Einführung
Das polyneuropathische Syndrom, gekennzeichnet durch Schädigungen an mehreren peripheren Nerven, stellt eine bedeutende Herausforderung in der Neurologie dar. Entzündliche Prozesse, oft als Polyneuritis bezeichnet, können immunologisch oder durch Erreger bedingt sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Polyneuropathie, insbesondere im Zusammenhang mit der Behandlung mit Diazepam, einem Benzodiazepin, und geht auf Ursachen, Diagnose und Therapieansätze ein.
Polyneuropathie: Eine Übersicht
Definition und Ursachen
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, das alle außerhalb des zentralen Nervensystems liegenden Anteile der motorischen, sensiblen und autonomen Nerven umfasst. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Diabetes mellitus und Alkoholmissbrauch bis hin zu Entzündungen, genetischen Defekten, Vitaminmangel und Medikamentennebenwirkungen.
Symptome
Typische Symptome einer Polyneuropathie sind sensible Reizerscheinungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Stechen und Elektrisieren sowie sensible Ausfallerscheinungen wie Pelzigkeitsgefühl, Taubheitsgefühl und das Gefühl, auf Watte zu gehen. Auch Gangunsicherheit, insbesondere im Dunkeln, und ein fehlendes Temperaturempfinden mit schmerzlosen Wunden können auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose einer Polyneuropathie basiert auf der Anamnese, der klinisch-neurologischen Untersuchung, elektrophysiologischen Untersuchungen und gegebenenfalls Laboruntersuchungen und einer Biopsie. Die Elektroneurographie (ENG) misst die Nervenleitgeschwindigkeit, während die Elektromyographie (EMG) die Muskelaktivität untersucht.
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Definition und Inzidenz
Die akute idiopathische Polyradikuloneuritis, meist als Guillain-Barré-Syndrom (GBS) bezeichnet, ist eine akute, entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven und Nervenwurzeln. Sie tritt weltweit mit einer Inzidenz von 0,6-1,9 pro 100.000 Einwohner auf und kann in jedem Lebensalter auftreten.
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Pathogenese
Pathogenetisch handelt es sich beim GBS um eine Autoimmunerkrankung, die in den meisten Fällen durch vorangehende Infektionen getriggert wird. Es kommt zu einer T-Zell-vermittelten Immunreaktion, bei der Makrophagen die Markscheiden peripherer Nerven angreifen. In schweren Fällen kann es auch zu axonaler Degeneration kommen.
Symptome und Diagnose
Häufig berichten die Patienten zu Beginn über Schmerzen und Parästhesien im Rücken und distalen Extremitätenabschnitten. Innerhalb weniger Tage breiten sich dann von distal nach proximal schlaffe Lähmungen aus. Sensible Symptome sind nur gering ausgeprägt oder fehlen ganz. Die Diagnose des GBS wird nach klinischen, elektrophysiologischen und liquorchemischen Kriterien gestellt. Charakteristisch ist ein hohes Gesamteiweiß im Liquor bei normaler Zellzahl.
Therapie
Bei deutlichen Paresen hat sich die möglichst frühzeitige Plasmapherese (in den ersten beiden Wochen) bewährt. Ebenso wirksam, bei weniger Nebenwirkungen, und daher heute zumeist Mittel der ersten Wahl, ist die Therapie mit hoch dosiertem Immunglobulin. Zur Vermeidung von Kontrakturen und Förderung der Restitution muss frühzeitig und regelmäßig krankengymnastisch behandelt werden.
Chronisch-inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)
Definition und Symptome
Die chronisch-inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP) wird oft als chronisches GBS bezeichnet. Die Ausfälle entwickeln sich innerhalb von über 2 Monaten, gelegentlich auch vielen Jahren. Im Vordergrund stehen proximal betonte Paresen der unteren Extremitäten. Die Sensibilitätsstörungen sind im klinischen Bild zumeist deutlicher ausgeprägt als beim GBS.
Diagnose und Therapie
Die CIDP zeigt ebenfalls deutlich verlängerte Nervenleitgeschwindigkeiten und eine Liquoreiweißvermehrung bei normaler Zellzahl. Therapeutisch spricht die CIDP im Gegensatz zum GBS häufig auf Kortikoide an. Aber auch Plasmapherese und Immunglobulintherapie sind wirksam.
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Diazepam und seine Auswirkungen auf das Gehirn
Wirkungsweise von Benzodiazepinen
Benzodiazepine wie Diazepam sind wirksame Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen, Muskelspastiken und Schlafstörungen. Sie wirken beruhigend, angstlösend und muskelrelaxierend.
Langzeitige Einnahme und kognitive Beeinträchtigungen
Während Kurzzeitbehandlungen als sicher gelten, kann ihre langfristige Einnahme zu körperlicher Abhängigkeit und vor allem bei älteren Menschen zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Studien deuten darauf hin, dass eine längere Einnahme von Benzodiazepinen das Risiko für Demenz erhöhen könnte.
Aktivierung von Mikroglia
Forscher haben herausgefunden, dass Benzodiazepine in bestimmte Immunzellen im Gehirn eindringen, die sogenannten Mikroglia. Diese Fresszellen haben die Aufgabe, Zellreste im Gehirn abzubauen, einschließlich schadhafter Synapsen. Benzodiazepine binden im Inneren der Mikroglia an ein bestimmtes Eiweiß, das Translokatorprotein (TSPO), und aktivieren so die Mikroglia. Diese beginnen daraufhin, Synapsen abzubauen und zu recyceln.
Auswirkungen auf die Nervenzellen
Es wird vermutet, dass Benzodiazepine aufgrund ihres Synapsen schädigenden Effekts die kognitiven Symptome neurodegenerativer Erkrankungen verstärken könnten. Menschen in einem Vorstadium der Erkrankung könnten unter dem Einfluss von Benzodiazepinen frühzeitig symptomatisch werden.
Diazepam bei Polyneuropathie: Eine kritische Betrachtung
Anwendung bei Tetanus
In der Therapie von Tetanus wird Diazepam zur Linderung von Muskelspasmen eingesetzt. Tetanus ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht wird und zu schweren Muskelkrämpfen führen kann.
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Mögliche Auswirkungen auf Polyneuropathie
Obwohl Diazepam bei bestimmten neurologischen Zuständen hilfreich sein kann, ist bei der Anwendung bei Patienten mit Polyneuropathie Vorsicht geboten. Die potenziellen Auswirkungen von Diazepam auf die Nervenzellen und die Mikroglia könnten bei Patienten mit bereits bestehenden Nervenschäden problematisch sein.
Alternative Medikamente
Bei der Behandlung von Angstzuständen und Schlafstörungen bei Patienten mit Polyneuropathie sollten Medikamente bevorzugt werden, die nicht auf den Rezeptor TSPO einwirken. Es ist wichtig, die Risiken und Vorteile von Benzodiazepinen sorgfältig abzuwägen und alternative Therapieansätze in Betracht zu ziehen.
Medikamenteninduzierte Polyneuropathie
Übersicht
Polyneuropathien können auch als unerwünschte Wirkungen von Medikamenten auftreten. Arzneimittelbedingte Neuropathien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens, aber nicht immer, bessern sie sich nach Therapieabbruch.
Beispiele
Einige Medikamente, die mit Polyneuropathie in Verbindung gebracht werden, sind Statine, Amiodaron, Vincaalkaloide, Taxane, Platinverbindungen, Bortezomib, Thalidomid und bestimmte Antibiotika. Bei Patienten, die unter Polyneuropathien leiden oder ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Polyneuropathie haben, sollte die Therapie mit diesen Medikamenten vermieden werden.
Therapieansätze bei Polyneuropathie
Behandlung der Grunderkrankung
Am wichtigsten ist eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung, die zur Polyneuropathie geführt hat. Bei Diabetes ist eine langfristig gut eingestellter Blutzucker entscheidend, um das Fortschreiten der Nervenschäden zu verhindern.
Schmerztherapie
Eine begleitende Schmerztherapie kann die Beschwerden lindern. Zum Einsatz kommen Antidepressiva, Antikonvulsiva und in einigen Fällen Opioide. Auch Thioctsäure bzw. Alphaliponsäure kann zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Physikalische Therapie
Die physikalische Therapie hilft bei der Schmerzbekämpfung, vor allem gegen die sensiblen und motorischen Störungen einer Polyneuropathie. Mit Hilfe verschiedener Anwendungen soll die Durchblutung verbessert, die geschwächten Muskeln gestärkt und die Mobilität möglichst lange aufrechterhalten werden.
Weitere Maßnahmen
Weitere Maßnahmen umfassen eine gute Fußhygiene, die Vermeidung von Druckstellen, das Tragen von bequemem Schuhwerk und regelmäßige körperliche Betätigung.
Benzodiazepinabhängigkeit
Epidemiologie und Behandlung
Aus der Gruppe der Beruhigungsmittel sind Benzodiazepine die am häufigsten verordneten Substanzen. Es besteht Einigkeit darüber, dass Benzodiazepine häufig viel länger als empfohlen verordnet werden. Die schädlichen Folgen einer Langzeiteinnahme sind erheblich und sollten dem Patienten vom Arzt verdeutlicht werden: Gedächtnisstörungen, Intoxikationen, Zunahme von Angst und Schlafstörungen, Dosissteigerungen, erhöhte Unfallgefahr.
Frühintervention
Bei Benzodiazepinabhängigkeit ist eine Frühintervention bei beginnender Abhängigkeit im Vergleich mit der Behandlung einer jahrzehntelangen Abhängigkeit erfolgreicher.
Therapieansätze
Zu Beginn der Therapie wird nach sämtlichen medikamentösen Behandlungs- und Selbstbehandlungsversuchen gefragt, aber auch nach Erfahrungen, anders als durch Medikamente auf die zugrunde liegenden Beschwerden Einfluss zu nehmen, um Ressourcen zu erfassen und die Aufmerksamkeit von Beginn an auf die Alternativen zum passiven Medikamentenkonsum zu lenken.
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