Hirninfarkt nach Herzoperation bei Kindern: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Hirninfarkt, auch Schlaganfall genannt, ist eine schwerwiegende Erkrankung, die auch bei Kindern auftreten kann. Obwohl Schlaganfälle bei Kindern seltener vorkommen als bei Erwachsenen, können sie dennoch erhebliche Folgen haben und zu dauerhaften Behinderungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Hirninfarkten nach Herzoperationen bei Kindern.

Einführung

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, was zu einer Schädigung des Hirngewebes führt. Bei Kindern können Schlaganfälle durch verschiedene Faktoren verursacht werden, einschließlich angeborener Herzfehler und Herzoperationen. Es ist wichtig, die spezifischen Ursachen und Risikofaktoren zu verstehen, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.

Ursachen von Hirninfarkten nach Herzoperationen bei Kindern

Bei Kindern können Schlaganfälle durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Angeborene Herzfehler und Herzoperationen sind wichtige Risikofaktoren.

Paradoxe Embolie durch offenes Foramen Ovale (PFO)

Ein wichtiger Faktor, der zu Schlaganfällen nach Herzoperationen beitragen kann, ist das offene Foramen Ovale (PFO). Das Foramen Ovale ist eine natürliche Öffnung zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens, die sich normalerweise kurz nach der Geburt verschließt. Bei etwa 25% der Menschen bleibt diese Öffnung jedoch bestehen.

Wie ein PFO zu Schlaganfällen führt

Ein PFO kann zu einer paradoxen Embolie führen. Dabei gelangen Blutgerinnsel, die sich normalerweise in den Venen der Beine oder des Beckens bilden, durch das PFO von der rechten in die linke Seite des Herzens und von dort in den Kopf. Dies kann zu einem Schlaganfall führen, da das Gerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn blockieren kann. Das Phänomen der paradoxen Embolie kann durch bildgebende Verfahren wie das "Schluck-Echo" nachgewiesen werden.

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Risikofaktoren und Altersgruppen

Das Risiko eines Schlaganfalls durch ein PFO betrifft besonders jüngere Menschen. Mit zunehmendem Alter steigen die Wahrscheinlichkeit anderer Ursachen für Schlaganfälle, während das PFO-bedingte Risiko relativ konstant bleibt. Daher fällt diese Gruppe jüngerer Schlaganfallpatienten besonders auf.

Andere Ursachen

Neben dem PFO gibt es weitere Ursachen für Schlaganfälle bei Kindern nach Herzoperationen:

  • Angeborene Fehlanlagen in Gefäßen: Aneurysmen oder Blutschwämmchen im Gehirn können Blutungen verursachen, die zu Schlaganfällen führen.
  • Hirntumore: Tumore können Nerven abdrücken und so einen Schlaganfall verursachen.
  • Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem kann Gehirngefäße angreifen, was zu Gefäßentzündungen und Durchblutungsstörungen führt.
  • Komplizierte Geburten und Frühgeburtlichkeit: Bei Neugeborenen können komplizierte Geburten oder Frühgeburtlichkeit zu Schlaganfällen führen, da die Gefäße bei Frühgeborenen sehr empfindlich sind.
  • Gefäßdissektionen: Verletzungen der Halsarterien können zu Einrissen in der Gefäßinnenwand und somit zu Schlaganfällen führen.
  • Gerinnungsstörungen: Angeborene Koagulopathien können ebenfalls Schlaganfälle verursachen.
  • Traumata des Halses: Traumata können zu einer Dissektion der Arteria vertebralis führen und eine vertebrobasilare Schlaganfallsymptomatik verursachen.
  • Infektionen: Infektionskrankheiten wie Windpocken oder Hirnhautentzündungen können Veränderungen der Blutgefäße hervorrufen und das Schlaganfallrisiko erhöhen.
  • Bluterkrankheiten: Hämophilien und die Sichelzellanämie können ebenfalls mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergehen.

Diagnose von Hirninfarkten bei Kindern

Die Diagnose eines Schlaganfalls bei Kindern erfordert eine umfassende Untersuchung und den Ausschluss anderer möglicher Ursachen.

Symptome

Die Symptome eines Schlaganfalls bei Kindern können vielfältig sein und hängen von der Stärke, Ursache und dem betroffenen Hirnareal ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Starke Kopfschmerzen: Ähnlich einer schweren Migräne, oft als stechender Schmerz empfunden.
  • Lähmungserscheinungen: Beeinträchtigung motorisch relevanter Bereiche im Gehirn.
  • Sprachstörungen: Verwaschene oder eingeschränkte Sprache.
  • Sehstörungen: Stark eingeschränktes Sehvermögen.
  • Erschöpfung und Atemnot: Bei Herzfehlern.
  • Blaufärbung der Lippen und Haut (Zyanose): Aufgrund von Sauerstoffmangel.
  • Gedeihstörungen: Bei Säuglingen und Kleinkindern.
  • Ohnmachtsanfälle: In schweren Fällen.
  • Herzrhythmusstörungen: Können ebenfalls auftreten.

Diagnostische Verfahren

Um einen Schlaganfall zu diagnostizieren und die Ursache zu ermitteln, werden verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt:

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  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen und Erhebung der Krankengeschichte.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomografie (CT): Zur schnellen Beurteilung des Gehirns und zum Ausschluss von Blutungen.
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Für detailliertere Bilder des Gehirns und zur Erkennung von Infarkten.
    • Herzultraschall (Echokardiographie): Zur Beurteilung der Herzfunktion und zum Nachweis von Herzfehlern wie einem PFO.
    • Schluckultraschall (Transösophageale Echokardiographie, TEE): Liefert die besten Aufnahmen des Herzens und kann auch zur Überwachung der Herzfunktion während einer Operation eingesetzt werden.
  • Blutuntersuchungen:
    • Gerinnungsdiagnostik: Zum Nachweis von Gerinnungsstörungen.
    • Autoimmun-Diagnostik: Zum Nachweis von Autoimmunerkrankungen.
    • Genetische Untersuchungen: Zum Nachweis genetischer Ursachen.

Behandlung von Hirninfarkten bei Kindern

Die Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns wiederherzustellen, weitere Schäden zu verhindern und die Rehabilitation zu fördern.

Akuttherapie

  • Medikamentöse Therapie:
    • Thrombolyse: Auflösung von Blutgerinnseln, falls innerhalb eines bestimmten Zeitfensters möglich.
    • Antikoagulation: Verhinderung der Bildung neuer Gerinnsel.
  • Neuroprotektion: Maßnahmen zur Stabilisierung von Körpertemperatur, Blutdruck und Blutzucker.

PFO-Verschluss

Bei Patienten mit einem PFO, das als Ursache für den Schlaganfall identifiziert wurde, kann ein Verschluss des PFO in Betracht gezogen werden.

Indikation für den PFO-Verschluss

Die aktuellen Leitlinien empfehlen einen PFO-Verschluss ab einer Größe von zwei bis drei Millimetern. Der Verschluss wird in der Regel bei Patienten zwischen 16 und 60 Jahren durchgeführt, nachdem andere Schlaganfallursachen ausgeschlossen wurden. In Einzelfällen kann der Verschluss auch bei älteren Patienten in Betracht gezogen werden.

Durchführung des PFO-Verschlusses

Der PFO-Verschluss ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem ein Schirmchen über einen Katheter in das Herz eingeführt und das Loch verschlossen wird. Der Eingriff dauert in der Regel etwa zehn Minuten, und die gesamte Prozedur einschließlich Vorbereitung und Nachsorge dauert etwa 35-40 Minuten.

Erfolgsaussichten und Risiken

Die Erfolgsquote des PFO-Verschlusses ist hoch, mit einer Verschlussquote von etwa 95% in aktuellen Studien. Das Risiko von Komplikationen ist gering. Studien haben gezeigt, dass der PFO-Verschluss das Risiko erneuter Schlaganfälle deutlich reduzieren kann.

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Weitere Behandlungsmaßnahmen

  • Behandlung der Grunderkrankung: Behandlung von Gefäßentzündungen, Autoimmunerkrankungen oder anderen zugrunde liegenden Ursachen.
  • Operation oder Einsatz von Betablockern: Bei Fehlanlagen in Gefäßen und bei Hirntumoren.
  • Symptomatische Therapie: Ausgleich und Milderung der durch den Schlaganfall eingetretenen Folgen.

Rehabilitation

Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Funktionen und der Verbesserung der Lebensqualität von Kindern nach einem Schlaganfall.

  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und der Koordination.
  • Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagsfähigkeiten und der Selbstständigkeit.
  • Neuropsychologische Therapie: Zur Behandlung kognitiver Defizite und Verhaltensprobleme.

Die Rehabilitation sollte individuell auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten sein und in enger Zusammenarbeit mit einem multidisziplinären Team erfolgen.

Langzeitfolgen und Prognose

Die Langzeitfolgen eines Schlaganfalls bei Kindern können vielfältig sein und hängen von der Schwere des Schlaganfalls und dem betroffenen Hirnareal ab. Zu den häufigsten Folgen gehören:

  • Motorische Defizite: Lähmungen, Koordinationsstörungen.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen oder Lesen.
  • Kognitive Defizite: Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisprobleme, Lernschwierigkeiten.
  • Verhaltensprobleme: Emotionale Störungen, soziale Schwierigkeiten.
  • Epilepsie: Krampfanfälle als Folge der Hirnschädigung.

Trotz möglicher Einschränkungen haben Kinder eine gute Chance auf Heilung, da ihr Gehirn sehr lernfähig ist. Je nach Schwere des Schlaganfalls können Einschränkungen zurückbleiben, mit denen die Betroffenen aber erfahrungsgemäß gut zurechtkommen können.

Psychosoziale Aspekte

Ein Schlaganfall im Kindesalter ist nicht nur für das Kind, sondern auch für die gesamte Familie eine große Belastung. Eltern sind oft mit starken Ängsten und Sorgen konfrontiert. Es ist wichtig, dass die Familien psychosoziale Unterstützung erhalten, um mit den emotionalen Herausforderungen umzugehen.

Unterstützung für Eltern

  • Informationen und Aufklärung: Umfassende Informationen über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten können helfen, Ängste abzubauen.
  • Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Eltern in Selbsthilfegruppen oder Elterninitiativen kann entlastend sein.
  • Psychologische Hilfe: Psychologen können Eltern und Kinder während der Behandlung begleiten und beraten.
  • Sozialmedizinische Nachsorge: Familien schwerkranker Kinder haben Anspruch auf sozialmedizinische Nachsorge, die auch die Unterstützung der Eltern umfasst.

Unterstützung für Kinder

  • Kindgerechte Aufklärung: Kinder sollten altersgerecht über ihre Erkrankung und die Behandlung informiert werden.
  • Psychologische Betreuung: Psychologen können Kindern helfen, mit ihren Ängsten und Sorgen umzugehen und ihre emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen.
  • Soziale Integration: Es ist wichtig, dass Kinder nach einem Schlaganfall weiterhin am sozialen Leben teilnehmen können und in Schule und Freizeit unterstützt werden.

Prävention

Da viele Ursachen von Schlaganfällen bei Kindern nicht vorhersehbar sind, ist die Prävention schwierig. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko zu verringern:

  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeidung von Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen.
  • Impfungen: Schutz vor Infektionskrankheiten, die das Schlaganfallrisiko erhöhen können.
  • Sorgfältige Geburtsbetreuung: Vermeidung von Komplikationen während der Geburt.
  • Aufklärung: Sensibilisierung für die Symptome eines Schlaganfalls, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.

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