Energy-Drinks sind in der modernen Gesellschaft weit verbreitet und werden von Erwachsenen, Jugendlichen und sogar Kindern konsumiert. Sie versprechen mehr Energie, Wachheit und Leistungsfähigkeit. Doch der übermäßige Konsum dieser Getränke birgt erhebliche Risiken für die Gesundheit, insbesondere für das Herz-Kreislauf-System und das Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die Risikofaktoren von Hirnblutungen im Zusammenhang mit Energy-Drinks und zeigt auf, welche Gefahren von diesen vermeintlichen Wachmachern ausgehen können.
Einleitung
Energy-Drinks sind koffeinhaltige Erfrischungsgetränke, die oft mit weiteren Substanzen wie Taurin, Guarana und Glucuronolacton angereichert sind. Sie werden gerne vor dem Sport, beim Computerspielen, in Prüfungsphasen oder beim Feiern konsumiert, um Müdigkeit zu vertreiben und die Konzentration zu steigern. Doch die Kombination aus hohem Koffeingehalt und anderen Inhaltsstoffen kann bei übermäßigem Konsum schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Fallbeispiel: Schlaganfall durch übermäßigen Energydrink-Konsum
Ein besonders aufschlussreicher Fallbericht aus dem Nottingham University Hospital in Großbritannien verdeutlicht die potenziellen Gefahren von Energy-Drinks. Ein ansonsten gesunder 51-jähriger Mann erlitt einen leichten Schlaganfall, nachdem er täglich bis zu acht Dosen Energy-Drinks konsumiert hatte. Er stellte sich in der Notaufnahme mit Symptomen wie Taubheitsgefühlen, Gleichgewichtsproblemen, Schwierigkeiten beim Gehen, Schlucken und Sprechen sowie Schwäche in der linken Körperhälfte vor. Die Ärzte diagnostizierten einen leichten Schlaganfall.
Der Mann wies keine typischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall auf, jedoch wurde ein deutlich erhöhter Blutdruck von 254/150 mmHg gemessen. Die Mediziner führten diesen extrem hohen Blutdruck auf den übermäßigen Konsum von Energy-Drinks zurück, die je Dose 160 mg Koffein enthielten. Somit nahm der Patient täglich fast 1.300 mg Koffein zu sich - rund das Dreifache der empfohlenen Höchstmenge.
Dieser übermäßige Koffeinkonsum führte zu einem dauerhaften, unkontrollierten Bluthochdruck, der selbst mit sechs verschiedenen blutdrucksenkenden Wirkstoffen nicht stabilisiert werden konnte. Erst ein vollständiger Verzicht auf Energy-Drinks führte innerhalb einer Woche zu einer Normalisierung des Blutdrucks, sodass die Medikamente abgesetzt werden konnten.
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Dieser Fall verdeutlicht, dass Energy-Drinks bei übermäßigem Konsum das Risiko für Schlaganfälle erhöhen können, selbst bei Personen ohne andere Risikofaktoren.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Energy-Drinks enthalten neben Wasser und Zucker (oder Süßstoffen) eine Reihe von Inhaltsstoffen, die für ihre aufputschende Wirkung verantwortlich sind. Zu den wichtigsten gehören:
- Koffein: Koffein ist ein Stimulans, das die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöhen kann. Es blockiert den Adenosin-Rezeptor, wodurch die gefäßerweiternde Wirkung von Adenosin gehemmt wird. Zudem stimuliert Koffein die Freisetzung von Katecholamin, Renin und Aldosteron, was zu einer Steigerung der Herzleistung und des peripheren Gefäßwiderstands führt.
- Taurin: Taurin ist ein Aminosäurederivat, das antioxidative Eigenschaften besitzt. Es wird oft Energy-Drinks zugesetzt, um die aufputschende Wirkung zu verstärken, obwohl die wissenschaftliche Beweislage hierfür dünn ist. Die EFSA stuft Taurin jedoch als unbedenklich ein.
- Guarana: Guarana ist ein Pflanzenextrakt, der ebenfalls Koffein enthält und somit die stimulierende Wirkung von Energy-Drinks verstärkt.
- Glucuronolacton: Glucuronolacton ist ein Produkt aus dem Kohlenhydratstoffwechsel, dessen Wirkung in Energy-Drinks umstritten ist.
Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System
Übermäßiger Konsum von Energy-Drinks kann die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems ungünstig beeinflussen. Zu den befürchteten Folgen gehören:
- Bluthochdruck: Wie im oben genannten Fallbeispiel gezeigt, kann der hohe Koffeingehalt in Energy-Drinks zu einem deutlichen Anstieg des Blutdrucks führen. Chronischer Bluthochdruck ist ein bekannter Risikofaktor für Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wissenschaftler konnten in einer Studie zeigen, dass der Konsum von 900 ml Energy Drinks mit einem Koffeingehalt von 300-350 mg in Verbindung mit zahlreichen anderen Substanzen innerhalb von zwei Stunden zu einem deutlichen Blutdruckanstieg führt. Der systolische Blutdruck stieg um etwa 15 mmHg, der diastolische um 10 mmHg an.
- Herzrhythmusstörungen: Energy-Drinks können Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und Kammerflimmern auslösen. In einer US-amerikanischen Studie gaben 5 % der Patienten, die einen Herzstillstand überlebt hatten, an, kurz vor dem Zusammenbruch einen oder mehrere Energy-Drinks konsumiert zu haben. Energy Drinks mit einem Gehalt von 300-350 mg Koffein und weiteren Substanzen verlängern auch die sogenannte korrigierte QT-Zeit im EKG um mehr als 15 ms. Ab einer Zunahme von 10 ms ist das Risiko für Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Torsade-de-pointes-Tachykardien grundsätzlich erhöht.
- Plötzlicher Herztod: In seltenen Fällen kann der Konsum von Energy-Drinks zu einem plötzlichen Herztod führen, insbesondere bei Personen mit genetisch bedingten Herzerkrankungen.
Weitere Risiken und Nebenwirkungen
Neben den Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System können Energy-Drinks auch weitere gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen verursachen:
- Krampfanfälle: Zahlreiche Fallberichte in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Meldungen von Vergiftungszentralen zeigen die teilweise schwerwiegenden gesundheitlichen Nebenwirkungen von Energy-Drinks. Eine besonders gefährliche Nebenwirkung sind Krampfanfälle des Gehirns.
- Herzinfarkt: Auch Krämpfe der Herzkranzarterien und Herzinfarkte werden häufig in Zusammenhang mit Energy Drinks berichtet.
- Diabetes: Der hohe Zuckergehalt in vielen Energy-Drinks kann das Risiko für Typ-2-Diabetes, Übergewicht und Adipositas erhöhen.
- Schlafstörungen: Der Koffeingehalt in Energy-Drinks kann zu Schlafstörungen, Nervosität und Angstzuständen führen.
- Dehydration: Energy-Drinks können entwässernd wirken und somit zu Dehydration führen.
- Zahnschäden: Der hohe Säuregehalt in Energy-Drinks kann den Zahnschmelz angreifen und Karies fördern.
Energy-Drinks bei Kindern und Jugendlichen
Besonders bedenklich ist der Konsum von Energy-Drinks bei Kindern und Jugendlichen. Studien haben gezeigt, dass Jugendliche vergleichsweise am häufigsten Energy-Drinks konsumieren. Da sich ihr Körper noch in der Entwicklung befindet, sind sie besonders anfällig für die negativen Auswirkungen von Koffein und anderen Inhaltsstoffen.
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Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche maximal 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich nehmen sollten. Bereits eine Dose handelsüblicher Energy-Drinks kann diese Menge überschreiten.
Die Deutsche Herzstiftung fördert die EDUCATE-Studie (Energy Drinks Unexplored Cardiovascular Alterations in TEens and TwEens), die die akuten Auswirkungen des Energy-Drink-Konsums auf die Herzkreislauffunktion gesunder Kinder und Jugendlicher untersucht. Ziel der Studie ist es, präventive Maßnahmen für den Schutz Minderjähriger abzuleiten.
Gesetzliche Bestimmungen und Empfehlungen
In Deutschland sind Energy-Drinks durch die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung reguliert. Demnach dürfen Energy-Drinks maximal 320 Milligramm Koffein pro Liter enthalten. Bei mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter müssen Getränke den Hinweis tragen: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“.
Einige Länder wie Polen, Lettland, Litauen und Rumänien haben den Verkauf von Energy-Drinks an Minderjährige bereits verboten. Auch in Deutschland wird eine Altersbeschränkung für Energy-Drinks gefordert.
Präventive Maßnahmen und Empfehlungen
Um die Risiken von Energy-Drinks zu minimieren, sollten folgende präventive Maßnahmen und Empfehlungen beachtet werden:
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- Mäßigung: Energy-Drinks sollten nur in Maßen konsumiert werden, wenn überhaupt.
- Vermeidung bei Risikogruppen: Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Schlafstörungen oder anderen gesundheitlichen Problemen sollten Energy-Drinks meiden.
- Kein Konsum bei Kindern und Jugendlichen: Kinder und Jugendliche sollten aufgrund der potenziellen gesundheitlichen Risiken keine Energy-Drinks konsumieren.
- Aufklärung: Es ist wichtig, über die potenziellen Risiken von Energy-Drinks aufzuklären, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
- Alternativen: Statt Energy-Drinks sollten gesündere Alternativen wie Wasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen bevorzugt werden.
- Regulierung: Strengere Regulierungen für den Verkauf und die Werbung von Energy-Drinks könnten dazu beitragen, den übermäßigen Konsum einzudämmen.
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