Tinnitus und niedriger Hirndruck: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Tinnitus, ein Ohrgeräusch ohne äußere Schallquelle, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Bis zu 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter chronischem Tinnitus, wobei die Dunkelziffer vermutlich höher liegt. Die Geräusche können vielfältig sein, von Pfeifen über Flirren bis hin zu Dröhnen, und ein oder beide Ohren betreffen. Obwohl viele Menschen betroffen sind, herrscht oft Unwissenheit über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Formen und Symptome von Tinnitus

Es gibt zwei Hauptformen von Tinnitus:

  • Subjektiver Tinnitus: Diese Form ist am häufigsten und wird ausschließlich vom Betroffenen wahrgenommen.
  • Objektiver Tinnitus: Diese Form ist seltener und kann vom Arzt mit einem Stethoskop im Gehörgang des Patienten gehört werden.

Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, ähnlich wie Rücken- oder Kopfschmerzen. Daher ist eine gründliche Diagnostik wichtig, um die Ursache zu finden und eine erfolgreiche Therapie einzuleiten.

Wann zum Arzt?

Es ist ratsam, bei jedem akut auftretenden Ohrgeräusch einen HNO-Facharzt aufzusuchen. Auch wenn keine Panik geboten ist, sollte eine Untersuchung innerhalb von 24 bis 48 Stunden erfolgen. Je früher die Ursache gefunden oder ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen werden können, desto gezielter kann die Behandlung erfolgen.

Diagnose von Tinnitus

Die Diagnose von Tinnitus umfasst drei Teile:

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  1. Ausführliches Gespräch und körperliche Untersuchung: Der Arzt führt ein intensives Gespräch mit dem Patienten und untersucht Ohr, Hals und Kopf. Dabei wird geprüft, ob beispielsweise ein Ohrpfropf die Ursache ist oder Infektionen vorliegen.
  2. Hörprüfung: Eine vollständige Hörprüfung beinhaltet ein Tonaudiogramm und die Messung der otoakustischen Emissionen (OAE). Bei Bedarf kann eine Hirnstammaudiometrie den Hörnerv überprüfen.
  3. Radiologische Untersuchungen: Bei pulssynchronem Tinnitus kann Ultraschall zeigen, ob Verkalkungen von Blutgefäßen in Kopfnähe die Ursache sind. In seltenen Fällen werden angeborene vaskuläre Anomalien entdeckt.

Häufige Ursachen von Tinnitus

Letztendlich haben Ohrgeräusche fast immer einen gemeinsamen Auslöser: Durchblutungsstörungen. Diese können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, von harmlos bis hin zu ernsten Erkrankungen:

  • Flüssigkeitsmangel
  • Niedriger oder zu hoher Blutdruck
  • Stress: Stress kann die Gefäßdurchblutung verändern.
  • Lärm: Laute Geräusche, wie Silvesterknaller oder Industrielärm, können Tinnitus verursachen.
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie Chemotherapeutika, bestimmte Antibiotika und Aspirin in extrem hohen Dosen, können ototoxisch wirken.
  • Infektionen: Borreliose kann Tinnitus verursachen.
  • Zervikale Syndrome: Probleme mit der Halswirbelsäule können indirekt die Durchblutung im Innenohr einschränken.
  • Gefäßveränderungen: Arteriosklerose kann gefährlich sein und einen Schlaganfall auslösen.

Oft wird jedoch keine Ursache für den Tinnitus gefunden.

Tinnitus und niedriger Hirndruck

Ein niedriger Hirndruck, auch bekannt als Hypotonie des Liquor cerebrospinalis, kann ebenfalls eine Ursache für Tinnitus sein. Der Hirndruck wird durch das Volumen des Liquors, des Gehirns und des Blutes bestimmt. Ein Ungleichgewicht in einem dieser Faktoren kann zu einem zu niedrigen oder zu hohen Hirndruck führen. Ein niedriger Hirndruck kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z. B. eine Liquorfistel (ein Leck im Liquorraum), Dehydration oder bestimmte Medikamente.

Die Symptome eines niedrigen Hirndrucks können Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Tinnitus umfassen. Der Tinnitus bei niedrigem Hirndruck wird oft als pulssynchron beschrieben, d. h. er pulsiert im Rhythmus des Herzschlags.

Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH)

Die idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH), früher als Pseudotumor cerebri bekannt, ist eine Erkrankung, die durch einen erhöhten Hirndruck ohne erkennbare Ursache gekennzeichnet ist. Obwohl IIH in der Regel mit einem erhöhten Hirndruck in Verbindung gebracht wird, ist es wichtig zu beachten, dass es sich um eine komplexe Erkrankung handelt, bei der die Beziehung zwischen Hirndruck und Symptomen nicht immer linear ist. In einigen Fällen können Patienten mit IIH Tinnitus erleben, und es ist möglich, dass Schwankungen des Hirndrucks, auch wenn sie nicht im herkömmlichen Sinne "niedrig" sind, zu diesen Ohrgeräuschen beitragen können.

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IIH tritt häufiger bei jungen, übergewichtigen Frauen auf. Zu den Symptomen gehören Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel und Tinnitus. Die Diagnose wird durch eine Lumbalpunktion gestellt, bei der der Hirndruck gemessen wird. Die Behandlung umfasst Gewichtsverlust, Medikamente zur Senkung des Hirndrucks und in schweren Fällen eine Operation.

Behandlung von Tinnitus

Die Behandlung von Tinnitus sollte zweigleisig erfolgen:

  1. Behandlung der Ursache: Falls eine Ursache gefunden wurde, sollte diese therapiert werden, z.B. eine Schilddrüsenstörung.
  2. Behebung der Durchblutungsstörung im Ohr: Je länger die Durchblutungsstörung besteht, desto wahrscheinlicher sind bleibende Schäden an den Sinneszellen.

In Deutschland werden eine Standard- und eine Ersatztherapie angewendet:

  • Hochdosierte Kortisontherapie: Diese wird über wenige Tage hinweg durchgeführt.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie: Diese kommt zum Einsatz, wenn Kortison kontraindiziert ist.

Die Heilungschancen liegen bei 80 Prozent, sowohl mit als auch ohne Behandlung.

Was tun bei chronischem Tinnitus?

Auch bei chronischem Tinnitus sollten sich Betroffene nicht damit abfinden. Es ist wichtig, eine fassbare Ursache zu identifizieren und zu behandeln, sowie weitere Erkrankungen auszuschließen. In der Regel reichen drei Arztbesuche aus:

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  1. Diagnostik und Medikation: Zusätzlich erhält der Patient eine Liste von möglichen Ursachen, die er abarbeiten sollte.
  2. Kontrolle: Ist der Tinnitus weg oder wurde eine Ursache gefunden?
  3. Besprechung weiterer Hilfen: Wenn der Tinnitus chronisch ist, werden weitere Hilfen besprochen.

Strategien für chronischen Tinnitus

Beim chronischen Tinnitus gehen Ärzte strategisch anders vor. Auch jetzt ist der Tinnitus noch beeinflussbar, bzw. die Belastung, die er für den Einzelnen bedeutet. Wenn keine fassbare Ursache gefunden wird, ist der Tinnitus für den Körper wie eine Narbe - manche Narben sieht man, diese Narbe hört man.

Wahrnehmungsverschiebung

Die Wahrnehmungsverschiebung ist ein wichtiger Prozess, um mit chronischem Tinnitus umzugehen. Dabei lernt das Gehirn, das Geräusch auszublenden und nicht mehr als störend wahrzunehmen.

Masker und Noiser

Masker und Noiser sind Geräte, die wie Hörgeräte tagsüber getragen werden und auf den persönlichen Tinnitus abgestimmt sind. Sie überlagern oder überdecken den Tinnitus angenehm.

Tinnitus-Retraining-Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie kann durch einen Psychosomaten durchgeführt werden und umfasst ausführliche Beratung, Entspannungstherapien und Osteopathie.

Neuromodulations-Methode

Eine alternative Methode ist die Neuromodulation, die über den Nervus Trigeminus subkortikal die Hörwahrnehmung gleichzeitig mit der Ohrgeräuschwahrnehmung verschiebt. Dabei wird Schall ans Ohr geleitet, parallel dazu stimuliert ein Chip über die Zunge den Nervus Trigeminus.

Durchblutungsstörungen im Kopf

Durchblutungsstörungen im Kopf können zu Schlaganfällen und Sehstörungen führen. Wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt wird, kommt es in bestimmten Arealen zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff.

Symptome von Durchblutungsstörungen im Gehirn

  • Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen
  • Schwindel, Übelkeit und Erbrechen
  • Störungen des Sehvermögens
  • Konzentrationsprobleme
  • Gedächtnisstörungen
  • Taubheitsgefühl in Armen und Beinen
  • Lähmungen im Bereich des Gesichts, der Arme und Beine
  • Koordinationsschwierigkeiten
  • Schmerzen im Bereich der Nackenmuskulatur

Ursachen von Durchblutungsstörungen im Gehirn

Die häufigste Ursache ist eine Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose). Auch Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen.

Behandlung von Durchblutungsstörungen im Gehirn

Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Bei einer akuten Durchblutungsstörung ist eine schnelle Behandlung wichtig, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Schwindel

Schwindel kann viele Ursachen haben. Plötzlicher, anfallsartiger Schwindel, der in 1 bis 2 Minuten abklingt, deutet vor allem auf Gutartigen Lagerungsschwindel hin. Wenn der Schwindel länger als 24 Stunden anhält, liegt am ehesten eine Entzündung und der Ausfall eines Gleichgewichtsnerven vor (Neuritis vestibularis, auch Akute unilaterale Vestibulopathie genannt).

Ursachen von Schwindel

  • Gutartiger Lagerungsschwindel
  • Neuritis vestibularis
  • Morbus Menière
  • Funktionsstörung oder Schädigung im Gleichgewichtszentrum des Gehirns
  • Funktionsstörung oder Schädigung am Gleichgewichtsnerven oder im Gleichgewichtsorgan im Innenohr
  • Tumor an Hör- und Gleichgewichtsnerven (Akustikusneurinom)
  • Multiple Sklerose
  • Parkinson
  • Polyneuropathie
  • Probleme mit Herz und Kreislauf
  • Zu niedrige Zuckerwerte bei Menschen mit Diabetes
  • Funktionsstörungen der Schilddrüse
  • Kurz- oder Weitsichtigkeit ohne Brille
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Infekte
  • Schwindel während der Periode
  • Schwindel während der Schwangerschaft
  • Schwindel während der Wechseljahre
  • Alkohol

Behandlung von Schwindel

Die Behandlung von Schwindel richtet sich immer nach der Ursache. Man behandelt medikamentös, physiotherapeutisch oder psychotherapeutisch.

Pulsatiler Tinnitus

Ein pulsierender Tinnitus, der oft als rhythmisches Rauschen im Ohr wahrgenommen wird, kann auf Gefäßveränderungen im Schädel zurückzuführen sein. Eine häufige Ursache ist eine durale arteriovenöse Fistel (AV-Fistel), eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Arterie und einem venösen Sinus in der Hirnhaut.

Diagnose und Behandlung von pulsatilem Tinnitus

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine MRT-Untersuchung. Die Behandlung kann eine Operation, Bestrahlungstherapie oder eine endovaskuläre Behandlung mittels Embolisation umfassen. Bei der Embolisation wird die abnormale Verbindung zwischen Arterie und Vene verschlossen.

Hypoxischer Hirnschaden

Ein hypoxischer Hirnschaden entsteht durch einen schweren Sauerstoffmangel im Gehirn. Dies kann beispielsweise nach einem Kreislaufstillstand mit erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen auftreten.

Symptome und Diagnose des hypoxischen Hirnschadens

Die Symptome können je nach Ausmaß der Schädigung variieren und reichen von Koordinations- und Gedächtnisstörungen bis hin zu Koma. Die Diagnose wird durch neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren gestellt.

Erhöhter Hirndruck

Ein erhöhter Hirndruck kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wie z. B. Tumore, Entzündungen oder Blutungen. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen bis hin zu Atemstillstand.

Behandlung von erhöhtem Hirndruck

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einem erhöhten Hirndruck mit unklarer Ursache, dem sogenannten Pseudotumor cerebri, können Gewichtsreduktion, Medikamente und Lumbalpunktionen helfen.

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