Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine Viruserkrankung, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird, demselben Virus, das auch Windpocken auslöst. Nach einer Windpockenerkrankung verbleibt das Virus inaktiv in den Nervenzellen des Körpers und kann Jahre später reaktiviert werden, was zu Gürtelrose führt. Ein charakteristisches Merkmal der Gürtelrose ist ein meist streifenförmiger Hautausschlag mit Bläschen, der oft mit starken Schmerzen verbunden ist. Obwohl die Gürtelrose in der Regel nach einigen Wochen abheilt, können bei manchen Menschen die Schmerzen über Monate oder sogar Jahre anhalten. Dieser Zustand wird als Post-Zoster-Neuralgie (PZN) bezeichnet.
Was ist Gürtelrose?
Bei Gürtelrose (Herpes zoster) handelt es sich um einen meist streifenförmigen Hautausschlag mit Bläschen, der oftmals sehr schmerzhaft ist. Er wird durch die gleichen Viren ausgelöst, die auch Windpocken (Varizellen) verursachen: die sogenannten Varizella-Zoster-Viren. Von ihnen leitet sich auch der medizinische Name Herpes zoster ab. Nach einer Infektion mit Windpocken verbleiben die ursächlichen Viren im Körper. Sie können viele Jahre später wieder aktiv werden und zu einer Gürtelrose führen. Als auslösender Faktor ist häufig ein geschwächtes Immunsystem verantwortlich.
Vorkommen
Generell ist davon auszugehen, dass etwa zwei von zehn Personen, die an Windpocken erkrankt waren, im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose bekommen werden. Davon betroffen sind überwiegend Menschen im Alter über 50 Jahren. Denn das Risiko für eine Gürtelrose erhöht sich mit zunehmendem Alter. Grund dafür ist, dass auch unser Immunsystem in die Jahre kommt, das heißt es wird schwächer.
In Deutschland erkranken jährlich im Durchschnitt etwa 300.000 Menschen an Herpes zoster. 5 Prozent der Patienten entwickeln eine Postherpetische Neuralgie, bei der über Wochen Nervenschmerzen bestehen.
Ursachen
Wie eingangs bereits erwähnt, bleiben die Varizella-Zoster-Viren all jenen „treu“, die einmal an Windpocken erkrankt waren; und zwar das ganze Leben lang, meist ohne dass man davon etwas spürt. Das gelingt den Viren, indem sie sich unbemerkt in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven einnisten.
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Wenn das Immunsystem zum Beispiel durch eine Erkrankung, starken Stress oder auch altersbedingt geschwächt ist, können die Viren erneut aktiv werden und sich vermehren. Sie wandern dann am betroffenen Nerv (das heißt dort wo sie bislang ausgeharrt haben) entlang in die Haut.
Durch die Vermehrung der Viren in den Hautzellen kommt es dann zu einer Entzündung und dem für die Gürtelrose typischen Hautausschlag. Die Entzündung des Nervs führt dazu, dass die von ihm versorgten Hautbereiche schmerzen - mitunter sehr stark.
Symptome
In dem Zeitraum, bevor sich der Hautausschlag ausbildet und sichtbar wird, fühlen sich die Betroffenen in der Regel sehr abgeschlagen und müde. Es kann in dieser Phase auch zu leichtem Fieber kommen. Möglich ist zudem ein Kribbeln unter der Haut.
Nach diesem Anfangsstadium treten dann nach zwei bis drei Tagen die für die Gürtelrose typischen Beschwerden auf: brennende oder stechende Schmerzen in dem betroffenen Bereich, gefolgt von leichten Hautrötungen mit kleinen Knötchen. Der Schmerz kann mittelstark bis stark sein.
Aus den Knötchen entwickeln sich innerhalb weniger Stunden kleine Bläschen, die jucken können. Dieses Stadium hält bis zu fünf Tage an. Danach trocknen die Bläschen innerhalb von zwei bis zehn Tagen aus und es bilden sich oft gelbliche Krusten.
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Insgesamt dauert es zwei bis vier Wochen, bis die meist sehr unangenehmen und schmerzhaften Hautveränderungen wieder komplett verschwunden sind.
Der bei Herpes zoster auftretende Hautausschlag hat einen ganz charakteristischen Verlauf. Er tritt einseitig überwiegend im Rumpf- oder Brustkorbbereich auf und zieht sich streifenförmig über die betroffene Körperhälfte. Daher hat diese Erkrankung auch die Bezeichnung „Gürtelrose“ erhalten.
Der Hautausschlag kann bei einigen Patienten auch größere Bereiche betreffen. Und er kann sich außer an Rumpf und Brustkorb auch anderswo am Körper einstellen - so zum Beispiel auf den Armen, am Kopf oder im Gesicht. Mitunter sind dann auch Augen oder Ohren von dem Ausschlag betroffen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass sich die Bläschen außerhalb der ursprünglich betroffenen Hautstelle bilden.
Krankheitsverlauf
Bei einem normalen Verlauf ohne Komplikationen dauert es bei Erwachsenen zwei bis vier Wochen, bis eine Gürtelrose abgeheilt ist. Bei Kindern und jungen Menschen verläuft die Erkrankung im Allgemeinen unkompliziert.
In der Regel erkrankt man nur einmal im Leben an Herpes zoster, allerdings sind auch wiederkehrende Erkrankungen möglich. Man geht davon aus, dass bei gesunden Personen die Wahrscheinlichkeit bei unter 2 Prozent liegt, innerhalb der nächsten 2 Jahre erneut an Gürtelrose zu erkranken. Nach acht Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit bei sechs Prozent.
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Sehr selten kann es vorkommen, dass sich die Bläschen des Ausschlags auf benachbarte Hautbereiche oder sogar über den gesamten Körper ausbreiten. Dies kann bei Menschen passieren, deren Immunsystem sehr geschwächt ist. Das trifft beispielsweise für Patienten mit einer schweren Erkrankung wie Krebs oder Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome) zu. Für sie kann eine Gürtelrose lebensbedrohlich werden.
Folgeerkrankungen
Wenn die juckenden Bläschen aufgekratzt werden, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen. Dann können an diesen Stellen dauerhaft Narben zurückbleiben.
Weitere Folgen einer Gürtelrose können auch eine Überempfindlichkeit der Haut oder Pigmentstörungen sein. Bei einer solchen Pigmentstörung ist die Haut an den betroffenen Stellen blasser oder dunkler als die umliegende Haut.
Tritt die Gürtelrose im Gesicht auf, kann sie auf das Auge übergreifen und dort eine Hornhautentzündung verursachen. Sind die Hör- und Gesichtsnerven betroffen, kann es auch zu einer Hörminderung oder zu Lähmungen im Gesicht kommen. Diese Beschwerden verschwinden jedoch glücklicherweise nach dem Abheilen der Gürtelrose wieder.
Post-Zoster-Neuralgie (PZN)
Die Post-Zoster-Neuralgie ist eine der häufigsten Komplikationen der Gürtelrose. Sie ist definiert als das Anhalten von Schmerzen im Bereich des ursprünglichen Hautausschlags für mehr als drei Monate nach Abheilung der Gürtelrose. Die Schmerzen können dabei sehr unterschiedlich sein:
- Dauer und Art der Schmerzen: Anhaltende brennende oder bohrende Schmerzen, plötzlich einschießende Schmerzen.
- Empfindlichkeit: Heftige Schmerzen bei Berührung, Missempfindungen wie Juckreiz oder Taubheitsgefühle.
- Ausbreitung: Der Schmerz kann intensiver werden und sich über die Stellen des ursprünglichen Ausschlags ausbreiten.
Die Haut ist an diesen Stellen überempfindlich und jede Berührung schmerzhaft. Menschen mit einer Post-Zoster-Neuralgie haben häufig Probleme, diese Hautregionen zu waschen, sich im Bett zu drehen oder sich zu umarmen.
Ursachen der Post-Zoster-Neuralgie
Einige Varicella-Zoster-Viren überdauern nach einer akuten Windpocken-Infektion in bestimmten Nervenknoten (Ganglien) im Gehirn und Rückenmark. Ein intaktes Immunsystem hält die Viren in Schach. Wird es durch bestimmte Erkrankungen, Medikamente oder zunehmendes Lebensalter geschwächt, können die Viren aktiv werden und sich vermehren. Sie wandern entlang der Nervenbahnen in die Haut und schädigen mitunter die Nervenzellen.
Bei der akuten Gürtelrose verursachen vor allem die entzündlichen Verletzungen der Nervenstrukturen die Schmerzen. Diese Nervenstrukturen können geschädigt werden und vernarben. Die Folge: Nach der Krankheitsphase kommt es zu einem gestörten Schmerzempfinden mit den Symptomen einer Post-Zoster-Neuralgie.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer PZN
Das Risiko, an einer Post-Zoster-Neuralgie zu erkranken, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Während das Risiko bei den 55- bis 59-Jährigen bei 30 Prozent der Herpes-Zoster-Fälle liegt, bleiben die Schmerzen bei der Hälfte der Betroffenen über 60 Jahren länger bestehen und sogar bei zwei Dritteln der über 70-Jährigen.
- Geschlecht: Frauen trifft es häufiger als Männer.
- Betroffene Körperstelle: Das Risiko ist nach einer Gürtelrose im Gesicht und an den Augen sowie am Steißbein erhöht.
- Starke Schmerzen: Wenn die Betroffenen bereits zu Beginn der Gürtelrose - teilweise noch vor dem Ausschlag - starke Schmerzen haben, steigt das Risiko.
- Immunschwäche: Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko.
Diagnose der Post-Zoster-Neuralgie
Um eine Post-Zoster-Neuralgie zu diagnostizieren, ist die Krankengeschichte wichtig. Wie lange dauern die Schmerzen bereits an? Hatten Sie vor einigen Wochen oder Monaten an der entsprechenden Stelle bereits einen schmerzhaften Hautausschlag - eine Gürtelrose? Auch Fragen nach dem Impfstatus sowie nach der Intensität der Schmerzen gehen in eine Diagnose von Arzt oder Ärztin ein.
Eventuell erhalten Sie einen standardisierten Fragebogen, in dem Sie die Schmerzen mittels einer Skala einschätzen. Anschließend untersucht die medizinische Fachperson das betroffene Hautareal nach Rötungen, Pusteln oder Narben und prüft, wie berührungsempfindlich die Haut ist. In unklaren Fällen ermittelt Arzt oder die Ärztin mithilfe einer Blutuntersuchung die Entzündungswerte und eventuell spezielle Antikörper gegen das Varicella-Zoster-Virus. Wenn noch andere Ursachen für die Nervenschmerzen in Frage kommen, erhalten Sie eine Überweisung in eine Fachpraxis für Neurologie.
Im Idealfall waren Sie bereits mit der Gürtelrose in ärztlicher Behandlung, was die Diagnose erleichtert. Mit einer Behandlung der Gürtelrose kann sich das Risiko für eine Post-Zoster-Neuralgie und andere Komplikationen verringern.
Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie
Bei einer Post-Zoster-Neuralgie zielt die Therapie darauf ab, die Schmerzen zu lindern, Missempfindungen zu unterdrücken und die Lebensqualität zu verbessern. In vielen Fällen werden die Symptome mit der Zeit schwächer. Es kann aber auch zu einem chronischen Verlauf kommen, bei dem die Beschwerden zwar nachlassen, aber immer wieder auftreten.
Die Behandlung richtet sich danach, wie schwer die Symptome sind. Es kann sein, dass Sie nach ärztlicher Rücksprache mehrere Wirkstoffe und Dosierungen ausprobieren müssen, bis Sie die passende Post-Zoster-Neuralgie-Therapie finden. Dabei gibt es unterschiedlichen Wirkstoffe:
- Schmerzpflaster: Schmerzpflaster wirken gezielt an den betroffenen Stellen.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva sind Medikamente gegen Krampfanfälle, die die Nervenzellen weniger erregbar machen und sich seit Jahren in der Schmerztherapie bewährt haben.
- Antidepressiva: Antidepressiva verhindern unter anderem, dass Schmerzsignale im Rückenmark weitergeleitet werden.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können einzeln oder mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden und die Schmerzen dämpfen.
- Nervenblockaden: Eine neuere Therapieoption für schwer zu behandelnde Schmerzen sind sogenannte Nervenblockaden, bei denen bestimmte Nerven mit lokal angewendeten Betäubungsmitteln oder Steroiden „abgeschaltet“ werden. Diese Therapie einer Post-Zoster-Neuralgie führen ausschließlich spezialisierte Schmerzärzte und -ärztinnen durch.
- TENS: Manche Betroffene profitieren auch von der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS), bei der mithilfe von Elektroden auf der Haut die Nerven mit Stromimpulsen angesprochen werden. Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit dieses Verfahrens fehlen allerdings noch.
Heilbar ist die Post-Zoster-Neuralgie mit keiner der Therapien. Alle Behandlungen lindern jedoch die Schmerzen und verringern so den Leidensdruck.
Medikamentöse Behandlung im Detail
Bei anhaltenden Nervenschmerzen werden oft Antiepileptika wie Pregabalin oder Gabapentin eingesetzt. Sie werden anfangs mit Schmerzmitteln kombiniert, da es etwas dauert, bis sie wirken. Dann können die Schmerzmittel wieder abgesetzt werden.
Reichen Antiepileptika nicht aus, ist es möglich, zusätzlich Antidepressiva einzunehmen. Beide hemmen die Schmerzweiterleitung zum Gehirn und dämpfen die Erregbarkeit der betroffenen Nerven.
Sind die Schmerzen auf eine Körperstelle begrenzt, helfen möglicherweise Pflaster mit schmerzbetäubenden Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin. Studien deuten darauf hin, dass Pflaster mit hochdosiertem Capsaicin (8-prozentig) die Nervenschmerzen verringern können.
Welcher Wirkstoff und welche Kombination geeignet ist, hängt von der Stärke der Schmerzen ab und davon, wie man die Medikamente verträgt. Deshalb ist es sehr wichtig, der Ärztin oder dem Arzt möglichst genau zu beschreiben, wie stark die Schmerzen sind, wie die Mittel wirken und ob es Nebenwirkungen gibt.
Prävention der Gürtelrose und Post-Zoster-Neuralgie
Impfung gegen Gürtelrose
Seit Ende 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für alle Personen ab 60 Jahren mit einem Totimpfstoff. Das heißt, der Impfstoff enthält nur Virusbestandteile, keine abgeschwächten Viren. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, rheumatoider Arthritis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Niereninsuffizienz oder einer Immunschwäche wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen.
Die Impfung mit dem Totimpfstoff erfolgt zweimalig im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten. Ob der Impfschutz länger als vier Jahre anhält, lässt sich im Moment noch nicht sicher sagen, weil der Totimpfstoff noch relativ neu ist. Nach der Impfung kann es zu Nebenwirkungen wie Hautrötungen und Ausschlägen sowie zu Schmerzen an der Einstichstelle oder Schwellungen kommen.
Die Impfung wird in zwei Dosen im Abstand von 2-6 Monaten verabreicht und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Sie schützt vor einer Gürtelrose-Erkrankung und senkt das Risiko einer Post-Zoster-Neuralgie.
Impfung gegen Windpocken
Die Impfung von Säuglingen gegen Windpocken reduziert nachweislich das Vorkommen sowohl von Windpocken als auch von Gürtelrose bei Kindern.
Allerdings kann eine Gürtelrose auch bei gegen Windpocken geimpften Menschen auftreten, dies ist jedoch selten.
Die STIKO empfiehlt die Windpocken-Impfung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter.
Weitere Maßnahmen
- Frühzeitige Behandlung der Gürtelrose: Gehen Sie bei den ersten Anzeichen eines Herpes zoster zum Arzt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, Komplikationen wie die Post-Zoster-Neuralgie zu verhindern.
- Vermeidung von Ansteckung: Patienten mit Gürtelrose sind im akuten Stadium ansteckend. Die Übertragung erfolgt über direkten oder indirekten Kontakt mit dem Bläscheninhalt. Erst wenn die Bläschen zu Schorf umgewandelt sind, ist die Infektionsgefahr vorbei. Auch wenn das Infektionsrisiko für andere wesentlich geringer ist als bei Windpocken, so sollten die Läsionen abgedeckt werden und der direkte Kontakt zu Menschen vermieden werden, die bisher noch keine Windpocken oder keine Windpocken-Impfung hatten.
- Stärkung des Immunsystems: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung kann dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken und das Risiko einer Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus zu verringern.