Das Parkinson-Syndrom, auch Morbus Parkinson, Parkinson-Krankheit oder Schüttel-Lähmung genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems. Die Frage, ob Herzoperationen Parkinson auslösen können, ist komplex und Gegenstand wissenschaftlicher Studien. Dieser Artikel beleuchtet mögliche Zusammenhänge, indem er zunächst die Parkinson-Krankheit und ihre Ursachen erläutert, bevor er auf spezifische Risikofaktoren und aktuelle Forschungsergebnisse eingeht.
Was ist das Parkinson-Syndrom?
Bei der fortschreitenden, neurodegenerativen Erkrankung sterben bestimmte Nervenzellen ab, die den Nervenbotenstoff Dopamin produzieren. Dies betrifft vor allem die sogenannte schwarze Substanz (Substantia nigra) im Mittelhirn, die wichtig ist für die koordinierte Ausführung von Bewegungen.
Dopaminmangel als Ursache von Bewegungsstörungen
Dopamin ist ein Botenstoff mit vielfältigen Aufgaben und dient unter anderem als Signalgeber für motorische Reaktionen. Gehen immer mehr Dopamin erzeugende Nervenzellen verloren, tritt ein Dopaminmangel auf. Dann kommt es zunehmend zu den typischen Bewegungsstörungen bei Parkinson, zum Beispiel zu verlangsamten Bewegungen, steifen Muskeln und Muskelzittern.
Symptome und Diagnose von Parkinson
Typische Symptome bei Parkinson sind Zittern, auch Tremor genannt, sowie verlangsamte, verminderte Bewegungen und eine Haltungsinstabilität. In der Frühphase sind die ersten Anzeichen von Parkinson Schlafstörungen, Verstopfungen und Geruchsstörungen. Auch ein fehlendes Mitschwingen des Armes beim Gehen oder eine leisere und monotonere Stimme können erste Symptome von Parkinson sein. Die Diagnose Parkinson zu stellen, ist nicht immer zweifelsfrei möglich. Grund dafür ist, dass viele andere Erkrankungen ähnlich unspezifische Symptome auslösen. Die Diagnose erfolgt im ersten Schritt durch die klinischen Symptome, die Beschreibung und Erfassung.
Ursachen und Risikofaktoren von Parkinson
Die Ursache der Neuronendegeneration bei der Parkinson-Krankheit (IPS) ist 200 Jahre nach der Erstbeschreibung durch James Parkinson noch immer unbekannt. Das IPS ist eine komplexe von vielen Faktoren abhängige Erkrankung mit einer genetischen Komponente, die seit den 1990ern zunehmend entschlüsselt wird. Defekte zelluläre Radikalentgiftungsmechanismen, Störungen im mitochondrialen Energiestoffwechsel (Komplex-I-Defekt der mitochondrialen Atmungskette) werden als Auslöser eines pathologischen oxidativen Stresses diskutiert. Dabei spielt vermutlich die mitochondriale Komplex-1-Inhibition eine zentrale Rolle, sie führt zu einer Aggregation von α-Synuklein und Apoptose von Dopaminneuronen durch einen defekten Abbau dieser Proteine. Somit steht eine pathologische Ablagerung von Proteinen wie α-Synuklein und ihr ungenügender Abbau durch das Proteasom im Zentrum der pathogenetischen Kaskade. Mehr als 16 Genorte sind für das IPS bzw. für andere neurodegenerative Formen des Parkinson-Syndroms beschrieben worden, einige mutierte Gene und ihre Proteine wurden schon kloniert. Der wichtigste Risikofaktor für die Parkinsonerkrankung ist das Lebensalter. Ältere Menschen erkranken häufiger an Parkinson. Das übliche Erkrankungsalter liegt zwischen 60 bis 70 Jahren. Es gibt weniger Parkinsonpatienten, die früher an Parkinson erkranken. Bei solchen Patienten kann eine genetische Prädisposition vorhanden sein - insgesamt ist diese Gruppe aber kleiner, sie macht nur 10 bis 15% aller Fälle aus. Es gibt weitere Risikofaktoren, die derzeit diskutiert werden, z.B. die Exposition zu Pestiziden; hier muss man aber Langzeitergebnisse abwarten.
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Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson
Die Erkrankung ist bis heute nicht heilbar. Alle Therapien lindern zwar die Symptome von Parkinson, können das Absterben der Nervenzellen, die Dopamin produzieren, aber nicht aufhalten. Die Therapie sollte an das Parkinsonstadium angepasst werden. Beim frühen Morbus Parkinson steht im Vordergrund das Ersetzen des Mangels von dem Botenstoff Dopamin. Da gibt es eine Vielzahl und Bandbreite an medikamentösen Optionen. Im fortgeschrittenen Stadium beschäftigt man sich vor allen Dingen mit Komplikationen, die auch durch die Therapie selber entstehen können. Die tiefe Hirnstimulation erfolgt über zwei hauchdünne Elektroden, die in bestimmte tiefliegende Gehirnareale eingesetzt werden. Hier weiß man, dass die tiefe Hirnstimulation sowohl die Beweglichkeit verbessern kann, das Zittern, das Gangbild und dass die Medikamente von den Parkinsonpatienten um etwa 50% reduziert werden kann. Die Wichtigkeit von der Bewegungstherapie wurde erst in den letzten Jahren deutlich. Er gibt derzeit verschiedene Studien, die untersuchen, ob eine Bewegungstherapie auch den Verlauf der Erkrankung bremsen kann. Die Bewegungstherapie führt zur Verbesserung der allgemeinen Beweglichkeit, zur besseren Bewegungskoordination, zur besseren Balance. Zu der Bewegungstherapie zählt die Tanztherapie.
Herzoperationen und mögliche neurologische Folgen
Herzoperationen sind komplexe Eingriffe, die potenziell neurologische Komplikationen nach sich ziehen können. Diese Komplikationen können verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Hypoxie: Sauerstoffmangel während der Operation kann zu Hirnschäden führen.
- Embolien: Blutgerinnsel oder andere Partikel können sich lösen und im Gehirn Gefäße verstopfen.
- Entzündungsreaktionen: Der operative Eingriff kann Entzündungsreaktionen auslösen, die das Gehirn beeinträchtigen.
- Medikamente: Einige während und nach der Operation eingesetzte Medikamente können neurologische Nebenwirkungen haben.
Spezifische Herzoperationen und ihre Risiken
Einige spezifische Herzoperationen sind möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für neurologische Komplikationen verbunden. Hierzu gehören:
- Herzklappenoperationen: Das Einsetzen oder Reparieren von Herzklappen kann das Risiko von Embolien erhöhen.
- Bypass-Operationen: Die Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine während der Operation kann das Risiko von Hypoxie und Entzündungsreaktionen erhöhen.
- Operationen bei Vorhofflimmern: Diese Eingriffe können das Risiko von Schlaganfällen erhöhen.
Ein Beispiel für eine spezifische Herzerkrankung ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW).
Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW)
Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) wurde nach den US-amerikanischen Kardiologen Louis Wolff, Paul Dudley White und dem britischen Kardiologen Sir John Parkinson benannt. 1930 beschrieben sie die Symptome des WPW-Syndroms bei jungen Patienten. In der Bevölkerung beträgt die Anzahl der Betroffenen 1-3 pro 1000 Personen.
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Das WPW-Syndrom ist eine Herzrhythmusstörung, bei der es sich um eine Anomalie des Erregungsleitungssystems des Herzens handelt und sich durch plötzliches Herzrasen (Tachykardie) bemerkbar macht. Bei einem gesunden Herzen, gibt der Sinusknoten, der im rechten Vorhof sitzt, den Takt vor, zu dem das Herz schlägt. Die elektrischen Signale breiten sich im Vorhof aus und werden dann über den AV-Knoten (Atrioventrikularknoten) weitergeleitet. Dieser sitzt zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern. Pro Minute erreichen ca. sechzig bis achtzig Erregungen den AV-Konten. Der AV-Knoten hat die Aufgabe über zwei Leitungsbahnen die Erregungen an die linke und rechte Herzkammer weiterzuleiten.
Bei dem WPW-Syndrom endet der normale Herzzyklus nicht in der Kammererregung. Durch zusätzliche Leitungsbahnen werden die elektrischen Impulse aus den Herzkammern zurück zu den Vorhöfen geleitet. Nach kurzer Zeit lösen diese über den AV-Konten eine erneute Erregung der Herzkammern aus. Dies wird auch als kreisende Erregung bezeichnet und löst eine Tachykardie aus. Dabei liegt die Herzfrequenz zwischen 160 und 240 Schlägen pro Minute. Zudem kann es dazu kommen, dass das zusätzliche Leitungsbündel (z.B. das Kent-, James- oder Maheim-Bündel) die elektrischen Impulse schneller als das normale Reizleitungssystem leitet und eine zusätzliche Erregung in der Herzkammer auslöst. Dies wird als Präexzitation bezeichnet und ist normalerweise harmlos.
Das WPW-Syndrom kann einerseits ohne jegliche Symptome auftreten und wird nur durch Zufall entdeckt. Andererseits treten Symptome, wie anfallsweises Herzrasen (paroxysmale Tachykardie), schlagartig auf und enden auch genauso schnell wieder. Betroffene empfinden dies oft als harmlose aber störend starke Schläge. Das Herzrasen kann sowohl bei völliger Ruhe oder auch bei körperlicher Belastung wie Sport entstehen. Auf spürbares Herzklopfen kann Schwindel und Unwohlsein folgen. Eine Diagnose kann nur mittels eines EKGs erstellt werden. EKGs die während des Auftretens von Herzrasen aufgezeichnet werden, sind am aussagekräftigsten. Das WPW-Syndrom weist charakteristische EKG-Veränderungen auf. Neben einem EKG kann auch eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt werden. Dabei werden zusätzliche Leitungsbahnen geortet und auf ihre Leitungseigenschaften hin untersucht. Eine Therapie des WPW-Syndroms ist dann nötig, wenn es symptomatisch wird. Bei den Therapien unterscheidet man zwischen akuten und dauerhaften Formen. Eine dauerhafte Form der Behandlung ist eine Katheterablation. Dabei werden die überflüssigen Leitungsbahnen verödet.
Aktuelle Forschungslage: Gibt es einen direkten Zusammenhang?
Bislang gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Herzoperationen direkt Parkinson auslösen können. Einige Studien deuten jedoch auf mögliche Zusammenhänge hin:
- Erhöhtes Risiko für Parkinson-ähnliche Symptome: Einige Studien haben gezeigt, dass Patienten nach Herzoperationen ein erhöhtes Risiko für Parkinson-ähnliche Symptome wie Tremor, Rigor und Bradykinese aufweisen können. Diese Symptome sind jedoch nicht immer mit der Parkinson-Krankheit identisch und können auch andere Ursachen haben.
- Verschlimmerung bestehender Parkinson-Erkrankung: Bei Patienten, die bereits an Parkinson erkrankt sind, kann eine Herzoperation die Symptome verschlimmern. Dies könnte auf die oben genannten Faktoren wie Hypoxie, Embolien oder Entzündungsreaktionen zurückzuführen sein.
- Einfluss von Medikamenten: Einige Medikamente, die während und nach Herzoperationen eingesetzt werden, können Parkinson-ähnliche Symptome auslösen oder eine bestehende Parkinson-Erkrankung verschlimmern. Hierzu gehören beispielsweise bestimmte Antiemetika und Antipsychotika.
Stoßwellentherapie und ihre potenziellen Auswirkungen
Seit den 1980er Jahren nutzen Ärzte Stoßwellen, um Nierensteine zu zerschlagen. In der Orthopädie hat sich die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) als eine der spannendsten Innovationen herausgestellt. Seit den 1990er Jahren hilft diese Form der Stoßwellen-Technik mit weitaus geringeren Energien als bei der Lithotripsie, Schmerzen zu mindern und Beschwerden an Sehnen und Muskeln in kürzester Zeit zu minimieren beziehungsweise zu heilen - und das alles ohne Operation. Ob bei Sportverletzungen wie dem Tennisarm oder bei langwierigen Problemen wie Fersensporn - die ESWT nutzt die Kraft der Stoßwellen, um den Körper zu unterstützen, sich selbst zu regenerieren.
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Forscher blicken jetzt auch auf spannende Möglichkeiten in der Herzmedizin, der Neurologie und sogar bei der Bekämpfung von Krebs. Die Wissenschaftlergruppe um Johannes Holfeld an der Universität Innsbruck hat zwischenzeitlich bahnbrechende Entdeckungen gemacht, wie Stoßwellen auf unsere Zellen wirken. Sie fanden heraus, dass die Stoßwellen winzige Bläschen von den Zelloberflächen lösen. Das Besondere daran: Die Zellen bleiben dabei unversehrt, denn sie sind flexibel und nicht starr. Diese kleinen Bläschen spielen eine Schlüsselrolle - sie aktivieren einen wichtigen Teil unseres Immunsystems und können so den Körper dazu bringen, sich selbst zu regenerieren. Mit der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) werden bekanntlich bereits in zahlreichen Kliniken und Praxen Patienten mit Alzheimer, Parkinson, Depressionen und anderen neurologischen Erkrankungen erfolgreich behandelt.
Präventive Maßnahmen und Empfehlungen
Auch wenn ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Herzoperationen und Parkinson bislang nicht bewiesen ist, sollten bestimmte präventive Maßnahmen berücksichtigt werden, um das Risiko neurologischer Komplikationen zu minimieren:
- Sorgfältige Risikobewertung vor der Operation: Vor jeder Herzoperation sollte eine sorgfältige Risikobewertung durchgeführt werden, um potenzielle Risiken und Komplikationen zu identifizieren.
- Optimierung der Operationsbedingungen: Während der Operation sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um Hypoxie, Embolien und Entzündungsreaktionen zu vermeiden. Hierzu gehören eine sorgfältige Überwachung der Sauerstoffversorgung, die Verwendung von Filtern zur Vermeidung von Embolien und die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten.
- Vermeidung potenziell schädlicher Medikamente: Wenn möglich, sollten Medikamente vermieden werden, die Parkinson-ähnliche Symptome auslösen oder eine bestehende Parkinson-Erkrankung verschlimmern können.
- Früherkennung und Behandlung von Komplikationen: Neurologische Komplikationen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, um irreversible Schäden zu vermeiden.
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