Herzprobleme durch Polyneuropathie: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt sind. Diese Schädigung kann vielfältige Ursachen haben und sich auf unterschiedliche Weise äußern. In diesem Artikel werden wir uns mit den Ursachen von Herzproblemen im Zusammenhang mit Polyneuropathie befassen, die verschiedenen Symptome beleuchten und die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Was ist Polyneuropathie?

Unter dem Begriff Polyneuropathie (PNP) wird eine Gruppe von Erkrankungen zusammengefasst, bei denen es zu Schädigungen des peripheren Nervensystems kommt. Infolge dieser Schädigungen ist die Funktion der betroffenen Nerven gestört. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen und nicht Teil des zentralen Nervensystems sind. Periphere Nerven steuern Muskelbewegungen und Empfindungen wie Kribbeln oder Schmerz. Auch das vegetative Nervensystem ist Teil des peripheren Nervensystems. Seine Nervenstränge koordinieren automatisch ablaufende Körperfunktionen wie Atmen, Verdauen oder Schwitzen.

Formen der Polyneuropathie

Abhängig von der Ausprägung der Nervenschäden und der Körperstelle unterscheiden Fachleute vier Formen:

  • Symmetrische Polyneuropathie: Die Schäden an den Nervenbahnen betreffen beide Körperhälften.
  • Asymmetrische Polyneuropathie: Die Erkrankung beeinträchtigt eine Seite des Körpers.
  • Distale Polyneuropathie: Die Nervenschädigung zeigt sich in Körperteilen, die von der Körpermitte entfernt sind. Dazu gehören unter anderem die Hände, die Beine und die Füße.
  • Proximale Polyneuropathie: Bei dieser seltenen Form der Polyneuropathie konzentrieren sich die Nervenschäden auf rumpfnahe Körperbereiche.

Neben der Einteilung nach Ausfallerscheinungen gibt es noch weitere Möglichkeiten, Polyneuropathien einzuteilen, z. B. nach Nervenfasertyp oder Innervationsgebiet. Ist eine Neuropathie nicht klassifizierbar, so handelt es sich um eine idiopathische Polyneuropathie.

Ursachen der Polyneuropathie

Die Ursachen für eine Polyneuropathie sind vielfältig. Mit am häufigsten verursachen Diabetes mellitus Typ 2 und chronischer Alkoholmissbrauch die Nervenschäden. Beide Faktoren zusammen sind für fast die Hälfte aller Neuropathien verantwortlich. Warum die Zuckerstoffwechselstörung Diabetes mellitus das Nervengewebe angreift, ist noch nicht vollständig erforscht. Expertinnen und Experten vermuten, dass der ständig erhöhte Blutzucker feinste Blutgefäße schädigt, welche die Nerven umspinnen und versorgen. Die diabetische Polyneuropathie zählt zu den Spätkomplikationen der Diabetes-Stoffwechselstörung. Das heißt, je länger die Krankheit besteht, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung einer Neuropathie.

Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Alkoholbedingte Polyneuropathie
  • Medikamente und giftige Substanzen
  • Genetisch bedingte Formen der Polyneuropathie
  • Entzündliche Polyneuropathien
  • Polyneuropathien, die Ausdruck einer Autoimmunerkrankung sind
  • Infektionskrankheiten
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Vitaminmangel (Vitamin B12)

Bei etwa jeder fünften erkrankten Person bleibt die Ursache der Polyneuropathie trotz umfassender Diagnostik unklar. In diesem Fall spricht die Medizin von einer idiopathischen Polyneuropathie.

Symptome der Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie kann sich durch vielfältige Symptome äußern. Je nach den betroffenen Nerven können die Beschwerden das Fühlen, Bewegungsabläufe oder auch die körperliche Kraft betreffen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass eine Person mit Polyneuropathie Berührungen in einem umschriebenen Hautbereich nicht mehr spürt. Auch Lähmungen im Versorgungsgebiet einzelner Nervenstränge können Ausdruck einer Polyneuropathie sein. Ist das vegetative Nervensystem betroffen, äußert sich die Erkrankung möglicherweise durch Herzrhythmusstörungen, Impotenz, Verdauungsbeschwerden oder Probleme beim Wasserlassen.

Typische Symptome sind:

  • Empfindungsstörungen
  • Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen und „Ameisenlaufen“
  • Schmerzen in den betroffenen Körperbereichen, häufig in den Beinen
  • Störungen des Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturempfindens
  • Muskelschwäche
  • Schnellere Ermüdbarkeit
  • Lähmungen kleiner Fuß- und Handmuskeln
  • Erhöhter Ruhepuls
  • Fehlender Puls- und Blutdruckanstieg bei Belastung
  • Potenzstörungen
  • Blasenentleerungsstörungen
  • Inkontinenz
  • Übermäßiges oder ausbleibendes Schwitzen
  • Verzögerte Anpassung der Pupille an wechselnde Lichtverhältnisse

Kardiale Autonome Neuropathie (CAN) und Herzprobleme

Eine spezielle Form der Polyneuropathie, die direkte Auswirkungen auf das Herz haben kann, ist die kardiale autonome Neuropathie (CAN). Bei einer CAN liegt eine Schädigung der Nerven vor, die an der Steuerung des Herz-Kreislauf-Systems beteiligt sind. Ein frühes Anzeichen für eine CAN ist eine reduzierte Herzfrequenzvariabilität. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf kann dies mit einer erhöhten Herzfrequenz in Ruhe, Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie), Belastungsintoleranz und einer verminderten Durchblutung des Herzmuskels (Myokardischämie) einhergehen. Dadurch stellt eine CAN eine ernste diabetische Folgeerkrankung dar.

Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Eine Metaanalyse hat den Zusammenhang zwischen einer kardialen autonomen Neuropathie infolge einer Diabetes-Erkrankung und dem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sowie dem allgemeinen Sterberisiko untersucht. Die Auswertung ergab bei Personen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes und einer kardialen autonomen Neuropathie ein mehr als 3-fach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko im Vergleich zu den Teilnehmenden ohne kardiale autonome Neuropathie. Differenziert nach dem Diabetes-Typ war das Risiko bei den Teilnehmenden mit Typ-1-Diabetes 5,5-fach und mit Typ-2-Diabetes etwa 2,5-fach erhöht, wenn eine kardiale autonome Neuropathie vorlag.

Geringere Überlebensrate

Ebenso stieg das allgemeine Sterberisiko bei Patientinnen und Patienten mit einer kardialen autonomen Neuropathie an. Die Auswertung der Daten ergab ein um mehr als 3-fach erhöhtes Risiko. Auch hier war das Risiko bei Personen mit Typ-1-Diabetes höher als bei Personen mit Typ-2-Diabetes.

Relevanz einer frühzeitigen Diagnose

Um eine kardiale Nervenschädigung zu behandeln und Schädigungen des Herzens vorzubeugen, ist eine frühe Diagnose entscheidend. Laut aktuellem Forschungsstand sind Nervenschädigungen im Frühstadium möglicherweise durch pharmakologische Therapien und Lebensstilinterventionen reversibel oder verhinderbar. Zu einer Änderung des Lebensstils zählen insbesondere eine gesunde und ausgewogene Ernährung, eine Gewichtsreduktion bei bestehendem Übergewicht sowie regelmäßige Bewegung. Bei Typ-1-Diabetes könnte eine gute Blutglukoseeinstellung das Fortschreiten verlangsamen.

Diagnose der Polyneuropathie

Polyneuropathien entstehen oft schleichend und bleiben lange Zeit unbemerkt. Dies gilt insbesondere für die diabetische Polyneuropathie. Ein gezieltes Arztgespräch (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung können Nervenschädigungen schon früh aufdecken.

Dabei überprüft die Ärztin beziehungsweise der Arzt im Rahmen einer klinischen Untersuchung Muskelkraft, Reflexe sowie die Wahrnehmung von Berührungen, Temperatur und Vibration. Neben dem oftmals charakteristischen Beschwerdemuster gibt die Krankengeschichte entscheidende Hinweise auf die Ursache einer Polyneuropathie.

Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit

Weitere Untersuchungsmethoden sind:

  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Die Elektroneurografie (ENG) misst, wie schnell Nerven eine Erregung weiterleiten. Die Elektromyografie (EMG) zeichnet die Aktivität eines Muskels in Ruhe und bei Anspannung auf.
  • Bluttests: Können behandelbare Ursachen der Polyneuropathie aufdecken, beispielsweise einen Vitamin-B12-Mangel oder einen bis dahin unbekannten Diabetes mellitus.
  • Liquoruntersuchung: Hilft, entzündlich bedingte Polyneuropathien festzustellen.
  • Erbgutanalyse: Bei Anhaltspunkten für eine genetische Polyneuropathie.
  • Nervenbiopsie: Der Verdacht auf seltene, aber behandelbare Polyneuropathien kann in besonders schweren Krankheitsfällen eine Probenentnahme aus dem Nervengewebe rechtfertigen.

Therapie der Polyneuropathie

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach ihrer Ursache. Sind die Nervenschäden wegen einer anderen Grunderkrankung entstanden, gilt es zuerst, diese zu behandeln. Bei der diabetischen Polyneuropathie ist beispielsweise eine konsequente Blutzuckereinstellung entscheidend. Je besser die Werte langfristig eingestellt sind, desto eher lässt sich die Nervenschädigung stoppen. Patientinnen und Patienten mit Polyneuropathie sollten Alkohol möglichst meiden. Das gilt auch, wenn die Nervenschäden nicht durch übermäßigen Alkoholkonsum entstanden sind.

Weitere Therapieansätze sind:

  • Medikamentöse Therapie: Nervenschmerzen sind individuell mit Medikamenten behandelbar. Neben Schmerzmitteln kommen Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie zum Einsatz.
  • Physikalische Therapie: In der physikalischen Therapie können vor allem sensible und motorische Symptome gelindert werden. Dazu nutzen wir Bäder, Elektrotherapie und Wärmeanwendungen.
  • Krankengymnastik, Sporttherapie und medizinische Trainingstherapie: Hier lernen Sie spezielle Übungen und stärken Ihre geschwächte Muskulatur.
  • Behandlung von Begleiterscheinungen: Bei Magen- und Darmproblemen helfen häufigere, aber kleinere Mahlzeiten. Übelkeit und Durchfall behandeln wir mit Medikamenten. Schwindel und körperliche Schwäche behandeln wir mit Stützstrümpfen und regelmäßigem Muskeltraining. Bestimmte Medikamente können Impotenz auslösen. Wirkstoffe wie Sildenafil können die Beschwerden lindern.

Was kann ich selbst tun?

Häufig kann durch die optimale Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung der Verlauf der Polyneuropathie günstig beeinflusst werden. Die optimale Behandlung eines Diabetes mellitus, Alkoholkarenz und die Substitution von fehlenden Vitaminen sind z. B. wichtige Basismaßnahmen.

Für alle Polyneuropathien gilt:

  • Regelmäßige Kontrolle der Füße auf Druckstellen
  • Tragen von bequemem Schuhwerk
  • Meidung von Druck
  • Nutzung professioneller Fußpflege
  • Verbesserung des Lebensstils mit regelmäßiger körperlicher Betätigung

tags: #herzproblem #durch #polyneuropathie