Schädelbruch und Hirnblutung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Schädelbruch und eine Hirnblutung sind ernste Verletzungen, die oft durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf verursacht werden. Sie können lebensbedrohlich sein und langfristige gesundheitliche Folgen haben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung dieser Verletzungen.

Einleitung

Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) umfasst jede Form einer Gehirnverletzung, die durch direkte äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf entsteht. Es ist eine der Haupttodesursachen bei Menschen unter 45 Jahren und die häufigste Todesursache bei Kindern unter 15 Jahren. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen ein SHT, wobei glücklicherweise 90 Prozent leichte Verletzungen sind. Männer sind häufiger betroffen (60 Prozent), und fast ein Drittel der Verletzten ist unter 16 Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren

Schädelbruch

Ein Schädelbruch entsteht durch eine starke Gewalteinwirkung auf den Schädel, wie sie beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Schlägereien vorkommt. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erleidet einen Verkehrsunfall, meist mit einem Frontalaufprall. Bei etwa 17 Prozent aller Patienten mit einem Bruch des Schädeldachs reicht der Bruchspalt bis in die Schädelbasis hinein.

Hirnblutung

Hirnblutungen können traumatisch oder atraumatisch verursacht werden. Traumatische Hirnblutungen sind meist Folge eines Schädel-Hirn-Traumas, beispielsweise durch Stürze, Unfälle oder Schlägereien. Atraumatische Hirnblutungen können spontan auftreten oder durch andere Erkrankungen verursacht werden. Risikofaktoren für Hirnblutungen sind:

  • Bluthochdruck: Eine arterielle Hypertonie ist der häufigste Risikofaktor und kann bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit intrazerebralen Blutungen nachgewiesen werden.
  • Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer: Medikamente wie Phenprocoumon, Warfarin, Clopidogrel und Acetylsalicylsäure erhöhen das Risiko.
  • Gefäßerkrankungen: Aneurysmen, arteriovenöse Malformationen und andere Gefäßanomalien können zu Blutungen führen.
  • Blutgerinnungsstörungen: Hämophilie oder andere Gerinnungsstörungen erhöhen das Blutungsrisiko.
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch: Diese Substanzen können die Blutgefäße schädigen und das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Alter: Das Risiko für Hirnblutungen steigt mit zunehmendem Alter.

Formen von Schädelbrüchen

Die wichtigsten Bruchformen beim Schädelbasisbruch sind:

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  • Felsenbeinlängsbruch (frontobasale Fraktur): Tritt mit 70 bis 80 Prozent der Fälle deutlich häufiger auf. Der Bruch verläuft entlang der Längsachse des Schläfenbeins und kann das Mittelohr und den Gesichtsnervenkanal beeinträchtigen.
  • Felsenbeinquerbruch (laterobasale Fraktur): Der Bruchspalt beginnt an der Hinterfläche der Felsenbeinpyramide und kreuzt den inneren Gehörgang, den Gesichtsnervenkanal und/oder das Labyrinth.

Symptome

Die Symptome eines Schädelbruchs und einer Hirnblutung können vielfältig sein und hängen von der Art und Schwere der Verletzung ab.

Schädelbruch

Die Symptome eines Schädelbasisbruchs hängen davon ab, ob es sich um einen Längs- oder Querbruch des Felsenbeins handelt.

Symptome bei Felsenbeinlängsbruch:

  • Bluterguss um die Augen (Monokel- oder Brillenhämatom)
  • Schwellung der Augenlider
  • Tiefertreten des Augapfels (Blow-out-Fraktur) mit Doppelbildern
  • Verletzung der Nasennebenhöhlen
  • Stufen im äußeren Gehörgang
  • Riss des Trommelfells
  • Schallleitungs-Schwerhörigkeit
  • Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese) in 15 bis 25 Prozent der Fälle
  • Störung des Geruchssinns
  • Abfluss von Nervenwasser oder Blut aus Nase, Ohr oder Mund

Symptome bei Felsenbeinquerbruch:

  • Schädigung des Innenohrs mit Hörverlust und Ausfall des Gleichgewichtssinns
  • Gesichtsnervenlähmungen (häufiger als beim Felsenbeinlängsbruch)
  • Abfluss von Nervenwasser über das Ohr
  • Bluterguss hinter dem Ohr ("Battle's Sign")

Hirnblutung

Die Symptome einer Hirnblutung variieren je nach Lage und Größe des Hämatoms. Häufige Symptome sind:

  • Plötzlich einsetzende, heftige Kopfschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen (Verwirrtheit, Benommenheit, Bewusstlosigkeit)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Neurologische Ausfälle (Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen)
  • Krampfanfälle
  • Nackensteifigkeit
  • Erhöhter Blutdruck
  • Atemstörungen

Je nach Art der Hirnblutung können spezifische Symptome auftreten:

  • Intrazerebrale Blutung: Plötzliche Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle, Hemiparese, Sprachstörungen, Sehstörungen.
  • Subarachnoidalblutung: Plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen ("Vernichtungskopfschmerz"), Bewusstseinsverlust, Nackensteifigkeit, Lichtscheue.
  • Subduralhämatom: Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle, Hemiparese, Sprachstörungen. Chronische Subduralhämatome können sich schleichend entwickeln und zu unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisproblemen und Persönlichkeitsveränderungen führen.
  • Epiduralhämatom: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsverlust mit einem zwischenzeitlichen symptomfreien Intervall, Anisokorie (ungleiche Pupillen), Hemiparese.

Diagnose

Die Diagnose eines Schädelbruchs und einer Hirnblutung erfordert eine umfassende medizinische Untersuchung.

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Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird zunächst Fragen zum Unfallhergang, den Symptomen und der Krankengeschichte stellen. Anschließend erfolgt eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung, um den Bewusstseinszustand, die Hirnnervenfunktion, die Motorik, die Sensibilität und die Reflexe zu überprüfen.

Bildgebende Verfahren

  • Computertomographie (CT): Die CT ist dasStandardverfahren zur Diagnose von Schädelbrüchen und Hirnblutungen. Sie ermöglicht eine schnelle und detaillierte Darstellung von Knochen und Weichteilen und kann Blutungen, Frakturen und andere Verletzungen erkennen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist besonders geeignet, um subtile Hirnverletzungen, wie z.B. diffuse axonale Schäden, darzustellen. Sie kann auch zur Beurteilung von Blutungen in verschiedenen Stadien und zur Darstellung von Gefäßanomalien eingesetzt werden.
  • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen des Schädels und der Halswirbelsäule können zurDetektion von Knochenbrüchen eingesetzt werden, sind aber wenigerempfindlich als die CT.
  • CT-Angiographie: Dieses Verfahren wird eingesetzt, um die Blutgefäße im Gehirn darzustellen und Aneurysmen, arteriovenöse Malformationen oder andere Gefäßanomalien zu erkennen.

Weitere diagnostische Maßnahmen

  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Blutgerinnungsstörungen, Infektionen oder andere zugrunde liegende Erkrankungen zu identifizieren.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann zur Diagnose von Krampfanfällen oder anderen neurologischen Störungen eingesetzt werden.
  • Evozierte Potentiale: Diese Tests messen die Reaktion des Gehirns auf bestimmte Reize und können zur Beurteilung der Funktion von Nervenbahnen eingesetzt werden.
  • Liquoruntersuchung: Wenn ein Schädelbasisbruch vorliegt, kann eine Liquoruntersuchung durchgeführt werden, um festzustellen, ob Nervenwasser austritt und ob eine Infektion vorliegt.

Behandlung

Die Behandlung eines Schädelbruchs und einer Hirnblutung hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab.

Konservative Behandlung

Leichte Schädel-Hirn-Traumata und kleinere Hirnblutungen können oft konservativ behandelt werden. Dies umfasst:

  • Überwachung: Der Patient wird engmaschig überwacht, um Veränderungen des Bewusstseinszustands oder neurologische Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen.
  • Bettruhe: Der Patient sollte sich ausruhen und körperliche Anstrengung vermeiden.
  • Schmerzlinderung: Schmerzmittel können zur Linderung von Kopfschmerzen eingesetzt werden.
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können verabreicht werden.
  • Krampfanfallprophylaxe: Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Krampfanfälle können vorbeugend Antiepileptika eingesetzt werden.
  • Antibiotika: Bei einem Schädelbasisbruch mit Liquoraustritt werden Antibiotika verabreicht, um einer Meningitis vorzubeugen.

Operative Behandlung

Größere Hirnblutungen, Schädelbrüche mitFragmentverschiebung oder Liquoraustritt sowie Zustände mit erhöhtem Hirndruck erfordern oft eine Operation.

  • Entlastung des Hirndrucks: Bei erhöhtem Hirndruck kann eine Dekompressionskraniektomie durchgeführt werden, bei der ein Teil des Schädelknochens entfernt wird, um dem Gehirn mehr Raum zu geben. Es kann auch eine extraventrikuläre Drainage (EVD) eingebracht werden, um Liquor abzuleiten und den Hirndruck zu senken.
  • Entfernung des Hämatoms: Bei größeren Hirnblutungen kann eine Operation erforderlich sein, um das Hämatom zu entfernen und den Druck auf das Gehirn zu reduzieren.
  • Versorgung von Schädelbrüchen: Schädelbrüche mitFragmentverschiebung oder Liquoraustritt müssen operativ versorgt werden, um die Integrität des Schädels wiederherzustellen und das Risiko von Infektionen zu minimieren.
  • Behandlung von Gefäßanomalien: Aneurysmen oder arteriovenöse Malformationen, die zu Hirnblutungen geführt haben, müssen operativ oder interventionell behandelt werden, um weitere Blutungen zu verhindern.

Intensivmedizinische Behandlung

Patienten mit schweren Schädel-Hirn-Traumata und Hirnblutungen benötigen oft eine intensivmedizinische Betreuung. Dies umfasst:

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  • Überwachung von Vitalfunktionen: Kontinuierliche Überwachung von Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Sauerstoffsättigung.
  • Künstliche Beatmung: Bei Bewusstseinsstörungen oder Ateminsuffizienz kann eine künstliche Beatmung erforderlich sein.
  • Hirndrucküberwachung: Bei erhöhtem Hirndruck wird eine Hirndrucksonde implantiert, um den Hirndruck kontinuierlich zu überwachen und zu behandeln.
  • Flüssigkeitsmanagement: Eine sorgfältige Flüssigkeitsbilanzierung ist wichtig, um Hirnödeme zu vermeiden oder zu reduzieren.
  • Ernährung: EineEnterale oder parenterale Ernährung ist notwendig, um den Energiebedarf des Patienten zu decken.
  • Prophylaxe von Komplikationen: Maßnahmen zur Vorbeugung von Lungenentzündung, Thrombosen,Dekubitus und anderen Komplikationen.

Rehabilitation

Nach der Akutbehandlung ist eine Rehabilitation wichtig, um dieFunktionen wiederherzustellen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Rehabilitation kann Folgendes umfassen:

  • Physiotherapie: Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, der Beweglichkeit und des Gleichgewichts.
  • Ergotherapie: Verbesserung derAlltagsfähigkeiten und derHandlungsfähigkeit.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Störungen, wie z.B. Gedächtnisproblemen, Aufmerksamkeitsdefiziten und exekutiven Funktionsstörungen.
  • Sozialberatung: Unterstützung bei der Bewältigung der sozialen und beruflichen Folgen der Verletzung.

Komplikationen

Ein Schädelbruch und eine Hirnblutung können zu einer Reihe von Komplikationen führen:

  • Erhöhter Hirndruck: Kann zu Hirnschäden und zum Tod führen.
  • Hirnödem: Schwellung des Gehirns, die den Hirndruck weiter erhöhen kann.
  • Krampfanfälle: Können durch die Hirnverletzung ausgelöst werden.
  • Infektionen: Meningitis oder Hirnabszess können bei offenen Schädelbrüchen oder Liquoraustritt auftreten.
  • Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen,Sensibilitätsstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, Verhaltensänderungen.
  • Hydrozephalus: Ansammlung von Liquor im Gehirn, die den Hirndruck erhöhen kann.
  • VasoSpasmus: Verengung der Hirngefäße, die zu einer Minderdurchblutung des Gehirns führen kann (insbesondere nach Subarachnoidalblutungen).
  • Thrombose und Embolie: Erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, die zu Schlaganfällen oder Lungenembolien führen können.
  • Dauerhafte Behinderungen: Schwerwiegende Hirnverletzungen können zu dauerhaften körperlichen, geistigen oderVerhaltensbedingten Behinderungen führen.
  • Tod: Schwere Schädel-Hirn-Traumata und Hirnblutungen können tödlich sein.

Prognose

Die Prognose eines Schädelbruchs und einer Hirnblutung hängt von der Art und Schwere der Verletzung, dem Alter des Patienten, demVorhandensein von Begleiterkrankungen und derSchnelligkeit und Wirksamkeit der Behandlung ab. Leichte Schädel-Hirn-Traumata heilen oft folgenlos aus, während schwere Verletzungen zu dauerhaften Behinderungen oder zum Tod führen können.

Prävention

Einige Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko eines Schädelbruchs und einer Hirnblutung zu verringern:

  • Verkehrssicherheit: Anschnallen im Auto, Tragen eines Helms beim Fahrradfahren oder Motorradfahren.
  • Sturzprävention: Beseitigung von Stolperfallen im Haushalt, Verwendung von Gehhilfen bei Bedarf.
  • Alkohol- und Drogenverzicht: Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch.
  • Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Blutdruckmessung und Behandlung von Bluthochdruck.
  • Sichere Arbeitsbedingungen: Einhaltung von Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz.
  • Sportunfälle vermeiden: Aufwärmen vor dem Sport und Tragen geeigneter Schutzausrüstung.

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