Vitamin K2 und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer in Deutschland betroffen sind. Die Erkrankung tritt am häufigsten im Alter zwischen 35 und 45 Jahren auf und kann das Erwerbsleben erheblich beeinträchtigen. Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu bestimmen. Es wird vermutet, dass genetische Veranlagung, veränderte Schlaf-Wach-Rhythmen, Stress, Lichteinstrahlung, bestimmte Nahrungsmittel oder Hormonschwankungen eine Rolle spielen können.

Eine Migräneattacke kann zwischen vier und 72 Stunden dauern und verläuft in verschiedenen Phasen. Vorboten wie Konzentrationsschwäche, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Heißhunger, Durst, Nackenverspannungen, Schlafstörungen, Übelkeit sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit können auftreten. Etwa 15 Prozent der Betroffenen erleben eine Aura, die sich durch Sehstörungen, Sprach- und Bewegungsstörungen äußert. Die Kopfschmerzen selbst sind meist mittelstark bis stark und auf einer Gesichtshälfte lokalisiert.

Migräne und Vitamin K2: Eine Fall-Kontroll-Studie

Eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie untersuchte, ob ein Vitamin K2-Mangel bei Migränepatienten eine Rolle spielt. Hintergrund ist, dass Migräne mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert ist. Die Mechanismen, die diesem Zusammenhang zugrunde liegen, sind jedoch noch unklar. Vitamin K2-Mangel gilt als ein möglicher Risikofaktor für Herz und Kreislauf.

Studiendesign und Teilnehmer

Für die Studie wurden Migränepatienten und Kontrollpersonen mit vergleichbarem Alter und Geschlecht rekrutiert. Die arterielle Gefäßsteifigkeit wurde mittels Pulswellenanalyse gemessen, wobei die Aorta-Pulswellengeschwindigkeit an A. carotis und A. femoralis (cfPWV) bestimmt wurde. Der Vitamin K2-Status wurde anhand des Matrix-GLA-Proteins (MGP) ermittelt, das durch Vitamin K2 aktiviert wird. Insgesamt nahmen 146 Personen (73 passende Patient-Kontrolle-Paare) an der Studie teil. Der Großteil der Teilnehmer (89 %) war weiblich, und das Durchschnittsalter betrug 31,9 Jahre.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse zeigten, dass Migränepatienten im Vergleich zu den Kontrollen signifikant höhere cfPWV-Werte aufwiesen (7,2 ± 1,1 versus 6,4 ± 0,8 m/s, p < 0,001). Dies deutet auf eine höhere arterielle Pulswellengeschwindigkeit und somit auf eine erhöhte Gefäßsteifigkeit hin. Auch die Konzentrationen des nicht-aktivierten Matrix-GLA-Proteins (dp-ucMGP) waren bei den Migränepatienten höher als bei den Kontrollen (454,3 ± 116,7 pmol/l versus 379,8 ± 126,6 pmol/l, p < 0,001). Interessanterweise war eine höhere Pulswellengeschwindigkeit bei Migränepatienten mit Aura mit höheren dp-ucMGP-Konzentrationen assoziiert.

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Interpretation der Ergebnisse

Die Studie deutet darauf hin, dass Menschen mit Migräne häufiger Anzeichen von arterieller Gefäßsteifigkeit aufweisen als gesunde Kontrollpersonen gleichen Alters und Geschlechts. Dieser Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen scheint auch mit einem häufigeren Mangel an Vitamin K2 in Verbindung zu stehen, insbesondere bei Migräne mit Aura.

Vitamin K: Funktionen, Vorkommen und Mangel

Vitamin K ist eine Gruppe von fettlöslichen Vitaminen, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, dem Knochenstoffwechsel und dem Zellwachstum spielen. Es wird in zwei Hauptformen unterschieden: Vitamin K1 (Phyllochinon) und Vitamin K2 (Menachinon). Vitamin K1 kommt vor allem in grünen Gemüsesorten wie Grünkohl, Petersilie und Spinat vor, während Vitamin K2 von bestimmten Bakterien produziert wird und in fermentierten Lebensmitteln wie Natto vorkommt.

Bedeutung von Vitamin K für den Körper

Vitamin K ist essentiell für die Aktivierung von Gerinnungsfaktoren, die für eine normale Blutgerinnung notwendig sind. Darüber hinaus spielt Vitamin K2 eine wichtige Rolle bei der Knochenneubildung und verbessert die Knochenqualität. Es unterstützt die Einlagerung von Calcium in die Knochen und verhindert so Calciumablagerungen in den Gefäßen.

Vitamin-K-Mangel: Ursachen und Folgen

Ein Vitamin-K-Mangel ist bei einer ausgewogenen Ernährung selten. Allerdings können bestimmte Faktoren das Risiko eines Mangels erhöhen:

  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts: Erkrankungen wie Zöliakie, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn können die Aufnahme von Vitamin K beeinträchtigen.
  • Einnahme von Medikamenten: Bestimmte Medikamente, insbesondere Blutgerinnungshemmer (z.B. Marcumar), können die Wirkung von Vitamin K blockieren oder die Aufnahme beeinträchtigen.
  • Neugeborene: Neugeborene haben in der Regel niedrige Vitamin-K-Spiegel, da Vitamin K nur schlecht über die Plazenta gelangt und auch in der Muttermilch nur in geringen Mengen vorhanden ist.

Ein Vitamin-K-Mangel kann zu verschiedenen Symptomen führen, darunter erhöhte Blutungsneigung (blaue Flecken, Nasenbluten, gestörte Wundheilung), Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder innere Blutungen.

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Vitamin K und Vitamin D: Eine sinnvolle Kombination

Eine Kombination von Vitamin D3 und Vitamin K2 kann sinnvoll sein, da beide Vitamine synergistisch wirken, um das mit der Nahrung aufgenommene Calcium in die Knochen einzulagern und Calciumablagerungen in den Gefäßen zu verhindern. Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium bei, während Vitamin K2 die Knochenneubildung unterstützt und die Knochenqualität verbessert.

Weitere Mikronährstoffe bei Migräne

Neben Vitamin K2 gibt es weitere Mikronährstoffe, die bei Migräne eine Rolle spielen können:

  • Magnesium: Magnesium ist an einer Vielzahl biochemischer Prozesse beteiligt und kann bei Migräne helfen, Muskelkrämpfe und Verspannungen zu reduzieren. Studien deuten darauf hin, dass Magnesiummangel bei Migränepatienten häufiger vorkommt als bei gesunden Personen. Eine orale Magnesiumsubstitution kann zur Behandlung und Vorbeugung von Migräne geeignet sein.
  • Vitamin D: Ein Mangel an Vitamin D kann mit der Dauer und Heftigkeit von Migräneanfällen zusammenhängen. Vitamin D wirkt entzündungshemmend und kann möglicherweise auch die Magnesiumaufnahme verbessern. Eine ganzjährige Versorgung mit Vitamin D durch Nahrungsergänzungsmittel wird empfohlen.
  • B-Vitamine: Eine Studie hat gezeigt, dass ein Vitamin-B-Komplex (B6, B9, B12) das Auftreten von Migräneattacken deutlich senken konnte. Vitamin B2 (Riboflavin) spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen und kann sowohl in der Vorbeugung als auch Behandlung von Migräne von Nutzen sein. Vitamin B12, Folsäure (Vitamin B9) und Vitamin B6 können zur Senkung hoher Homocystein-Konzentrationen beitragen, die mit Migräne in Verbindung gebracht werden.
  • Coenzym Q10: Eine Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 konnte in einer Studie die Migränesymptome deutlich und signifikant reduzieren und die Lebensqualität verbessern.

Therapie und Prävention von Migräne

Die Therapie von Migräne zielt sowohl auf die Linderung akuter Schmerzen als auch auf die Vorbeugung weiterer Attacken ab.

Akuttherapie

Zur Behandlung einer akuten Migräneattacke haben sich Schmerzmittel wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) bewährt. Bei einer sicher diagnostizierten Migräne können auch Triptane eingesetzt werden, die rezeptfrei oder verschreibungspflichtig erhältlich sind. In schweren Fällen können auch wirkstoffhaltige Nasensprays oder Fertigspritzen in Frage kommen.

Migräneprophylaxe

Wenn Migräneattacken häufiger als dreimal im Monat auftreten, sollte eine ärztlich begleitete vorbeugende Behandlung in Erwägung gezogen werden. Hier kommen neben verschiedenen verschreibungspflichtigen Wirkstoffen auch Betablocker zum Einsatz.

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Weitere Maßnahmen zur Migräneprävention

Neben medikamentösen Behandlungen können auch verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprävention beitragen:

  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräneattacken. Entspannungsübungen, regelmäßige Pausen und eine ausgewogene Work-Life-Balance können helfen, Stress abzubauen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 Litern pro Tag ist wichtig, um den Körper optimal zu versorgen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren und wenig Omega-6-Fettsäuren kann Entzündungen im Körper reduzieren. Es ist ratsam, Triggerfaktoren wie Koffein oder Alkohol zu vermeiden.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann präventiv gegen Migräne wirken. Allerdings sollte man bei einer akuten Migräneattacke auf Sport verzichten.

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