Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT), definiert als eine Gewalteinwirkung auf den Kopf, die das Gehirn verletzen oder in seiner Funktion stören kann, stellt eine erhebliche Herausforderung in der medizinischen Versorgung dar. Verletzungen von Kopf und Gehirn sind besonders bei jungen und älteren Menschen eine häufige Ursache neurologischer Symptome, bleibender Behinderung und Tod.
Definition und Ursachen des Schädel-Hirn-Traumas
Der Begriff Schädel-Hirn-Trauma (Trauma = Verletzung) steht für Gewalteinwirkungen auf den Kopf, die auch das Gehirn verletzen oder in seiner Funktion stören können. Die Ursache eines Schädel-Hirn-Traumas ist eine Gewalteinwirkung von außen auf den Kopf. Dazu kann es durch Unfälle oder Stürze kommen. Jeder Stoß auf den Kopf kann, wenn er kräftig genug ist, das Gehirn erreichen. Ein Faktor für die Schwere der Verletzungen ist die Geschwindigkeit. Je schneller der Kopf auf ein Hindernis trifft bewegt, desto größer ist die Energie, die abgeleitet werden muss. Energie, die nicht abgeleitet werden kann, trifft mit voller Wucht auf das empfindliche Gehirn.
Symptome und Diagnose
Die Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) reichen von kleinen Blessuren am Kopf, Blutergüssen oder oberflächlichen Hautverletzungen bis zu schwereren Folgen. Bei Symptomen wie einer Störung von Bewusstsein, Gedächtnis oder Sprache sowie Lähmungen oder Krampfanfällen sollte man unbedingt den Rettungsdienst rufen. Das ist auch nötig, wenn Blut oder Flüssigkeit aus der Nase oder dem Ohr austreten. Muss man sich kurze Zeit nach der Kopfverletzung erbrechen, sollte man ebenfalls ins Krankenhaus. Dort werden Betroffene intensivmedizinisch behandelt.
Es kann schwierig sein, direkt das Ausmaß des Schädel-Hirn-Traumas und mitunter Spätfolgen der Verletzung einzuschätzen. Das können Störungen des Geruchssinns, der Sprache oder Lähmungen sein. Beschwerden können verzögert auftreten.
Für die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas fragt der Arzt oder die Ärztin zunächst, wie es zu der Verletzung gekommen ist und untersucht die betroffene Person ausführlich. Entsteht dabei der Verdacht auf schwerere Verletzungen, helfen Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Damit lässt sich abschätzen, wie und wie stark das Gehirn betroffen ist.
Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten
Risikogruppen und Prävention
Gerade bei Kindern muss der Kopf oft einiges aushalten. Eine Gehirnerschütterung, auch leichtes Schädel-Hirntrauma genannt, ist die häufigste Unfallverletzung im Kindesalter. Entwarnung kann meistens gegeben werden, wenn das Kind nach einer Kopfverletzung wieder normal spielt und keine Auffälligkeiten zeigt. Ist das Kind auffällig, verwirrt, desorientiert oder länger bewusstlos? Erbricht es sich, wird es müde oder reagiert es nicht richtig? Dann sollte man eine Notaufnahme aufsuchen.
Eine weitere Risikogruppe für unfallbedingte Blutungen im Kopf sind ältere Menschen. Sie haben oft durch Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes empfindlichere Blutgefäße, auch im Kopf. Wichtige Risikofaktoren sind außerdem Erkrankungen der Blutgerinnung oder Medikamente, die in die Blutgerinnung eingreifen. Auch wiederholte leichte Gewalteinwirkungen auf den Kopf, wie zum Beispiel Gehirnerschütterungen durch einen Kopfball oder Zusammenprall mit Mitspielenden können Schädigungen des Gehirns verursachen. Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen im Profi-Fußball und in anderen Sportarten, bei denen es wiederholt zum Anprallen des Kopfes kommen kann. Der genaue Mechanismus ist bisher unbekannt.
Ein vorbeugender Schutz des Kopfes ist eine wichtige Maßnahme im Alltag. Der Kopf ist empfindlich und man sollte ihn so gut wie möglich schützen. Daher sollte man Unfälle von vornherein vermeiden und Sicherheitssysteme nutzen, wie einen Sicherheitsgurt oder gut sitzenden Fahrradhelm. Speziell für Kinder und ältere Leute sollte man etwa im Haushalt Stolperfallen wie Teppichkanten oder Absätze beseitigen und glatte Böden vermeiden. Bewegungsgesteuerte Lichtquellen verringern das Sturzrisiko auch in der Nacht.
Hirnblutungen: Arten, Ursachen und Symptome
Platzt ein Blutgefäß im Schädel, spricht man von einer Hirnblutung. Die Folge kann ein Schlaganfall sein. Man unterscheidet bei einer Hirnblutung zwischen unterschiedlichen Arten. Dazu gehört unter anderem die interzerebrale Blutung, die Subarachnoidalblutung, das Epiduralhämatom oder ein subdurales Hämatom. Bei einer Hirnblutung muss sofort gehandelt werden. Sie wird in der Regel in der Klinik auf der Intensivstation behandelt.
Laut Definition entsteht eine Hirnblutung, wenn ein Blutgefäß innerhalb des Schädels einreißt, platzt oder verletzt wird. Durch eine Durchblutungsstörung oder den Bluterguss am Gehirn kann das Hirngewebe verletzt werden. Die Folgen einer Hirnblutung können lebensbedrohlich sein. Außerdem besteht die Gefahr, dass eine Hirnblutung zu einem Schlaganfall führt. Je nach dem, wo die Einblutung stattfindet, wird zwischen unterschiedlichen Arten von Hirnblutungen unterschieden. Dazu gehören das Epiduralhämatom, das intrazerebrale Hämatom, die Subarachnoidalblutung und das subdurale Hämatom.
Lesen Sie auch: Lesen Sie unseren Überblick über Hirnblutung, Schlaganfall und Koma
Die unterschiedlichen Arten von Hirnblutungen unterschieden sich wie folgt:
- Intrazerebrale Blutung: Es handelt sich um eine Einblutung im Hirngewebe. Sie betrifft in der Regel einen großen Bereich des Gehirns, daher wird auch oft von einer Hirnmassenblutung gesprochen. Etwa zehn bis 15 Prozent aller Schlaganfälle werden durch eine intrazerebrale Blutung verursacht.
- Subarachnoidalblutung: Sie entsteht unterhalb der mittleren Hirnhaut, zwischen dieser und der weichen Hirnhaut im Innersten. Etwa fünf Prozent aller Schlaganfälle sind auf eine Subarachnoidalblutung zurückzuführen.
- Epiduralhämatom: Bei einer epiduralen Blutung sammelt sich Blut auf der harten Hirnhaut, „Dura mater“ genannt. Sie liegt direkt unterhalb des Schädelknochens und bildet die äußerste der drei Hirnhäute. Sie tritt oft in Verbindung mit einem Schädelbruch auf.
- Subduralhämatom: Bei einer subduralen Blutung sammelt sich das Blut unterhalb der harten Hirnhaut, also zwischen der „Dura mater“ und der mittleren Hirnhaut. Sie wird ebenfalls oft durch Gewalteinwirkung von außen verursacht.
Zu den Ursachen und Risikofaktoren einer leichten oder schweren Hirnblutung gehören alle Umstände, die eine Arteriosklerose (Gefäßerkrankung) indirekt begünstigen. Aufgrund der verschiedenen Arten von Gehirnblutungen gibt es neben den oben genannten Risikofaktoren auch individuelle Ursachen für jede Form einer Hirnblutung:
- Intrazerebrale Blutung: In den meisten Fällen ist ein chronischer Bluthochdruck Ursache für diese Form der Hirnblutung. Seltenere Ursachen sind Kopfverletzungen, Hirntumore, oder Gefäßfehlbildungen wie ein Aneurysma.
- Subarachnoidalblutung: Eine Kopfverletzung ist die häufigste Ursache für diese Art der Hirnblutung. Im Unterschied dazu sind die Ursachen für eine spontane Subarachnoidalblutung ein Aneurysma, also eine Gefäßfehlbildung.
- Epiduralhämatom: Auslöser dieser Blutung im Hirn ist in der Regel ein Schädel-Hirn-Trauma. Eine häufige Ursache dafür ist z. B. ein Sturz beim Sport ohne Schutzhelm.
- Subduralhämatom: Eine akute subdurale Blutung wird durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ausgelöst z. B. durch einen Autounfall.
Typische Symptome bei Männern und Frauen für eine Hirnblutung sind zum Beispiel:
- Sprach- und Sprechstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- plötzlich sehr starke Kopfschmerzen
- Nackensteifheit
- einseitig auftretende Lähmung am Körper, vor allem am Arm, Bein oder Gesicht
- generelles Taubheitsgefühl
- Schluckstörung
- Sehstörung und vorübergehender Sehverlust auf einem Auge
- Pupillenerweiterung
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Schwindel mit Gangunsicherheit
- Verwirrtheit oder Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Koma
- Krampfanfälle
Die Symptome einer Hirnblutung bei Männern und Frauen ähneln oft dem eines typischen Schlaganfalls. Ansonsten können die Anzeichen einer leichten oder schweren Hirnblutung je nach Art variieren. Sie hängen ebenso von Ort und Ausmaß der Blutung ab. Die Symptome entstehen jedoch immer dadurch, dass das ausgetretene Blut die Hirnhaut reizt oder auf benachbarte Hirnregionen drückt.
Um eine Hirnblutung schnell zu erkennen und eine exakte Diagnose zu stellen, sollten Sie sofort den Notarzt verständigen, sobald jemand die Anzeichen einer Hirnblutung aufzeigt. Je schneller eine Blutung im Hirn behandelt wird, desto besser. Je nach Form der Hirnblutung erhöhen sich dadurch die Überlebenschancen.
Lesen Sie auch: Überleben nach Hirnblutung
Diagnostik bei Hirnblutungen
Es gibt unterschiedliche Untersuchungen, um eine genaue Diagnose einer Hirnblutung zu stellen. Bei der Diagnose einer akuten Hirnblutung wird von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Dabei werden die Bewusstseinslage und die Funktion verschiedener Nerven der Patientin oder des Patienten überprüft. In einem Gespräch wird zusätzlich besprochen, wie es zu den Symptomen der Hirnblutung kam. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es wichtig zu wissen, ob die Gehirnblutung durch einen Sturz, Medikamenteneinnahme oder z. B. den Konsum von Drogen ausgelöst wurde.
Ein wichtiges Verfahren zur Bildgebung bei einer Hirnblutung ist eine Computertomografie des Kopfes (CT). Damit lässt sich eine Blutung im Gehirn bildlich direkt nachweisen. Diese erscheint als „heller Fleck“ auf dem Scan des Gehirns und zeigt damit sowohl das Ausmaß der Hirnblutung als auch den Ort der Entstehung. Außerdem kann durch einen CT-Scan eine Hirnblutung von einem Schlaganfall unterschieden werden.
Eine weitere wichtige Untersuchung, um eine akute Hirnblutung festzustellen, ist das Gefäßröntgen (Angiografie) im Schädelbereich. Mit der Hilfe von Kontrastmitteln wird eine Röntgendarstellung der Hirngefäße erstellt. Um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, wird dieses Verfahren oft mit einem CT oder MRT kombiniert.
Behandlung von Hirnblutungen
Was man bei einer Hirnblutung tun kann, hängt von der Größe, Lage und dem Auslöser ab. In der Regel ist eine stationäre Behandlung in der Klinik notwendig, meistens auch auf der Intensivstation. Die Symptome einer Hirnblutung und auch die zusätzlich entstandenen Komplikationen werden nach Bedarf versorgt. Starke Kopfschmerzen, Fieber oder Krampfanfälle werden mit Medikamenten wie Schmerzmitteln, Fiebersenkern und kramlösenden Mitteln behandelt. Besonders wichtig bei der Behandlung mit konservativen Mitteln ist die Vorbeugung einer Hirnschwellung (Hirnödem). Diese ist oft eine Folge einer starken Hirnblutung und sorgt für einen gefährlichen Druckanstieg im Schädel. Durch den entstandenen Hirndruck können weitere Hirnzellen absterben.
In manchen Fällen, je nach Ausmaß und Lager der Hirnblutung, muss diese operativ versorgt werden:
- Intrazerebrale Blutung: Bei dieser Form der Blutung im Hirn wird sorgfältig abgewogen, ob ein operativer Eingriff durchgeführt wird. Der Eingriff selbst birgt das Risiko Hirngewebe zu verletzen. Eine Operation bei einer intrazerebralen Blutung kann aber auch lebensrettend sein. In der Regel wird zusätzlich ein Katheter oder Shunt gelegt, um Nervenwasser abzuleiten. Damit wird verhindert, dass sich der Hirndruck weiter erhöht.
- Subarachnoidalblutung: Handelt es sich beim Auslöser dieser Hirnblutung um ein Aneurysma, wird bei einem operativen Eingriff dieses abgeklemmt. Häufiger jedoch wird das sogenannte „Coiling“ angewandt. Dabei wird eine Platinspirale über die Leistenarterie bis zum Aneurysma eingeführt, um die Blutung zu stoppen. Auch bei der Subarachnoidalblutung muss ein Shunt zum Ablassen des Nervenwassers gelegt werden, damit der Hirndruck gesenkt wird.
- Subduralhämatom: Ein kleines subdurales Hämatom erfordert keinen operativen Eingriff. Handelt es sich allerdings um eine größere subdurale Blutung muss es operativ entfernt werden. Um den Hirndruck zu senken, werden mehrere kleine Löcher in die Schädeldecke gebohrt. In anderen Fällen muss die Schädeldecke geöffnet werden, um das Hämatom zu entfernen.
- Epiduralhämatom: Hier sollte die Blutansammlung zwischen Schädeldecke und äußerer Hirnhaut schnellstmöglichst operativ entfernt werden, vor allem wenn es sich um ein größeres Hämatom handelt. Auch hier werden Löcher in den Schädelknochen gebohrt, um das Blut abzulassen oder die Schädeldecke geöffnet, um das Hämatom zu entfernen und die Blutung zu stoppen.
Die Rolle der Kraniotomie und Kraniektomie
Eine Kraniotomie ist die chirurgische Eröffnung des Schädels, um Zugang zum Gehirn zu erhalten. Es gibt zwei Verfahren im Umgang mit dem Knochendeckel: die osteoplastische Kraniotomie und das osteoklastische Vorgehen (Kraniektomie). Risiken umfassen Blutungen, Infektionen und neurologische Komplikationen.
Bei der Kraniektomie setzt der Chirurg das herausgesägte Knochenstück nicht wieder in seine ursprüngliche Position. Das Loch wird lediglich mit der Kopfschwarte und Kopfhaut verschlossen. Diese Methode wird zum Beispiel bei erhöhtem Hirndruck angewandt. Bei der osteoplastischen Kraniotomie setzt der Arzt den Knochendeckel wieder ins Schädeldach ein, wo sie nach einigen Monaten mit dem umgebenden Knochen verwächst.
Die operative Eröffnung des Schädels (Kraniotomie) ist für nahezu alle neurochirurgischen Operationen am Gehirn oder an den Hirnhäuten notwendig. Bei der operativen Therapie folgender Erkrankungen wird sie eingesetzt:
- Hirntumoren
- Hirnblutung
- Gesteigerter Hirndruck (Entlastungskraniotomie)
- Gewinnung von Gewebeproben
- Aussackung von Hirnarterien (Aneurysmata)
- Hirnareale, die eine Epilepsie verursachen (Epilepsiechirurgie)
- Hirnabszess
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es im Einzelfall zu Komplikationen kommen. Mögliche Risiken sind:
- Blutung und Bluterguss (Hämatom), eventuell mit operativer Entlastung
- Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen oder Embolien)
- Infektion
- Wundheilungsstörung
- Ästhetisch unbefriedigende Narbenbildung
- Narkosekomplikationen
Besondere Risiken der Schädeleröffnung und der Operation am Gehirn können sein:
- Verletzung von gesundem Hirngewebe
- epileptische Anfälle (Epilepsie)
- Austritt von Hirnflüssigkeit (Liquor)/ Liquorfistel
- Gedächtnisstörungen
- Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen
- Lähmungen
- Sprachstörungen (z. B. Aphasie oder Dysarthrie)
- Ansammlung von Luft in der Schädelhöhle (Pneumocephalus)
- Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
Einige dieser Komplikationen wie epileptische Anfälle können auch erst Wochen bis Monate nach der Operation auftreten, etwa infolge einer Narbenbildung im Gehirn.
Entlastungskraniektomie bei erhöhtem Hirndruck
Eine Entlastungskraniektomie, also eine Entfernung von Teilen des Schädeldachs, wird nur dann durchgeführt, wenn der steigende Hirndruck trotz intensiver medikamentöser Gegenmaßnahmen das Gehirn weiter zu schädigen droht. Durch die Entfernung des Schädeldachs erhält das angeschwollene Gehirn mehr Platz und der Druck im Schädelinneren sinkt.
Eine Gemeinschaftsstudie unter Beteiligung von Leipziger Wissenschaftlern belegt, dass die Entfernung eines Teils der Schädeldecke Betroffenen das Leben rettet, sie jedoch nicht vor schwerer Behinderung bewahrt. Patienten, die älter als 60 Jahre alt sind und einen sehr schweren Schlaganfall erlitten haben, profitieren davon, die Schädeldecke über dem betroffenen Gewebe vorübergehend zu entfernen, um den Druck vom Hirn zu nehmen (im Fachausdruck Hemikraniektomie). Dadurch werden ihre Überlebenschancen fast um die Hälfte erhöht. Allerdings behalten die Betroffenen starke Behinderungen zurück und sind in der Regel pflegebedürftig.
Ist die Schwellung zurückgegangen, wird der Schädelknochen nach drei bis sechs Monaten wieder eingesetzt. Bei jüngeren Patienten steigt die Überlebenschance durch diese Methode um das Dreifache und Behinderungen, die zu einer dauerhaften Bettlägerigkeit führen, bleiben seltener zurück.
Kranioplastik: Wiederherstellung des Schädels
Der Begriff Kranioplastik bezeichnet die operativen Verfahren zur Wiederherstellung der Kontinuität des Schädels durch Verschluss oder Reparatur eines Defektes oder einer Deformität. Gründe für einen solchen Defekt können Unfälle sein bei denen der Schädelknochen (Kalotte) verletzt wird. Andere Gründe sind akute, krankhafte Prozesse im Schädelinneren (Blutung, Schlaganfall) bei denen der Neurochirurg einen Teil des Schädelknochens operativ entfernen muss, um z.B. erhöhtem Hirndruck durch eine Schwellung entgegenzuwirken. Der Kalottendefekt wird nach dem Abklingen der Akutsymptomatik und der Schwellung zum Schutz des Gehirns und aus kosmetischen Gründen wieder verschlossen. In den meisten Fällen erfolgt dieser Wiederverschluss nach zwei bis drei Monaten.
Bei diesem Verfahren wird der zuvor entnommene, patienteneigene (autologe) Kalottenteil zum Wiederverschluss des bestehenden Defektes genutzt. Das Verfahren wird angewendet, wenn ein Teil des Schädelknochens aufgrund einer akuten Erkrankung als Ganzes entfernt werden konnte. In einigen Fällen kann der eigene Knochen des Patienten nicht mehr für den Defektverschluss verwendet werden. Zum Beispiel wenn der Knochen nach einem Unfall in sehr kleine Teile frakturiert ist oder er im Rahmen einer offenen Verletzung bakteriell kontaminiert wurde.
Es stehen, je nach Anwendungsbereich, unterschiedliche (heterologe) Kunstmaterialen zur Verfügung. Dazu gehören individuell angefertigte Implantate (CAD) aus Polymerverbindungen, aus Keramik und aus Knochenzement.
- CAD-Kranioplastik: Bei großen Defekten, zum Beispiel nach einer Hemikraniektomie (fast vollständige Entfernung des halben Schädelknochens), werden bevorzugt individualisierte Implantate verwendet. Diese werden anhand von hochauflösenden CT-Scans von spezialisierten Medizintechnikanbietern erstellt. Der behandelnde Neurochirurg kann bei Bedarf an einem digitalen Vorabmodell Änderungen vornehmen.
- Knochenzement-Kranioplastik: Bei kleineren Defekten werden Implantate aus schnell härtendem Knochenzement genutzt.
Rehabilitation nach Hirnblutung
Eine Hirnblutung kann einige Folgeschäden oder Langzeitschäden sowohl körperlicher als auch geistiger Natur mit sich bringen. Einige Patientinnen und Patienten schaffen es sich nach einer Hirnblutung relativ schnell vollständig zu erholen, während andere Monate bis Jahre brauchen. Je nach Ausmaß der Hirnblutung gibt es auch Folgeschäden, die nicht durch eine Therapie verbessert werden können.
Einige der Folgeschäden einer Hirnblutung sind:
- Bewegungsstörungen
- Sprachstörungen (Aphasie)
- Sprechstörung (Dysarthrie)
- Seh- oder Gedächtnisstörung
Bei der anschließenden Therapie nach einer Hirnblutung werden gemeinsam Strategien entwickelt, um die Folgeschäden bestmöglich zu behandeln oder zu erlernen, wie man am besten mit ihnen im Alltag zurechtkommt. Grundsätzlich gilt, dass je früher eine Rehabilitation nach einer Hirnblutung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.
Es gibt verschiedene Formen der Rehabilitation:
- Eine besondere Form der Krankenhausbehandlung ist die Frühreha. Sie wird noch zum Klinikaufenthalt gezählt und beinhaltet den ersten Schritt einer Rehabilitation bei schwer erkrankten Betroffenen. Wie nach einem Schlaganfall werden dazu im Krankenhaus frühzeitig Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie begonnen, wenn neurologische Symptome vorhanden sind.
- Eine medizinische Rehabilitation (Reha) ist ein wichtiger Baustein der Behandlung nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Der Bedarf und die Leistungsfähigkeit zur Reha werden von den behandelnden Personen eingeschätzt. Auch der betroffene Mensch selbst soll, soweit möglich, bei der Entscheidung zur Reha mitwirken. Der Sozialdienst im Krankenhaus kann bei der Beantragung und Planung einer Reha weiterhelfen. Für Erwerbstätige trägt die Rentenversicherung die Kosten einer Reha. Wenn eine medizinische Reha beantragt werden soll, ist der behandelnde Arzt der erste Ansprechpartner. Reha-Leistungen können ambulant, stationär oder mobil erbracht werden. Ambulante Leistungen sind dabei, wenn möglich, zu bevorzugen. Sie finden wohnortnah in einer Klinik oder einem Rehazentrum statt. Nach der Behandlung können die Betroffenen abends nach Hause zurückkehren. Deshalb ist eine wichtige Voraussetzung die ausreichende Mobilität des Teilnehmenden.
Die Dauer der Therapie, die an eine Hirnblutung anschließt, variiert von Fall zu Fall und hängt vom Ausmaß der Blutung ab. Eine Reha nach einer Hirnblutung wird stationär durchgeführt und kann zwischen vier und sechs Wochen dauern.
Verschiedene Therapieformen kommen in der Rehabilitation zum Einsatz:
- Logopädie: behandelt Störungen in der Kommunikation, beim Sprechen und Schlucken.
- Physiotherapie: hilft die motorischen Fähigkeiten, Beweglichkeit und Balance zu verbessern oder zu erhalten. Durch gezielte Übungen werden Muskelkraft, Gelenkmobilität, Koordination und Gleichgewicht trainiert. Sie hilft, Schmerzen zu lindern und die körperliche Funktion zu optimieren.
- Ergotherapie: konzentriert sich auf Alltagsaktivitäten und hilft den Patienten, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten. Es geht um die Fähigkeit, tägliche Aufgaben und Tätigkeiten selbstständig durchzuführen.
- Sporttherapie: verbessert Ausdauer, Kraft und allgemeine körperliche Fitness. Es kann auch dazu beitragen, das Fortschreiten von Symptomen einiger neurologischer Erkrankungen zu verlangsamen, wie zum Beispiel bei Parkinson.
Langzeitfolgen und Prävention
Leichte Schädel-Hirn-Traumata heilen meistens, ohne dass Betroffene bleibend eingeschränkt sind. Allerdings gibt es vermehrt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Demenz oder Parkinsonerkrankungen, wenn leichte Schädel-Hirn-Traumata sich sehr häufig wiederholen. Bei schwereren Schädel-Hirn-Traumata richtet sich der weitere Verlauf nach vielen Faktoren. Das sind unter anderem das Lebensalter, die Größe und Lage des verletzten Hirngewebes.
Es gibt einige Faktoren, die Sie positiv beeinflussen können, um einer Hirnblutung vorzubeugen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Konsum von Alkohol oder Drogen.
tags: #hirnblutung #schadelknochen #entfernt