Ernährung bei Hemiplegie: Herausforderungen und Lösungen

Hemiplegie, oft eine Folge eines Schlaganfalls, kann das Leben der Betroffenen erheblich verändern. Eine der größten Herausforderungen ist die Anpassung an die veränderten körperlichen Fähigkeiten, insbesondere im Bereich der Ernährung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Ernährung bei Hemiplegie, von Schluckstörungen (Dysphagie) bis hin zu praktischen Hilfsmitteln für den Alltag.

Dysphagie: Eine häufige Begleiterscheinung nach Schlaganfall

Eine Dysphagie, also eine Schluckstörung, tritt häufig nach einem Schlaganfall auf. Sie kann unmittelbar nach dem Ereignis oder erst einige Tage später in Erscheinung treten.

Erkennung von Dysphagie

Eine Schluckstörung ist nicht immer leicht zu erkennen. Es ist wichtig, Betroffenen nach einem akuten Schlaganfall ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Logopäden nichts zu essen oder zu trinken zu geben. Hinweise auf eine Dysphagie können sein:

  • Verlangsamte Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme
  • Häufiges Verschlucken
  • Hustenanfälle oder Atemnot
  • Häufiges Räuspern nach dem Essen
  • Rückfluss von Speichel oder Flüssigkeit aus Mund und Nase
  • Druckgefühl im Halsbereich nach dem Essen

Manche Betroffene bemerken ihre Schluckstörung nicht, wodurch Teile der Mahlzeiten in die Lunge gelangen können, was zu Atemwegsinfektionen führt.

Ursachen und Ausprägungen

Dysphagie entsteht durch Verletzungen oder Erkrankungen in bestimmten Gehirnregionen, die den komplexen Schluckvorgang stören. Die Ausprägung der Schluckstörung kann unterschiedlich stark sein und hängt oft von der Konsistenz der Nahrung ab. Krümelige oder faserige Lebensmittel wie Kekse, Knäckebrot oder Fleisch sind besonders schwierig zu schlucken.

Lesen Sie auch: Schlaganfall und Hemiplegie

Verlauf und Folgen

In den meisten Fällen bildet sich die Schluckstörung spontan zurück, einige Betroffene benötigen jedoch therapeutische Unterstützung. In seltenen Fällen sind Betroffene dauerhaft auf eine Ernährung über eine Magensonde angewiesen. Eine akute Gefahr bei Dysphagie ist das Ersticken an zu großen Mengen geschluckter Nahrungsmittel.

Ernährungstherapie bei Hemiplegie

Die richtige Ernährung spielt eine entscheidende Rolle in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Ziel ist es, den Körper trotz möglicher Schluckstörungen ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen und das Risiko für einen weiteren Schlaganfall zu reduzieren.

Warum ist eine besondere Ernährung nötig?

Körperliche Einschränkungen nach einem Schlaganfall erfordern eine angepasste Ernährung. Diese muss nicht nur ausgewogen sein, sondern auch bedarfsgerecht zubereitet und serviert werden. Eine bewusste Ernährung kann zudem einer Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) entgegenwirken und somit einem weiteren Schlaganfall vorbeugen.

Präventive Wirkung der Ernährung

Eine ausgewogene, bewusste und abwechslungsreiche Ernährung ist ein wichtiger Faktor zur Prävention eines Schlaganfalls. Übergewicht und Diabetes sind ernstzunehmende Risikofaktoren, die durch eine gesunde Ernährung minimiert werden können. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend, um das Blut nicht zu dickflüssig werden zu lassen.

Geeignete Lebensmittel nach einem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall sollte der Konsum von Fett und Zucker reduziert werden, um Arteriosklerose zu verhindern. Bei einer Lähmung des Gesichts, der Hand oder des Armes können Essenshilfen und spezielles Essbesteck den Alltag erleichtern.

Lesen Sie auch: Behandlungskonzepte bei Hemiplegie: Was Sie wissen müssen

Für Schlaganfall-Patienten mit einer Schluckstörung ist zerkleinerte oder pürierte Kost empfehlenswert. Diese sollte leicht zu schlucken und gleichzeitig nahrhaft sein. Es ist wichtig, auf eine glatte, einheitliche Konsistenz zu achten, sofern der Schlucktherapeut keine anderen Empfehlungen gibt.

Hilfsmittel und Alltagshilfen

Um Betroffenen eine möglichst selbstständige Nahrungsaufnahme zu ermöglichen, gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln.

Essenshilfen

  • Spezielles Essbesteck: Groß genug und mit Riemen versehen, um das Greifen zu erleichtern.
  • Rutschfeste Unterlagen: Verhindern das Verrutschen des Tellers.
  • Randerhöhungen: Erleichtern das Aufnehmen der Speisen.
  • Trinkhilfen: Ermöglichen eigenständiges Trinken bei eingeschränkter Nackenbeweglichkeit oder Schluckstörung. Nasenausschnittsbecher sind besonders empfehlenswert.
  • Schneidebretter mit Fixiermöglichkeiten: Ermöglichen das Zerkleinern von Lebensmitteln mit einer Hand.

Weitere Alltagshilfen

  • VELA-Stühle: Therapiestühle mit Rollen und elektrischer Höhenverstellung, die die Mobilität und Selbstständigkeit in der Küche und im Alltag fördern.
  • Pflegebetten: Höhenverstellbare Pflegebetten erleichtern die Lagerung und Mobilisation bettlägeriger Patienten.
  • Stabile Stühle mit Rückenlehne: Bieten mehr Sicherheit als Polstermöbel.
  • Tische vor der Sitzgelegenheit: Ermöglichen das Abstützen des gelähmten Arms.
  • Hilfsmittel für Bad und Toilette: Erleichtern die Körperhygiene.

Lagerung und Pflege

Die richtige Lagerung des Patienten ist wichtig, um Spasmen zu hemmen, normale Bewegungsmuster vorzubereiten und die Wahrnehmung zu fördern. Die Bobath-Methode wird häufig angewendet, um eine bequeme und schmerzarme Lagerung zu gewährleisten und Kontrakturen, Dekubiti und Lungenentzündungen vorzubeugen.

Bei der Pflege ist besonders auf die Mundhygiene zu achten, da die gelähmte Seite oft vernachlässigt wird. Nach jeder Mahlzeit sollte eine sorgfältige Reinigung der Mundhöhle erfolgen.

Kommunikation bei Sprachstörungen

Sprachstörungen (Aphasien) sind eine große Belastung für Betroffene und ihre Angehörigen. Es ist wichtig, in kurzen, einfachen Sätzen langsam mit dem Aphasiker zu sprechen und ihn zum Sprechen anzuregen. Man sollte sich bewusst sein, dass der Betroffene durch seine Sprachstörung nicht automatisch geistig beeinträchtigt ist.

Lesen Sie auch: Alltagstipps für die Pflege von Menschen mit Hemiplegie

Die Rolle des Pflegepersonals

Das Pflegepersonal spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Hemiplegie-Patienten. Es ist wichtig, dass sie eine angenehme Umgebung schaffen, die Selbstständigkeit fördern und die individuellen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigen. Dazu gehört:

  • Das Zimmer vor dem Essen lüften, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden.
  • Den Nachttisch auf eine angenehme Höhe einstellen.
  • Dem Bewohner die Möglichkeit geben, seine Unterarme aufzulegen.
  • Hohes Geschirr auf die hintere Hälfte des Tabletts stellen.
  • Sicherstellen, dass der Bewohner vor dem Essen die Toilette benutzt hat und seine Zahnprothese trägt.
  • Den Bewohner an einen Tisch mobilisieren und ihn aufrichten.
  • Die Speisen von der weniger betroffenen Seite anbieten.
  • Dem Bewohner ausreichend Zeit zum Kauen geben.
  • Sich über bestehende Trinkmengenbeschränkungen informieren.
  • Das Esstempo des Bewohners respektieren.
  • Sich über die Speisegewohnheiten und Vorlieben des Bewohners informieren.
  • Die Temperatur der Speisen prüfen.
  • Sicherstellen, dass der Bewohner eine ausreichende Speisenmenge zu sich genommen hat.
  • Abweichungen dokumentieren.

tags: #hemiplegie #essen #und #trinken