Weiße Flecken im Gehirn: Ursachen, Symptome und Diagnoseansätze

Ein diffiziles Thema sind weiße Flecken im Gehirn. Während schon die Termini vielfältig sind, gestaltet sich die Differentialdiagnose noch umfangreicher. Es hilft jedoch Prävalenzen zu kennen und zu wissen, welche Mittel zur Diagnose einzelner Erkrankungen zur Verfügung stehen. Weiße Flecken im Gehirn, auch bekannt als White Matter Lesions (WML), White Matter Hyperintensities (WMH) oder Leukenzephalopathie, sind Bereiche im Gehirn, die auf bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) heller erscheinen als das umliegende Gewebe. Diese Läsionen sind oft altersbedingt, können aber auch auf verschiedene Erkrankungen hinweisen.

Ursachen für weiße Flecken im Gehirn

Die Ursachen für weiße Flecken im Gehirn sind vielfältig und reichen von normalen Alterungsprozessen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Hier ein Überblick über die häufigsten Ursachen:

  • Alterungsprozess: Mit zunehmendem Alter treten weiße Flecken im Gehirn häufiger auf. Die Übergänge vom normalen Altern bis hin zum Krankheitswert sind fließend. Beginnnend konfluierende Flecken können oft noch dem Alterungsprozess von Mitte Sechzigjährigen zugeordnet werden, während ein rein konfluierendes Bild pathologisch erscheint.
  • Mikroangiopathien: Dies sind Erkrankungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn. Ursachen üblicher Mikroangiopathien sind neben dem Alterungsprozess Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes Mellitus und andere vaskuläre Faktoren.
  • Hypoxisch-ischämische Vorgänge: Sauerstoffmangel oder Durchblutungsstörungen im Gehirn können ebenfalls zu weißen Flecken führen.
  • Entzündliche/Autoimmune Vorgänge: Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) sind die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Charakteristisch für die Krankheit sind klar abgegrenzte Entzündungsherde im Gehirn und im Rückenmark.
  • Toxische, infektiöse oder traumatische Vorgänge: Auch Vergiftungen, Infektionen oder Verletzungen des Gehirns können weiße Flecken verursachen.
  • Hereditäre Erkrankungen: Glücklicherweise sind hereditäre Erkrankungen als sehr selten einzustufen.
  • Neuro-Borreliose: Sogar die beständig durch die Medien geisternde Neuro-Borreliose tritt nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 100.000 auf.

Symptome im Zusammenhang mit weißen Flecken

Die Symptome, die mit weißen Flecken im Gehirn einhergehen, können je nach Ursache, Lage und Ausdehnung der Läsionen variieren. Viele Menschen mit weißen Flecken zeigen keine Symptome, insbesondere wenn die Läsionen klein sind und in Bereichen des Gehirns liegen, die nicht direkt für wichtige Funktionen verantwortlich sind. In anderen Fällen können weiße Flecken jedoch zu einer Vielzahl von neurologischen und kognitiven Beeinträchtigungen führen.

  • Kognitive Beeinträchtigungen: Weiße Flecken, insbesondere solche, die in größerem Umfang vorhanden sind, werden mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Dies kann sich in Form von Gedächtnisproblemen, Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeitsfokussierung, verlangsamter Informationsverarbeitung und Problemen bei der Entscheidungsfindung äußern.
  • Motorische Beeinträchtigungen: Weiße Flecken können auch motorische Fähigkeiten beeinträchtigen, was zu Problemen mit dem Gleichgewicht, der Koordination und der Gehfähigkeit führen kann. In einigen Fällen können sie auch zu Schwäche oder Steifheit in den Gliedmaßen führen.
  • Stimmungsstörungen: Es gibt Hinweise darauf, dass weiße Flecken mit einem erhöhten Risiko für Stimmungsstörungen wie Depressionen und Angstzustände verbunden sein können.
  • Blasenstörungen: Weiße Flecken können auch zu Blasenstörungen führen.
  • Andere Symptome: In einigen Fällen können weiße Flecken auch zu anderen Symptomen wie Sehstörungen, Sprachproblemen oder sogar epileptischen Anfällen führen.

Diagnose von weißen Flecken im Gehirn

Die Diagnose von weißen Flecken im Gehirn erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT ist ein nicht-invasives Verfahren, das detaillierte Bilder des Gehirns liefert und es Ärzten ermöglicht, weiße Flecken zu erkennen und zu beurteilen.

  • MRT-Untersuchung: Die MRT-Untersuchung des Schädels ist das wichtigste Verfahren zum Nachweis eines Gehirnabszesses.
  • CT-Untersuchung: Auch durch eine Computertomographie des Schädels (cCT) können Abszesse nachgewiesen werden. Bei unklaren Befunden kann bei beiden bildgebenden Verfahren die Gabe von Kontrastmittel in eine Vene sinnvoll sein, um eine genauere Differenzierung der Befunde zu ermöglichen. Durch diese Diagnosemethode (cMRT) mit Kontrastmittel kann der Arzt sogar Rückschlüsse auf das Abzessstadium ziehen.
  • Fazekas Score: Anhand des Fazekas Scores lassen sich Mikroangiopathien hervorragend klassifizieren.
  • Klinische Angaben: Für den Radiologen werden T2-gewichtete Bilder zur Differentialdiagnose immer wichtiger, denn mit ihrer Hilfe lassen sich Mikroblutungen detektieren. Auch helfen kontrastverstärkte Bilder, Tumore, Metastasen und Entzündungsmuster leichter zu diagnostizieren. Für Erkrankungen wie die Multiple Sklerose sind die ergänzende MRT-Untersuchung des Rückenmarks und MRT-Kontrollen des Schädels zentrale Punkte des Erkenntnisgewinns.
  • Anamnese: Eine dreißigjährige Patientin wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unter einer Mikroangiopathie leiden. Die Kommunikation mit den Zuweisern ist daher unglaublich wichtig. Wir sind auf die Anamnese, auf Ergebnisse der klinischen Untersuchung und Werte aus Blut und Liquor angewiesen, um eine adäquate Diagnose vornehmen zu können.
  • Weitere Untersuchungen: Ergänzend erfolgen Blutuntersuchungen. Hierbei können Entzündungsparameter, wie beispielsweise das sogenannte C-reaktive Protein (CRP), bestimmt werden. In 60 bis 90 Prozent der Fälle findet sich eine Erhöhung dieses Wertes. Prinzipiell lässt sich auch der Krankheitserreger nachweisen. Die Erregeridentifikation geschieht durch eine Blutkultur oder eine direkte Entnahme von Abszessinhalt. Beide Nachweismethoden liefern jedoch kein hundertprozentig sicheres Ergebnis - weder wenn sie "positiv" noch "negativ" ausfallen.

Behandlung von weißen Flecken im Gehirn

Die Behandlung von weißen Flecken im Gehirn richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. In vielen Fällen ist keine spezifische Behandlung erforderlich, insbesondere wenn die Läsionen klein sind und keine Symptome verursachen. Bei bestimmten Erkrankungen können jedoch Medikamente oder andere Therapien eingesetzt werden, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder die Symptome zu lindern.

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  • Behandlung von Mikroangiopathien: Bei Mikroangiopathien ist es wichtig, die Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes Mellitus und Rauchen zu behandeln.
  • Behandlung von Multipler Sklerose: Die Multiple Sklerose ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Erscheinungsbildern - und entsprechend individuell ist die Therapie. Sie setzt an verschiedenen Ebenen an. Damit die Beschwerden bei einem Schub schneller abklingen, hilft zunächst Cortison als Infusion oder Tablette. Auch ist wichtig, wie gut Betroffene Cortison bei vorherigen Behandlungen vertragen haben und wie wirksam es war. Berücksichtigt werden zudem Begleiterkrankungen und ob es Gründe gibt, die im Einzelfall gegen den Einsatz von Cortison sprechen.
  • Immuntherapie: Einfluss auf den Langzeitverlauf der Multiplen Sklerose nimmt man mit einer sogenannten Immuntherapie. Hier hat es in den vergangenen zehn Jahren große Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten gegeben. Die Immuntherapie beeinflusst bei MS das fehlgesteuerte Immunsystem, indem sie dieses verändert (immunmodulierend) oder dämpft (immunsuppressiv). Am wirksamsten sind speziell entwickelte Antikörper. Sie verhindern das Eindringen von bestimmten Immunzellen ins Gehirn oder reduzieren ihre Konzentration im Blut. Dadurch können diese Zellen keine Entzündungen mehr auslösen.
  • Weitere Maßnahmen: Im täglichen Leben gibt es einiges, dass die Multiple Sklerose günstig beeinflussen kann. Ein wesentliches Element ist regelmäßige körperliche Aktivität. Ein Spaziergang oder eine Wanderung, eine Fahrradtour oder ähnliche Aktivitäten im Freien haben außerdem gleich mehrere positive Effekte: Man bewegt sich und kann schon durch kurzen, aber regelmäßigen Aufenthalt in der Sonne etwas gegen einen Vitamin-D-Mangel tun. Aber auch gezieltes Training ist wichtig. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) bietet weitergehende Informationen zu MS und Sport sowie ein spezielles MS-Funktionstraining an. Ein weiterer wichtiger Baustein, den jeder selbst in der Hand hat, ist die Umstellung auf eine gesunde Ernährung. Selbst zubereitete Mischkost mit viel Obst und Gemüse, Fisch und Vollkornprodukten, aber wenig Zucker und Salz, tierischen Fetten und Zusatzstoffen (wie in verarbeiteten Lebensmitteln) hat positive Effekte. Zudem sollten Menschen mit Multipler Sklerose nicht rauchen. Rauchen ist ein Risikofaktor und die Betroffenen sollten alles daran setzen, die Nikotinsucht zu überwinden. Wer es allein nicht schafft, findet Unterstützung: Viele Krankenkassen haben Angebote zur Raucherentwöhnung, z.B. „Nichtrauchertrainings“.

Multiple Sklerose (MS) als Ursache für weiße Flecken

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden angreift, die die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark umhüllen. Diese Schädigung der Myelinscheiden führt zu Entzündungen und Narbenbildung (Sklerose), was die Übertragung von Nervenimpulsen beeinträchtigen kann. Die MS kann verschiedene Symptome verursachen, darunter Gefühlsstörungen, Lähmungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen sowie Müdigkeit (Fatigue).

  • Ursachen: Die genauen Ursachen der MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
  • Diagnose: Die Diagnose der MS basiert auf dem Nachweis von Entzündungsherden an mehreren Stellen im Gehirn oder Rückenmark. Hierfür wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt. Weitere wichtige Untersuchungen zur Bestätigung einer MS-Diagnose sind die Untersuchung des Nervenwassers mittels einer Lumbalpunktion sowie Messungen von Sehnerven (VEP) und Nervenbahnen (SEP).
  • Therapie: Es gibt keine Heilung für MS, aber es gibt verschiedene Therapieoptionen, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen und die Symptome lindern können. Dazu gehören Medikamente, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.

Enzephalitis (Gehirnentzündung) als Ursache für weiße Flecken

Eine Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die in den meisten Fällen von Viren ausgelöst wird. Daneben gibt es die autoimmune Enzephalitis, bei der das Immunsystem Antikörper bildet, die die Gehirnzellen angreifen und schädigen. Eine Enzephalitis kann zu Bewusstseinsstörungen, Verhaltens- und Wesensveränderungen führen. Zudem ist es möglich, dass einzelne Gehirnfunktionen ausfallen und epileptische Anfälle auftreten.

  • Ursachen: Die häufigste Ursache für eine Enzephalitis sind Viren. Dazu gehören Herpes-simplex-Viren, Enteroviren, Epstein-Barr-Viren, Cytomegalieviren, Varizella-Zoster-Viren, Parechoviren, Influenzaviren und Arboviren.
  • Diagnose: Um den Erreger näher einzugrenzen, stellen Ärztinnen und Ärzte zunächst einige Fragen, unter anderem zum Gesundheitszustand, zu benötigten Medikamenten, zu vorhandenen Impfungen und zu kürzlichen Reisen. Symptome wie Hautausschläge, Lymphknotenschwellungen, Gedächtnis- und Sprachstörungen oder bestimmte Bewegungsstörungen können Hinweise auf den Erreger geben. Mit einer Computer- (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich Schichtaufnahmen des Gehirns machen und so Entzündungen nachweisen. Die Stelle im Gehirn, an der die Entzündungsherde auftreten, kann unter Umständen einen Hinweis auf den Auslöser liefern.
  • Therapie: Für viele virusbedingte Gehirnentzündungen gibt es keine spezielle Therapie, die gezielt die Ursache bekämpft. Die Behandlung beschränkt sich in diesen Fällen auf symptomlindernde Maßnahmen. Eine Ausnahme bildet die Enzephalitis, die durch Herpes-simplex-Viren verursacht wird. Diese Form kann unbehandelt schwere Folgen haben. Mit der frühen Gabe des Medikaments Aciclovir lassen sich Spätfolgen verhindern.

Hirnabszess als Ursache für weiße Flecken

Ein Abszess im Gehirn ist eine örtlich umschriebene (lokale) Entzündungsreaktion im Gehirn. Durch das Eindringen von Krankheitserregern in das Gehirn kommt es zunächst zu einer Entzündung im Gewebe (fokale Enzephalitis). Im weiteren Verlauf kann die Entzündung zu einer Eiteransammlung in einer durch Bindegewebe gebildeten Kapsel führen. Diese neu enstandenen, eitergefüllten Hohlräume werden als Abszesse bezeichnet.

  • Ursachen: Zu einem Hirnabszess kommt es, wenn Krankheitserreger in das Gehirn eindringen. Meist geschieht dies über den Blutweg oder von nahegelegenen Infektionesherden (Nachbarschaftsprozesse). Meistens stellen Bakterien die Ursache dar. Streptokokken, Bacteroides- und Pseudomonas-Arten zählen zu den häufigsten Erregern.
  • Diagnose: Das wichtigste Verfahren zum Nachweis eines Gehirnabszesses stellt die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) des Schädels dar. Auch durch eine Computertomographie des Schädels (cCT) können Abszesse nachgewiesen werden. Ergänzend erfolgen Blutuntersuchungen. Hierbei können Entzündungsparameter, wie beispielsweise das sogenannte C-reaktive Protein (CRP), bestimmt werden.
  • Therapie: Steht fest, dass es sich um einen Gehirnabszess handelt, bekommt der Patient im Normalfall über mehrere Wochen (in der Regel vier bis acht Wochen) Antibiotika verabreicht, die den auslösenden Krankheitserreger abtöten sollen. Zusätzlich erfolgt meist ein neurochirurgischer Eingriff, am häufigsten die sogenannte Abszess-Aspiration. Der Operateur saugt dabei durch eine Öffnung in der Schädeldecke die Eiterflüssigkeit ab.

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