Der Hericium erinaceus, hierzulande meist unter seinem wissenschaftlichen Namen vertriebene Igelstachelbart, auch bekannt als Löwenmähne oder Affenkopfpilz, ist ein bemerkenswerter Vitalpilz mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Sein ungewöhnliches Aussehen, mit dem weißen Hut, der in zahlreiche weißliche Fasern aufgetrennt ist, verleiht ihm seine vielen von Tieren stammenden Namen: „Löwenmähne“, „Igel-Stachelbart“ und „Affenkopfpilz“. In Frankreich wird dieser nämlich als „Pom-pom blanc“, also als weißer Bommel, bezeichnet. Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Hericium Kapseln, insbesondere im Hinblick auf Neuropathie, sowie weitere positive Effekte und Anwendungsmöglichkeiten.
Was ist Hericium erinaceus?
Der Igelstachelbart wächst als Parasit bei hoher Luftfeuchtigkeit auf dem abgestorbenen Holz von alten Laubbäumen. In unseren Breiten ist er allerdings nur selten anzutreffen. Die Löwenmähne wächst an absterbenden oder toten Laubbäumen und ist in der gesamten nördlichen Hemisphäre verbreitet. Mittlerweile wird der Pilz vor allem in Japan und China, wo er deutlich bekannter ist als in Europa, vermehrt kultiviert. Aufgrund seiner hohen Anforderungen an seine Umgebung, ist es mühsam, ihn in der Natur in größeren Mengen für den Handel zu finden und zu sammeln - zumal die Nachfrage kontinuierlich steigt.
Einer Legende zu Folge vertrieb der Affenkönig ein Paar aus seiner Sippe, das daraufhin in den Bäumen Schutz vor Angriffen anderer Tiere suchte. In früheren Zeiten galt der Pilz im Reich der Mitte als Kostbarkeit, mit der man den Kaisern an Stelle von Gold als Tribut geben konnte.
Inhaltsstoffe und ihre Bedeutung
Der Fruchtkörper der Löwenmähne, also der weiße sichtbare Pilzkopf, als auch das Myzel sind reich an Proteinen, Aminosäuren, Mineralien, Vitaminen und bioaktiven Stoffen. In größeren Mengen wurden vor allem die Aminosäuren L-Alanin mit 2.43 mg/g und L-Leucin mit 2.38 mg/g sowie die Mineralstoffe Kalium und Phosphor mit 254 bzw. Die spezifischen Polysaccharide des Pilzes sind für die meisten positiven Wirkungen der Löwenmähne verantwortlich. Vor allem die in der Löwenmähne enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe Hericenon und Erinacin scheinen für die positive Wirkung auf das Nervensystem sowie auf die kognitive Leistungsfähigkeit verantwortlich zu sein. Dabei spielt der Nervenwachstumsfaktor NGF eine bedeutende Rolle.
Der Pilz enthält den pflanzlichen Lipidsenker Lovastatin, der auch als Medikament zugelassen ist.
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Hericium und das Nervensystem
Ein besonderer Fokus der Forschung liegt auf der Fähigkeit von Hericium erinaceus, das Nervenwachstumsfaktor-Protein (NGF) zu stimulieren - ein zentraler Faktor für die Regeneration von Nervenzellen und die Plastizität des Gehirns. Löwenmähne kann den Nervenwachstumsfaktor NGF stimulieren. Außerdem kann der Pilz in Zellkultur die Myelinisierung von Nervenzellen fördern. Myelin ist eine isolierende Schutzschicht, die Nervenzellen umgibt. Daher ist Löwenmähne bei neurodegenerativen Erkrankungen interessant.
Im Laborversuch konnte er die Bildung von Myelin anregen. Hierbei handelt es sich um die Isolierung der Nerven. Diesen Effekt verdankt er einem besonderen Inhaltsstoff, dem Erinacin, einem Diterpenoid. So erklärt man seinen therapieunterstüzenden Nutzen nach einem Schlaganfall oder bei Nervenschäden sowie bei Parkinson, Demenz, Schlafstörungen, innerer Unruhe, Ängsten und Depression. Auch bei entsprechenden Beschwerden in den Wechseljahren hat er sich bewährt.
Studienlage zur Wirkung auf kognitive Funktionen
Der positive Effekt der Löwenmähne auf Nervensystem und kognitive Funktionen konnte bereits in einigen Studien an Menschen nachgewiesen werden. Man konnte erkennen, dass die kognitive Leistungsfähigkeit mit der Dauer der Einnahme anstieg, nach Beendigung der Einnahme jedoch wieder absank. Für eine dauerhaft bessere Gehirnleistung scheint daher eine regelmäßige Einnahme des Pilzes notwendig zu sein.
Tierstudien zeigen, dass die Löwenmähne und darin enthaltene Extrakte die Symptome des Gedächtnisverlusts bei Mäusen reduzieren und neuronale Schäden verhindern kann, die durch Alzheimer-Plaques verursacht werden.
Einfluss auf Depressionen und Angstzustände
Die Entstehung von Depressionen und Ängsten kann durch viele Faktoren begünstigt werden - chronische Entzündungen, eine eingeschränkte Neuroplastizität sowie ein Mangel an Neurotransmittern sind ein paar davon. So zeigte eine Studie an 30 Frauen in den Wechseljahren, dass der tägliche Verzehr von Keksen, die den Pilz enthielten, zu weniger depressiven Symptomen und Angstgefühlen führte als Placebo-Kekse. Auch eine italienische Studie aus dem Jahr 2019 mit übergewichtigen und fettleibigen Menschen zeigte, dass die Löwenmähne Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen verbesserte.
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Hericium und der Magen-Darm-Trakt
Klinischen Studien zu Folge kann man den Hericium zur Behandlung von Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt wie Sodbrennen, Reizmagen, Magengeschwüre, Reizdarm, Leaky Gut Syndrom oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einsetzen. Aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften kann er auch das Wachstum von Helicobacter pylori hemmen, einem Bakterium, das für Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) verantwortlich sein kann. Zusätzlich lindert er Aufstoßen und Völlegefühl. Die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln kann unter seinem Einfluss verbessert werden.
Mehrere Studien belegen, dass sich die Löwenmähne positiv auf das Verdauungssystem auswirken kann. So kann der Pilz etwa dabei helfen, Magengeschwüre zu verhindern. So zeigte etwa eine 2016 veröffentlichte norwegische Studie an Patienten mit Colitis ulcerosa, dass das Arzneimittel AndoSan, das zu 15 % aus Löwenmähnen-Extrakt besteht, nach drei Wochen zu einer Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität führte. Die positive Wirkung von AndoSan auf entzündliche Darmerkrankungen scheint auf das Zusammenspiel der drei darin enthaltenen Pilze zurückzuführen zu sein.
Für die körperliche und psychische Gesundheit unerlässlich ist eine gesunde Darmflora. Diese kann etwa durch eine nährstoffreiche Ernährung mit vielen Ballaststoffen, durch präbiotische Lebensmittel oder Omega-3-Fettsäuren gefördert werden. Bei den 13 Teilnehmern handelte es sich um gesunde Erwachsene, die sieben Tage lang dreimal täglich 1 g Löwenmähnen-Pulver einnehmen sollten. Es stellte sich heraus, dass der Pilz die Alpha-Diversität, also die Artenvielfalt der Bakterien in der Darmflora, als auch die Häufigkeit einiger Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, erhöhte. Gleichzeitig führte die Einnahme des Pilzes in der Studie zu einer Reduktion von Darmbakterien, die mit der Entstehung von Krankheiten in Verbindung gebracht werden.
Immunmodulierende Wirkung
Löwenmähne scheint, wie andere Vitalpilze, eine immunmodulierende Wirkung zu haben. Dies ist auf die enthaltenen β-Glucane zurückzuführen. Für ein starkes Immunsystem ist ein gesunder Darm essentiell - denn 80 % der Immunzellen befinden sich in der Darmschleimhaut.
Weitere potenzielle Anwendungsgebiete
- Krebs: Darüber hinaus konnte ein positiver Effekt bei Krebserkrankungen des Magens, der Speiseröhre, des Dickdarms oder der Bauchspeicheldrüse nachgewiesen werden.
- Herz-Kreislauf-System: Zusätzlich kann Hericium erhöhte Blutfettwerte senken und vor oxidativem Stress schützen. Auch die Gesundheitsrisiken, die mit Fettleibigkeit einhergehen, konnten durch den Pilz reduziert werden. Der Extrakt der Löwenmähne kann sich überdies positiv auf einige der wichtigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen auswirken. Zellstudien ergaben außerdem, dass Löwenmähnen-Extrakt dazu beitragen kann, die Oxidation des LDL-Cholesterins im Blutkreislauf zu verhindern.
- Blutzucker: Ein Erklärungsansatz für die blutzuckersenkende Wirkung besteht darin, dass die Löwenmähne die Aktivität des Enzyms Alpha-Glucosidase blockiert. Das Enzym baut Kohlenhydrate im Dünndarm ab, ähnlich wie das bei Alpha-Glucosidase-Hemmern der Fall ist, die als Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden.
Hörverlust
Eine Hörschädigung kann viele Ursachen haben. So können etwa Lärm, eine ototoxische bzw. Bei altersbedingter Hörschädigung, die etwa ab 50 Jahren einsetzt, spielen übermäßige Schäden durch reaktive Sauerstoffspezies eine wichtige Rolle. Taiwanesische Forscher veröffentlichten im Jahr 2022 eine randomisierte, kontrollierte Studie, in der sie herausfanden, dass die Löwenmähne vor allem durch seine antioxidative Wirkung in der Lage ist, den Hörverlust bei Menschen zwischen 50 und 79 Jahre zu verbessern. Auch die Serumkonzentration des neurotrophen Faktors NGF erhöhte sich bei Menschen über 65 Jahren signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe, während der neurotrophe Faktor BDNF tendenziell anstieg.
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Darreichungsformen und Dosierung
Die Form der Einnahme variiert - beliebt sind Kapseln oder Tabletten mit standardisiertem Extrakt (z. B. 30 % Polysaccharide), da sie eine genaue Dosierung ermöglichen. Bei Löwenmähnen-Kapseln gibt es Unterschiede: Es gibt Kapseln, die entweder Pulver aus dem Fruchtkörper, Pulver aus dem Myzel oder eine Mischung aus beiden Pulverarten enthalten und es gibt Kapseln, die einen Pilzextrakt enthalten. Die meisten Kapseln, die es zu kaufen gibt, enthalten jedoch das Fruchtkörperpulver oder beide Teile des Pilzes. Kapseln mit dem reinen Myzel erhalten Sie z. B. von der Firma "Suplementos Zeus". Das Nahrungsergänzungsmittel Micotherapy Hericium besteht zu 80 % aus Myzelien der Löwenmähne und zu 20 % aus dem Extrakt des Fruchtkörpers. Sie können Micotherapy Hericium online kaufen.
Für die Löwenmähne gibt es keine Standarddosierung, die für alle Menschen gilt. Die Dosierung ist abhängig von Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand oder anderen Medikamenten, die eingenommen werden. Um die kognitive Funktion zu verbessern, empfehlen Forscher 3-5 g des getrockneten Fruchtkörpers pro Tag einzunehmen. In der oben beschriebenen Studie verbesserten sich die kognitiven Funktionen etwa bei der Einnahme von dreimal täglich vier 250 mg-Tabletten, also insgesamt 3 g pro Tag. Drei 400-mg-Kapseln des Nahrungsergänzungsmittels Micotherapy Hericium täglich, das über acht Wochen eingenommen wurde, konnte Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen signifikant verbessern.
Um den Verdauungstrakt langsam an die typischen Inhaltsstoffe von Vitalpilzen zu gewöhnen empfiehlt es sich mit einer kleinen Menge des Hericium (1 Kapsel pro Tag) zu starten, und dann pro Woche eine Steigerung von 1 Kapsel, bis die empfohlene Tagesdosis erreicht ist.
Zubereitung und Geschmack
Der wohlschmeckende Speisepilz ist dank seiner zahlreichen, unterschiedlichen Aromastoffe eine Delikatesse. Der Geschmack des Pilzes wird als hummerähnlich beschrieben, weshalb er als Fleischersatz verwendet werden kann sowie als leckere Zutat für Risotto, Pasta oder Suppe dienen kann. In Form von Pulver kann die Löwenmähne auch in heißes Wasser, Tee, Kaffee, Eistee, Smoothies oder auch in eine Goldene Milch gemischt sowie den verschiedensten Speisen untergerührt werden.
Forscher sind der Meinung, dass die Löwenmähne am besten frisch verzehrt werden sollte, da durch die Verarbeitung und die Erhitzung des Pilzes, die die Haltbarkeit verlängern soll, die positive Wirkung auf das Nervensystem beeinträchtigt wird. Frische Löwenmähne ist etwa in Deutschland nicht im Supermarkt um die Ecke zu finden, sondern wird lediglich in Spezialitätengeschäften oder online angeboten. Da der Pilz im Vergleich zu anderen Pilzarten sehr langsam wächst, ist er jedoch nicht gerade günstig. Mit ein bisschen Geduld können Sie den Pilz aber auch selbst züchten.
Rezeptvorschlag:
- Spülen Sie die Löwenmähne vorsichtig ab und schneiden Sie den Pilz anschließend in gleichmäßige Scheiben.
- Legen Sie die Pilzstücke zusammen mit etwas frischem oder getrocknetem Rosmarin und Thymian in die Pfanne und drücken Sie die Knoblauchzehen dazu.
Die Löwenmähne kann ganzjährig im Haus oder im Gewächshaus gezüchtet werden. Allerdings ist die Zucht des Pilzes nicht ganz einfach, da er spezielle Anforderungen an Luftfeuchtigkeit und Temperatur stellt. Die weißen Fruchtkörper vertragen außerdem nicht allzu viel Licht. Um die Löwenmähne zu züchten, brauchen Sie das Pilzmyzel, das Sie online kaufen können und in einem Block aus Substrat erhalten. Nach dieser Aktivierungsphase reifen die weißen Fruchtkörper. Nun braucht die Löwenmähne mehr Wärme. Die Temperaturen sollten zwischen 18 und 24 Grad Celsius liegen.
Qualität und Bezugsquellen
Bei Vitalpilzen gibt es sehr große Qualitätsunterschiede und Du solltest unbedingt auf gute Qualität achten. Hochwertige Vitalpilze sind natürlich auch etwas teurer als x-beliebige Produkte auf Amazon. Viktilabs setzt bei Löwenmähne auf höchste Qualität: Der Vitalpilz ist Laborgeprüft, ohne unnötige Zusatzstoffe und in Deutschland entwickelt. Die Klösterl-Apotheke verarbeitet eine Vielzahl hochqualitativer Pflanzenrohstoffe, an die wir hohe Anforderungen bezüglich Reinheit, Gehalt an wirkbestimmenden Inhaltsstoffen und Qualität stellen. Aus diesen Rohstoffen stellen wir die unterschiedlichsten Rezepturen her, u.a. in Form von Kapseln, Lösungen, Teemischungen und Salben.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Die Löwenmähne scheint Studien zufolge nur selten und wenige Nebenwirkungen zu haben. In einer weiteren bereits erwähnten Studie über die Wirkung der Löwenmähne bei Alzheimer berichteten lediglich vier von 68 Teilnehmern von Bauchbeschwerden, Übelkeit und Hautausschlag. In Tierstudien konnte gezeigt werden, dass unerwünschte Wirkungen selbst bei hohen Dosen von bis zu 5 g pro kg Körpergewicht und Tag über einen Monat ausblieben. Wer jedoch allergisch auf Pilze reagiert, sollte die Löwenmähne meiden.
Der Pilz enthält den pflanzlichen Lipidsenker Lovastatin, der auch als Medikament zugelassen ist. Daraus können sich Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten ergeben. Achten Sie jedoch bei der Einnahme der Löwenmähne darauf, dass diese mit anderen Mitteln, die zur Behandlung von Diabetes eingenommen werden, interagieren können und unter Umständen zu einem zu niedrigen Blutzucker führen kann.
Fazit
Die Löwenmähne gilt als vielversprechender Naturstoff mit Potenzial zur mentalen Gesundheit, Nervenregeneration und Verdauungsausgleich. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahrzehnte bestätigen die positive Wirkung dieses Heilpilzes. So sollen bestimmte darin enthaltene Stoffe etwa gegen Krebs und Bluthochdruck wirken sowie bei Nervenerkrankungen helfen (1). Wie bei allen naturbasierten Substanzen hängen Wirkung und Verträglichkeit von verschiedenen Faktoren ab - darunter Qualität, Dauer der Anwendung und individuelle Voraussetzungen. Es ist ratsam, vor der Einnahme von Hericium-Präparaten einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren, um mögliche Wechselwirkungen und die individuelle Eignung abzuklären.
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