Familienangehörigen: In Deutschland ist Liebesbeziehung zwischen Verwandten nicht gern gesehen, z.T. gesetzlich verboten (z.B. Sex zwischen Geschwistern).
- Gottesliebe: Auch die Gottesliebe kann eine Form der heimlichen Liebe sein. Gottesliebe kann vom Staat verboten sein, eine bestimmte Religionsüberzeugung kann gesetzlich verboten bzw. sanktioniert sein.
Psychologische Aspekte der heimlichen Liebe
Die heimliche Liebe kann ein breites Spektrum an Emotionen auslösen, von Glück und Aufregung bis hin zu Angst, Unsicherheit und Verzweiflung. Die ständige Geheimhaltung kann zu innerem Konflikt und Stress führen.
Limerenz: Wenn Verliebtheit zur Obsession wird
Verliebtheit führt zu einem veränderten Hormonspiegel, der das menschliche Erleben auf charakteristische Art beeinflusst, und dazu führt, dass man die Nähe zu einer Person sucht und eine Trennung Unwillen auslöst. Doch was passiert, wenn aus Verliebtheit Obsession wird? Wenn die Beschäftigung mit dem Objekt der Begierde ungeahnte Ausmaße annimmt? Wenn sich das Ganze nicht mehr gesund anfühlt? In der Psychologie wird ein solcher Zustand mit dem Begriff Limerenz beschrieben.
Die Psychologin Dorothy Tennov prägte in den 1970er Jahren den Begriff "Limerenz", um eine besondere Art der Verliebtheit zu beschreiben: ein unwillkürliches, überwältigendes Verlangen nach Aufmerksamkeit und positiver Wertschätzung durch eine andere Person, von welcher unsicher ist, ob dieses Verlangen erwidert wird.
Kennzeichen der Limerenz:
- Konstante, intensive Gedanken an das limerente Objekt. Nach Tennov können diese Gedanken zwischen 85 und 100 Prozent der wachen Stunden in Anspruch nehmen.
- In Gedanken wird das limerente Objekt idealisiert. Zudem entstehen Sorgen, wie man sich selbst gegenüber der limerenten Person präsentiert.
- Auch werden ritualisierte Verhaltensweisen durchgeführt wie zum Beispiel das intensive Betrachten von Fotos der Person, wiederholtes Lesen von Nachrichten, usw.
- Die Gedanken und Verhaltensweisen können dazu führen, dass andere Dinge (z.B. Arbeit, soziale Kontakte) vernachlässigt werden.
- Die Stimmung der Betroffenen ist beinahe komplett abhängig vom wahrgenommenen Verhalten des limerenten Objekts. Wenn es Zeichen für eine Erwiderung der Gefühle gibt, geht das mit extremer Freude einher.
Es ist leichter, den Grund für die Aufrechterhaltung von Limerenz zu ergründen: Dieser liegt in der Unsicherheit und Ungewissheit begründet, ob denn die andere Person die Gefühle erwidert.
Limerenz als psychische Störung?
Limerenz ist grundsätzlich keine psychische Störung. Jedoch gibt es sowohl Parallelen zur Zwangserkrankung als auch zur Suchterkrankung. Wie bei der Zwangsstörung ist Limerenz oft gekennzeichnet durch intrusive Gedanken, gegen die sich die Person nicht wehren kann, und zwanghafte Rituale bezüglich des limerenten Objektes (wiederholtes Betrachten von Fotos, Lesen von Nachrichten, etc.). Verursachen diese Symptome starkes Leid oder Beeinträchtigung im täglichen Leben, könnte die Diagnose einer Zwangserkrankung gestellt werden.
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Auch Charakteristika einer Suchterkrankung können erfüllt sein, wenn zu dem starken Verlangen nach dem limerenten Objekt folgende Symptome dazukommen: Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des limerenten Objektes.
Da es sich bei Limerenz nicht um eine psychische Erkrankung handelt, gibt es weder klare diagnostische Kriterien, um diesen Zustand zu identifizieren, noch gibt es Behandlungsmanuale. Gleichzeitig ist der Leidensdruck der Betroffenen sehr hoch, denn teilweise werden Jahre im Zustand der Limerenz verbracht, Stress, Traurigkeit und Schamgefühle sind groß und das Verständnis des Umfelds eher gering.
Behandlung von Limerenz:
Laut Tennov dauert eine limerente Episode zwischen 18 Monaten und 3 Jahren. Es wird empfohlen, analog zur Therapie bei Suchterkrankungen, den Kontakt zum limerenten Objekt komplett zu vermeiden. Ist das nicht möglich, so wird eine Technik namens Exposition mit Reaktionsprävention angewandt.
Das Problem mit der Limerenz ist, dass durch die exzessive Beschäftigung mit dem limerenten Objekt andere Aktivitäten und Personen vernachlässigt werden, sodass der Alltag im extremsten Fall fast ausschließlich dominiert ist durch Gedanken an das limerente Objekt oder Aktivitäten, die in irgendeiner Art mit dem limerenten Objekt verbunden sind.
Liebeswahn (Erotomanie): Die Illusion erwiderter Liebe
Als Liebeswahn, Erotomanie oder auch Paranoia Erotica bezeichnen Psychologen die Neigung, sich bis über beide Ohren in einen Menschen zu verlieben, der diese Gefühle nicht erwidert. Häufig werden Professoren, Ärzte, Lehrer oder Stars zum Objekt der Begierde - Menschen mit hohem sozialen Status, die dadurch schier unerreichbar scheinen.
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Erstmals beschrieben wurde diese seelische Krankheit Anfang des 20. Jahrhunderts vom französischen Psychiater Gaetan de Clérambault, weshalb das Phänomen anfangs auch als De-Clérambault-Syndrom bezeichnet wurde.
Symptome des Liebeswahns:
- Einseitige Liebe: Der oder die Angebetete hat keine Ahnung von den Gefühlen oder auch nur der Existenz des Betroffenen.
- Errichtung einer Parallelwelt: Um nicht aus dem Traum aufwachen zu müssen, strickt sich der Betroffene seine eigene Realität und findet Gründe, warum das Ziel seiner Liebe sich nicht erklären kann.
- Gezielte Fehlinterpretationen: Neutrale Dinge erhalten eine neue Bedeutung: Er hat sich durch die Haare gestrichen, um mir ein Signal zu geben. Sie hat gelächelt, als sie an mir vorüberging.
- Stalking: An Liebeswahn erkrankte Menschen treten an den Schwarm heran, stellen ihm nach, lauern ihm auf, konstruieren Gelegenheiten, bei denen man sich „rein zufällig“ über den Weg laufen könnte.
- Uneinsichtigkeit: Rationale Argumente von Freunden oder Verwandten werden nicht akzeptiert.
Umgang mit Liebeswahn:
Es gilt, den Liebeswahn nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Besser ist, dem Betroffenen frühzeitig zu einer Psychotherapie zu raten und weiter freundschaftlich an seiner oder ihrer Seite zu bleiben.
Ursachen für die Entstehung heimlicher Liebe
Die Ursachen für die Entstehung heimlicher Liebe sind vielfältig und können sowohl in der individuellen Persönlichkeit als auch in den äußeren Umständen liegen.
- Unerreichbarkeit: Das Objekt der Begierde ist unerreichbar, beispielsweise aufgrund einer bestehenden Beziehung, eines großen Altersunterschieds oder sozialer Unterschiede.
- Angst vor Ablehnung: Die Angst, die eigenen Gefühle zu offenbaren und eine Ablehnung zu erfahren, kann dazu führen, dass die Liebe im Verborgenen bleibt.
- Gesellschaftliche Normen und Konventionen: In manchen Kulturen oder sozialen Gruppen sind bestimmte Beziehungen tabu, beispielsweise Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen oder sexueller Orientierungen.
- Bindungsängste: Menschen mit Bindungsängsten können sich leichter auf heimliche Beziehungen einlassen, da diese weniger Verpflichtungen und Erwartungen mit sich bringen.
- Niedriges Selbstwertgefühl: Ein geringes Selbstwertgefühl kann dazu führen, dass man sich nicht wert genug für eine offene Beziehung hält und sich daher mit einer heimlichen Liebe begnügt.
- Kindheitserlebnisse: Ursachen für solche Verhaltensmuster sind Kindheitserlebnisse und ein Elternhaus, in dem ihren emotionalen Bedürfnissen nicht entsprochen wurde.
Anzeichen heimlicher Liebe
Im Video verraten wir dir drei Zeichen, die dir verraten können, ob dich jemand heimlich liebt. Gerade die Zwischentönen von manchen Kommentaren oder Gesten sind oft schwer einzuordnen. Versteckt sich dahinter "nur" ein netter Gedanke oder ist es vielleicht sogar Liebe?
Auch wenn es keine eindeutigen Beweise gibt, können bestimmte Verhaltensweisen auf eine heimliche Liebe hindeuten:
- Häufige Suche nach Nähe: Die Person sucht immer wieder die Nähe des oder der Angebeteten, beispielsweise durch zufällige Begegnungen oder häufige Anrufe.
- Aufmerksames Zuhören und Beobachten: Die Person hört aufmerksam zu, wenn der oder die Angebetete spricht, und beobachtet ihn oder sie genau.
- Besondere Aufmerksamkeit: Die Person schenkt dem oder der Angebeteten besondere Aufmerksamkeit, beispielsweise durch kleine Geschenke oder Komplimente.
- Eifersucht: Die Person reagiert eifersüchtig, wenn der oder die Angebetete mit anderen flirtet oder Zeit verbringt.
- Nervosität: In der Gegenwart des oder der Angebeteten wirkt die Person nervös oder verlegen.
- Übermäßiges Interesse: Die Person zeigt übermäßiges Interesse am Leben des oder der Angebeteten, beispielsweise durch Nachforschungen in sozialen Medien.
Die Schattenseiten der heimlichen Liebe
Trotz der anfänglichen Aufregung und des Gefühls, etwas Besonderes zu erleben, birgt die heimliche Liebe auch einige Schattenseiten:
- Emotionaler Stress: Die ständige Geheimhaltung und die Angst vor Entdeckung können zu erheblichem emotionalem Stress führen.
- Unsicherheit und Selbstzweifel: Die Ungewissheit über die Gefühle des oder der Angebeteten und die fehlende Bestätigung können zu Unsicherheit und Selbstzweifeln führen.
- Isolation: Die heimliche Liebe kann zu sozialer Isolation führen, da man sich nicht offen mit Freunden und Familie austauschen kann.
- Verlust von Lebensqualität: Die ständige Beschäftigung mit dem oder der Angebeteten und die damit verbundenen negativen Emotionen können die Lebensqualität beeinträchtigen.
- Beziehungsunfähigkeit: Die heimliche Liebe kann dazu führen, dass man sich nicht auf eine offene und ehrliche Beziehung einlassen kann.
- Suchtverhalten: Liebe und gebraucht zu werden sind etwas Wunderbares. Dennoch gibt es Menschen, die sich für einen anderen Menschen bis zur Besessenheit verzehren und den Grad der Liebe an den damit verbundenen Qualen messen. Aus einem solchen Verhalten, das die Person einem anderen Menschen entgegenbringt, kann eine Sucht werden. Menschen, die liebessüchtig sind, fixieren sich komplett auf eine andere Person und machen sie zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Alles dreht sich ausschließlich um den Anderen, eigene Gefühle werden bis hin zur Selbstaufgabe vernachlässigt. Selbst wenn der Betroffene merkt, dass eine Beziehung das eigene seelische oder sogar körperliche Wohlergehen gefährdet, ist er nicht in der Lage, loszulassen und sich zu trennen. Diese extreme Hinwendung, die oftmals mit großem Leid verbunden ist, basiert nicht auf Liebe, sondern auf Angst. so zwanghaft lieben, haben Angst davor, allein zu sein, Angst davor, nicht liebenswert oder überhaupt wertlos zu sein, Angst davor, nicht beachtet oder verlassen zu werden. Dies alles sind Ängste, die durch Erfahrungen, zum Teil schon in der frühesten Kindheit, entstanden sind. In der Hoffnung, dass z. B. nehmen kann, stürzen sie sich in eine Beziehung und entwickeln dabei geradezu eine Vorliebe für Situationen, in denen sie Gefühle und Konflikte erleben, die den schädigenden Kindheitserlebnissen ähneln. Nur so können sie immer wieder versuchen, eben diese Konflikte zu lösen.
Wege aus der heimlichen Liebe
Wenn die heimliche Liebe zu einer Belastung wird, gibt es verschiedene Wege, um sich aus dieser Situation zu befreien:
- Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen: Es ist wichtig, sich die eigenen Gefühle einzugestehen und zu akzeptieren.
- Selbstreflexion: Man sollte sich fragen, warum man sich in diese Situation begeben hat und welche Bedürfnisse und Ängste dahinterstecken.
- Offene Kommunikation: Wenn möglich, sollte man das Gespräch mit dem oder der Angebeteten suchen und die eigenen Gefühle offenbaren.
- Abstand: Wenn keine offene Beziehung möglich ist oder die Situation zu belastend wird, ist es wichtig, Abstand zu gewinnen und den Kontakt abzubrechen.
- Professionelle Hilfe: In manchen Fällen kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die eigenen Gefühle zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.
- Selbstfürsorge: Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten und sich Zeit für Aktivitäten zu nehmen, die Freude bereiten und das Selbstwertgefühl stärken.
- Fokussierung auf andere Beziehungen: Man sollte sich auf andere Beziehungen zu Freunden und Familie konzentrieren und neue Kontakte knüpfen.
- Akzeptanz: Es ist wichtig, zu akzeptieren, dass die heimliche Liebe nicht erfüllbar ist und dass es Zeit braucht, um darüber hinwegzukommen.
Liebe gestehen oder nicht?
Im Internet-Zeitalter ganz einfach! Man meldet sich in einem Liebes- kummer-Forum an und postet sein Problem. Die Einschätzung der Forums- community zu Rolfs Geschichte ist einhellig: Wie kann die Sache mit Gudrun weiter gehen, wenn sie nichts von seiner Liebe weiß. Ralf muss sich ein Herz fassen und ihr endlich seine Liebe gestehen. Da führt kein Weg dran vorbei.
Die Internet-Community ist inzwischen zur Hochform aufgelaufen; der Ehrgeiz hat sie gepackt, dem unglücklichen Neumitglied endlich zu seinem Glück zu verhelfen; ironischer Weise könnte man sagen: zu seinem Glück zu zwingen. Die Unge- duldigen unter ihnen können ihren Unmut nicht länger unterdrücken und fangen an, Ralf ernstlich die Leviten zu lesen - wegen seiner zögerlichen Unentschlos- senheit.
Ralf bereut es bereits anonym nach Rat gefragt zu haben; er hat einfach eine unüberwindliche Abneigung Gudrun seine Gefühle zu gestehen. Aber was, wenn es das ist, auf das sie gerade wartet? Insgeheim fürchtet er sich vor einer negativen Antwort - denn dann ist alles aus. So hat er wenigstens noch die Hoffnung, dass es morgen oder übermorgen oder sonst wann - doch noch klappt.
Den berühmtesten drei Worten auf der Welt wird in unserer Vorstellung eine Macht und Magie verliehen, die sie in der Realität niemals haben. Eine grundfalsche Annahme. Das Gegenteil ist nämlich der Fall! Wenn eine Beziehung mit einem Liebesgeständnis beginnt, dann hat es in den allermei- sten Fällen nicht wegen des Geständnisses geklappt - sondern trotz des Geständnisses.
Leider machen immer die falschen Männer die Liebesgeständnisse: Die, die es auf gar keinen Fall tun dürften, sind meistens nicht davon abzuhalten, und die, die es tun könnten - ohne negative Folgen - die tun es nicht. Erstere treibt ein unbezähmbarer Offenbarungswille, mit der Idee, dass vielleicht dann alles gut wird, ins offene Messer zu laufen. Die Zweiten machen keine Liebesgeständnisse, weil sie der Auffassung sind, dies nicht nötig zu haben.
Wenn ein Mann bei einer Frau schleppend vorankommt, dann liegt es in den aller seltensten Fällen an einer Schüchternheit der Schönen - die die Sache zum Stocken bringt. Manche Bekanntschaften entwickeln sich niemals zu Liebesgeschichten - weil die Liebe phasenversetzt auftritt. Einer von beiden ist schon ganz am Anfang viel, viel schneller unterwegs als der andere. Weil der nie stehen bleibt, kann der andere gefühlsmäßig nie aufholen. Mit anderen Worten: Der mit den großen Gefühlen sorgt dafür, dass die Gefühle des anderen immer klein bleiben werden. Macht er nun noch ein Liebesgeständnis in der Absicht den anderen mitzureißen - erreicht er das pure Gegenteil.
Das Unglückliche an Ralfs Liebesgeschichte war - von aller Anfang an - die große Begeisterung, die er seiner heimlichen Liebe gegenüber zum Ausdruck gebracht hatte. Dadurch wirkte er viel zu freundlich, viel zu hilfsbereit und viel zu nett. Für Gudrun war Ralf durchschaubar bis auf den Grund seiner Seele - nach kürzester Zeit kannte sie ihn schon in und auswendig. Da gab es nichts Überraschendes und Spannendes mehr zu entdecken, das sie in Verblüffung hätte setzen können. Sie brauchte über nichts nachzugrübeln was ihm betraf oder sich sonst wie einen Kopf zu machen. Bei ihm fühlte sie sich sicher und geborgen. Alles schön und gut! Nur ein Kribbelgefühl, das war bei ihr nicht da. Keine Spannung - obwohl Ralf ein attraktiver Mann ist.