Hemiparese rechts und Aphasie: Ursachen und Therapieansätze

Ein Mediainfarkt, ein schwerwiegender ischämischer Schlaganfall, entsteht durch eine mangelhafte Durchblutung der Arteria cerebri media (ACM). Dieses Blutgefäß versorgt wichtige Hirnregionen wie die Großhirnrinde, die Basalganglien und die Capsula interna. Eine Blockade der ACM führt zu einer Unterversorgung der betroffenen Hirnareale mit Sauerstoff. Die ACM entspringt der Aufteilung der Arteria Carotis interna in die A. cerebri anterior und A. cerebri media und ist über den Circulus arteriosus (Willisi) mit den hinteren hirnversorgenden Arterien verbunden.

Hirninfarkte, umgangssprachlich auch Hirnschläge genannt, können große Areale des Gehirns betreffen und schwerwiegende neurologische Schäden verursachen, die ohne rechtzeitige Behandlung lebensbedrohlich sein können. Prinzipiell versteht man unter einem sogenannten Stroke eine Hirnschädigung, der entweder durch einen Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall) oder eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht wurde.

Eine schnelle Diagnose und Therapie sind entscheidend, um das Risiko bleibender Schäden zu minimieren. Insbesondere minderdurchblutetes, aber noch nicht abgestorbenes Gewebe (die Penumbra) kann durch eine rasche Rekanalisation der Gefäße gerettet werden.

Spezifische Symptome eines Mediainfarkts können Sprachstörungen, Lähmungen oder Sehstörungen sein. Häufig tritt eine Halbseitenlähmung (Hemiparese) der gegenüberliegenden Körperseite auf. Sprachstörungen (Aphasien) entstehen vor allem, wenn der Mediainfarkt die sprachdominante Hemisphäre (meist die linke bei Rechtshändern) betrifft. Bei einer motorischen Aphasie haben Betroffene Schwierigkeiten, Worte zu finden oder Sätze zu bilden. Je nach betroffenem Areal kann auch das Sprachverständnis beeinträchtigt sein. Bei einem umfassenden Mediainfarkt kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma kommen.

Nach der Akutbehandlung auf einer Stroke Unit oder Intensivstation ist für die meisten Patienten eine Rehabilitation notwendig, die bei schwerwiegenden Verläufen in einer speziellen Klinik für Frührehabilitation stattfindet. Hier liegt der Fokus auf der Wiedererlangung von Mobilität und selbstständiger Versorgung.

Lesen Sie auch: Schlaganfall und Hemiparese: Was Sie wissen müssen

Ursachen eines Mediainfarkts

Das größte Risiko für einen Hirninfarkt sind atherosklerotische Wandveränderungen, die sich besonders häufig im Bereich der Karotisbifurkation entwickeln. Schlaganfälle können jedoch auch im Rahmen von seltenen Erkrankungen wie Vaskulitiden entstehen. Eine besondere Ursache stellt das sogenannte Moya-Moya-Syndrom dar, eine nicht-entzündliche, nicht-atherosklerotische Wandverdickung der zerebralen Gefäße, die zu Minderdurchblutung und Hirninfarkten führt. Hierbei entwickeln sich Umgehungskreisläufe (Kollaterale), die angiographisch als "Moya-Moya" (japanisch für "wolkig") erscheinen. Die Therapie umfasst Revaskularisierungsmaßnahmen und die Anlage eines Bypasses.

Weitere Ursachen für einen Schlaganfall können sein:

  • Hirnblutung: Diese machen 15-20% der Schlaganfälle aus. Beispiele sind die Subarachnoidalblutung oder die Sinusvenenthrombose.
  • Verschluss einer hirnversorgenden Arterie: Dies kann kardioembolisch bedingt sein, z.B. durch Vorhofflimmern, oder durch Atherosklerose großer Hirnarterien wie der A. cerebri media, A. cerebri anterior oder A. cerebri posterior.
  • Lakunärer Schlaganfall: Dieser entsteht durch den Verschluss kleiner Arterien und führt zu kleinen, umschriebenen Ausfällen.
  • Grenzzoneninfarkt: Dieser tritt im Grenzgebiet zwischen zwei Gefäßterritorien auf, wenn der systemische Blutdruck abfällt und die Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden können.
  • Cerebrale Massenblutung: Diese kann durch hohen Blutdruck oder den Übergang von Arterien zu Venen entstehen, insbesondere wenn der Betroffene orale Antikoagulantien einnimmt.
  • Schädigung spezifischer Hirnareale: Je nach betroffenem Areal, z.B. im Kleinhirn oder Hirnstamm, können unterschiedliche neurologische Ausfälle auftreten.

Mediainfarkt links: Aphasie und Hemiparese rechts

Ein Mediainfarkt links betrifft die linke Gehirnhälfte, die bei Rechtshändern meist für Sprache und Kommunikation zuständig ist. Daher stehen Sprachstörungen (Aphasien) im Vordergrund. Betroffene haben Schwierigkeiten, Worte zu finden, zu formulieren oder zu verstehen. Bei einer globalen Aphasie sind sowohl das Sprachverständnis als auch die motorische Sprachproduktion massiv geschädigt, was für die Betroffenen äußerst belastend ist.

Zusätzlich kann es zu einer Hemiparese auf der rechten Körperseite kommen, die von leichten Koordinationsstörungen bis hin zu einer kompletten Plegie reichen kann. Bei ausgeprägten Mediainfarkten kann es zu einer raumfordernden Hirnschwellung und Hirndrucksteigerung kommen, die lebensbedrohlich sein kann. In solchen Fällen kann eine operative Dekompression (Hemikraniektomie) erforderlich sein, bei der ein Knochendeckel entfernt wird, um das Gehirn zu entlasten. Nach einer Erholungszeit kann der Knochendeckel wieder eingesetzt oder durch eine individuell angepasste Knochendeckelplastik (z.B. aus evoShape von Evonos) ersetzt werden.

Mediainfarkt rechts: Neglect und Hemiparese links

Ein Mediainfarkt rechts betrifft die rechte Gehirnhälfte, die oft für räumliches Denken, Aufmerksamkeit und nonverbale Kommunikation zuständig ist. Daher kann es zu einem Neglect der linken Körperseite kommen, bei dem Patienten die linke Seite ihres Körpers oder ihrer Umgebung nicht wahrnehmen. Eine Hemiparese auf der linken Seite ist ebenfalls typisch, und Sehstörungen können das linke Gesichtsfeld betreffen.

Lesen Sie auch: Leben mit Hemiparese rechts: Therapie und Hilfsmittel

Diagnose des Mediainfarkts

Die Diagnostik umfasst in der Regel:

  • CT (Computertomographie): Zum schnellen Ausschluss einer Blutung und zur Darstellung des Infarktareals. Ein frühes Zeichen für einen zerebralen Infarkt kann das "Dens media sign" sein, eine Hyperdensität im CT.
  • Gefäßdarstellung (CT-Angiographie oder MRT-Angiographie): Zur Beurteilung der hirnversorgenden Gefäße und zur Lokalisation eines möglichen Gefäßverschlusses.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Zur detaillierteren Darstellung des Hirngewebes und zur Beurteilung der Penumbra.
  • Elektrophysiologische Tests: Ergänzend können elektrophysiologische Untersuchungen die Nerven- und Muskelaktivität messen.
  • Laboruntersuchungen, Blutbild und eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion) geben uns weitere Hinweise.

Therapie des Mediainfarkts

Die Therapie zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und Folgeschäden zu minimieren. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören:

  • Systemische Thrombolyse: Eine medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels, das das Gefäß verstopft. Diese Therapie muss innerhalb eines bestimmten Zeitfensters nach Symptombeginn erfolgen.
  • Mechanische Thrombektomie: Eine kathetergestützte Entfernung des Blutgerinnsels. Dieses Verfahren wird bei größeren Gefäßverschlüssen eingesetzt und kann auch in Kombination mit der Thrombolyse erfolgen.
  • Operative Dekompression (Hemikraniektomie): Bei raumfordernder Hirnschwellung zur Entlastung des Gehirns.
  • Medikamentöse Behandlung: Zur Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten.
  • Rehabilitation: Um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen oder zu kompensieren.

Rehabilitation nach Mediainfarkt

Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihre Selbstständigkeit wiederherzustellen. Die Rehabilitation kann folgende Bereiche umfassen:

  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Mobilität, Kraft und Koordination. Insbesondere bei einer Hemiparese ist ein intensives Training erforderlich, um die Gehfähigkeit wiederzuerlangen und Spastiken zu behandeln.
  • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen, wie z.B. Anziehen, Essen und Körperpflege.
  • Logopädie: Zur Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. Bei Aphasie ist eine logopädische Therapie komplex und erfordert eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse des Patienten.
  • Neuropsychologie: Zur Behandlung von kognitiven Störungen, wie z.B. Aufmerksamkeits- und Gedächtnisproblemen.
  • Sozialberatung: Zur Unterstützung bei der Bewältigung der sozialen und finanziellen Folgen des Schlaganfalls.

Die Rehabilitation findet zunächst in einer Rehabilitationsklinik statt. Bei schweren Beeinträchtigungen kann eine Frührehabilitation in Spezialabteilungen erforderlich sein. Ziel ist eine möglichst eigenständige Versorgung, so dass die Patienten dauerhaft so wenig wie möglich auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Aphasie: Sprachstörungen nach Schlaganfall

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung der sprachdominanten Hirnhälfte entsteht, meist durch einen Schlaganfall. Die Symptome können je nach betroffenem Areal und Schweregrad der Schädigung variieren.

Lesen Sie auch: Aktuelle Erkenntnisse zur Schlaganfall-Therapie

Formen der Aphasie:

  • Globale Aphasie: Die schwerste Form der Aphasie, bei der sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion massiv beeinträchtigt sind. Betroffene können sich kaum oder gar nicht verständlich machen und verstehen gesprochene oder geschriebene Sprache kaum.
  • Broca-Aphasie (motorische Aphasie): Hier ist vor allem die Sprachproduktion gestört. Betroffene sprechen langsam, mühsam und in Telegrammstil. Das Sprachverständnis ist meist besser erhalten, kann aber bei komplexen Sätzen beeinträchtigt sein.
  • Wernicke-Aphasie (sensorische Aphasie): Hier ist vor allem das Sprachverständnis gestört. Betroffene sprechen flüssig, aber oft unverständlich, mit vielen Lautverwechslungen und Neologismen. Sie bemerken ihre Sprachfehler oft nicht.
  • Amnestische Aphasie: Hier stehen Wortfindungsstörungen im Vordergrund. Betroffene haben Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden, und umschreiben diese oft. Das Sprachverständnis ist meist gut erhalten.

Kommunikation mit Aphasie-Patienten:

Die Kommunikation mit Menschen mit Aphasie erfordert Geduld, Einfühlungsvermögen und spezielle Techniken. Wichtig ist:

  • Ruhe und Zeit: Schaffen Sie eine ruhige Atmosphäre und nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch.
  • Blickkontakt: Halten Sie Blickkontakt und signalisieren Sie Aufmerksamkeit.
  • Einfache Sprache: Sprechen Sie langsam, deutlich und in kurzen, einfachen Sätzen.
  • Ja/Nein-Fragen: Stellen Sie Fragen, die mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden können.
  • Gesten und Mimik: Verwenden Sie Gesten und Mimik, um das Gesagte zu unterstreichen.
  • Kommunikationshilfen: Nutzen Sie Kommunikationsbücher, -tafeln oder Sprachcomputer.
  • Vermeiden Sie: Unterbrechungen, Ironie, Kindersprache und das Vollenden von Sätzen.

Die Rolle der Angehörigen:

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung und Unterstützung von Aphasie-Patienten. Sie sollten sich über die Erkrankung informieren, an Therapiesitzungen teilnehmen und das in der Therapie Gelernte in den Alltag übertragen. Es ist wichtig, Geduld zu haben, Verständnis zu zeigen und den Patienten zu ermutigen.

Hemiparese: Unvollständige Lähmung einer Körperhälfte

Die Hemiparese ist eine unvollständige Lähmung einer Körperhälfte, die meist durch eine Schädigung des Gehirns verursacht wird, z.B. durch einen Schlaganfall. Die Symptome können je nach betroffenem Gehirnareal und Schweregrad der Schädigung variieren.

Symptome der Hemiparese:

  • Verminderte Muskelkraft: Auf einer Körperseite.
  • Spastik: Erhöhte Muskelspannung und Steifigkeit.
  • Sensibilitätsstörungen: Beeinträchtigung der Wahrnehmung von Berührung, Schmerz und Temperatur.
  • Koordinationsstörungen: Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Bewegungen und dem Halten des Gleichgewichts.
  • Fazialisparese: Erschlaffung der Gesichtsmuskulatur.

Therapie der Hemiparese:

Die Therapie zielt darauf ab, die Funktionalität der betroffenen Körperseite zu verbessern, die Lebensqualität zu steigern und die Selbstständigkeit der Patient*innen zu fördern.

  • Akutbehandlung: Bei einem akuten Schlaganfall ist eine schnelle Wiederherstellung der Durchblutung des Gehirns entscheidend.
  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit.
  • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen.
  • Medikamentöse Behandlung: Zur Regulierung der Muskelspannung und zur Behandlung von Spastiken.
  • Hilfsmittel: Orthesen, Rollstühle und andere Hilfsmittel können die Mobilität und Selbstständigkeit unterstützen.

Moderne Hilfsmittel: Bionische Handorthesen

Moderne Handorthesen, wie sie von HKK Bionics entwickelt werden, können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Diese Hilfsmittel unterstützen Menschen mit eingeschränkter Hand- und Armfunktion dabei, alltägliche Bewegungen wieder auszuführen. Sie können Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen übernehmen und erleichtern, die aufgrund einer Plexusparese oder anderer neurologischer Erkrankungen beeinträchtigt sind. Eine myoelektrische Orthese, wie die MyoPro®, kann den Arm gezielt bewegen und so neue Verbindungen im Gehirn knüpfen.

Prognose der Hemiparese:

Die Prognose variiert je nach Ursache, Schweregrad und Zeitpunkt der Behandlung. Frühzeitige Rehabilitation und interdisziplinäre Betreuung können die Funktionalität verbessern und Komplikationen vorbeugen.

Prävention von Schlaganfällen

Aufgrund der schwerwiegenden Folgen eines Schlaganfalls ist die Prävention von großer Bedeutung. Hierzu zählen die Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren wie:

  • Bluthochdruck: Regelmäßige Kontrolle und medikamentöse Einstellung.
  • Diabetes mellitus: Gute Blutzuckereinstellung.
  • Hypercholesterinämie: Senkung erhöhter Cholesterinwerte.
  • Vorhofflimmern: Behandlung zur Verhinderung von Blutgerinnseln.
  • Rauchen: Verzicht auf Nikotin.
  • Übergewicht: Gewichtsreduktion durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung.
  • Bewegungsmangel: Regelmäßige körperliche Aktivität.

Ein Schlaganfall-Risikotest, wie er von der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft angeboten wird, kann helfen, das persönliche Risiko einzuschätzen und gegebenenfalls frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.

#

tags: #hemiparese #rechts #und #aphasie