Helix-Piercing: Risiken, Schmerzen und alles, was du wissen musst

Piercings erfreuen sich seit den 1990er-Jahren auch in westlichen Kulturkreisen immer größerer Beliebtheit. Neben dem reinen Schmuckgedanken gibt es beim Intimpiercing noch einen weiteren Grund. Oft werden die Kugeln und Ringe an Penis, Brustwarze und Scheide deshalb angebracht, weil sich der oder die Gepiercte verstärkte sexuelle Genüsse erhofft. Doch nicht immer verläuft alles reibungslos. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Gefahren, Schmerzen und alles, was du über das Helix-Piercing wissen musst, um eine informierte Entscheidung treffen zu können.

Was ist ein Helix-Piercing?

Das Helix-Piercing bezeichnet einen Ohrschmuck, der am oberen und äußeren Rand der Ohrmuschel gestochen wird - auch als Helix bezeichnet. Es zählt zu den absoluten Klassikern unter den Ohrpiercings und überlebt seit Jahren jedes noch so neue Trend-Piercing. Nicht nur in verschiedenen Ethnien ist das Schmuckstück beliebt, sondern auch unter Stars wie Kylie Jenner, Miley Cyrus und Scarlett Johansson.

Die Geschichte des Piercings

Neu sind Piercings keineswegs. Figuren und Bilder von Menschen oder Göttern mit Piercings sind sowohl aus Südamerika von den Inka und Mayas als auch aus Afrika, Asien und dem Alten Ägypten bekannt. Der bekannte altägyptische Pharao Tutanchamun (Regierungszeit etwa von 1332 bis 1323 v. Chr.) wird beispielsweise oft mit durchlöcherten und geweiteten Ohrläppchen dargestellt - ebenso übrigens wie viele Buddha-Statuen. Manche dieser historischen Spuren lassen sich auf ein Alter von über 7.000 Jahren zurückdatieren - eine in der Menschheitsgeschichte beachtliche Zeitspanne. Nichtsdestotrotz vermuten Forscher, dass das Piercen eine wesentlich längere Geschichte hat. Viele moderne Naturvölker, beispielsweise die Papua in Papua-Neuguinea oder die Mursi in Äthiopien, praktizieren das Durchstechen bestimmter Körperteile heute noch. Es ist ein auf Europäer so manches Mal bizarr wirkender Teil ihrer Kultur. Hauptsächlich junge Männer durchstechen sich währenddessen Zungen, Wangen, die Haut an Rücken und Brust sowie weitere Körperstellen zeremoniell mit Ästen, Lanzen, Messern, Schwertern und anderen Gegenständen - meist ohne einen erkennbaren Blutfluss. Dergleichen Beispiele lassen sich viele finden, wobei sie alle auf die ursprüngliche Bedeutung des Piercens hinweisen: Sie wurden und werden vor allem aus spirituellen Gründen durchgeführt und sind ein Weg, den Göttern näher zu kommen. Durch die intensive Erfahrung des Schmerzes wird der Jugendliche auf die Probe gestellt, muss sich beweisen - und streift durch den Schmerz seine Kindheit ab. An dieser Stelle ähnelt der moderne Mensch wieder den Naturvölkern, denn auch diese drücken durch ein entsprechendes Schmuckstück die Zugehörigkeit zu einem Clan, einem Stamm oder einer bestimmten Schicht aus.

Stechen oder Punchen: Die Methoden

Wer sich an den Piercing-Schmuck herantraut, der sollte hierfür natürlich ein professionelles Studio mit erfahrenen Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen wählen. Das Helix-Piercing solltest du ausschließlich in einem professionellen Piercing-Studio stechen und es auf keinen Fall beim Juwelier mit einer herkömmlichen Ohrloch-Pistole schießen lassen. Beim Durchschießen der Helix können Nerven verletzt werden und heftige Entzündungen auftreten, sodass das Piercing nicht selten nach kurzer Zeit wieder herausgenommen werden muss.

Es gibt zwei gängige Methoden, um ein Helix-Piercing zu setzen:

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  • Stechen: Der Piercer oder die Piercerin wird zunächst einmal das Ohr gründlich desinfizieren. Anschließend wird die Einstichstelle, die selbstverständlich mit dir abgestimmt wird, markiert. Nun wird losgelegt und der Helix mit einer Piercing-Nadel gestochen und schließlich der Ohrschmuck eingesetzt.
  • Punchen: Eine weitere Methode wäre das Punchen, welches auch beim Conch-Piercing zum Einsatz kommt. Hier sticht der Piercer oder die Piercerin einen Teil des Knorpelgewebes aus. Diese Art der Piercings sollen weniger Druckschmerz hinterlassen und außerdem schneller verheilen. Anders als die gestochene Variante kann das Loch im Knorpelgewebe aber nicht wieder zuwachsen, sodass diese Alternative dauerhaft wäre.

Dass du dich bei einem Helix-Piercing also definitiv gegen das Schießen und vielmehr für das Stechen entscheiden solltest, ist damit schon einmal klar.

Schmerzempfinden beim Stechen

Jeder Mensch hat ein anderes Schmerzempfinden. Wir können aber aus Erfahrung sprechen: Ganz ohne Schmerz kommst du beim Stechen des Helix-Piercings vermutlich nicht davon. Im Knorpel des Ohres befinden sich nämlich einfach jede Menge Nerven. Das Stechen durch Knorpel ist deutlich schmerzhafter als durch weiches Gewebe am Ohrläppchen. Außerdem befinden sich im Ohrknorpel viele kleine Nerven. Zwar ist das Stechen schnell überstanden, oftmals brennt die Stelle aber noch Stunden und Tage nach dem Piercen. Auch eine leichte Schwellung oder ein pochendes Gefühl können im Nachhinein auftreten und sind völlig normal.

Die Heilungsphase: Geduld ist gefragt

Auch das ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die Heilungsphase kann deshalb von zwei bis hin zu sechs Monaten variieren. Die gepunchte Version ist wie erwähnt oftmals schneller abgeheilt. Nach vier Wochen könnte dies bereits der Fall sein. Da Knorpelgewebe allgemein schlechter durchblutet ist als Weichgewebe, müsst ihr für die Abheilung etwas Geduld mitbringen. Unabhängig von der Methode ist aber wichtig, dass man keinesfalls vor einer vollständigen Heilung das Piercing herausnimmt oder wechselt. Suche hierfür am besten den Piercer oder die Piercerin deines Vertrauens auf.

Was muss man nach dem Stechen beachten?

Natürlich gibt es aber noch weitere Dinge, die du beachten solltest, wenn du dich für das Helix-Piercing entscheidest. Wie schnell die Wunde verheilt, hängt nämlich durchaus von der Pflege ab. Worauf es ankommt, haben wir dir übersichtlich aufgelistet.

  • Berühre die Stelle möglichst wenig: Da Hygiene in diesem Fall großgeschrieben wird, solltest du die Finger von dem Piercing lassen.
  • Desinfiziere regelmäßig: Außerdem solltest du die Stelle am besten dreimal täglich mit einem Desinfektionsspray einsprühen.
  • Vorsicht beim Haarewaschen: Auch Shampoos, Conditioner und Co. können das Piercing reizen. Hier solltest du versuchen, die Stelle auszusparen. Gleiches gilt für das Styling mit Haarspray oder Kopfbedeckungen, die sich am Piercing verfangen könnten - sei hier vorsichtig, um Schmerzen zu vermeiden.
  • Richtig schlafen: Wir empfehlen dir nicht auf dem gepiercten Ohr zu liegen, um die Seite zu entlasten.
  • Auch mal verzichten: In der ersten Heilungsphase deines Piercings solltest du einige Dinge vermeiden. Hierzu zählen beispielsweise Saunabesuche, das Solarium oder auch Sportarten, bei denen ein Ball oder auch ein Schlag auf deinem landen könnte.
  • Piercing entfernen ist ein No-Go: Entzündet sich das Helix-Piercing und schmerzt, sodass du es am liebsten herausnehmen willst, suche lieber einen Piercer oder eine Piercerin auf, der oder die dir weiterhelfen kann. Das eigenständige Entfernen könnte die Entzündung nur verschlimmern.
  • Du spielst zu viel an dem Stecker herum
  • Du hast währenddessen auch noch dreckige Hände
  • Deine Haare verheddern sich im Piercing
  • Eine Mütze, ein dicker Schal oder Ähnliches bleiben am Piercing hängen
  • Du pflegst es nicht genug
  • Du solltest mit deinem frischen Piercing also möglichst vorsichtig umgehen. Außerdem solltest du mit einem frischen Piercing auf Sport, Sauna und Schwimmbad verzichten, um das Risiko von Infektionen und Reizungen zu vermeiden. Schweiß, Chlor, Schmutz und Hitze können die Heilung nämlich beeinträchtigen und das Infektionsrisiko erhöhen; daher wird empfohlen, mindestens 2 bis 4 Wochen darauf zu verzichten.

Schmuckwahl: Was ist zu beachten?

Um einer Entzündung deines Piercings von Anfang vorzubeugen, solltest du auf die richtige Schmuckwahl setzen. Bei einem Helix-Piercing wird - wie bei den meisten anderen Piercings - empfohlen, anfangs einen Stecker und keinen Ring zu tragen. Das hat mehrere Gründe, die vor allem mit der Heilung und Pflege des Piercings zusammenhängen:

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  • Verringerte Reizung: Ringe neigen dazu, sich mehr zu drehen oder zu bewegen, was das umliegende Gewebe reizen kann. Die Drehbewegung kann Bakterien in den Stichkanal einbringen oder den Heilungsprozess verzögern, weil die Haut immer wieder minimal verletzt wird.
  • Schwellung: Nach einem frischen Piercing kann das Gewebe anschwellen. Ein Stecker kann dabei besser angepasst werden, um die Schwellung zu berücksichtigen, ohne dass er ins Gewebe einschneidet oder zu viel Druck ausübt. Ein Ring hat hingegen oft eine kleinere Passform und könnte das geschwollene Gewebe einengen.
  • Einfachere Reinigung: Ein Stecker ist oft einfacher zu reinigen als ein Ring. Gerade bei einem frischen Piercing ist es wichtig, das Areal sauber zu halten, ohne zu viel Bewegung und Reibung zu verursachen, die durch einen Ring leichter entstehen können.

Risiken und Komplikationen

Bei jedem Piercing, das man sich stechen lässt, gibt es natürlich auch Risiken. Da bei Helix-Schmuck der Knorpel durchstochen wird, ist er gefährlicher als ein simpler Ring am Ohrläppchen. Anders als normale Ohrlöcher im Ohrläppchen verheilen Piercings, die durch Knorpelgewebe gestochen werden, leider nicht ganz so schnell und unkompliziert ab. Die größte Gefahr besteht darin, dass Entzündungen oder Hautreizungen nach dem Piercen auftreten. Auch allergische Reaktionen und Pigmentstörungen sind möglich. Treten Komplikationen auf, solltet ihr sofort euren Piercer aufsuchen. Der kann euch sagen, was zu tun ist. Wie bei allen Piercings (vor allem am Ohr) besteht auch beim Helix Piercing das Risiko, dass ein Nerv getroffen wird. Vor Horror-Geschichten, in denen durch das Stechen eines Piercings das Gesicht gelähmt wird, brauchst du dich aber nicht fürchten. Die meisten Risiken birgt die Heilung des Piercings. Es kann nämlich schnell passieren, dass sich die Wunde am Piercing entzündet. Schmerzt die Einstichstelle, ist die Haut gerötet, juckt und brennt und riecht das Ohr vielleicht schon unangenehm, solltest du das unbedingt mit deinem Piercer absprechen oder direkt zum Arzt oder zur Ärztin gehen.

Piercen kann trotz der schönen Schmuckstücke auch schädlich sein: Etwa 10 Prozent der gepiercten Personen müssen aufgrund von gesundheitlichen Problemen in Folge des Körperschmucks einen Arzt aufsuchen. Ausserdem können sich Empfindungsstörungen im gepiercten Bereich zeigen sowie oft auch Allergien auf die verwendeten Materialien oder Medikamente (z. B. Desinfektionsmittel oder lokale Anästhetika). Gemäss der Traditionellen Chinesischen Medizin durchlaufen energetische Bahnen, die so genannten Meridiane, unseren Körper. Wird gepierct, können dadurch genau diese Bahnen getroffen und ihr Energiefluss gestört werden - die Folge sind ausgeprägte gesundheitliche Probleme, die sich in vielen Fällen erst durch einen Zufall oder nach einem langen Irrweg durch die Praxen verschiedener Ärzte und Heilpraktiker auf ein bestimmtes Piercing zurückführen lassen (1). Insbesondere Schmuckstücke, die in den knorpeligen Teil der Ohren gestochen werden sowie in der Körpermitte, beispielsweise im Bauchnabel, gelten als problematisch. Folglich wundert es nicht, wenn sich Bauchnabelpiercings immer wieder als Ursache für unklare Störungen des Magen-Darm-Traktes sowie des Unterleibs und der Blase herauskristallisieren. Ein Loch im Ohrläppchen ist meist problemlos, da die meisten Ohrmeridiane durch die knorpeligen Teile verlaufen. Dort angebrachte Piercings verursachen jedoch Probleme im ganzen Körper, da sich im Ohr Akupunkturpunkte für fast jedes Organ befinden. Des Weiteren können auch gepiercte Augenbrauen, Nasenflügel und Lippen sowie eine gepiercte Zunge Probleme bereiten. Andererseits kann man sich die geschilderte Wirkung aber auch zunutze machen, indem bei bestimmten gesundheitlichen Problemen das Piercing gezielt als Dauerakupunktur an dem entsprechenden Punkt angebracht wird. Sofern das Piercen als Ursache bislang ungeklärter gesundheitlicher Probleme festgestellt werden konnte, muss das Schmuckstück zunächst einmal herausgenommen werden. In den meisten Fällen wird sich allein durch diese Massnahme schon eine Besserung der Symptome einstellen. Manchmal jedoch reicht es nicht, denn die durch das Piercen geschaffene Narbe behindert weiterhin den Energiefluss und somit eine vollständige Heilung. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen sowie depressive Phasen sind häufig Anzeichen für störende Narben, ebenso wie Probleme im Magen-Darm-Trakt (chronischer Durchfall oder Verstopfung), Kopfschmerzen, Schwindel oder Rückenschmerzen. Übrigens kann ein Piercing jahrelang keine Probleme verursachen und trotzdem plötzlich störend werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Narben zu entstören. Viele der Methoden arbeiten mit elektrischen bzw. elektromagnetischen Geräten, wobei in manchen Fällen schon eine Behandlung mit einem lokalen Anästhetikum oder einer Heilsalbe (beispielsweise auf Basis von Ringelblumen oder Johanniskraut) helfen kann. Natürlich können die Piercings auch dann schädlich sein, wenn der Betroffene eine allergische Reaktion auf die Materialien entwickelt. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Kontaktallergie, die durch die direkte Berührung des Materials mit der Haut Rötungen, Juckreiz und Hautausschlag hervorruft. Zu den häufigsten Allergenen zählt Nickel, ein Metall, das vielfach verarbeitet wird. Schätzungsweise jeder zehnte Deutsche leidet unter einer Nickelallergie und weiss es oft nicht einmal. Gemäss der EU-Verordnung 94 / 27 / EG (der so genannten "Nickeldirektive") darf der Nickelgehalt in Schmuckstücken eine Freisetzungsrate von maximal 0,5 µg Nickel pro Quadratzentimeter zwar nicht mehr überschreiten; dafür allerdings darf Schmuck auch dann als "nickelfrei" beworben werden, wenn sich lediglich in der oberen Schicht eines Schmucks kein Nickel befindet. Ergo sollte der Reinheitsgrad von Gold- oder Silberschmuck möglichst hoch sein. Weiterhin sind die Schmuckstücke erst dann einzusetzen, wenn die Wunde vollständig verheilt ist. Eine Titanallergie ist zwar offiziell nicht bekannt, dennoch berichten manche Menschen von allergischen Reaktionen darauf. Mancher Piercingschmuck besteht aber auch aus Glas, Holz, verschiedenen Kunststoffen, Bernstein oder tierischen Materialien wie beispielsweise Horn. Empfindliche Personen kommen in vielen Fällen mit Glas und den genannten natürlichen Materialien deutlich besser zurecht als mit legierten, d. h. Wie immer, so verhält es sich auch beim Piercen, dass jeder Mensch anders darauf reagiert.

Kosten: Was musst du einplanen?

Nicht ganz uninteressant ist natürlich auch, was wir für das Piercing hinblättern müssen.Einen einheitlichen Preis gibt es hier nicht. Je nach Piercingstudio und seiner Lage variieren die Preise zwischen 30 und 80 Euro. Wie viel ihr für ein Helix-Piercing zahlen müsst, lässt sich so nicht pauschal sagen. In der Regel kostet ein Helix-Piercing - je nach Piercing-Studio und Region - wie andere Ohrpiercings auch etwa 30 bis 80 Euro. Dafür solltest du in den meisten Studios neben dem Stechen auch den Erstschmuck und ein Pflegemittel erhalten. Auch hier kann es aber selbstverständlich Unterschiede geben. Frag vorher am besten im Piercing-Studio eurer Wahl nach, wie sich die Kosten zusammensetzen. Der erste medizinische Stecker sowie ein Pflegespray sind in der Regel im Preis inbegriffen. Frag hier am besten nochmal bei deinem Piercer nach, wie seine Preisliste aussieht, die Kosten können sich nämlich sehr unterscheiden.

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