Die Herpes-Zoster-Neuralgie (PZN) ist eine Komplikation, die nach einer Gürtelrose (Herpes Zoster) auftreten kann. Die Gürtelrose selbst wird durch die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, demselben Virus, das auch Windpocken auslöst. Nach einer Windpockeninfektion, die oft im Kindesalter auftritt, verbleibt das Virus inaktiv in bestimmten Nervenknoten (Ganglien) im Gehirn und Rückenmark. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann das Virus reaktiviert werden und eine Gürtelrose verursachen, die sich durch einen schmerzhaften Hautausschlag entlang der betroffenen Nervenbahnen äußert.
Ursachen der Post-Zoster-Neuralgie
Ein intaktes Immunsystem hält die Varicella-Zoster-Viren in Schach. Wird es jedoch durch Erkrankungen, Medikamente oder zunehmendes Alter geschwächt, können sich die Viren vermehren und entlang der Nervenbahnen in die Haut wandern, wodurch die Nervenzellen geschädigt werden.
Bei der akuten Gürtelrose sind vor allem die entzündlichen Verletzungen der Nervenstrukturen für die Schmerzen verantwortlich. Diese Strukturen können geschädigt werden und vernarben, was zu einem gestörten Schmerzempfinden führt und die Symptome einer Post-Zoster-Neuralgie verursacht.
Symptome der Post-Zoster-Neuralgie
Die Symptome einer Post-Zoster-Neuralgie können je nach betroffener Nervenregion variieren. Typische Symptome sind:
- Anhaltende brennende oder bohrende Schmerzen
- Plötzlich einschießende Schmerzen
- Heftige Schmerzen bei Berührung
- Missempfindungen wie Juckreiz oder Taubheitsgefühle
Die Schmerzen und Missempfindungen treten im Bereich der vorangegangenen Gürtelrose auf, häufig am Rumpf, aber auch an Armen, Beinen oder im Gesicht. Der Schmerz kann sich intensivieren und sich über die Stellen des ursprünglichen Ausschlags hinaus ausbreiten. Die Haut in diesen Bereichen ist oft überempfindlich, sodass bereits leichte Berührungen starke Schmerzen auslösen können. Dies kann dazu führen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, sich zu waschen, sich im Bett zu drehen oder sich umarmen zu lassen.
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Risikofaktoren für die Entwicklung einer Post-Zoster-Neuralgie
Das Risiko, an einer Post-Zoster-Neuralgie zu erkranken, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Während bei 55- bis 59-Jährigen etwa 30 % der Gürtelrose-Fälle zu einer PZN führen, sind bei über 60-Jährigen die Schmerzen bei der Hälfte der Betroffenen länger anhaltend und bei über 70-Jährigen sogar bei zwei Dritteln.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Betroffene Körperstelle: Das Risiko ist erhöht nach einer Gürtelrose im Gesicht, an den Augen oder am Steißbein.
- Schmerzen zu Beginn der Gürtelrose: Starke Schmerzen bereits zu Beginn der Gürtelrose, teilweise noch vor dem Ausschlag, erhöhen das Risiko.
- Stärke des Ausschlags: Ein besonders starker Ausschlag während der akuten Gürtelrose kann das Risiko erhöhen.
- Vorerkrankungen: Chronische Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen, können das Risiko erhöhen.
Diagnose der Post-Zoster-Neuralgie
Um eine Post-Zoster-Neuralgie zu diagnostizieren, ist die Anamnese (Krankengeschichte) von großer Bedeutung. Fragen, die der Arzt oder die Ärztin stellen wird, sind:
- Wie lange dauern die Schmerzen bereits an?
- Hatten Sie vor einigen Wochen oder Monaten an der entsprechenden Stelle einen schmerzhaften Hautausschlag (Gürtelrose)?
- Wie ist Ihr Impfstatus?
- Wie stark sind die Schmerzen?
Eventuell wird ein standardisierter Fragebogen verwendet, um die Schmerzen anhand einer Skala einzuschätzen. Anschließend wird das betroffene Hautareal auf Rötungen, Pusteln oder Narben untersucht und die Berührungsempfindlichkeit der Haut geprüft. In unklaren Fällen können eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Entzündungswerte und spezieller Antikörper gegen das Varicella-Zoster-Virus durchgeführt werden. Gegebenenfalls erfolgt eine Überweisung an einen Neurologen, um andere Ursachen für die Nervenschmerzen auszuschließen.
Idealerweise erfolgte bereits während der Gürtelrose eine ärztliche Behandlung, was die Diagnose erleichtert. Durch eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose kann das Risiko für eine Post-Zoster-Neuralgie und andere Komplikationen verringert werden.
Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie
Die Therapie der Post-Zoster-Neuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, Missempfindungen zu unterdrücken und die Lebensqualität zu verbessern. In vielen Fällen werden die Symptome mit der Zeit schwächer, es kann aber auch zu einem chronischen Verlauf kommen, bei dem die Beschwerden zwar nachlassen, aber immer wieder auftreten. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Symptome. Es kann erforderlich sein, verschiedene Wirkstoffe und Dosierungen auszuprobieren, um die passende Therapie zu finden.
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Folgende Wirkstoffe und Therapieverfahren können eingesetzt werden:
- Schmerzpflaster: Wirken gezielt an den betroffenen Stellen. Lokalanästhetika wie Lidocain können als Salbe oder Pflaster auf den schmerzenden Bereich aufgetragen werden. Eine weitere Alternative ist die Verwendung eines hochdosierten Capsaicin-Pflasters, das betäubend und schmerzlindernd wirkt.
- Antikonvulsiva: Medikamente gegen Krampfanfälle, die die Nervenzellen weniger erregbar machen und sich in der Schmerztherapie bewährt haben.
- Antidepressiva: Verhindern unter anderem, dass Schmerzsignale im Rückenmark weitergeleitet werden. Trizyklische Antidepressiva werden häufig eingesetzt.
- Schmerzmittel: Können einzeln oder in Kombination mit anderen Therapieverfahren die Schmerzen dämpfen. Bei leichten Beschwerden können einfache Schmerzmittel wie Paracetamol eingenommen werden. In einigen Fällen werden stärkere, verschreibungspflichtige Schmerzmittel (Opioide) eingesetzt.
- Nervenblockaden: Bei schwer zu behandelnden Schmerzen können Nervenblockaden mit lokal angewendeten Betäubungsmitteln oder Steroiden durchgeführt werden, um bestimmte Nerven „abzuschalten“. Diese Therapie wird ausschließlich von spezialisierten Schmerzärzten durchgeführt.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Hierbei werden mithilfe von Elektroden auf der Haut die Nerven mit Stromimpulsen angesprochen. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit dieses Verfahrens ist jedoch begrenzt.
- Multimodale Schmerztherapie: Bei langwierigen Verläufen wird eine multimodale Schmerztherapie empfohlen, die nicht-medikamentöse Verfahren wie Psychotherapie, Physiotherapie und Entspannungstechniken umfasst.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Post-Zoster-Neuralgie mit keiner der genannten Therapien heilbar ist. Alle Behandlungen zielen jedoch darauf ab, die Schmerzen zu lindern und den Leidensdruck zu verringern.
Prävention der Post-Zoster-Neuralgie
Die beste Prävention der Post-Zoster-Neuralgie ist die Vermeidung einer Gürtelrose. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
- Impfung gegen Windpocken: Eine Impfung gegen Windpocken reduziert auch das Risiko, später an Gürtelrose zu erkranken und eine Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Windpocken für Säuglinge und Kleinkinder seit 2004. Frauen ohne Windpocken in der Anamnese sollten sich vor einer geplanten Schwangerschaft ebenfalls impfen lassen.
- Impfung gegen Gürtelrose: Auch wer bereits Windpocken hatte, kann sich gegen Gürtelrose impfen lassen, um das Risiko zu reduzieren. Die STIKO empfiehlt eine Herpes-Zoster-Impfung für Menschen ab 60 Jahren, die nicht gegen Windpocken geimpft sind, sowie für besonders gefährdete Menschen (z. B. chronisch Kranke) ab 50 Jahren. Die Kosten für diese Impfung werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Gürtelrose für Personen ab 50 Jahren zugelassen. Die STIKO empfiehlt die Impfung mit dem Totimpfstoff für alle Personen über 60 Jahre. Für Patienten mit einer Immunschwäche oder einer chronischen Grunderkrankung wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Impfungen im Abstand von 2 bis 6 Monaten notwendig. Der empfohlene Impfstoff ist ein Totimpfstoff, der sicher ist und nur bei wenigen Geimpften zu Impfreaktionen wie lokalen Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber, Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen führt.
- Stärkung des Immunsystems: Ein starkes Immunsystem kann die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus verhindern. Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems umfassen eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Stressvermeidung.
- Frühzeitige Behandlung der Gürtelrose: Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann die Dauer und Schwere der Erkrankung reduzieren und das Risiko einer Post-Zoster-Neuralgie verringern. Virostatika wie Aciclovir, Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir unterbrechen die Infektion und verkürzen so die Hautsymptome sowie die Dauer und Schwere möglicher Nervenschmerzen. Die Medikamente werden in Tablettenform eingenommen.
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